Schorndorf

Wechsel in Schorndorfer Kult-Kneipe: Coco-Wirtin Geli Sandbiller dankt ab

CocoSandbiller
Geli Sandbiller hinter der Theke im Coco. © Gaby Schneider

Geli Sandbiller steht hinter dem Tresen im Coco, lässt einen Espresso aus der Kaffeemaschine in die kleine rote Espressotasse rieseln, und keiner, der sie so sieht, könnte sich vorstellen, dass Geli das Coco irgendwann aufgeben könnte. Aber genauso ist es. Am 31. März wird sie zum letzten Mal in ihrer Küche werkeln, hinterm Tresen stehen und ihre Gäste bedienen. „Es gibt einen Machtwechsel am Hofe Coco“, schreibt sie auf einem Aufsteller, der derzeit auf allen Tischen steht. „Ich, Geli, werde abdanken. Nach über 21 Jahren habe ich genug regiert.“ Tatsächlich werden es am 31. März 21 Jahre, drei Monate und fünf Tage sein, das hat sie genau ausgerechnet. Zeit genug, sich Gedanken zu machen, hatte sie. Denn so wirklich überraschend kommt der Rückzug ja auch nicht. Zumindest nicht für Geli Sandbiller selbst.

Das Hin und Her in der Coronakrise zerrte an ihren Nerven

„Ich weiß nicht, wo das hinführt“, hatte sie im Gespräch mit der Zeitung gesagt, als sie im November 2020 – mal wieder - die Kneipentüre abschließen und auf Speisen to go umstellen musste. Da hatte sie gerade ein Zelt gekauft und einen Heizpilz angeschafft, damit die Gäste coronagerecht draußen sitzen konnten. Weil sie alle Forderungen des Landes umgesetzt hatte, hatte die Wirtin mit der erneuten Zwangspause nicht gerechnet. Das ist ihr seitdem noch öfter passiert. Dieses Hin und Her der Coronaregeln – „mal darf man aufmachen, mal nicht“ - hat an ihren Nerven gezerrt. Denn die Kosten waren und blieben hoch, auch wenn ihr der Pächter wirklich „sehr, sehr“ entgegengekommen sei. Am Ende war’s ein Fakt: Es hat sich nicht mehr richtig gelohnt. „Der Umsatz ging auf grob die Hälfte zurück“, sagt die Wirtin. Was nicht zurückkam, waren der Schwung und die Überzeugung, so lange durchhalten zu können, bis irgendwann alles wieder gut sein würde.

Ewig sitzen ist nicht mehr angesagt

Alles allein entscheiden zu müssen, für alles verantwortlich zu sein: Auch das wurde zuletzt für sie immer anstrengender. 16 Leute arbeiteten in der Anfangszeit im Coco, die Gäste strömten. Jeden Tag war geöffnet, das Coco an der Gottlieb-Daimler-Straße war Kult – für viele Schorndorfer war die Kneipe ihr zweites Wohnzimmer. 300 Stunden Arbeit im Monat waren zu Höchstzeiten für Geli Sandbiller keine Seltenheit. Vor der Coronakrise dauerten ihre Tage unter der Woche bis ein Uhr nachts, am Wochenende auch bis drei Uhr. Zuletzt hatte sie aber nur noch vier Mitarbeiter, drei Festangestellte und einen Minijobber. Das hat gereicht. Ewig Sitzen, sagt Geli Sandbiller, sei nicht mehr angesagt. Neulich habe ein Gast zu ihr gesagt, ich freu mich auf den Tag, wo ich keinen Platz mehr kriege „Diese Zeit gibt es schon lange nicht mehr“, sagt sie mit einem kleinen Lächeln. „Komisch: Viele kommen seit Corona gar nicht mehr. Andere, die kommen, kenne ich nicht.“

39 Jahre, mehr als die Hälfte ihres Lebens ist sie Wirtin gewesen. Leute zu treffen und mit ihnen zu reden, das war ihr Ding. Dabei ist sie in den Job mehr reingerutscht, als dass sie dieses Leben geplant hätte. „In der alten Manu musste die Kneipe verpachtet werden“, erinnert sie sich an den Anfang. Da hätten sie und ihre Freundin Ingrid „Ja“ geschrien. Später übernahm sie auch die Kneipe in der neuen Manu und dann das Coco: Aus der gelernten Bauzeichnerin wurde eine passionierte Kneipenwirtin. Dass sie jetzt aufhört – ausgerechnet jetzt, könnte man sagen –, wo die Coronaregeln mal wieder lockerer werden, hat auch mit ihrem Alter zu tun. „Ich werde 69“, sagt sie. „Ich bin nicht mehr die Jüngste, nervlich nicht mehr auf dem Höhepunkt. Ich habe es verdient, aufzuhören.“

„Mit 70 fängt man nichts mehr an, da lässt man es sich gutgehen“

Wie es wäre, ein Jahr Pause einzulegen und dann nochmals durchzustarten mit dem Coco – das habe sie sich schon überlegt. „Aber dann bin ich 70, da fängt man nichts mehr an. Da lässt man es sich gutgehen.“

Freilich, mit dem Sich-gut-gehen-Lassen ist es so eine Sache. Noch fühlt sich das Aufhören vor allem komisch an. „Ich hab es ja gern gemacht, da muss ich mich erst dran gewöhnen“, sagt sie. „Das ist eine Entscheidung fürs Leben.“ Was sie danach anfangen wird, mit der vielen freien Zeit? „Ich weiß nicht, was dann passiert. Mir wird schon was einfallen.“ Den Keller will sie aufräumen, die Dinge sortieren. Machen, was man so macht, wenn man im Ruhestand ist und plötzlich viel Zeit hat. Sich erholen. Und den Frühling genießen.

Nur noch ein paar Tage - dann wird alles anders

Und was passiert im Coco? Das soll jetzt erst mal renoviert werden und dann unter Leitung ihres Mitarbeiters Clemens Hofmann wiedereröffnet werden. Geli Sandbiller wird dann im Ruhestand sein. Dass sie irgendeinen 450 Euro-Job übernimmt, kann sie sich vorstellen, denn ganz ohne G’schäft, sagt sie, geht’s für sie wohl nicht. Ihr Coco verlasse sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Nur noch ein paar Tage, sagt sie: „Dann wird alles anders.“

Geli Sandbiller steht hinter dem Tresen im Coco, lässt einen Espresso aus der Kaffeemaschine in die kleine rote Espressotasse rieseln, und keiner, der sie so sieht, könnte sich vorstellen, dass Geli das Coco irgendwann aufgeben könnte. Aber genauso ist es. Am 31. März wird sie zum letzten Mal in ihrer Küche werkeln, hinterm Tresen stehen und ihre Gäste bedienen. „Es gibt einen Machtwechsel am Hofe Coco“, schreibt sie auf einem Aufsteller, der derzeit auf allen Tischen steht. „Ich, Geli,

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