Schorndorf

Wengerter Jürgen Ellwanger wird 75

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Jürgen Ellwanger zwischen den Barrique-Fässern, die seinen Ruf und Ruhm als Remstäler Wein-Pionier mitbegründet haben. Am 18. Mai wird der Wengerter und langjährige Kommunalpolitiker 75. © Joachim Mogck
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Jürgen Ellwanger zwischen den Barrique-Fässern, die seinen Ruf und Ruhm als Remstäler Wein-Pionier mitbegründet haben. Am 18. Mai wird der Wengerter und langjährige Kommunalpolitiker 75. © Joachim Mogck
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Prägte den Qualitätswein im Remstal wie kein zweiter: Jürgen Ellwanger. © Joachim Mogck
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Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Jürgen Ellwanger durch den damaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger. An der Seite von Jürgen Ellwanger seine inzwischern verstorbene Frau Sieglinde. © Joachim Mogck
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Bei einer Rotweinpreis-Gala in der Alten Kelter. Preisträger: Gert Aldinger, Jürgen Ellwanger und Hans Haidle (von links). © Joachim Mogck
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Bei der Pressekonferenz zum 500-jährigen Weinbaujubiläum der Familie Ellwanger im Remstal. Von links: Sven, Andreas, Jürgen und Felix Ellwanger. © Joachim Mogck
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Bei der Pressekonferenz zum 500-jährigen Weinbaujubiläum der Familie Ellwanger im Remstal. Von links: Sven, Andreas, Jürgen und Felix Ellwanger. © Joachim Mogck
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Machen beide große Weine im Südwesten: Heinrich Männle und Jürgen Ellwanger. Hier einen Cuvée. © Joachim Mogck
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Bei der Debatte "Wengerter im Würgegriff der Tester": Weinmacher Graf Adelmann, Jürgen Ellwanger, Sommelier und Weintester Frank Kämmer und ZDF-Moderator Ulrich Kienzle, Moderation Andreas Braun von Sonntag Aktuell. © Joachim Mogck
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Jürgen Ellwanger und Andreas Ellwanger beim Hoffest. © Joachim Mogck
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Weingut Jürgen Ellwanger wurde mehrfach mit dem Deutschen Rotweinpreis usgezeichnet. Hier von links: Jörg Ellwanger, Vinum-Chefredakteur Rudolf Knoll, Jürgen und Andreas Ellwanger. © Joachim Mogck
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Wengerter Jürgen Ellwanger an seinem 60. Geburtstag. © Joachim Mogck
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Im Rekord-Hitzejahr 2003. © Joachim Mogck
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Beim Anlegen eines kommunalen Wengert: Jürgen Ellwanger und Hermann Hackmaier - beide einst im Gemeinderat. © Joachim Mogck
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Im Barriquefasskeller bei Jürgen Ellwanger © Joachim Mogck
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Im Barriquefasskeller bei Jürgen Ellwanger © Joachim Mogck
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Vinum Wein-Preis-Auszeichung für Jürgen Ellwanger. © Joachim Mogck
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Im Barriquekeller. © Joachim Mogck
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Im Barriquekeller. © Joachim Mogck
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Jürgen Ellwanger bei der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des VfL Winterbach © Joachim Mogck
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Jürgen Ellwanger bei der Präsentation seines Bürgerstiftungsweins. © Joachim Mogck

Winterbach. Mit Jürgen Ellwanger kann man über alles reden: über Politik ganz allgemein und über Kommunalpolitik im Besonderen, über den VfB und über Handball – und natürlich über Weinbau und übers Weintrinken. Das passt zu seiner Philosophie vom Älterwerden. „Man muss sich geistig auf dem Laufenden halten“, sagt er. Und nicht rasten und rosten, sondern immer noch „ein bisschen was schaffen“. Wer so zufrieden wie er 75 wird, der darf sich ruhig auch selber gratulieren.

Vor drei Jahren, als seine Frau nach langer Krankheit gestorben ist, hat Jürgen Ellwanger gemerkt, wie groß die Gefahr ist, im Alter träge und nachlässig zu werden. Er hat, auch dank neuer Partnerin, die Kurve wieder gekriegt und sieht deshalb auch keinen Grund, warum er seinen heutigen 75. Geburtstag nicht feiern sollte. Es geht ihm einfach gut, und wenn er’s nicht selber so genau wüsste, würde er’s gar nicht glauben, dass er schon so alt ist, „aber man wird ja immer wieder darauf hingewiesen“. Manchmal durchaus bewundernd. Immerhin spielt er noch Tennis und fährt Ski, wenn auch beides etwas eingeschränkter – aktuell auch noch durch eine Knieoperation behindert – als früher. „Aber wenn de sonschd nix hosch . . .“, sagt er lachend. Und wenn ihn seine Altersgenossen fragen, warum er als Springer in den beiden Weinbaubetrieben seiner drei Söhne Andreas, Jörg und Felix („Die machad’s guad“) immer noch mithilft, sagt er auf die für ihn typische knitze Art: „Ihr missad schbadziera ganga, i derf schaffa.“ Gleichzeitig ist Jürgen Ellwanger aber auch gelassener geworden. Wenn ihn heute ein anderer Autofahrer blöd überholt, dann versucht er, sich nicht aufzuregen, sondern denkt sich altersmilde: „Lass’ fahren dahin.“ Das war, gibt er zu, nicht immer so. Und wenn er am Stammtisch sitzt, dann lässt er, auch wenn’s mitunter schwerfällt, auch die Meinung anderer gelten, freilich ohne deshalb mit der eigenen Meinung hinter dem Berg zu halten.

Überhaupt sollte man sich hüten, Jürgen Ellwanger zu unterschätzen, nur weil der ein gutmütiger Zeitgenosse ist und Streit möglichst zu vermeiden sucht. Der 75-Jährige war und ist einer, der eine eigene Meinung hat und sie auch sagt. Und bei dem, noch wichtiger, das, was er gesagt hat und sagt, auch gilt. Womit das Gespräch bei der Kommunalpolitik angekommen ist. 25 Jahre hat der Jubilar als Mitglied der BWV-Fraktion dem Gemeinderat angehört, anschließend saß er noch zwölf Jahre lang für die Freien Wähler im Kreistag. Und immer, nimmt er für sich in Anspruch, hat er das, was er am Ratstisch vertreten hat, auch draußen bei den Bürgern vertreten. „Man muss seine Meinung sagen und klare Kante zeigen und darf sich nicht von jedem beeinflussen lassen, sonschd fliagsch irgendwann auf“, sagt er mit Blick unter anderem auch auf die Windkraft-Diskussion und erinnert sich durchaus mit ein bisschen Wehmut an die alten Zeiten im noch mit vielen Charakterköpfen besetzten Winterbacher Gemeinderat, in denen es vor allem eines noch gab: richtige Nachsitzungen, in denen mitunter noch einmal hitzig diskutiert, in denen vor allem aber fast immer gemeinsam gesungen wurde. Interna aus dieser Zeit würde Jürgen Ellwanger nicht ausplaudern, genauso wie er öffentlich nie etwas über die Arbeit seiner Nachfolger sagen würde. Außer, dass Bürgermeister und Gemeinderat ihre Arbeit in den letzten Jahren ganz gut gemacht haben, auch wenn in letzter Zeit zu spüren ist, dass sich atmosphärisch einiges geändert hat im Verhältnis zwischen (scheidendem) Bürgermeister und Gemeinderat.

Er findet die Grünen gut und verteidigt Angela Merkel

Zu mehr lässt sich Ellwanger, der immer noch Vorsitzender des Freundeskreises der BWV ist, nicht hinreißen – „sondschd hoißt’s: Was will der alde Bruddler!?“ Wer mehr erfahren will, der müsste vielleicht einmal Mäuschen spielen am neu gegründeten Stammtisch, an dem sich Jürgen Ellwanger mit alten kommunalpolitischen Weggefährten wie Hermann Hackmaier und Richard Schrade trifft. Den Bürgern, die immer nur schimpfen auf das, was in der Gemeinde passiert oder nicht passiert, gibt Jürgen Ellwanger den guten Rat, sich aktiv und am besten mit einer Kandidatur für den Gemeinderat einzubringen „Denn das ist nicht die Gemeinde des Bürgermeisters, das ist die Gemeinde der Bürger“, betont der 75-Jährige, der nie einer Partei angehört, sondern sich immer bei den Freien Wählern wohlgefühlt hat. Was es ihm auch erlaubt und möglich macht, manches an der Politik der Grünen gut zu finden und am Stammtisch die Kanzlerin zu verteidigen, wenn er den Eindruck bekommt, dass alles schlechtgeredet wird, egal was und wie sie’s anpackt.

„Aus oim Liter zwoi macha“, das geht nur mit Trollinger

Manchmal war – und ist er mitunter heute noch – Jürgen Ellwanger, der in seiner Jugend geturnt, Leichtathletik gemacht und Handball gespielt hat, auch ein Querdenker. In der Kommunalpolitik, wo er es mit drei Bürgermeistern zu tun hatte und bei zweien von ihnen (Heinz und Ulrich) erster ehrenamtlicher Stellvertreter war, aber vor allem auch in seinem Beruf als Wengerter. Sonst hätte er sich, als er erst den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb ganz auf Weinbau umgestellt hat und dann gegen den Willen des Vaters und des Weinkontrolleurs mit neuen Sorten und mit Barrique als neuer Ausbauart experimentiert hat, nicht durchgesetzt. Wohl wissend, dass sich nur der Trollinger dafür eignet, ganz im Sinne schwäbischer Sparsamkeit „aus oim Liter zwoi z’macha“ – in Form von Schorle. Jürgen Ellwanger gilt als Pionier insofern, als er als Erster im Remstal Zweigelt angebaut hat, wobei er ehrlich genug ist, darauf hinzuweisen, dass gleichzeitig auch die Remstalkellerei in ihrem Versuchswengert zwei Reihen Zweigelt stehen hatte. Und so wie er den Zweigelt in Österreich kennengelernt hat, so war’s später mit dem Merlot beim Skifahren in Kanada und mit dem Syrah beim Urlaub mit seiner Frau im schweizerischen Sion. Es war die Achse Haidle-Ellwanger-Aldinger, die im Remstal in der Auseinandersetzung mit der Remstal-Kellerei für ein neues Qualitätsbewusstsein beim Weinbau und beim Wein gesorgt hat. „Das hat dem Remstal gutgetan“, sagt Jürgen Ellwanger, der sich noch gut an heftige Auseinandersetzungen mit dem Grunbacher Remstalkellerei-Vorsitzenden Reinhold Hottmann erinnert, der ihn, so der Jubilar, erst recht, nachdem er Wengert in Grunbach gekauft hatte, habe leiden können „wia s’ Ranzaweh“, und der trotzdem habe einräumen müssen: „Aber Wei macha kann ‘r.“ Und erst kürzlich, erzählt der Jubilar, habe ihn der besagte ehemalige Weinkontrolleur, mittlerweile um die 90 Jahre alt, angerufen und sich bei Ellwanger für seine damaligen Vorbehalte entschuldigt. Und ihm das Kompliment gemacht, er habe noch nie einen so guten Wein getrunken wie den aus dem Hause Ellwanger.

Anerkennung im Beruf und in der Gemeinde – „des langd au“

Darauf einen nach zweijähriger Lagerung im Barrique-Fass gerade abgefüllten Nikodemus, Jahrgang 2013. Und ein „zum Wohl“ auf einen Jubilar, der rundum zufrieden ist und nicht mit 75 noch das Gefühl hat, er hätte etwas versäumt in seinem Leben und müsste noch etwas nachholen. Beruflich und in der Gemeinde eine gewisse Anerkennung zu haben – „des langd au“, findet er und lässt sich seinen Vorzeigewein munden.

Nikodemus

Der Nikodemus, dessen 2013er-Cuvée sich aus den Sorten Merlot, Cabernet und Lemberger zusammensetzt, geht auf den ersten im Remstal erwähnten Ellwanger zurück, der vor rund 500 Jahren zu Bauernkriegszeiten Bürgermeister in Großheppach war.

In der langen Linie der Ellwanger fänden sich immer wieder Bürgermeister oder Bürgermeister-Stellvertreter, sagt Jürgen Ellwanger, der an diese Tradition angeknüpft und bei seiner dritten Wahl als Gemeinderat ein in der Gemeinde noch nie erreichtes Rekordergebnis erreicht hat.

Darauf ist der Jubilar genauso stolz wie auf seinen Nikodemus: „Das ist ein Wein, von dem niemand glaubt, dass er aus dem Remstal kommt.“ Kein Wunder, dass das Weingut Ellwanger zuletzt mit dem Nikodemus des Jahrgangs 2012 den Deutschen Rotweinpreis gewonnen hat.