Schorndorf

Wenn der Bussard Jogger attackiert

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Sieht gefährlich aus, ist aber für den Menschen normalerweise harmlos: der Mäusebussard. © pixabay.com (CC0 Creative Common

Winterbach. Die Winterbacherin Margarete Späth wurde in der vergangenen Woche am Winterbacher Hungerberg beim Joggen von einem Greifvogel attackiert. Wahrscheinlich war es ein Mäusebussard, der seinen Nachwuchs schützen wollte. Solche Angriffe gibt es immer wieder. Kein Grund zur Panik für Jogger oder Radfahrer, doch einige Dinge dazu sind nützlich zu wissen.

„Es war bloß eine Warnung“, ist sich Margarethe Späth sicher. Die Winterbacherin kam vergangene Woche mit dem Schrecken davon, als sie am Waldrand oberhalb von Winterbach joggte: Ein Bussard flog plötzlich von hinten zweimal knapp über ihren Kopf. Späth reagierte genau richtig und zog sich zurück in eine sichere Entfernung. „Er hockte noch da, auf einem Baum“, erzählt sie. „Aber er hat mich in Ruhe gelassen.“ Ihre Vermutung: Sie kam durch das Revier des Bussards und er wollte sie vertreiben.

Angriffe wie dieser passieren meist zwischen Anfang Juni und Anfang Juli

Diese Vermutung trifft es nicht ganz, sie geht aber in die richtige Richtung, wie der Alfdorfer Ornithologe Arnold Sombrutzki bestätigt. Angriffe wie dieser, erklärt der Experte, passieren meist zwischen Anfang Juni und Anfang Juli. Dann nämlich, wenn bei den Mäusebussarden die Jungvögel flügge werden und das Nest verlassen. „Die sind dann aber noch nicht richtig flugfähig und sitzen irgendwo im Gebüsch oder auf einem Baum.“ Der Vogelfachmann spricht von „Ästlingen“. Manchmal würden sie auch zu Boden plumpsen. Jogger oder Fahrradfahrer, die sich schnell bewegen, können von den Altvögeln dann als Bedrohung für ihren tapsigen Nachwuchs wahrgenommen werden.

Steigende Zahl von Joggern führt zu steigender Zahl von Attacken

„Es sind in der Regel nur Scheinangriffe“, sagt Arnold Sombrutzki. Immer wieder gibt es jedoch auch Fälle, in denen ein Bussard einen Menschen mit seinen scharfen Krallen verletzt. Sombrutzki beobachtet die Berichte über Attacken von Bussarden etwa seit 15 Jahren. Er vermutet einen Zusammenhang: Die Vorfälle seien in dem Maße verstärkt aufgetreten, in dem Jogger und Radfahrer zugenommen hätten, die die Naturräume für die Freizeit nutzen. Dagegen gebe es auch nichts zu sagen, meint der Ornithologe, aber die Folge seien dann eben immer wieder solche ungewollten Konflikte zwischen Mensch und Tier.

Spaziergänger müssen sich keine Sorgen machen

Spaziergänger müssen sich aus Sombrutzkis Sicht allerdings keine Sorgen machen. Aus seiner Erfahrung reagieren die Vögel nur auf Jogger, weil die sich offenbar auf eine für die Vögel bedrohlich wirkende Art bewegen. Zumindest habe ihn noch nie ein Bussard angegriffen, obwohl er sich viel in ihren Lebensräumen bewege.

Nester von Mäusebussarden nicht nur an Waldrändern

Fast immer sind es Mäusebussarde, die die Angriffe starten, die in Deutschland am häufigsten vorkommende Greifvogelart. Laut Arnold Sombrutzki geht die Statistik von 11 000 bis 15 000 Brutpaaren in Baden-Württemberg aus. Von anderen in der Region vorkommenden Greifvogelarten sind ihm Angriffe nicht bekannt. Bei Wespenbussarden zum Beispiel, meint Arnold Sombrutzki, seien die Jungen gleich flugfähig und selbstständig, wenn sie das Nest verließen. Am ehesten würden noch Gänse oder Schwäne aggressiv, wenn man ihrem Nachwuchs zu nahe komme.

Die Nester von Mäusebussarden können sich nicht nur an Waldrändern befinden. Es hilft also nicht zwingend etwas, in der Zeit von Juni bis Juli diese Bereiche zu meiden. Auch innerhalb des Waldes oder an Baumreihen im offenen Land könnten Nester vorkommen, sagt Arnold Sombrutzki.

"Der Mäusebussard ist kein Killer"

Der Ornithologe beruhigt allerdings: Es seien nicht alle Mäusebussard-Exemplare so aggressiv oder rabiat, dass sie einem Menschen gleich wehtun, um ihre Jungen zu schützen, sagt Arnold Sombrutzki. Auch Hundebesitzer müssen sich aus seiner Sicht keine großen Sorgen machen. Auch wenn die Vögel mit um die 1,20 Flügelspannweite und durchaus scharfen Krallen ausgestattet sind: „Der Mäusebussard ist kein Killer.“ Seine bevorzugte Beute sind, wie schon sein Name sagt, Mäuse – keine Menschen und auch keine Hunde.


Was tun bei einem Bussard-Angriff?

Vor den Tipps für den Ernstfall die Frage: Wie kann man eine unliebsame Begegnung mit einem Mäusebussard von vorneherein vermeiden? Sicherheit bietet nur ein Tipp: Etwa von Anfang Juni bis Anfang Juli nicht dort joggen, wo die Greifvögel ihre Nester haben. Das heißt: vor allem an Waldrändern. Allerdings können Mäusebussarde ihre Nester auch innerhalb des Waldes oder im freien Land in Baumreihen haben, wie der Ornithologe Arnold Sombrutzki betont.

Verlässliche Warnzeichen vor einer Attacke gibt es für Sombrutzki nicht. Die Angriffe kämen eigentlich immer unvermittelt, sagt er. Die Jungtiere sehe man nicht, wenn sie im Gebüsch oder auf einem Ast säßen. Sie würden auch keine Rufe ausstoßen, sondern sich vielmehr still verhalten, wenn ein unbekanntes Wesen sich ihrer Position nähere. Andererseits könne man auch nicht jedes Mal flüchten, wenn man Greifvogelrufe höre, denn diese höre man in der Natur ja sehr häufig.

Und wie verhält man sich richtig, wenn ein Bussard zuschlägt? Ruhig bleiben, so lautet Arnold Sombrutzkis wichtigste Empfehlung. „Die Arme über den Kopf halten und das Gesicht schützen“, meint er. Und sich dann langsam entfernen. Außerdem könne man sich unter einen Baum oder ins Gebüsch stellen. „Da kommt der Vogel dann nicht ran“, sagt der Ornithologe. „Der Mäusebussard ist nicht so wendig.“