Schorndorf

Wenn die Führerschein-Pflicht für das Hund-Halter-Team kommt

Hundeführerschein
Karin Schwarz mit ihrer acht Monate alten Laekenois-Schäferhündin namens „Burgfräulein Bö“ und der Picard-Schäferhündin Éowyn. Die Fünfjährige kennt den Parkour in der Hundeschule schon gut. © Gabriel Habermann

Wer Auto fahren will, braucht einen Führerschein. Einen Hund kann jeder halten – und in brenzligen Situationen fällt dann oft der Satz: Der tut nix! Im Koalitionsvertrag haben Grüne und CDU jetzt festgelegt, dass künftig auch Hundehalter in Baden-Württemberg in einer Prüfung vor Experten nachweisen müssen, dass sie das Sozialverhalten ihres Hundes einschätzen können. Perfekt, sagt Karin Schwarz, muss ein Tier, das in ihrer Hundeschule im Wellingshof bisher den Hundeführerschein des Berufsverbands der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV) gemacht hat, dafür gar nicht sein – „aber in jeder Situation abrufbar“.

Und so bietet die 52-Jährige, nachdem sie vor 20 Jahren ihren Job als Versicherungskauffrau an den Nagel gehängt hat, in ihrer zwischen Haubersbronn und Urbach gelegenen Hundeschule Kurse an, in denen Mensch und Tier als Team lernen, gut und sicher durch Alltagssituationen zu kommen. Dazu gehört für sie nicht unbedingt, dass Hunde sofort und auf Kommando „Sitz, Platz, steh“ können. Doch sie sollten andere Menschen eben nicht anspringen, in Stresssituation nicht zu knurren beginnen, wenn’s sein muss, einen Maulkorb tragen können, in Fahrstühlen nicht ausflippen, sich beim Restaurantbesuch und in Geschäften zu benehmen wissen, nicht einfach über die Straße springen – und bloß niemanden beißen. Der Mensch, sagt Karin Schwarz, sollte die Körpersprache seines Hundes verstehen können. Und das Wichtigste „ist liebevolle Konsequenz“.

Für Kampfhunde gibt es schon eine Verhaltensprüfung

Für Kampfhunde sieht die Landesregierung bereits eine Verhaltensprüfung vor, in der der Grundgehorsam und das Verhalten des Hundes in verschiedenen Situationen abgeprüft werden. Welche Prüfungsinhalte der neue, allgemeine Hundeführerschein beinhalten soll, ist noch ebenso wenig geklärt wie die Frage, wer Mensch und Tier überhaupt prüft. Karin Schwarz, die im Jahr etwa 50 Hundeführerschein-Prüfungen abnimmt, sieht außerdem ganz unterschiedliche Bedürfnisse – je nach Hund und Halter: Muss die 85-jährige Rentnerin mit ihrem Dackel die gleiche Prüfung ablegen wie der Mittdreißiger mit Schäferhund? Den BHV-Hundeführerschein gibt es darum in drei Schwierigkeitsstufen. Und auch dem Schweizer Modell kann die Schorndorfer Hundetrainerin etwas abgewinnen: Vor dem Hundekauf ist dort eine Theorieprüfung notwendig, nach einem Jahr folgt die praktische Prüfung.

Überhaupt wünscht sich Karin Schwarz, dass sich mehr Menschen vor dem Hundekauf beraten lassen – und vor allem in Corona-Zeiten bedenken, dass die Zeiten, in denen sie ständig im Home-Office zu Hause sind und ihrem Tier viel Aufmerksamkeit schenken können, auch irgendwann vorbei sein werden. Schließlich haben Hunde, das wird auch in Karin Schwarz’ Kursangebot klar, ganz ähnliche Bedürfnisse wie Kinder. Für die Jüngsten bietet sie darum ab der achten oder neunten Woche bereits Welpengruppen an, in denen es zunächst um die Sozialisierung des Hundes geht, aber auch darum, dass die frischgebackenen Herrchen und Frauchen Fragen stellen können: Warum schläft mein Hund nicht durch? Wann ist Fiffi endlich stubenrein? Für Hunde ab dem vierten Lebensmonat gibt es Erziehungskurse, in der Leinenführung, Sitz- und Platzkommandos, Rückruf und Stadttraining vermittelt werden. Nach einem halben Jahr sind oft schon erste Erfolge zu sehen. Den Hundeführerschein können die Tiere dann in der Regel mit zwei Jahren ablegen.

Doch die Unterschiede sind auch hier enorm: Ist ein kleiner Yorkshire-Terrier mit einem halben Jahr fast schon erwachsen, dauert das Großwerden bei einem Schäferhund drei Jahre. Tierheimhunde haben oft ganz andere Bedürfnisse. Und dann gibt es Jagdhunde, die darauf gezüchtet sind, eng mit dem Menschen zusammenzuarbeiten – im Gegensatz zum Herdenschutzhund, der dem Wesen nach gewohnt ist, selbstständige Entscheidungen zu treffen. Auch die bisher geltende Klassifizierung in Kampf- und Listenhunde findet die Hundetrainerin nicht unbedingt sinnvoll: Für sie liegt der Unterschied darin, ob der Hund erzogen ist oder nicht. Und das erkennen manche Städte bereits an und verlangen weniger oder gar keine Hundesteuer, wenn Herrchen und Frauchen einen Hundeführerschein vorweisen können.

Wichtig: Gegenseitiger Respekt

Elementar, sagt Karin Schwarz, ist dabei der gegenseitige Respekt: Darum leint sie ihre beiden Schäferhündinnen, die fünfjährige Éowyn und das acht Monate junge Burgfräulein Bö, immer dann an, wenn sie merkt, dass ihr Menschen entgegenkommen, die unsicher sind. Selbst Maulkörbe hält sie, trotz ihres schlechten Rufes, in manchen Situationen durchaus für sinnvoll. Denn das hat sie oft genug erlebt: Menschen, die Angst vor Hunden haben, verhalten sich unbewusst falsch, machen sich steif oder fixieren den Hund, der sich dadurch angegriffen fühlt. Und wer wirklich mal in eine unangenehme Situation mit einem angriffslustigen Hund kommt, dem empfiehlt die Hundetrainerin, ruhig stehen zu bleiben, die Arme vor dem Körper zu kreuzen und unbeteiligt in die Luft zu schauen. Manchmal, sagt sie, helfe es auch, Bögen zu laufen, sich langsam zurückzuziehen und dem Hund ganz höflich mehr Freiraum zu geben.

Wer Auto fahren will, braucht einen Führerschein. Einen Hund kann jeder halten – und in brenzligen Situationen fällt dann oft der Satz: Der tut nix! Im Koalitionsvertrag haben Grüne und CDU jetzt festgelegt, dass künftig auch Hundehalter in Baden-Württemberg in einer Prüfung vor Experten nachweisen müssen, dass sie das Sozialverhalten ihres Hundes einschätzen können. Perfekt, sagt Karin Schwarz, muss ein Tier, das in ihrer Hundeschule im Wellingshof bisher den Hundeführerschein des

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper