Schorndorf

Wespen stören den Mobilfunk in Winterbach

wespe an einem messsr beim fruestueck
Sind Wespen Mobilfunkgegner? © Colian/Fotolia

Winterbach. Seit genau einem Monat ist im Netz der Telekom in Winterbach der Mobilfunkempfang stark eingeschränkt. Grund ist ein Defekt in einem Kabelverteiler, der die Mobilfunkantenne in der Ortsmitte versorgt. Erschwert hat die Reparatur ein Wespennest. Und als der Kammerjäger endlich da war, kam auch noch ein kaputtes Hauptkabel dazu.



Was macht man heutzutage, wenn man ein Wespennest am Haus hat und es loswerden möchte? Man googelt: „Wespennest entfernen“. Gleich der erste Suchtreffer, der keine kommerzielle Anzeige ist, führt zu einem informativen und hübsch aufbereiteten Artikel auf einem vielbesuchten Nachrichtenportal, brandaktuell vom 25. August.

Ein Wespennest verhinderte die Reparatur

Darin der Rat: Man sollte sich immer an einen Fachmann wenden. Und: „Viele Schädlingsbekämpfer bieten gegen einen kleinen Aufpreis auch einen Notdienst an und entfernen das Nest noch am selben Tag.“ Der Name des Portals, auf dem diese Infos zu finden sind: www.t-online.de.

Vielleicht hätten sich die Kollegen der Telekom diesen Artikel auf dem Internetportal des eigenen Konzerns noch mal durchlesen sollen. Aber auch davon abgesehen ist rätselhaft, warum in Winterbach einen Monat lang in einem Kabelverzweiger im Bereich des Alten Rathauses ein Wespennest hing und die Reparatur der Technik verhinderte.

Ein Schädlingsbekämpfer entfernte das Nest

Aber der Reihe nach: Seit 31. Juli gab es Probleme mit dem Mobilfunk in Winterbach. Sprich: Wer mobil telefonieren oder surfen wollte, hatte in weiten Teilen des Orts keinen Empfang. Der Grund: Im Kabelverteiler am Marktplatz, von dem auch das Kabel abzweigt, das die Mobilfunkantenne im Turm der Michaelskirche anschließt, war ein Bauteil kaputt gegangen.

Weil aber ein Wespennest in dem Verteilerkasten hing, konnten die Techniker nicht zur Reparatur ran. An diesem Dienstag, 29. August, war nun endlich der Schädlingsbekämpfer da und entfernte das Nest. Daraufhin konnten die Techniker am Mittwoch, 30. August, den Schaden lokalisieren und beheben.

Der Mobilfunkempfang sollte jetzt wieder funktionieren

Die Funktionsfähigkeit hing dann allerdings an einem zweiten Schaden: Denn das Hauptkabel, das wiederum den Kabelverzweiger versorgt, war auch kaputt. Nachdem dieses Kabel inzwischen auch repariert ist, dürfte der Mobilfunkemfpang jetzt wieder so funktionieren, wie er soll. 

Mobilfunkkunden, die sich beschwerten, bekamen über die übliche Service-Hotline der Telekom in der Zwischenzeit teils verwirrende Aussagen oder ihnen wurde die zeitnahe Behebung des Schadens versprochen, ohne dass sich etwas bewegte.

Probleme in der Abstimmung zwischen Telekom und Schädlingsbekämpfer

Warum es so lange gedauert hat, bis ein Kammerjäger vor Ort war, das kann auch die Pressestelle der Telekom nicht genau beantworten. „Es hat Probleme gegeben in der Abstimmung zwischen Telekom und Schädlingsbekämpfer“, sagt Sprecher Peter Kespohl. Wo der Auftrag so lange liegengeblieben sei, könne er nicht herausfinden.

Ungewöhnlich wäre es auf jeden Fall, wenn ein Schädlingsbekämpfer die Telekom so lange hängen lassen würde. Eine kurze Recherche unserer Zeitung bestätigt die Information aus dem eingangs zitierten Artikel von www.t-online.de.

So sagt ein Schädlingsbekämpfer aus der Region, der nicht namentlich zitiert werden will: In dringenden Fällen komme man sehr schnell zu einem Kunden. Außerdem gebe es bei vielen Unternehmen in der Branche mittlerweile einen Wespennotdienst: „Den kann man immer anrufen, auch am Wochenende, dann rückt der sofort aus.“


Festnetz-Ausfall

Nicht nur Wespen, auch Wasser ist im Moment in Winterbach der Feind der Telekom. Seit Wochen macht ein Kabel im Bereich der Ortsmitte Probleme, in das Wasser eingedrungen ist. Schon am 8. und 9. August kam es deswegen zu Ausfällen von Telefon und Internet, von denen auch das Rathaus betroffen war. Der Schaden schien dann behoben. Doch wenig später erreichten die Telekom wieder Meldungen von Kunden mit Problemen.

An diesem Mittwoch, 28. August, kam es nun zu weiteren Ausfällen. Wieder war auch das Rathaus betroffen. Der Grund dafür, so vermutet Pressesprecher Peter Kespohl: Die Telekom hat zur Reparatur eines beschädigten Kabelstücks in der Straße Kronenbergele einen Graben ausgehoben und Techniker das Hauptkabel an der Stelle zunächst komplett durchtrennt.

So lasse sich das Ganze am schnellsten reparieren. Das Stück mit den schadhaften Einzelleitungen sei auf einer Länge von 15 Metern herausgeschnitten worden, um ein neues Kabelstück einzusetzen. Dabei, so die Vermutung von Kespohl, seien in dem Kabelstrang, der 800 Einzelleitungen bündelt, nicht nur die defekten, sondern auch die bisher intakten durchtrennt worden, wodurch unter anderem das Rathaus, das zuvor kein Telefonproblem mehr hatte, abgehängt wurde. Man sage in so einem Fall: „Lieber mal für ein paar Stunden alle weg, bevor es länger dauert.“

Er hoffe, so Kespohl, dass durch die Reparatur alle Störungen im Festnetzbereich bis zum Abend behoben seien – falls es keine weiteren Kurzschlussschäden in anderen Kabelabschnitten gebe. Tatsächlich war das Rathaus am Mittwoch schon ab kurz nach 15 Uhr wieder erreichbar.


Der richtige Umgang mit einem Wespennest

  • Ein Wespennest am Haus oder im Garten ist kein Grund zur Panik. Wer die Tiere in Ruhe lässt, hat von ihnen für gewöhnlich nichts zu befürchten.
  • Wespen sind nützlich in der Natur, weil sie unter anderem Schädlinge vertilgen. Deswegen sprechen sich Naturschützer dafür aus, ein Nest möglichst hängen zu lassen. Vor dem Winter erledigt sich das Problem von selbst, da alle Tiere bis auf die Königin sterben und diese das Nest verlässt.
  • Wespen sind zwar, anders als zum Beispiel Hornissen, keine besonders geschützte Art, fallen aber unter den allgemeinen Schutz wildlebender Tiere. Das heißt: Man darf sie nicht ohne vernünftigen Grund töten oder ihre Behausungen zerstören. Was ein vernünftiger Grund ist, so heißt es in einem Infoblatt des Landratsamts zum Thema, müsse jeder selbst entscheiden und verantworten.
  • Wer ein Nest loswerden muss, weil es zum Beispiel an einer Stelle hängt, wo es Probleme mit den Tieren gibt, sollte auf jeden Fall einen Fachmann zu Hilfe rufen. Eine gute erste Anlaufstelle für eine Beratung ist im Landratsamt des Rems-Murr-Kreises Dietmar Reiniger, ) 0 71 51/5 01 27 39.

Update

Entgegen der Aussage der Telekom, alles müsse wieder funktionieren, gibt es in Winterbach weiterhin Probleme mit dem Mobilfunkempfang. Schon seit dem 31. Juli ist der Empfang im Netz der Telekom in weiten Teilen Winterbachs gestört. Grund war laut Telekom ein Defekt in einem Kabelverteiler, der die Mobilfunkantenne im Turm der Michaelskirche anbindet. Wegen eines Wespennests in diesem Kabelverteiler konnte die Reparatur nicht durchgeführt werden. An diesem Dienstag war nun endlich der Kammerjäger da, am Mittwoch verkündete die Telekom: Der Schaden im Verteiler sei repariert. Doch bereits am Donnerstagmorgen meldete das  Winterbacher Rathaus unserer Zeitung: Der Empfang auf dem Handy im Netz der Telekom ist immer noch schlecht bis nicht vorhanden. Auf Hinweis unserer Zeitung hat die Telekom jetzt noch einmal Techniker losgeschickt, die die Leitung vom Kabelverteiler in der Ortsmitte zur Mobilfunkantenne im Kirchturm prüfen. Wir berichten, sobald es Neuigkeiten gibt.

Update: Es gibt weiterhin Probleme mit dem Mobilfunkempfang. Mehr dazu hier.