Schorndorf

Wie bleibt die Innenstadt attraktiv? Die Schorndorfer OB-Kandidatinnen und -kandidaten antworten

Unterer Marktplatz
Was passiert mit dem Unteren Marktplatz: Bleibt er ein Parkplatz oder verdient er eine andere Gestaltung? © Gabriel Habermann

Leer stehende Läden, teils wenig Frequenz. Wie den meisten Städten droht auch Schorndorf eine Verödung der Innenstadt. Wirksame Strategien sind gesucht, wie die Fußgängerzone auch angesichts des erstarkenden Online-Handels attraktiv bleiben kann. Die Corona-Pandemie mit zwei Lockdowns, die den Einzelhandel und die Gastronomie empfindlich getroffen haben, hat die Lage noch verschärft. Wie also kann die Innenstadt lebendig bleiben? Diese Frage müssen sich nicht zuletzt auch die acht OB-Kandidatinnen und -Kandidaten stellen. Welche konkreten Strategien haben Sie für ein vitales Zentrum? Das wollten wir von Bernd Hornikel, Andreas Schneider, Markus Reiners, Tobias Schwenk, Horst Zwipp, Brigitte Aldinger, Dörte Schnitzer und Manuel Burbott wissen. Gehören ausreichende Parkplätze dazu und/oder ein Ausbau des ÖPNV? Welches Konzept haben Sie für den Unteren Marktplatz? Sollen die Parkplätze bestehen bleiben oder hat der Platz eine andere Gestaltung verdient?

Bis zur OB-Wahl am Sonntag, 7. November, gibt es noch zwei weitere Themenseiten mit Antworten der Kandidatinnen und Kandidaten: Die nächste Extraseite erscheint am Mittwoch, 27. Oktober. Schorndorf will bis 2035 klimaneutral werden. Wie ist das zu schaffen? Welche Strategien sehen die OB-Bewerber, um Starkregen und Klimadesaster abzuwenden?

Bernd Hornikel

Beruf: Jurist in der Landesverwaltung, Alter: 52 Jahre

Eine lebendige Innenstadt setzt Aufenthaltsqualität voraus. Ziel muss sein, die Innenstadt so zu gestalten, dass die Menschen sich gerne dort aufhalten. Dies erfordert auch eine attraktive Umgestaltung des Unteren Marktplatzes, etwa als Fläche für Aktionen und Veranstaltungen. Es muss Grün in die Stadt gebracht werden, Bäume, Wasserspiele und entsiegelte Flächen. So kann auch einer immer stärker zunehmenden Aufheizung der Innenstadt entgegengewirkt werden. Es bedarf eines gesamtheitlichen Verkehrs- und Parkkonzepts. Autos, Fahrräder und Fußgänger müssen sicher und bequem in die Innenstadt gelangen. Die Anbindung an die Bahn ist bei uns ein Herausstellungsmerkmal. Der bedarfsgerechte Ausbau des ÖPNV und ZOB muss dies ergänzen. Nötig sind dabei ausreichend Parkplätze in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt. Belieferung und Abholung von Waren müssen gewährleistet sein. In der Innenstadt muss ein zunehmend attraktives Angebot an Einzelhandel, Gastronomie, Aktion und Veranstaltung ausgebaut werden.

Andreas Schneider

Beruf: Politologe, in der Kinder- und Jugendhilfe tätig, Alter: 46 Jahre

Die Innenstadt muss sauberer werden. Die Menschen sollten sich dort sicherer fühlen können. Das geht auch mit Hilfe der Förderung guter Nachbarschaft. Dazu kommt die Netzwerkarbeit der Stadt mit den Gewerbetreibenden. Ich bin für den Bau des Fußgängerstegs beim alten Güterbahnhof. Er würde ein großes Einzugsgebiet mit der Altstadt verbinden und sie beleben. Eine Gesamtstrategie muss jedoch von einem Stadtbaumeister kommen. Er könnte seine Expertise mit dem Wissen der Gewerbetreibenden und sachkundiger Bürger verbinden. In Schorndorf muss Stadtentwicklung endlich ganzheitlich geschehen. Mit Einzelplanungen kommen wir nicht weiter. Ein Stadtbaumeister könnte das große Ganze in den Blick nehmen. Wir brauchen Fakten über die notwendige Zahl und die notwendigen Standorte von Parkplätzen. Zudem müssen wir verschiedene Formen alternativer Mobilität mit dem Autoverkehr kombinieren. Wir sollten dabei stets auf Faktenbasis arbeiten und offen für neue Wege sein.

Markus Reiners

Beruf: Gelernter Polizist und Verwaltungsfachmann, Alter: 57 Jahre

Eine lebendige Innenstadt braucht neben Einzelhandel und Gastronomie weitere Magneten, zum Beispiel eine Bücherei. Können wir sie stemmen, sollten wir sie bauen, geht uns die Luft aus, sollten wir es nicht tun. Das entscheiden wir 2022 im Gemeinderat. Die Innenstadt ist attraktiv, wenn sie ein breites Angebot, eine hohe Aufenthaltsqualität und eine gute Erreichbarkeit bietet. Deshalb brauchen wir Kurzzeit-Parkplätze im Zentrum, eine bessere ÖPNV-Anbindung, ein durchgehendes Radwegenetz und möglichst jenseits der Bahn ein Pendler-Parkhaus. Eine gute Aufenthaltsqualität im Zentrum gilt auch für den Unteren Marktplatz. Schorndorf ist einzigartig durch seine Nähe von Bahnhof und Zentrum. Dies ist bei der Gestaltung des Bahnhofsbereichs, des Unteren Marktplatzes und des neuen Busbahnhofes, der durch kleine, flexible (E-)Busse bespielt werden sollte, zu nutzen. Künftig müssen Stadt, Landkreis und Linienbetreiber für klimaschonenden und modernen Nahverkehr neue Wege gehen.

Tobias Schwenk

Beruf: Einkaufsleiter in einem Sanitärunternehmen, Alter: 32 Jahre

Unabhängig vom gewählten Transportmittel müssen Möglichkeiten geboten werden, schnell und unkompliziert in die Stadt zu kommen. Attraktive Gebühren für ÖPNV und Parken unterstützen darüber hinaus eine lebendige Innenstadt. Die Vernetzung von Kernstadt, der Außenbezirke und der sieben Teilorte gelingt mit dem Ausbau des Busbahnhofs und einer höheren Taktung der Busse. Außerhalb der Stoßzeiten könnten aus Umweltgründen kleinere Busse eingesetzt werden. Der Untere Marktplatz soll in eine verkehrsberuhigte Zone umgestaltet werden. Das Abholen von Waren muss jedoch ermöglicht bleiben. Dadurch bleiben die Einzelhändler weiterhin mit einbezogen. Die Umgestaltung des Unteren Marktplatzes in einen Erholungs- und Freizeitort mit grüner Lunge fördert das Gemeinschaftswohl aller Bürger. Des Weiteren könnten kulturelle Einrichtungen und Vereine die Chance erhalten, sich durch verschiedene Aktionen zu präsentieren. Hiermit werden Vereinsleben und Ehrenamt wahrgenommen und gestärkt.

Horst Zwipp

Beruf: Werbe- und Marketing-Unternehmer, Alter: 65 Jahre

Ich finde es unseriös und unprofessionell, jetzt einfach so aus dem Hemdsärmel Strategien auszuschütteln. Dieses Thema ist einfach zu komplex und bedarf vieler Gespräche mit allen Beteiligten in der Innenstadt. Und man sollte die Bürgerinnen und Bürger hören, denn letztendlich machen wir dies alles für sie. Natürlich gehören zu einer attraktiven Innenstadt auch ausreichend Parkplätze, die ja auch schon vorhanden sind beziehungsweise beibehalten werden sollten. Es gibt ja nicht nur junge Menschen oder Radfahrer, sondern auch eine hohe Anzahl an älteren Mitbürgern. Natürlich spielt da auch der ÖPNV eine Rolle und das gesamte Angebot sollte auf den Prüfstand. Der Untere Marktplatz ist eine Never-ending-Story. Schon seit über 35 Jahren poppt dieses Thema immer wieder auf (vor allem sehr gerne vor Wahlen), und geändert hat sich eigentlich nichts. Ich tendiere zu der jetzigen Lösung. Mir gefallen der Glaspavillon und auch die Kinder- Rennstrecke. Und ich finde die Parkplätze gut und wichtig, gerade für ältere Menschen.

Brigitte Aldinger

Beruf: Selbstständige Diplom-Finanzwirtin, Alter: 56 Jahre

Es gilt hier, verschiedene Bedürfnisse klug unter einen Hut zu bringen: Anwohnerinnen brauchen einen Parkplatz direkt vor dem Haus, um ihre Einkäufe nicht über lange Strecken schleppen zu müssen. Geschäftsinhaber wissen, dass ihre Kundschaft, zumal die Älteren, auf das Auto angewiesen ist. Daneben gibt es jene, die sich gern lärm- und abgasfrei in der Stadt aufhalten wollen. In Schorndorf ist dieses Miteinander bereits hervorragend gelungen: Der gesamte Obere Marktplatz und die Fußgängerzone sind autofrei, dazu zwei Parks in unmittelbarer Nähe.

Es besteht also überhaupt kein Grund, die notwendigen Parkplätze auf dem Archivplatz und Unteren Marktplatz auch noch wegzunehmen. Diese tragen dazu bei, die Innenstadt lebendig zu halten mit Geschäften, in denen die Menschen noch persönlich beraten werden. Und was nützte es uns, wenn wir die Fußgängerzonen ausweiten, durch die dann Lieferwagen fahren, um jene Waren, die im Internet bestellt wurden, in die Häuser zu bringen?!

Dörte Schnitzer

Beruf: Agrar-Ingenieurin, arbeitet im Sportamt Stuttgart, Alter: 52 Jahre

Ich stelle mir vor, dass die Innenstadt in zehn Jahren ganz anders aussieht als heute. Die neue Bücherei auf dem Archivplatz ist ein beliebter Treffpunkt für alle Menschen in Schorndorf. Die Parkplätze davor wurden in einen Park umgewandelt mit großkronigen Bäumen und vielen Bewegungsmöglichkeiten für alle Altersgruppen. Leerstehende Geschäftsräume sind zu Co-Working-Spaces umgewidmet, deren Nutzer/-innen in der Mittagspause die vielfältige Gastronomie zu schätzen wissen und nach der Arbeit eine Trainingseinheit an öffentlichen Fitnessstationen absolvieren.

Die Innenstadt ist nahezu autofrei, daher können sich Kinder viel sicherer auf den Straßen und Plätzen bewegen. Für den Warentransport stehen Lastenräder zum Ausleihen parat; für Menschen, die bewegungseingeschränkt sind, Elektrofahrzeuge, die langsam durch die Straßen rollen. Auf dem Unteren Marktplatz steht eine begrünte, überdachte Bühne für Veranstaltungen, das Dach ist mit Fotovoltaik-Modulen bestückt.

Manuel Burbott

Beruf: Sachbearbeiter in der Agentur für Arbeit, Alter: 32 Jahre

Gerade die lokalen Geschäfte machen unsere Stadt zu etwas Besonderem. Der persönliche Kontakt und die Individualität heben Schorndorf ab. Dazu muss die Erreichbarkeit der Innenstadt gewährleistet sein. Aktuell kommen wir um das Auto noch nicht herum. Um Schorndorf weiterhin als Standort für den Einzelhandel und die Gastronomie attraktiv zu halten, müssen genügend Parkmöglichkeiten vorhanden sein. Der Untere Marktplatz sollte in kostenlose Kurzzeitparkplätze von 30 Minuten umgewandelt werden, um kleinere Besorgungen in der Innenstadt erledigen zu können. Für längere Aufenthalte zum Bummeln oder Besuche der Gastronomie sind die Parkhäuser der Kernstadt gut geeignet. Die Alternativen zum Auto müssen verbessert werden zum Beispiel durch mehr Haltestellen, höhere Frequenz und günstigere Preise im ÖPNV, ein Ruf- und Sammeltaxi, und den Ausbau der Radwege. Ich wünsche mir eine Belebung unseres schönen Marktplatzes außerhalb der Marktzeiten. Eine mobile lange Tafel, wäre eine Idee.

Leer stehende Läden, teils wenig Frequenz. Wie den meisten Städten droht auch Schorndorf eine Verödung der Innenstadt. Wirksame Strategien sind gesucht, wie die Fußgängerzone auch angesichts des erstarkenden Online-Handels attraktiv bleiben kann. Die Corona-Pandemie mit zwei Lockdowns, die den Einzelhandel und die Gastronomie empfindlich getroffen haben, hat die Lage noch verschärft. Wie also kann die Innenstadt lebendig bleiben? Diese Frage müssen sich nicht zuletzt auch die acht

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