Schorndorf

Wie ein Miedelsbacher Ozzy Osbourne auf den Adelberger Friedhof verschleppte

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Ozzy Osbourne, der Fürst der Finsternis von Black Sabbath, macht den Engel im Schnee. Man schaue auf die blasse Hand im Vordergrund. Hernach, am 20. Dezember, 1969, ging es in den Keller der Manufaktur. Konzert geben, Gage verdienen. © Lothar Schiffler

Schorndorf/Adelberg.
Der Fürst der Finsternis ist noch nicht bereit, ins Grab zu liegen. Obwohl es im Leben des Ozzy Osbourne so exzessiv zuging, dass er mit 70 Jahren zu den Totgeweihten zu zählen ist. Ganze Männer neben ihm hat es schließlich schon mit 27 dahingerafft. Sex, Drugs und Rock’n’Roll fordern Opfer.

Osbourne hat jetzt jüngst eine Single unters immer wartende Volk geworfen. „Under the Graveyard“. So, als ob es schon ans Probeliegen geht. Der singende Priester von Black Sabbath geht indes nochmals auf Tour. In die Manufaktur kommt er nicht, Schorndorf würde unter dem Ansturm der Ozzy-Fans zusammenbrechen.

So müssen wir uns hier trösten mit alten Geschichten. Sie sind aber zu gut, um in den Orkus des Vergessens geworfen zu werden. Wir werden sehen, dass dem Prinz der Dunkelheit damals schon das nekrophile Händchen zuckte. Er machte am 20. Dezember 1969 das Todesengelchen im Schnee oben in der Klosteranlage in Adelberg, im kleinen Friedhof der Ulrichskapelle. Abends ging es dann in den Keller der alten Manufaktur. Ein Konzert. Von einer Band, Black Sabbath, die damals noch keine Toten aufzuwecken wusste. Weil weitgehend unbekannt.

Schneeballschlacht mit Ozzy Ozbourne

Zeitzeugen sollen hier aufgeboten werden, sonst glaubt das einem wieder keiner.

Lothar Schiffler, damals Hausfotograf des Clubs, gelang es, die Engländer am Nachmittag zu einem Fototermin auf dem Friedhof des Klosters Adelberg zu bewegen Das morbide Ambiente schien dem jungen Fotografen die ideale Umgebung für ein paar Schnappschüsse von der Rockband zu sein, die in ihren Songs ja oft okkulte Themen besang. Es war kalt und der Schnee lag mehr als knöcheltief, doch die Musiker waren mit Begeisterung bei der Sache. „Ich schoss Fotos von der Band zwischen den Grabsteinen und dem Kloster als Hintergrund“, erinnert sich Schiffler. „Ozzy Osbourne erwies sich als der Exzentrischste von allen. Er warf sich in den Schnee und machte einen Engel. Die waren sehr locker drauf und für jeden Blödsinn zu haben“. Selbst eine Schneeballschlacht zettelte Ozzy an, der dabei einiges abbekam.

So beschreibt es Christoph Wagner in seinem Buch zu 50 Jahre Manufaktur, was auch schon wieder zwei Jahre her ist.

Schiffler, aufgewachsen in Miedelsbach, lebt seit Urzeiten in München. Hat dort auch studiert. Was aber in diesen Zeiten hieß, dass er am Wochenende immer wieder heim fuhr. Weil, wie er heute sagt, in Schorndorf einfach mehr los war als in München. So bekam er die Stars vor die Linse, von denen noch keiner wusste, dass sie bald ins Unerreichbare abschwirren. Er habe da noch, sagt Schiffler am Telefon, ein Blatt mit Gekritzel drauf von Ozzy Osbourne. Eines Tages, sagt der Fotograf, auch schon 72 Jahre jung, werde er es für eine Million Pfund bei Sotheby’s versteigern. Nur so mal nebenbei erzählt.

Schiffler gehört deshalb nicht zu den verbrieften Gründungsmitgliedern der Manufaktur, weil er noch zu jung war für eine Unterschrift. Um einen Verein zu gründen brauchte es damals 21-Jährige.

Black Sabbath noch ein weiteres Mal in Szene gesetzt

Dass der junge Mann zum harten Kern gehörte um Schretzmeier und die anderen, daran kann es keine Zweifel geben. Er kann erzählen, wie sie einen Raum gesucht haben. Erst rückte ein Raum gegenüber des Daimler-Geburtshauses in den Sucher. Zu klein. Dann reagierte der Verwalter der Württembergischen Porzellan-Manufaktur auf eine Kleinanzeige, die die jungen Vereinsgründer in die Zeitung gesetzt hatten. Es kam zu einer Ortsbesichtigung des Kellers. „Sieht nicht schlecht aus“, war die einhellige Meinung. Beim Namen Manufaktur blieb es dann auch.

Früh übt sich. Nicht nur was den Berufs-Fotografen angeht, der heute 72 Jahre alt ist und immer wieder nach Miedelsbach zurückkehrte. Denn seine Schwester braucht ihn, er soll für die Spielzeug- und Möbelfabrik Dusyma die Neuigkeiten fotografieren. Früh auch stieg der Jugendliche Schiffler ins Veranstaltergeschäft ein. Noch als Burg-Gymnasiast holte er Folk- und Dixiebands nach Schorndorf. Mit der Manufaktur ging es schnell Richtung Rock. Schiffler ist Zeitzeuge. Er hat auf der Isle of Wight The Who erlebt. Die „Times“ brachte vom Woodstock in Europa eine Luftaufnahme. Schiffler hat sich darauf erkannt. Er stand da im weißen Kittel – „das bin ich“.

Schiffler hat am Tag nach dem Manu-Konzert Black Sabbath nochmals in Szene gesetzt. Das war dann in Schwäbisch Hall beim Club Alpha. Gespielt wurde in der Johanniterhalle, die mal eine Kirche war. Die gotischen Rundbögen und die Band, die sich auf schwarze Magie verstand – es passte, sagt er noch heute. „Ich hab meine alte Rolex ausgepackt und eine 500 Wattlampe dazugestellt.“ Licht ins Dunkel.