Schorndorf

Wie sich die Katzenfreunde Schorndorf für den Tierschutz einsetzen

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Diese Samtpfoten suchen noch ein Zuhause. © privat

Einmal im Monat treffen sich die Katzenfreunde Schorndorf zum Stammtisch (das nächste Treffen ist am 17. August) – was wird da besprochen? Welche Themen treiben die Mitglieder um und was für Problematiken haben sich während der Corona-Pandemie für Mensch und Tier ergeben?

Irma Rommel ist die Gruppenleiterin der Schorndorfer Katzenfreunde, eingetreten ist sie 1999. Rund 55 Mitglieder hat der Verein: „Zum Stammtisch kommen manchmal fünf oder sechs, manchmal sind es auch zwölf oder 13 Katzenfreunde“, berichtet Rommel. In der Corona-Zeit seien Treffen ausgeschlossen gewesen: „Während der Pandemie habe es kaum Anfragen gegeben – man konnte ja nicht in den Urlaub, also war der Bedarf der Betreuung auch nicht so hoch.“ Was deutlich wurde: Es habe mehr Vereinsaustritte gegeben.

Aber das habe sich glücklicherweise wieder „gefangen“ – es werden wieder mehr Eintritte verzeichnet. Die Katzenfreunde Schorndorf beziehungsweise der Freundeskreis Katze und Mensch, dem die Schorndorfer angehören, organisiert als gemeinnütziger Verein gegenseitige Katzenbetreuung und setzt sich für den Schutz herrenloser und verwilderter Katzen ein.

Gutes Netzwerk unter den Katzenfreunde-Gruppen

Derzeit gibt es in Deutschland 154 regionale Gruppen unterschiedlicher Größe, allein 76 Gruppen sind es in Baden-Württemberg. In Schorndorf ist die Gruppe der Katzenfreunde in Adelberg, Schorndorf und einigen Teilorten sowie in Winterbach, Plüderhausen und Urbach vertreten.

„Wir haben ein sehr gutes Netzwerk“, erzählt Irma Rommel, die als Gruppenleitung Kontakte zu anderen Gruppen herstellt und bei der Betreuung vermittelt. Die Tierliebhaberin, die selbst neun Katzen hat, gibt einen Einblick in das Wirken des Freundeskreises Katze und Mensch. Katzen sind – anders als Hunde – sehr an ihre gewohnte Umgebung gebunden. Eine Katze gegen ihren Willen zu transportieren und zum Beispiel mit in den Urlaub zu nehmen, sei häufig mit starkem Stress für das Tier wie auch für den Besitzer verbunden.

Nicht immer jedoch kann sich ein Katzenhalter um seine Samtpfote kümmern. Vor dem Urlaub, der Geschäftsreise, dem Krankenhaus- oder Kuraufenthalt stellt sich die Frage: „Wer versorgt die Katze?“ Für die Mieze ist es geradezu ideal, wenn sie während der Abwesenheit ihres Besitzers zu Hause bleiben kann und in vertrauter Umgebung versorgt wird. Der Freundeskreis Katze und Mensch gewährt diese Betreuung durch katzenerfahrene Mitglieder.

Ganz ohne Regeln geht es nicht

„Aber ganz ohne Regeln geht es dann doch nicht“, wirft Rommel ein. Damit das Prinzip der gegenseitigen Betreuung nicht einseitig missbraucht wird, gibt es ein Punktesystem: Jede Mitgliedschaft startet mit zehn Punkten. Für jeden Tag, an dem ein Mitglied die Hilfe eines anderen Mitgliedes in Anspruch nimmt, wird ihm ein Punkt abgezogen und dem Betreuer ein Punkt gutgeschrieben. Um anderen Menschen, auch wenn sie demselben Verein angehören, für Tage oder Wochen den Wohnungsschlüssel zu überlassen, bedarf es eines Vertrauensverhältnisses. Der Verein stellt als Basis hierfür sicher, dass die Identität aller Mitglieder geprüft ist.

Wie sich die Katzenbetreuer kennenlernen? Das laufe über besagten Stammtisch. „Vertrauen muss ja geschaffen werden, nicht jedem gibt man ohne weiteres seinen Wohnungsschlüssel“, sagt Rommel. Die meisten Gruppen bieten regelmäßige Stammtisch-Termine an, so auch die Schorndorfer Gruppe. Bei den Treffen rede man auch häufig über allgemeine Dinge, die den Tierschutz betreffen oder Krankheiten der Tiere.

Zu 97 Prozent haben sich die Katzenfreunde dem Tierschutz verschrieben. Eine große Sorge gilt herrenlosen und verwilderten Katzen in Deutschland, deren Anzahl die Tierschutzorganisationen seriös auf mindestens zwei Millionen schätzen. Diese Katzen sind meistens nicht kastriert, so dass mehr und mehr kleine Kätzchen geboren werden, die ohne Betreuung oftmals krank werden und im Winter hungern und frieren.

Um diese herrenlosen Samtpfoten kümmert sich der Freundeskreis. Katzenfreunde füttern die herrenlosen Tiere, fangen sie ein und lassen sie impfen und kastrieren. Manche dieser Katzen können in ein liebevolles Zuhause vermittelt und wieder an Menschen gewöhnt werden. Monatlich veröffentlicht der Verein Listen, um die Katzen beispielsweise im Großraum Stuttgart zu vermitteln. Auch die Internetseite www.katzenfreunde.de informiert über den aktuellen Bedarf an Pflegeplätzen.

Schicksale von einzelnen Katzen

Irma Rommel berichtet von drei Wildlingen, die auf einem Grundstück in Haubersbronn gefunden wurden: Lucy, Luke und Paul. Ehemals ungezähmt, auf der Pflegestelle zahm und zugänglich geworden, suchen sie zu dritt ein Zuhause. Rommel: „Lucy hatte eine FIP-Infektion, wir haben sie auf eigene Kosten behandeln lassen.“

Da in Deutschland dafür noch keine Medikamente erhältlich seien, konnte der Verein dafür nicht aufkommen, aber Begleituntersuchungen wurden bezahlt. „Paul hatte einen schweren Unfall durch einen Sturz, weil er nicht mehr gut sieht. Der Freundeskreis Katze und Mensch hat die komplizierte Operation am Bein bei unserer Schorndorfer Tierärztin übernommen. Wir haben extra noch gespendet, um unser Budget nicht zu überlasten. Paul hatte beim Einfangen Bluthochdruck, daher auch der Sehschaden, unbehandelt würde er jetzt vermutlich nicht mehr leben.“

Eine weitere Katze wurde im Ostalbkreis gefunden. Ein Tierarzt dort wollte das dehydrierte und ausgehungerte Tier einschläfern. „Die empörte Finderin hatte Kontakt zu einer unserer Tierfreundinnen in Schorndorf und brachte sie her. Jetzt wird sie hier aufgepäppelt und sucht dann auch jemanden“, berichtet Irma Rommel.

Spenden für Flüchtlingskatzen aus der Ukraine

Was aktuell neu ist: Der Freundeskreis Katze und Mensch sammelt auch Spenden für Ukraine-Katzen. Die Katzenfreunde-Gruppenleiterin erzählt von Bonja, sie ist eine sogenannte Flüchtlingskatze: „Sie war verletzt und in schlechtem Zustand.“ Sie wurde von einer Tierschutzorganisation in der Ukraine betreut und ist danach in Schorndorf untergekommen. „Unserem Verein entstanden in diesem Zusammenhang keine Kosten. Sie wurde von einer unserer Tierfreundinnen geholt, damit sie nicht alleine sein muss und ihr Unglück vergessen kann. In ein sehr gutes Zuhause kann Bonja aber weitervermittelt werden.“

Katzenfreunde, die oft ihre ganze Freizeit in diese Tierschutz-Tätigkeit investieren, unterstützt der Freundeskreis, indem er Tierarztrechnungen bezahlt und Futterstellen bezuschusst.

Bewusstsein schärfen und auf Tierschutz aufmerksam machen

Einige Zahlen: 2021 hat der Verein rund 263 000 Euro für Aktivitäten im Tierschutz ausgegeben und lediglich etwa 11 800 Euro für nicht vermeidbare Verwaltungskosten und Mitgliederbetreuung. Man ließ 1922 tierärztliche Behandlungen durchführen, davon 428 Kastrationen von herrenlosen Katzen, 59 Erstversorgungen von Katzenkindern und 1435 allgemeine Behandlungen zum Beispiel für verletzte Fundkatzen. „Wir helfen, wo wir können“, ergänzt Irma Rommel. Sie möchte das Bewusstsein schärfen, Tieren zu helfen: „Die Stadt Schorndorf kümmert sich sehr wenig um Fundtiere. Der Tierschutz hat in Schorndorf keinen Stellenwert“, mahnt sie an und wünscht es sich anders. Sie werde weiter auf die Themen des Tierschutzes aufmerksam machen.

Einmal im Monat treffen sich die Katzenfreunde Schorndorf zum Stammtisch (das nächste Treffen ist am 17. August) – was wird da besprochen? Welche Themen treiben die Mitglieder um und was für Problematiken haben sich während der Corona-Pandemie für Mensch und Tier ergeben?

Irma Rommel ist die Gruppenleiterin der Schorndorfer Katzenfreunde, eingetreten ist sie 1999. Rund 55 Mitglieder hat der Verein: „Zum Stammtisch kommen manchmal fünf oder sechs, manchmal sind es auch zwölf oder 13

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