Schorndorf

Wie sich die Kooperation von Osiander mit Thalia in Schorndorf auswirken wird

Osianderscho
In der Schorndorfer Osiander-Filiale wird nach der Kooperation mit Thalia das Sortiment erweitert. © Gaby Schneider

Kleine Buchhandlungen gibt es immer weniger. Namen wie Thalia, Hugendubel, Weltbild und Osiander beherrschen den Markt in Deutschland. Nun haben sich zwei der Großen zusammengetan. Thalia Mayersche und Osiander haben zusammen eine Vertriebsgesellschaft gegründet. Das schreckt viele Leser auf. Wird der Buchhandel gleichgeschaltet, gehen die Unterschiede zwischen den Buchläden immer mehr verloren? Wie wirkt sich die Kooperation auf die Osiander-Filiale am Schorndorfer Marktplatz aus?

Künftig gibt es auch Spiel- und Schreibwaren

Noch hat das Kartellamt nicht zugestimmt. Geht alles nach Plan, wollen die beiden Buch-Unternehmen laut Osiander-Geschäftsführer Christian Riethmüller in den Bereichen Beschaffung, IT, Logistik und E-Commerce zusammenarbeiten. Osiander bleibt vollständig im Besitz der Tübinger Familie Riethmüller. In den Filialen vor Ort werde sich nichts ändern. Die Marke, die Einrichtung und das Personal bleiben, nur das Sortiment soll ergänzt werden, kündigt Christian Riethmüller an. Dazu kommen Spielwaren, Schul- und Schreibwaren sowie Geschenkartikel, die auch im Online-Shop bestellt werden können. „Die Läden bleiben eigenständig“, versichert er. „Wir wollen ein Sortiment anbieten, das den Wünschen der Kunden vor Ort gerecht wird.“ Mit der neuen Zusammenarbeit sollen Synergien geschaffen werden, um den Kampf gegen internationale Konzerne wie Amazon bestehen zu können. In den vergangenen Jahren ist das Tübinger Unternehmen stark gewachsen, 68 Filialen betreibt der Buchhändler in Süddeutschland inzwischen. „Die Anforderungen an die IT sind enorm“, erklärt Christian Riethmüller. Ein mittelständisches Unternehmen könne sich nur mit einem Partner entwickeln. Wie anfällig das Ganze ist, erlebte Osiander im Mai 2019, als ein Computer-Virus seine Buchhandlungen wochenlang fast stilllegte. Ein dreiviertel Jahr später kam die Corona-Krise – die Zwangsschließung von März bis Mai traf die Buchhandlungen hart. Mitten in der zweiten Welle darf der Einzelhandel derzeit noch öffnen, doch die Bedingungen sind schwer. „Die Städte sind leer, wenn Kontakte stark eingeschränkt werden“, sagt Christian Riethmüller. Die Passantenfrequenz sei um bis zu 80 Prozent zurückgegangen, was ja auch das Ziel der Maßnahmen gewesen sei. Auch das Home-Office macht dem Buch- und Einzelhandel zu schaffen, weil keiner mehr in seiner Mittagspause kurz einkaufen geht. „Die Leute schoppen von zu Hause aus. Es ist nicht einfach.“

Die Corona-Krise ist dramatisch für den Buchhandel

Eigentlich, so Christian Riethmüller, sei es für manche Händler fast billiger, ganz zu schließen. Trotzdem werden die Osiander-Filialen offen bleiben, weil jeder Kunde, der jetzt online einkauft, ganz verloren gehen könnte. Klar ist für den Osiander-Geschäftsführer: „Die Coronakrise wird dramatisch für den Buchhandel. Wir sind froh, dass wir uns zusammengeschlossen haben.“ Normalerweise werde im Weihnachtsgeschäft das Drei- bis Vierfache des normalen Monatsumsatzes erzielt. Dieses Jahr rechnet er mit einem deutlichen Rückgang des Umsatzes. Wie krass die Einbußen am Ende werden, hängt für ihn entscheidend von den Corona-Bestimmungen ab. Derzeit ist ein Kunde pro zehn Quadratmeter in den Geschäften erlaubt. „Wird daraus ein Kunde pro 20 Quadratmetern, wird der Handel noch mehr Umsatz verlieren.“ Unverständlich wäre das aus seiner Sicht schon deshalb, weil der Einzelhandel kein Corona-Infektionsherd sei. Bei Osiander sei nur einer von 700 Mitarbeitern im Verkauf infiziert gewesen. Und alle Einzelhändler hätten viel Geld in Hygiene-Maßnahmen wie Plexiglaswände investiert.

Entscheidung fiel lange vor der Corona-Pandemie

Die Entscheidung zur Zusammenarbeit mit Thalia ist schon lange vor der Corona-Krise gefallen, weil das Geschäft in den Buchläden immer mehr zurückgeht, die Leute online kaufen. Aber auch nach der Krise, glaubt Christian Riethmüller, werden viele weiterhin ihre Bücher bestellen. Schon deshalb braucht er eine bessere Technik im Webshop, ein breiteres Sortiment über das Buch hinaus und eine schnellere Liefergeschwindigkeit. Alles erhoffte Folgen der Kooperation.

Kleine Buchhandlungen gibt es immer weniger. Namen wie Thalia, Hugendubel, Weltbild und Osiander beherrschen den Markt in Deutschland. Nun haben sich zwei der Großen zusammengetan. Thalia Mayersche und Osiander haben zusammen eine Vertriebsgesellschaft gegründet. Das schreckt viele Leser auf. Wird der Buchhandel gleichgeschaltet, gehen die Unterschiede zwischen den Buchläden immer mehr verloren? Wie wirkt sich die Kooperation auf die Osiander-Filiale am Schorndorfer Marktplatz

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper