Schorndorf

Wie werde ich ein Youtube-Star?

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Auch er träumt von der großen Karriere als Youtuber: Der Korber Ben Wagner. © Zürn / ZVW
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CYBEROBICS Empfang in der WORLD OF CYBEROBICS
Bibi Heinicke. © Eventpress Radke
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EinsLive Krone 2015
Julien Bam ist einer der erfolgreichsten Youtuber Deutschlands. © Malte Ossowski/SVEN SIMON
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KINA - Von YouTube ins Fernsehen
Shirin David. © DPA

Ein paar Jugendliche setzen sich in den Keller, machen Quatsch und auf einmal sind sie Stars. Das gibt’s doch nicht. Doch: bei Youtube! Auf dieser Plattform wollen die Nutzer keine auf Hochglanz polierten Hollywoodstars sehen. Jeder kann hier ein Star werden. Doch welche Voraussetzungen braucht man dazu? Das Erfolgsrezept der deutschen Youtuber.

Am Anfang steht, wie bei jedem Projekt, eine zündende Idee. Und die elementare Frage: Welche Art von Youtube-Kanal möchte ich machen und wen möchte ich ansprechen? Es gibt Kanäle zu Themen wie Beauty, Gaming, Lifestyle, Essen, Musik, aber auch Youtuber, die Nachrichten oder Rezensionen zum Stoff für ihre Videos gemacht haben. Erfolg kann ein Youtuber in jedem dieser Bereiche haben. Unter einer Bedingung: Leidenschaft. Man sollte bei jedem Video mit ganzem Herzblut dabei sein.

Die Leidenschaft der Stars

Youtuber Julien Bam hat einen Rat für den Nachwuchs: „ Fangt Youtube nicht mit der Intention an, Geld zu verdienen, sondern fangt an, wenn ihr darin eine potenzielle Leidenschaft seht.“ Der 28-Jährige ist seit 2012 im Geschäft und konnte schon fast 3,5 Millionen Menschen davon überzeugen, seinen Kanal zu abonnieren. Damit zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Youtubern und die Fans, vor allem die weiblichen, schreien seinen Namen, wenn er bei Veranstaltungen über den roten Teppich schreitet.

Video: Wie wirst du Youtuber: 7 Tipps von Julien Bam.

Die erfolgreichste Youtuberin in Deutschland heißt Bianca Heinicke. Ihr Kanal „Bibis Beauty Palace“ startete, als sie selber auf der Plattform ein Video zu einem speziellen Thema suchte, aber nicht finden konnte. Sie wollte einfach wissen, wie sie eine ganz bestimmte Flechtfrisur hinbekommt. Das war im Jahr 2012. Inzwischen hat Bianca über 4,3 Millionen Abonnenten, ihr beliebtestes Video wurde weit über 12 Millionen Mal abgerufen. Sie versuche immer, sie selbst zu sein, sagt sie über ihren Weg zum Erfolg. Für die 24-Jährige gibt es nicht „das Rezept“, um in diesem Gebiet erfolgreich zu werden. „Ich gehe einfach mit offenen Augen durch die Welt und versuche das, was mit gefällt, in ein Video umzuwandeln“, erzählt sie in einem Youtube-Video.


Bye-bye Schamgefühl

Wer besonderes Interesse an einem Themengebiet hat oder etwas gut kann, ist vielen anderen schon einen großen Schritt in Richtung Youtube-Star voraus. Sei es Gitarre spielen, Beautytipps geben, Games auf der Konsole zocken, tanzen oder lustig sein. Auch das brennende Bedürfnis, sich mit dem aktuellen Weltgeschehen auseinanderzusetzen oder Alltagsdinge zu testen, kann auf Youtube funktionieren. In jedem Fall gehört eine gesunde Portion Selbstbewusstsein dazu. Bye-bye Schamgefühl. Die beliebtesten Youtuber zeigen sich ganz natürlich und lassen ihre Fans immer hautnah dabei sein. Sympathie und Fans erntet man auf Youtube nur mit Authentizität. Statt die verdreht-perfekte Plastikwelt des Fernsehens nur beobachten zu können, erleben die Zuschauer die Menschen vor der Kamera scheinbar ganz echt und unverstellt in ihrer Lebenswelt, die auch gerne verrückt sein darf. Eine kleine Rampensau sollte man allerdings schon sein.

Video: Bibi zeigt peinliche Teenie-Fotos.

Wenn nun also die Idee steht, sollten auch die technischen Voraussetzungen stimmen. Diese hängen von der Art der geplanten Videos ab. Gaming-Youtuber brauchen gleich zu Beginn ein etwas umfangreicheres Equipment. Für die meisten Videos allerdings reichen eine gute Kamera, am besten mit schwenkbarem Display für den Selfie-Modus, dazu ein Mikrofon und ein Stativ. Unabdingbar für alle Youtuber ist eine Schnittsoftware, mit der man sowohl die Bild-Sequenzen als auch den Ton bearbeiten kann.

Die Namenswahl entscheidet darüber, ob man gefunden wird

Im nächsten Schritt legt man einen Youtube-Kanal an. Vorsicht, das ist bereits der erste Stolperstein auf dem Weg zu Ruhm und Erfolg. Wer nämlich den falschen Youtube-Namen wählt, wird schlecht gefunden. Der Name sollte leicht zu merken, aber kreativ sein. Auf Youtube gibt es viele Kanäle mit gleichen Endungen, etwa auf LP oder TV. Dahinter steckt die Kategorie, zu welcher der Kanal gehört. LP steht für Let’s play, also Gamer. Die Bezeichnung TV verwenden Comedy-Kanäle. Ist ein Name gefunden, muss auch dessen Schreibweise genauer unter die Lupe genommen werden. Er sollte möglichst keine komplizierten Zahlenkombinationen enthalten und höchstens minimale „alternative Rechtschreibung“ verwenden. Sonst ist es für zukünftige Fans sehr schwierig, den Kanal zu finden. Freekickerz etwa benutzen zwar ein „Z“ statt eines „S“ zum Schluss, haben aber damit als Fußball-Youtuber einen unverwechselbaren, einprägsamen Namen gefunden.


Apropos unverwechselbar: So sollte sich ein Youtuber auch präsentieren. All diese Internetstars haben eine Gemeinsamkeit, die gleichzeitig auch ihr wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist. Ihren ganz persönlichen Stil. Ihre Art zu sprechen, die Kameraführung, der Kleidungsstil, die Art, etwas zu präsentieren, und sogar der Videoschnitt entscheiden darüber, ob Youtuber wiedererkannt und damit interessant werden. Außerdem bestimmt der Stil, welche Zielgruppe der Kanal anspricht. Dieser Stil geht über die persönlichen Attribute, die in den Videos ausgespielt werden, hinaus. Auch die Gestaltung des eigenen Kanals hält Zuschauer auf der Seite oder vergrault sie im schlechtesten Fall. Das Profilbild und der Banner sollten zu den Inhalten passen, die die Videos aufgreifen. Ein Kanal-Trailer sollte präsentieren, wer man ist, was man macht und warum die Zuschauer auf „Abonnieren“ klicken sollten. Trailer werden nur neuen Besuchern angezeigt. Abonnenten sehen ein anderes aktuelles Video.

Der nächste Schritt ist, den Kanal dann mit Inhalten zu füllen. Was auch immer der Inhalt ist, Videos sollten immer einen Titel haben, der eindeutig beschreibt, worum es geht. Es gelten die gleichen Regeln wie für den Kanalnamen. Außerdem sollte jedes Video mit sogenannten Tags versehen werden. Diese helfen den Nutzern, das Video zu finden. Alles, was als möglicher Suchbegriff infrage kommt, sollte so verschlagwortet werden.

Interaktion macht den Unterschied zum Fernsehen

Obwohl Youtube kein „echtes“ soziales Netzwerk wie etwa Facebook ist, sondern ursprünglich als Videoplattform gedacht ist, wird es von Youtubern doch ähnlich genutzt. Sie posten einen Beitrag, den dann die Fans, wenn alles gut läuft, fleißig kommentieren. „Es geht tatsächlich mehr ums Interagieren, es geht ums Teilhaben und Mitmachen“, beobachtet Florian Mundt alias LeFloid bei seinem Nachrichtenkanal. „Themenvorschläge, Fragen aufwerfen.“ Das sei es, was die Community wolle, erklärt er in einem Youtube-Video. Um sie zu halten, sollte der Kontakt gepflegt werden. Reaktionen auf Kommentare müssen nicht immer aus einer getippten Antwort bestehen. Erfolgreiche Youtuber nehmen vor der Kamera Stellung und gestalten so zusammen mit ihren Fans ihre Video-Inhalte. Stars wie Julian Bam und Bibi von Bibis Beauty Palace lesen in einigen Videos Kommentare vor oder blenden sie ein. Antworten gibt es dann in Form von Worten, Handlungen oder sogar vollständigen Clips, die speziell auf die Nachfrage der Fans hin entstehen. Dagmar Ochmanczyk alias Dagi Bee und Shirin David, die mit bürgerlichem Namen Barbara Davidavicius heißt, sind auf Platz zwei und drei der meist abonnierten Youtuberinnen Deutschlands. Sie nehmen sich auch schon mal Hasskommentare vor. Das kommt gut an. Solche Videos haben mehrere Millionen Aufrufe und bekommen immer weit mehr als 100 000 „Daumen hoch“. Die Kommentatoren nehmen also direkten Einfluss auf zukünftige Videos. Das stärkt die Bindung an ihre Stars und sie kommen eher wieder. Auch, weil sie sich eine Reaktion auf ihren Kommentar erhoffen.

Video: Dagi Bee liest Hasskommentare vor.


Youtube als Einnahmequelle ist nichts für blutige Anfänger

Nach den technischen und inhaltlichen Voraussetzungen bleibt die Frage, wie man auf Youtube Geld verdienen kann. Zwar brauchen Youtuber keine Ausbildung, aber eine Erfolgsgarantie gibt es in diesem Job nicht. Die Einnahmen kommen hauptsächlich über Werbung. Unter dem Punkt „Monetarisierung“ gibt es im Einstellungsmenü des Kanals die Option, Werbung zu schalten. Zwar kann das grundsätzlich jeder machen, es ist aber nicht immer ratsam. Bei wenig Reichweite lohnen sich die paar Groschen kaum und sind für User eher ein Grund, das Video vorzeitig abzubrechen. Wer erst am Anfang seiner Youtuber-Karriere ist, sollte daher lieber darauf verzichten. Geld verdient erst, wer sehr viele Abonnements auf seinen Kanal hat. Für ihren Liebling sind die Abonnenten eher gewillt, sich vor den Videos 15 Sekunden langweilige Autowerbung reinzuziehen.

Woher kommt das Geld?

Erik Range hat auf seinem Kanal „Gronkh“ über 4,5 Millionen Abonnenten. Er ist Gamer und durch sein Minecraft Let’s Play bekannt geworden. Durch Werbeeinnahmen verdient er nach eigenen Angaben ein „normales Gehalt“. Was das in Zahlen heißt, hat das „Vermögen Magazin“ einmal hochgerechnet. Dessen Schätzung nach verdient Gronkh mit seinen Youtube-Videos wahrscheinlich ein beachtliches Sümmchen von rund 180 000 Euro - das sechsfache Einkommen eines Durchschnittsverdieners. Und das, obwohl von den tatsächlichen Klicks auf seine Videos nur etwa ein Viertel werberelevant sind, weil der Rest der User einen Ad-Blocker benutzt. Normalerweise verdient ein Let’s Player mit der Werbung etwa zwei Euro pro 1000 Klicks auf ein Video, wenn Werbung gezeigt wird, das heißt für ungefähr 4000 reale Klicks. Neben Werbung gibt es auch noch andere Einnahmequellen. Sponsoren, Spender und Unternehmen investieren in Youtuber. Bei Fashion-Youtubern kann das Geld zum Beispiel von Modelabels kommen, die dafür im Gegenzug erwarten, dass ihre Kleidung in den Clips gezeigt wird.

Youtuber sein ist ein Fulltime-Job

Hat sich der Erfolg erst einmal eingestellt, lastet oft ein großer Erwartungsdruck auf den Stars. Regelmäßig neue Videos zu veröffentlichen und die Fans mit immer neuen Ideen zu überraschen gehört daher zum Alltag der Youtuber. Und was ist mit Urlaub? Wer ein erfolgreicher Youtuber werden will, muss ständig etwas Neues bieten. Den Kanal für zwei Wochen vollständig sich selbst zu überlassen, ist nicht ratsam. Die Aktualität hat auch Einfluss auf das Ranking: Je neuer, desto relevanter stuft Youtube Videos ein. LeFloid beschreibt es ein einem Youtube-Video so: „Du gibst einfach irgendwann auf und akzeptierst, dass Youtube ein unfassbar gigantischer Teil deines Lebens geworden ist.“ Er checkt jeden Tag Kommentare, beantwortet Fragen, schreibt Skripte für neue Videos. Wenn er drei Wochen Urlaub plant, werde das ein heikles Thema. „Du organisierst Vertretungen, produzierst vor, telefonierst im Urlaub noch und checkst auch im Urlaub jeden Tag, wie es denn läuft.“ Die Abonnenten erwarten ständige Interaktion und neue Folgen. Ist nicht schon bald eine online, springen viele wieder ab und vergessen den Kanal.

Wie bei den meisten großen Träumen steckt auch bei Youtube-Stars jede Menge Arbeit hinter dem Erfolg. Es mit weniger großen Erwartungen einmal auszuprobieren, kann jedoch jede Menge Spaß und Erfahrung bringen. Wer bereit ist, sich der Öffentlichkeit so nah und unverstellt zu zeigen, kann jederzeit den Schritt wagen und auf Youtube durchstarten.

Und wer weiß, vielleicht kommt der Erfolg dann doch ganz von allein.


1. Idee: Was willst du mit deinem Video aussagen? Welches Thema soll rübergebracht werden? Wie willst du das umsetzen?
2. Skript: Schreibe einen Plan dafür, welche Szenen du brauchst und wo und wie diese aufgenommen werden sollen. Schreibe Stichpunkte dazu auf, was du sagen willst.
3. Umsetzung: Achte auf gutes Licht und eine optimale Tonqualität, am besten mit einem extra Mikrofon. Beginne mit einer Begrüßung und quatsche dann über dein Thema, versuche dich dabei an dein Skript zu halten. Wenn etwas nicht klappt, wiederhole die Aufnahme, aber lösche nicht gleich, was schiefgegangen ist, das könnte Material für Outtakes sein.
4. Hast du alle Sequenzen zusammen, bearbeite sie in einem Schnittprogramm. Du kannst Schriften, Untertitel und Sounds einfügen. Überlege dir einen Stil, den du dann möglichst für alle Videos beibehältst. Lass einen Freund dein fertiges Video ansehen, um zu prüfen, ob man den Inhalt versteht, sei dabei aber offen für Kritik.
5. Posten: Lade dein Video hoch. Vergiss dabei nicht den Titel, eine Beschreibung und Schlagwörter einzugeben.

Mehr zum Thema Berufswahl erfahrt ihr bei unserer Ausbildungsmesse "Fokus Beruf" am 10. und 11.3. im Schulzentrum Grauhalde in Schorndorf.