Schorndorf

Wie wird Schorndorf klimaneutral? Die Strategien der OB-Kandidatinnen und -Kandidaten

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Auf dem Weg zur Klimaneutralität müssen Busse eine Rolle spielen – und E-Mobilität © Buettner

Schorndorf will bis 2035 klimaneutral sein. Das hat der Gemeinderat im März 2021 mit großer Mehrheit beschlossen – und damit nicht nur den Weg für die neue Stabsstelle Klimaschutz und Mobilität freigemacht. Für die Ausarbeitung eines Gesamtklimaschutzkonzepts, das auf der Bilanz der städtischen CO2-Emissionen Potenziale der Energiesteigerung, -effizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien ermitteln und Maßnahmen zur Umsetzung definieren soll, lässt sich die Stadt unterstützen. Und ist – mit 17 weiteren Kommunen im Landkreis – der Energieagentur Rems-Murr beigetreten.

Topthema Klimaschutz

Klimaschutz ist in Schorndorf also ein Topthema – und wird zu einer Herausforderung auch für den neuen Oberbürgermeister oder die neue Oberbürgermeisterin werden. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, wie sich unser Leben dadurch verändern und wie die Mobilität der Zukunft aussehen wird, das wollten wir von Bernd Hornikel, Andreas Schneider, Markus Reiners, Tobias Schwenk, Horst Zwipp, Brigitte Aldinger, Dörte Schnitzer und Manuel Burbott wissen.

Bis zur OB-Wahl am Sonntag, 7. November, wird es noch eine weitere Extraseite geben am Mittwoch, 3. November – zum Thema Finanzen und Wege aus der Verschuldung.

Bernd Hornikel

Beruf: Jurist in der Landesverwaltung, Alter: 52 Jahre

Die Klimakrise duldet kein Zögern und kein „Weiter so“. Diese und deren Folgen aufzuhalten, muss das vorrangige Ziel jedweden politischen Handelns sein. Klimapolitik ist aber nur erfolgversprechend, wenn sie von Stadt, Wirtschaft und den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam getragen wird. Erforderlich ist der Einsatz neuer Energietechnologien, zum Beispiel Fotovoltaik, Wasserkraft, Windkraft und Elektromobilität. Die Ladeinfrastruktur in der Stadt muss so ausgebaut sein, dass es jedem möglich ist, auf E-Fahrzeuge oder Alternativen umzusteigen. Man muss konsequent auf CO2-neutrale Energie- und Antriebsquellen umsteigen. Der ÖPNV wird stark ausgebaut, bedarfsgerecht und emissionsfrei und zunehmend autonom. Die hierfür erforderlichen Infrastrukturen, wie zum Beispiel der Ausbau des 5G-Netzes, müssen geschaffen werden. Ich stehe dafür ein, dass die Stadt sich der Verantwortung für das Klima stets bewusst und Vorbild für alle ist. Die Stadt Schorndorf wird so den Klimaschutz vorleben und damit überzeugen.

Andreas Schneider

Beruf: Politologe, in der Kinder- und Jugendhilfe tätig, Alter: 46 Jahre

Ein umsetzbares, wirksames Klimaschutzkonzept zu entwickeln, ist eine Herkulesaufgabe. Es muss klar sein, was wirklich wirkt und finanziell und personell umsetzbar ist. Das ist in Schorndorf nicht klar.

Für mich gilt: werben und motivieren statt Zwang. Ich möchte eine Gebäudeerhaltungsstrategie, Biotop-Förderung, Schutz von Freiflächen und Kaltluftschneisen und Maßnahmen für den Stadtwald umsetzen. Umweltfreundlichere Antriebstechniken kommen. Die werden aber nicht in Schorndorf erfunden. Bis dahin bleibt der Mix aus E-Mobilität, Verbrenner, Rad- und Fußverkehr. Mein Ziel: Alle Verkehrsteilnehmer üben Rücksicht. So wird es sicherer und attraktiver, zu Fuß zu gehen und zu radeln. Ich will helfen, dass Freundeskreise Fahrgemeinschaften bilden. Das reduziert Verkehr und fördert Begegnung. Ebenso müssen einige Fuß- und Radwege attraktiver werden (Belag, Beleuchtung, Breite). Zum Beispiel in der Vorstadt. Ein Steg am Güterbahnhof würde den Fußverkehr stark fördern.

Markus Reiners

Beruf: Gelernter Polizist und Verwaltungsfachmann, Alter: 57 Jahre

Ein klimaneutrales Schorndorf ist nur möglich, wenn Klimaschutz nicht ideologiegeprägt, sondern realistisch und im Miteinander von Wirtschaft, Umwelt und mit Bürgerbeteiligung, umgesetzt wird. Das heißt: Alle klimaschädlichen Emissionen von städtischen Gebäuden sind zu erfassen sowie Investitionen und Sanierungen möglichst klimaneutral durchzuführen. Für noch notwendige entsprechende Investitionen sind Kompensationsmöglichkeiten laut Klimaschutzstiftung BW zu nutzen. Für private Maßnahmen (zum Beispiel Fotovoltaik, Wärmedämmung, Heizungen) müssen Verwaltung und Stadtwerke Berater und Dienstleister sein. Klimaneutrale Mobilität erfordert Parkmöglichkeiten für Auto und Fahrrad und ein funktionierendes Wegenetz für beide. Auch müssen wir Aufklärung leisten und die Jugend mitnehmen. Die Ideen des Landkreis- und ZVW-Projektes MISSION für emissionsfreie Logistik und dezentrale Mikro-Depots sind zu forcieren, um Wohngebiete von Kurierdienst-Fahrzeugen zu entlasten.

Tobias Schwenk

Beruf: Einkaufsleiter in einem Sanitärunternehmen, Alter: 32 Jahre

Zentrale Themen stellen hierbei innovative Mobilitätskonzepte mit einem attraktiv gestalteten ÖPNV sowie ein gut ausgebautes Radwegenetz mit einem beschleunigten Wandel hin zu neuen Mobilitätsangeboten wie Car-Sharing, intelligente Mitfahrgelegenheiten oder auch nachfragebasierte Mobilitätsdienstleistungen dar. Darüber hinaus ist ein neues Energiekonzept erforderlich. Essenziell die Stromproduktion, aber auch der Energieverbrauch von Gebäuden sind neu zu bewerten und auszurichten. Eine effiziente Nutzung der Solar- und Windenergie sowie weiterer erneuerbarer Energien beispielsweise von Fotovoltaik- und Windkraftanlagen stellen erste Maßnahmen dar. Jedoch kann jeder einzelne Bürger bereits durch den Einkauf regionaler Produkte oder durch die Reduzierung von Plastik seinen individuellen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ein gemeinsamer Dialog zwischen Stadt und Bürgern sowie ein ganzheitliches Konzept stellen den Grundstein dafür, dass die Stadt Schorndorf bis 2035 klimaneutral wird.

Horst Zwipp

Beruf: Werbe- und Marketingunternehmer,  Alter: 66 Jahre

„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommele nicht Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer“, so die berühmte Parabel von Antoine de Saint-Exupéry dafür, dass es im Leben eine Vision braucht, um die ganz großen Ziele zu erreichen. Die Vision einer klimaneutralen Stadt lässt sich meiner Meinung nach nur durch eine breit aufgestellte, aktive Beteiligung aller Teile einer Stadtgesellschaft umsetzen. Klimaneutralität kann zwar von oben verordnet und durch technische Lösungen unterstützt werden, dennoch gilt es die Bürger zu inspirieren und zum Handeln zu motivieren – also „Betroffene zu Beteiligten“ machen. Im Durchschnitt entfallen 24 Prozent der Treibhausgasemissionen auf Heizen und Strom, 19 Prozent auf Mobilität und 15 Prozent auf Ernährung. Der restliche Konsum schlägt mit 34 Prozent zu Buche. An dieser Stelle ein Konzept zu beschreiben, geht einfach nicht, denn es ist zu komplex.

Brigitte Aldinger

Beruf: Selbstständige Diplom-Finanzwirtin, Alter: 56 Jahre

Wir müssen aufpassen, dass wir nicht vor lauter Klimaschutz die Umwelt schädigen, wenn wir beispielsweise Schneisen in Wälder fräsen, um Windräder aufzustellen, oder wenn der Planer für unser Förderprogramm „Klima mobil“ aus Berlin anreisen muss, was nicht wirklich sehr CO2-neutral ist.

Wenn wir jetzt hektarweise unseren Wald abholzen, um Geld (auch) für Klimamaßnahmen zu erwirtschaften, bewirkt dies das Gegenteil: Es werden Bäume gefällt, die wir dringend brauchen zum Umwandeln von CO2 in Sauerstoff. Statt Parkplätze abzuschaffen, um die Leute zu zwingen, aufs Rad umzusteigen, sollten wir zuerst das Radwegenetz verbessern. Wenn wir, wie in Göppingen, alle Einbahnstraßen für den Radverkehr in beide Richtungen freigeben, haben wir mit einem Schlag viele Lücken darin geschlossen. Das Beste: Es kostet uns nur ein paar Verkehrsschilder.

Dörte Schnitzer

Beruf: Agrar-Ingenieurin, arbeitet im Sportamt Stuttgart, Alter: 52 Jahre

Ich bin Initiatorin der Gruppe „Klimaentscheid Schorndorf“, durch unseren Einwohnerantrag haben wir erreicht, dass Schorndorf sich zu Klimaneutralität bis 2035 bekannt hat. Die Stabsstelle Klimaschutz ist inzwischen eingerichtet, mit 3,5 teilweise vom Land geförderten Stellen. Hier wird erarbeitet, welche Schritte die Stadt sofort und in den nächsten Jahren gehen muss. Das allein reicht aber nicht, auch die Zivilgesellschaft muss hinter dem Ziel 2035 stehen. Mit der Mobilität verhält es sich ähnlich: Das Ziel muss sein, die Innenstadt nahezu autofrei zu gestalten sowie den öffentlichen Nahverkehr, Wege für Fußgänger/innen und Radfahrende stark auszubauen. Wir alle stehen vor sehr großen Herausforderungen, doch es bleibt uns keine andere Wahl, als diese anzunehmen. Denn Stillstand ist tödlich. Und Veränderungen bedeuten auch immer Chancen. Nutzen wir diese! Und eins kann ich Ihnen versprechen: Die Zukunft wird menschlicher, weil wir zusammenhalten müssen und vom Ich zum Wir wechseln!

Manuel Burbott

Beruf: Sachbearbeiter in der Agentur für Arbeit, Alter: 32 Jahre

Klimaschutz wird das Thema der Zukunft sein. Durch Einrichten einer Stabsstelle ist man in der Verwaltung bereits den ersten Schritt gegangen. Der nächste Schritt muss sein, die öffentlichen Gebäude und die Verwaltung aufzurüsten. Die Stadt muss in diesem Thema vorangehen. Die öffentlichen Gebäude liefern große Flächen für Solar- und Fotovoltaikanlagen. Es muss ein ganzheitliches Konzept erarbeitet werden. Schnell und günstig umsetzbaren Projekten ist Vorrang zu geben. Der Einkauf bei lokalen Geschäften kann gefördert werden. Der ÖPNV muss zu einer echten Alternative zum Auto werden. Fahrgemeinschaften bieten Sparpotenzial bei Geld und Emissionen. Bei der Vergabe von Bauland sollte die Nachhaltigkeit eine Rolle spielen. Zum Beispiel: Dämmung, oder Materialwahl (Holz vor Beton). Vorantreiben des Ausbaus erneuerbarer Energien. Nachhaltigkeit muss normal werden. Langfristig gesehen ist Nachhaltigkeit wirtschaftlicher. Das Ziel kann nur in Zusammenarbeit mit den Bürgern erreicht werden.

Schorndorf will bis 2035 klimaneutral sein. Das hat der Gemeinderat im März 2021 mit großer Mehrheit beschlossen – und damit nicht nur den Weg für die neue Stabsstelle Klimaschutz und Mobilität freigemacht. Für die Ausarbeitung eines Gesamtklimaschutzkonzepts, das auf der Bilanz der städtischen CO2-Emissionen Potenziale der Energiesteigerung, -effizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien ermitteln und Maßnahmen zur Umsetzung definieren soll, lässt sich die Stadt unterstützen. Und ist –

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