Schorndorf

Wo stecken sich die Schorndorfer mit dem Coronavirus an?

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Eigentlich als Sachgebietsleiterin für Verkehrsangelegenheiten zuständig, leitet Jessica Pulzer seit Beginn der Corona-Pandemie das Kontaktnachverfolgungsteam im Schorndorfer Rathaus. © Gaby Schneider

Endlich, endlich sinken die Zahlen. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist deutlich unter 35 gefallen. Der Sommer, so scheint es, kann doch noch eine schöne, locker-unbeschwerte Zeit werden. Doch warum Schorndorf, was die Zahl der Corona-Infizierten betrifft, tendenziell immer etwas über dem kreisweiten Schnitt liegt und warum das Infektionsgeschehen weiterhin diffus bleibt, das kann Jessica Pulzer als Leiterin des Corona-Kontaktnachverfolgungsteams nicht wirklich sagen.

Eigentlich im Fachbereich Sicherheit und Ordnung als Sachgebietsleiterin für Verkehrsangelegenheiten zuständig, kümmert sie sich mit ihrem zwischenzeitlich auf neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewachsenen Team seit März 2020 um die Nachverfolgung der Infektionsketten – und kann im Grunde nur diese Aussage treffen: Die meisten Schorndorferinnen und Schorndorfer stecken sich bei privaten Treffen an oder am Arbeitsplatz. Einen wirklichen Corona-Hotspot hat es bisher in der Daimlerstadt nicht gegeben. Stattdessen: „Hier ein bisschen, da ein bisschen.“ Doch im Unterschied zu den Anfangszeiten, sagt Jessica Pulzer, „wissen die Leute jetzt, woher sie’s haben“. Dass die Zahlen jetzt runtergehen, liegt für sie auch daran, dass die Menschen sich vermehrt draußen aufhalten. Außerdem seien mittlerweile doch einige geimpft.

Einreisen aus Risikogebieten

Der Zenit der Kontaktnachverfolgung, die sich zwischen November und Januar besonders arbeitsintensiv gestaltete, ist im Moment also überschritten, dass über Weihnachten auch an den Feiertagen Zweier-Teams im Einsatz waren, aber noch in Erinnerung. Das neunköpfige Team, das mit Kontaktpersonen von Infizierten per Telefon, E-Mail oder – falls auf dem Formular nur eine Adresse angegeben ist – auch über den Vollzugsdienst in Verbindung tritt, ist auf eine Kernmannschaft von drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geschrumpft, die sich auch um das Corona-Postfach und die Hotline kümmern. Doch schon ist klar: Mit der Reisezeit wird die Arbeit wieder zunehmen. Schon jetzt gibt es Tage, an denen bis zu 300 Einreiseanmeldungen ins Rathaus flattern von Schorndorfern, die sich in Risikogebieten aufgehalten haben.

Freitesten oder Quarantäne?

Dass für alle unterschiedliche Regeln gelten – vom Freitesten nach einem Aufenthalt im Risikogebiet bis 14 Tage Quarantänepflicht nach einem Urlaub im Virusvariantengebiet – gilt es dabei zu bedenken. Überhaupt, räumt Jessica Pulzer ein, machen die ständig wechselnden Vorschriften die Arbeit nicht gerade leichter. Und für das Verständnis in der Bevölkerung, weiß sie aus leidiger Erfahrung, ist das Hin und Her auch nicht gerade förderlich. Doch auch sie, eigentlich für Verkehrsangelegenheiten zuständig, hat sich mit ihren Mitarbeiterinnen aus der Stadtverwaltung in eine völlig neue Materie der Inzidenzzahlen, Quarantäneanordnungen und Risikogebiete einarbeiten müssen.

Im Moment (Stand 09.06.) gibt es in Schorndorf die meisten Infizierten unter den 31- bis 50-Jährigen (13), gefolgt von den 18- bis 30-Jährigen (11) und 51- bis 70-Jährigen (10). Unter den Kindergartenkindern ist gerade mal eines infiziert. In den Grundschulen zwei, bei den Elf- bis 17-Jährigen drei und auch bei den über 71-Jährigen, die zu Beginn der Pandemie besonders betroffen waren, gerade mal eine Person. Noch vor einem halben Jahr war das völlig anders: Damals waren am häufigsten Menschen zwischen 18 und 30 Jahren mit dem Coronavirus infiziert, dicht gefolgt von den 30- bis 50-Jährigen.

Dringender Rat: Weiterhin aufpassen und sich impfen lassen

Und mögen die Zahlen auch sinken, die Kontaktnachverfolgung hält Jessica Pulzer noch immer für einen elementaren Baustein in der Bekämpfung des Coronavirus’ – „weil mittlerweile die Kontaktpersonen oft infiziert sind“. Der Vollzugsdienst kontrolliert stichprobenartig, ob die Quarantänevorschriften eingehalten werden. Und obwohl sich die meisten offenbar tatsächlich dran halten, Jessica Pulzer kann, nach allem, was sie aus den vielen, oft auch emotionalen Telefongesprächen und E-Mail-Kontakten mit Infizierten weiß, allen nicht Geimpften oder nicht Genesenen nur den Rat geben, „weiterhin aufzupassen im privaten Bereich – und sich impfen lassen“. Weil das Kontaktnachverfolgungsteam eben nicht nur Quarantäne anordnet, sondern mit den Betroffenen oft mehrmals, oft über Wochen hinweg in Kontakt ist und auch von dramatischen Krankheitsverläufen erfährt, kommen die Corona-Schicksale häufig ganz nah: „Das nimmt einen schon mit“, sagt Jessica Pulzer.

Endlich, endlich sinken die Zahlen. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist deutlich unter 35 gefallen. Der Sommer, so scheint es, kann doch noch eine schöne, locker-unbeschwerte Zeit werden. Doch warum Schorndorf, was die Zahl der Corona-Infizierten betrifft, tendenziell immer etwas über dem kreisweiten Schnitt liegt und warum das Infektionsgeschehen weiterhin diffus bleibt, das kann Jessica Pulzer als Leiterin des Corona-Kontaktnachverfolgungsteams nicht wirklich sagen.

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