Schorndorf

Wochenlange Ausfälle von Telefon und Internet

Telefon_0
Kein Anruf unter dieser Nummer: Bei manchem Telefon-Anschluss in Schorndorf hapert es bisweilen arg. © Zürn / ZVW

Schorndorf. Kein Telefon, kein Internet – und ein Netzbetreiber, der sich nicht wirklich zuständig fühlt: Manch Schorndorfer versteht gerade die Welt nicht mehr. Während ständig die Rede vom Breitband-Ausbau ist, befinden sie sich noch in der digitalen Steinzeit. Und eine Änderung ist vorerst nicht in Sicht.

Am 10. April hat das Telefon von Susanne Bahnmüller-Oswald zum letzten Mal geklingelt. Seitdem ist die Leitung tot. Ein großes Problem für die Schorndorferin, deren Mann einen Garten-Holz-Floristik-Betrieb hat und in den letzten Wochen häufiger die Frage gestellt bekommen hat, ob er denn insolvent gegangen sei. Denn unter der Rufnummer ist niemand zu erreichen. Auch E-Mails bleiben häufig unbeantwortet, denn Zugang zum Netz haben sie auch nicht. Und weil sie in der Christian-Friedrich-Werner-Straße, wo sie leben und arbeiten, auch kaum Mobilfunkempfang haben, fühlen sie sich von der Außenwelt regelrecht abgeschnitten.

Geschäftliche Mails im freien WLAN auf dem Marktplatz bearbeitet

Wenn sie Telefonate führen oder E-Mails beantworten wollte, ging sie deshalb zeitweise in die Innenstadt, wählte sich dort ins freie WLAN ein. Inzwischen hat sie kurzfristig ein Notbüro angemietet, um arbeitsfähig zu bleiben. „Das ist extrem“, findet sie. Eine so schlechte Versorgung in einem Hochtechnologieland wie Deutschland könne einfach nicht sein. Weshalb sie in der Sache einen Anwalt eingeschaltet hat.

Unklar, ob die Leitung bis zum Ende des Telefonats durchhält

Ihrem Nachbar geht es ganz ähnlich. Auch Hermann Hanselmann hat in den letzten Wochen häufiger weder Telefon noch Internet. Wenn er ein Gespräch führt, kann er sich nie sicher sein, dass die Leitung auch bis zum Ende durchhält. Was eher ungeschickt ist, wenn man pro Jahr 7500 Übernachtungsgäste zu versorgen hat wie Hanselmann als Leiter der Christlichen Begegnungsstätte Aichenbach. Wie seine Nachbarin fährt er inzwischen öfter in die Stadt, wenn er E-Mails bearbeiten oder telefonieren möchte.

Immerhin: Einen Totalausfall hat er nur selten zu beklagen. Mehr schlecht als recht funktioniert seine Leitung meistens. Er hat das mal nachmessen lassen. Mit maximal drei Mbit/s im Upload und einem im Download befindet sich seine Leitung am unteren Rand des Möglichen – und nebenbei bemerkt auch nur bei einem Zehntel dessen, wofür er laut seinem Vertrag zahlt. Keine Seltenheit, wie die Bundesnetzagentur bei einer großangelegten Messung im vergangenen Jahr festgestellt hat. Demnach erhält nur ein Viertel aller Kunden die volle, vertraglich vereinbarte Geschwindigkeit. Ein so starker Unterschied ist allerdings die Ausnahme.

Unklar, woher die Störungen kommen

Woher die Störungen und Ausfälle in der Christian-Friedrich-Werner-Straße kommen, ist unklar. Der Anbieter SDT Net sieht das Problem bei der Leitung, die sich im Besitz der Telekom befindet und, weil sie überwiegend im Freien verläuft, schon bei leichten Gewittern Schaden nehmen könne. Störungen und Ausfälle habe es dort laut SDT-Mitarbeiter Philipp Schaffert immer wieder gegeben. Im April sei zudem bei Bauarbeiten ein Kupferkabel beschädigt worden. Trotz erfolgter Reparatur habe seitdem die Qualität der Leitung deutlich abgenommen. Für den Totalausfall im Hause Bahnmüller-Oswald gebe es bislang allerdings keine Erklärung.

Eine Erneuerung der Leitung müssten die Kunden selbst bezahlen

Die Telekom habe sich dazu bereiterklärt, die störungsanfällige Leitung unter die Erde zu verlegen. Die Kosten dafür müssten die Kunden aber selbst übernehmen. „Da wird nur der Buhmann hin- und hergeschoben“, meint Bahnmüller-Oswald, die auch nach mehreren Besuchen von Technikern (die sie selbst bezahlen darf) nach wie vor weder Telefon noch Internet hat.

Lange Zeit kam kein Techniker

Auch Gerhard Joos war zeitweise von der Telekommunikation abgeschnitten. Seit Ende März hatte bei ihm in der Stuttgarter Straße das Festnetz eine Störung. Bei einem Upgrade sei der Router kaputtgegangen. Doch mit einem neu gelieferten Gerät hatte sich zwar eine Internet-, aber keine Telefonverbindung herstellen lassen. Joos nutzt die „Voice-over-IP“-Technologie, bei der auch der Telefonanschluss über das Internet gesteuert wird.

Was in seinem Fall allerdings nur leidlich funktionierte. Joos’ Vermutung: „Diese sensible Technologie wird von der Telekom nicht richtig beherrscht.“ Eine genaue Ursache für die Störung habe die Telekom zunächst nicht feststellen können. Wobei sich das lange Zeit kein Techniker angesehen habe. Der Termin sei erst mehrfach verschoben und dann wenige Minuten vorher - wegen Personalmangels - abgesagt worden.

Trotz Störung Gebühren abgebucht

Seit Ende April streikte jetzt obendrein auch noch das Internet. Erst auf wiederholte Nachfrage hat Joos nun am Freitag einen Termin für die Reparatur bekommen. Seitdem funktionieren Internet und Telefon wieder. Ob das dauerhaft so bleibt, da ist der Schorndorfer allerdings skeptisch. Und was ihn besonders ärgert: „Die Kulanz ist nicht sehr groß.“ Gebühren habe die Telekom weiterhin abgebucht, obwohl seit geraumer Zeit keine volle Leistung mehr erfolgt sei. Eine Entschädigung habe man ihm auch nicht in Aussicht gestellt.

Schon einmal erfolgreich gegen die Telekom geklagt

Weshalb der Grafikdesigner, der den Anschluss auch beruflich nutzt, seinen Anbieter nun wegen Verdienstausfall verklagen wird. Vor drei Jahren habe er das - aus einem anderen Grund, damals sei ihm von der Telekom grundlos der Anschluss abgedreht worden - schon einmal erfolgreich getan.

Liegt die Ursache an den Telekom-Leitungen?

Die drei Schorndorfer mögen besonders stark von Ausfällen und Störungen betroffen sein. Klagen über einen zeitweisen Ausfall von Telefon und Internet haben wir in der Stadt während der letzten Wochen aber auch von anderen Schorndorfern vernommen. Liegt die Ursache an den Telekom-Leitungen? So hat es ein Mitarbeiter des Telekommunikations-Unternehmens Gerhard Joos zumindest mitgeteilt. Demnach habe es in der Region eine offene Störung gegeben, von der etliche Kunden betroffen waren – mittlerweile sei diese aber behoben.

Eine Aussage, die den Bewohnern der Christian-Friedrich-Werner-Straße nichts nützen wird und die wir auch weder bestätigen noch widerlegen können. Auf unsere Anfrage von Mittwoch erhielten wir von der Telekom bislang keine Antwort.


Was Kunden bei Störungen tun können

Wenn es zu Störungen oder Ausfällen in der Leitung kommt oder wenn das Internet langsamer ist als im Vertrag versprochen, empfiehlt die Verbraucherzentrale, dem Anbieter Druck zu machen – auch wenn dieser nicht ursächlich verantwortlich ist.

Kunden sollten schriftlich eine angemessene Frist von wenigen Wochen setzen, bis zu der das Problem behoben sein soll. Wichtig ist es dabei, alles sauber zu dokumentieren.

Auch Kürzungen von 20 bis 30 Prozent sind angemessen. Möglich ist auch die Androhung einer außerordentlichen, fristlosen Kündigung. Um sicherzugehen, dass der Anbieter auch reagiert, empfiehlt die Verbraucherzentrale ein Einwurfeinschreiben ohne Rückbrief.

Einige Verbraucher haben sich vor Amtsgerichten bereits erfolgreich aus ihren Verträgen herausgeklagt (wenn das Internet langsamer war als versprochen). Dieser Schritt will allerdingsgut überlegt sein. Wer vor Gericht verliert, muss auch die Kosten des Verfahrens tragen.