Schorndorf

Yalcin Akgün hilft jungen Menschen auf die Beine

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Yalcin Akgün, der Schorndorfer Unternehmer wurde für den „Deichmann-Förderpreis für Integration“ Nominiert © Joachim Mogck

Schorndorf.
Kindergarten, Schule, Ausbildung, Familie. So verläuft das Leben. Typischerweise. Manchen bereiten aber insbesondere Schule und Ausbildung Probleme. Der Schorndorfer Unternehmer Yalcin Akgün hilft hier.

„Ausbilden war mir schon immer eine Herzensangelegenheit“, sagt Yalcin Akgün. Der Unternehmer hilft in seiner Firma besonders Benachteiligten. „Ich habe seit der Gründung vor zehn Jahren mehreren jungen Menschen eine Chance gegeben, die sonst nicht so schnell einen Ausbildungsplatz gefunden hätten.“ Darunter waren neben körperlich und geistig benachteiligten Jugendlichen auch Flüchtlinge und Menschen ohne Schulabschluss. Sie konnten bei Akgün Kunststoffspritzguss eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker, zur Fachkraft für Lagerlogistik oder zur Kauffrau oder Kaufmann für Management machen.

Als Mensch mit Migrationshintergrund war er selbst froh, dass er Hilfe hatte

Akgün geht es aber nicht nur darum, den Benachteiligten eine Chance zu geben, sondern sie während ihrer Ausbildung „aktiv und intensiv zu begleiten.“ Wenn die Auszubildenden aus der Berufsschule kommen, wird sich noch einmal mit ihnen hingesetzt und wiederholt, was sie gelernt haben. In 50 Prozent der Fälle reiche das aber nicht. Dann engagieren die Ausbilder noch eine Nachhilfe.

Yalcin Akgün nimmt diese Aufgabe sehr ernst. Seit 30 Jahren bildet er bereits aus – früher bei anderen Firmen. „Ich hatte früher schon Geduld und Verständnis“, erinnert er sich. Ausbilden ist eine Eigenschaft, die er „gut kann“. Als Mensch mit Migrationshintergrund war er selbst froh, dass er jemanden hatte, der ihn bei seiner Ausbildung unterstützt hat. Man müsse Menschen nur in den richtigen Rahmen leiten, denn dann seien sie „irgendwann genauso gut wie Menschen mit Abitur“.

Ab und zu wird er in Schorndorf von jenen angesprochen, die er ausbildete. Sie sind heute Meister oder Abteilungsleiter. „Diese Menschen standen auf der Kippe, ihre Ausbildung abzubrechen“, erzählt Yalcin Akgün. Man brauche nur Zeit und Geduld und dann klappe das schon. Er gibt aber auch zu: „Es ist nicht einfach“.

Preisverleihung am 14. November

Nun also die Nominierung für den „Deichmann-Förderpreis für Integration“. Dieser wird dieses Jahr zum 15. Mal vom Schuhhändler Deichmann vergeben und zeichnet „Unternehmen, Vereine und Schulen aus, die sich in herausragender Weise für benachteiligte Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund einsetzten.“ Akgün Kunststoffspritzguss ist in der Kategorie I „Berufliche Förderung durch Unternehmen“ nominiert.

Die genaue Platzierung der einzelnen Preisträger wird am 14. November bei der Preisverleihung in Düsseldorf bekanntgegeben. Insgesamt ist der Deichmann-Förderpreis mit 100 000 Euro dotiert.

Akgün Kunststoffspritzguss wurde 2009 in Schorndorf gegründet und beschäftigt zehn Mitarbeiter, inklusive drei Auszubildender. Sie stellen technische Kunststoffteile her. „Unsere Teile sieht man selten, weil sie in Geräten eingebaut sind“, erklärt Yalcin Akgün. Einsatz finden Akgün’sche Spritzgussteile in der Medizin, im Maschinenbau oder in der Elektronik.