Schorndorf

Zauberfaden: Die Nähwerkstatt für Flüchtlinge sucht noch Unterstützer

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Schorndorf Hohenstaufenstr. 9 Schock-Areal 2.OG - Flüchtlingsnähwerkstatt Zauberfaden hat neue Räume und hat schon den 2. Großauftrag von Riani - für die Fashion Week in Berlin und ein Crowd-Founding-Aktion soll starten - Foto Gaby Schneider Ansprechpartnerin Sükriye Döker 0151/50300320 © Schneider / ZVW

Schorndorf. Noch bis diesen Sonntag läuft die Crowdfunding-Kampagne für den "Zauberfaden", die Nähwerkstatt für Flüchtlinge: Im Schock-Areal sind elf Näher aus fünf Nationen nicht nur fünf Tage die Woche beschäftigt, sie lernen auch Deutsch – und professionelles Arbeiten. Da vom Schorndorfer Model-Label Riani mittlerweile der zweite Auftrag vorliegt, braucht’s aber dringend auch bessere Nähmaschinen. Unterstützer können auf https://www.startnext.com/der-zauberfaden spenden.

Bis Klaus Österle die Nähwerkstatt vor zehn Monaten zusammen mit Sükriye Döker gegründet hat, wusste er eigentlich nichts über Garne, Stoffe und die perfekte Naht. Das hat sich mittlerweile geändert: Als gelernter Sozialpädagoge hilft er den elf Näherinnen und Nähern nicht nur, sich im fremden Deutschland besser zurechtzufinden. Da der „Zauberfaden“ mittlerweile schon den zweiten Taschenauftrag des Schorndorfer Model-Labels Riani bekommen hat, ist auch Österles textiles Fachwissen enorm gestiegen. Denn so großzügig die Unterstützung auch sein mag, Riani erwartet „Top-Qualität“, sagt Sükriye Döker. Und das gilt für die aus alten Mehlsäcken gefertigten Matchsäcke und die anderen Produkte, die der Zauberfaden übers Internet, in ausgesuchten Geschäften oder auf Märkten verkauft, ebenfalls.

Vom „Zauberfaden“ zum professionellen Unternehmen

Regelmäßiges und pünktliches Erscheinen ist für die Näherinnen und Näher darum Pflicht. Während der Arbeit bleibt das Handy aus, außerdem wird in der Werkstatt ausschließlich Deutsch gesprochen. Und mag es sich beim „Zauberfaden“ auch um ein gemeinnütziges Unternehmen handeln, das auf Spenden angewiesen ist, es soll sich zu „einem professionellen Unternehmen entwickeln“, sagt Lilian Fahner, die Internationale BWL in Aalen studiert und sich ehrenamtlich um das Crowdfunding-Projekt des „Zauberfadens“ kümmert (siehe Info-Kasten).

Damit die Näherinnen und Näher, die in ihren Herkunftsländern zum Teil als Schneider gearbeitet haben oder selbst eine Schneiderei hatten, zum Teil aber wirkliche Anfänger waren, diesem Anspruch auch gerecht werden können, hat Riani zu Anfang extra eine Expertin zur Unterstützung vorbeigeschickt. Im Nähstudio Akire zeigt Erika Geiger den Näherinnen und Nähern regelmäßig, wie professionelle Nähte aussehen. Denn, sagt Sükriye Döker, „die Qualitätsunterschiede sind zum Teil enorm“.

Doch mit den 1000 Bag-in-Bag-Taschen, die seit Ende November im „Zauberfaden“ entstanden sind, ist Riani offenbar zufrieden: Die exklusiven Leinen-Leder-Täschchen werden kommende Woche auf der Fashion-Week in Berlin an Kunden verteilt – inklusive einer Karte mit der Herkunftsgeschichte. Und dieser Tage ist sogar schon der zweite Taschenauftrag von Riani eingegangen. „Das ist für uns Gold wert“, sagt Österle. Für die „Zauberfaden“-Macher aber auch ein Grund, sich über die Ausstattung der Werkstatt Gedanken zu machen. Haben die Näherinnen und Näher mit Leihmaschinen aus der Schillerschule in Haubersbronn begonnen, hat sich mittlerweile gezeigt, dass es ohne Industrie- und sogar Ledernähmaschinen gar nicht geht. Doch das kostet Geld: Und obwohl das „Zauberfaden“-Projekt aus einem Wettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung bereits 2000 Euro bekommen hat und immer wieder Spenden eingehen, für eine bessere Ausstattung der Werkstatt sind mindestens 20 000 Euro notwendig. Die hoffen die Macher jetzt, über ein Crowdfunding-Projekt zusammenzukriegen. Gelingt das, wird der „Zauberfaden“ vielleicht Vorbild für noch mehr Flüchtlingsprojekte: Schon jetzt, sagt Österle, können sich die Schorndorfer über Anfragen aus der ganzen Republik freuen – nicht ohne immer wieder auf zwei wichtige Voraussetzungen hinzuweisen: Für ein solches Projekt braucht’s viel Zeit und Geld.

Weitere Informationen  www.der-zauberfaden.de.