Schorndorf

Zu hoch? Zu massiv? Anlieger wehren sich gegen Bauvorhaben in Schorndorf

RSS Wohnbau Weilerstraße
Das sind die beiden geplanten Mehrfamilienhäuser. © Wohnbau

Ruhige Bauplätze sind knapp und schöne Wohnungen heiß begehrt. Das gilt sicherlich auch für die 20 Eigentumswohnungen, die an der Weilerstraße auf einem großen grünen Grundstück mit Bäumen und einer alten Villa gebaut werden sollen. Derzeit allerdings sorgen die beiden projektierten Mehrfamilienhäuser der RSS Wohnbau für Aufregung. Als völlig überdimensioniert empfinden die Anlieger die beiden Gebäude, die aus ihrer Sicht absolut nicht zur bestehenden Bebauung passen. Bauträger Ralph Schatz widerspricht: Das Projekt sei mit der Stadt entwickelt worden und füge sich sehr gut ein. Auch die Stadt weist jede Kritik zurück.

Erst vor kurzem ist Andrea März in ihre neue Wohnung in der Weilerstraße 34 eingezogen. Doch die Freude über das neue Wohngefühl ist getrübt. Im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens für die RSS Wohnbau wurden die Anlieger angeschrieben und erfuhren, was in ihrer Nachbarschaft genau geplant ist. Über die Pläne sei sie wirklich erschrocken, sagt Andrea März. Viel zu massiv findet sie die Planung, die aus ihrer Sicht zwingend im Gestaltungsbeirat der Stadt hätte vorgestellt werden müssen: „Es gibt Bebauung und Bebauung“, sagt sie. „Aber das ist das Maximale.“

Die Stadtbau sieht sich gegenüber ihren Käufern im Wort

Zwei Etagen und ein zurückgesetztes Dachgeschoss hat das von der Stadtbau Schorndorf gebaute Haus, in dem Andrea März seit kurzem lebt. Die Höhe war eine Auflage, die der Stadtbau vom Baurechtsamt damals auferlegt wurde, so Projektleiter Volker Springer. Die beiden von Schatz geplanten Häuser mit neun und elf Wohnungen werden dagegen höher: Das erste schließt sich mit drei Etagen an, das zweite mit drei Etagen und einem zurückgesetzten Dachgeschoss. Das passe nicht in die Umgebung, argumentiert Volker Springer und pocht darauf, dass die Auflagen, die damals für die Stadtbau galten, auch in diesem Fall eingehalten werden müssten. Die Stadtbau hat die Eigentumswohnungen nach der Fertigstellung an ihre neuen Besitzer übergeben. Inzwischen fungiert sie als Hausverwaltung, sieht sich, was den Wert der Wohnungen betrifft, aber auch ihren Käufern gegenüber im Wort.

Auf die Kritik der Anwohner stößt auch die geplante Tiefgaragenzufahrt, die am Garten von Andrea März vorbeiführen soll und nicht zwischen den beiden Schatz-Häusern: „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass so eine Planung als Nachbarbebauung genehmigt werden würde“, sagt Springer. Die Lage der Zufahrt hat technische Gründe, sagt indes Architekt Wolfgang Pail, der die Häuser für Schatz geplant hat. An dieser Stelle verlaufe ein Abwasserkanal, der nicht verlegt werden könne. Die geplante Zufahrt sei deshalb die einzige Möglichkeit.

Die Kritik an seiner Planung kann Pail schon deshalb nicht verstehen, da sie in enger Abstimmung mit der Stadt entstanden sei. Aus seiner Sicht fügen sich die Häuser in ihrer Größe, aber auch in der Höhe sehr gut ein, mit ihnen werde „optisch eine Brücke zur Villa“ geschaffen, meint er. Ein gewisses - allgemeines – Verständnis für die Nachbarn hat Bauherr Ralph Schatz: „Es ist klar, dass es jeder Nachbar kleiner will“, sagt er. Doch das Grundstück habe ein Vermögen gekostet und das Bauvorhaben sei zusammen mit der Stadt entwickelt worden. „Jeder kämpft und argumentiert“, sagt Schatz. Und erinnert seinerseits an Bauvorhaben in Schorndorf, bei denen er sich frage, wie die je genehmigt werden konnten. Seine eigene Planung müsse dagegen schon deshalb verträglich sein, da es sich um hochwertige Wohnungen handle. Für die kommt laut Schatz nur ein gewisser Käuferkreis infrage, der sich Neubauwohnungen trotz stetig steigender Grundstückspreise noch leisten kann.

Rund zwei Jahre lang haben die Planungen gedauert. Und, ja, sagt Erster Bürgermeister Thorsten Englert auf Anfrage, alle Bestimmungen seien dabei eingehalten worden. Warum wurde das Bauvorhaben nicht dem kritischen Gestaltungsbeirat vorgestellt? Das, sagt Englert, habe damals Oberbürgermeister Klopfer so entschieden, weil sich das Vorhaben in Größe und Fläche gut einfüge. Dass die Nachbarn da anderer Meinung sind, weiß Englert wohl, aber auch der Technische Ausschuss habe das im September 2021 (in nicht-öffentlicher Sitzung) so gesehen. Warum das ein nicht-öffentlicher Tagesordnungspunkt war? „Es ist normal“, erklärt Englert, „dass wir über kritische Bauvorhaben nicht-öffentlich diskutieren.“ Das Bauvorhaben sei formal korrekt, die Baulinie werde eingehalten. Alles sei streng nach Vorgaben geprüft worden und der Bauantrag bewilligt. „Wir haben alles geprüft, wir müssen genehmigen“, sagt Englert. „Es gibt keinen Grund zur Ablehnung.“

Nicht tangiert von der aktuellen Planung ist die Villa, die sich samt Swimmingpool ebenfalls auf dem Grundstück befindet und derzeit von zwei Personen bewohnt wird. „Vorläufig bleibt die Villa erhalten“, sagt Ralph Schatz auf Anfrage. Da die Villa von außen nicht zu dämmen sei, sei das Wohnen allerdings „energetisch Wahnsinn“. Noch sei unklar, was mit der Villa geschehen soll: „Vielleicht verkaufe ich sie.“

Ein Ruhestand im Schatten „eines Ozeandampfers“

Ein Artenschutzgutachten wird im Zuge des Verfahrens noch erstellt. Für die Kritiker sind auch die alten Bäume ein Thema, die sie durch die Bebauung gefährdet sehen. Ralph Schatz spricht von drei großen Laubbäumen und bis zu fünf Tannen, die gefällt werden müssten. Er selbst sei an einer grünen Zone sehr interessiert, sagt er. Und: „Ich will eine Lösung für alle.“

Ob Andrea März damit zufrieden sein wird, ist eine andere Frage. „Es geht um Interessen. Darum, ein Grundstück zu kaufen und das Maximale rauszuholen“, sagt sie. Genauso habe sie ein Interesse: „Ich möchte meinen Ruhestand genießen, und das nicht im Schatten eines Ozeandampfers.“

Ruhige Bauplätze sind knapp und schöne Wohnungen heiß begehrt. Das gilt sicherlich auch für die 20 Eigentumswohnungen, die an der Weilerstraße auf einem großen grünen Grundstück mit Bäumen und einer alten Villa gebaut werden sollen. Derzeit allerdings sorgen die beiden projektierten Mehrfamilienhäuser der RSS Wohnbau für Aufregung. Als völlig überdimensioniert empfinden die Anlieger die beiden Gebäude, die aus ihrer Sicht absolut nicht zur bestehenden Bebauung passen. Bauträger Ralph Schatz

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper