Schorndorf

Zurück in Miedelsbach, um Notfallsanitäterin für Feuerwehr in Paraguay zu werden

Maria Dubberke
Maria-Elena Dubberke vor dem Feuerwehrgerätehaus in Miedelsbach. Hier war sie bei der Jugendfeuerwehr. Die Thermoskanne mit dem Emblem der Feuerwehr in Carlos Pfannl, die sie für den Fototermin mitgebracht hat, ist ein Geschenk von ihren Kameraden in Paraguay. © Alexandra Palmizi

Mit 16 Jahren ist Maria-Elena Dubberke mit ihren Eltern nach Paraguay ausgewandert, hat in Carlos Pfannl eine Feuerwehr gegründet, die mittlerweile fast 50 Mitglieder hat. Seit 2019 ist die junge Frau aus Miedelsbach sogar Kommandantin. Und weil die Feuerwehr in Paraguay auch die Aufgaben übernehmen muss, für die hierzulande die Rettungsdienste DRK, DLRG, THW und die Bergwacht zuständig sind, hat die 20-Jährige voriges Jahr nicht nur über ihre guten Kontakte nach Deutschland einen ausgemusterten Krankenwagen organisiert. Ende Dezember ist sie nach Miedelsbach zurückgekehrt, um eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin zu machen.

Dass sie bisher in Paraguay beruflich nicht Fuß fassen konnte – auch das hat die Entscheidung natürlich befeuert. In Miedelsbach aufgewachsen, ist sie nach Südamerika ausgewandert, als sie gerade den Realschulabschluss in der Tasche hatte. Und mag der in Paraguay auch so viel Wert sein wie das Abitur, eine universitäre Ausbildung ist für Maria-Elena Dubberke einfach nicht das Richtige. Beim Versuch, ein Medizin-Studium zu machen, scheiterte sie mit ihren Spanischkenntnissen bei den Sachaufgaben in der Matheprüfung. Eine Ausbildung zur Grafik-Designerin hätte nach der Arbeit in einem Betrieb ebenfalls in einem Studium münden sollen. Ein duales Ausbildungssyste wie in Deutschland gibt es in Paraguay nicht. Und so reifte vor etwa vier Monaten der Entschluss, für eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin wieder nach Deutschland zurückzukehren. „Über die Feuerwehr“, sagt Maria-Elena Dubberke, „kann ich nichts verdienen.“

Feuerwehr in Paraguay wird zu vielen Verkehrsunfällen gerufen

Also hat sie sich beim Deutschen Roten Kreuz um einen Ausbildungsplatz beworben und hofft auf eine positive Rückmeldung. Für die Wartezeit bis Ausbildungsbeginn im Oktober hat die 20-Jährige auch schon einen Plan: Sie will die halbjährige Ausbildung zur Rettungssanitäterin machen. Für die Einsätze in Paraguay reicht ihr das aber nicht: Schließlich wird die Feuerwehr von Carlos Pfannl auch zu vielen Verkehrsunfällen gerufen und muss dort auch Erste Hilfe leisten. Die Situation ist im Moment so: Ohne Ausbildung dürfen die Feuerwehrmänner und -frauen bei Verletzen nicht mal Zugänge für Infusionen legen. Doch der Bedarf ist da – und erst vergangene Woche hat die Feuerwehr von Carlos Pfannl einen zweiten Krankenwagen von einem privaten Rettungsdienst in Lörrach gespendet bekommen.

Gut ausgebildete Kameraden und ein Stellvertreter

Erleichtert waren nicht zuletzt auch ihre Eltern, dass sie sich entschieden hat, zur Berufsausbildung nach Deutschland zurückzukehren. Der Papa ist bereits in Rente, ihre Mutter, die in der deutschen Kolonie in Paraguay aufgewachsen ist, verkauft selbst gemachte Marmelade und Liköre – und ist Präsidentin der von ihrer Tochter gegründeten Feuerwehr. Trotz der Abwesenheit der Kommandantin soll es dort weiterlaufen. „Ich bin nur physisch nicht dort“, sagt die 20-Jährige, die in regelmäßigem Austausch mit ihren gut ausgebildeten Kameraden steht und natürlich einen Stellvertreter hat. Bei der Miedelsbacher Feuerwehr, wo sie jahrelang Mitglied der Jugendwehr war, ist sie mittlerweile wieder aufgenommen: Kaum hatte sie den ehemaligen Kameraden von ihrem Entschluss erzählt, schickten die ihr einen Mitgliedsantrag zum Ausfüllen.

Zweites Feuerwehr-Auto für weitere Abteilung

Jetzt wohnt sie im Haus der Großeltern bei ihrem Onkel und schlägt sich im Moment vor allem mit der deutschen Bürokratie herum – und auch mit etwas Heimweh: Sie vermisst das mildere Klima in Paraguay, die große Gastfreundlichkeit, natürlich die Feuerwehr-Kameraden in Carlos Pfannl, ihre drei Hunde, Katzen und den Pfau im elterlichen Haus. „In Paraguay gibt es mehr Freiheiten als hier“, sagt die 20-Jährige, die die Zeit in Deutschland auch dafür nutzen will, ein weiteres Feuerwehr-Auto zu organisieren: „Dann könnten wir eine zweite Abteilung gründen.“

Info

Wer Maria-Elena Dubberke in ihrem Einsatz für die Feuerwehr in Carlos Pfannl/Paraguay unterstützen möchte, sei es mit Geld- oder Fahrzeugspenden, kann sich direkt bei der 20-Jährigen melden unter 01 78/8 41 75 87. Den mehr als 30 Feuerwehren in ganz Deutschland und vielen Privatpersonen, die sie bisher unterstützt haben, möchte sie bei dieser Gelegenheit ihren Dank aussprechen.

Mit 16 Jahren ist Maria-Elena Dubberke mit ihren Eltern nach Paraguay ausgewandert, hat in Carlos Pfannl eine Feuerwehr gegründet, die mittlerweile fast 50 Mitglieder hat. Seit 2019 ist die junge Frau aus Miedelsbach sogar Kommandantin. Und weil die Feuerwehr in Paraguay auch die Aufgaben übernehmen muss, für die hierzulande die Rettungsdienste DRK, DLRG, THW und die Bergwacht zuständig sind, hat die 20-Jährige voriges Jahr nicht nur über ihre guten Kontakte nach Deutschland einen

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