Schorndorf

ZVW-Wahlstudio: Was die Schorndorfer OB-Kandidaten antreibt und wie sie sich präsentiert haben

ZVW-Wahlstudio
Die OB-Kandidaten und die OB-Kandidatin haben sich den Fragen von Jutta Pöschko-Kopp und Barbara Pienek (Bildmitte) im ZVW-Wahlstudio gestellt. © Palmizi

Der Endspurt des OB-Wahlkampfs in Schorndorf hat begonnen. Am 7. November haben die Bürgerinnen und Bürger die Wahl und können ihre Stimme für denjenigen oder diejenige abgeben, der/die die Amtsgeschäfte im Rathaus die kommenden Jahre führen will.

Buntes Bewerberfeld

Diese Wahl dürfte durchaus spannend werden, denn das Bewerberfeld ist bunt wie selten bei einer Oberbürgermeisterwahl. Nicht nur die beruflichen Vorgeschichten, sondern auch das Alter der Kandidatinnen und Kandidaten könnte unterschiedlicher nicht sein. Bei der ZVW-Podiumsdiskussion in der Barbara-Künkelin-Halle haben sich Bernd Hornikel, Andreas SchneiderMarkus Reiners, Tobias Schwenk, Horst Zwipp, Brigitte Aldinger und Manuel Burbott den Fragen von Redaktionsleiterin Jutta Pöschko-Kopp und Redakteurin Barbara Pienek gestellt. OB-Kandidatin Dörte Schnitzer hatte krankheitsbedingt abgesagt.

Einen heftigen Schlagabtausch oder gar eine ausgiebige Auseinandersetzung der Kandidaten über bestimmte Themen gab es innerhalb der rund zweieinhalbstündigen Veranstaltung nicht. Die zahlreich in der Künkelin-Halle erschienenen Interessierten konnten sich ein Bild der sieben Beteiligten und ihrer Visionen machen.

Wer stellt sich zur Wahl und was ist die Motivation der Kandidaten?

Neben Dörte Schnitzer (52) ist Brigitte Aldinger (56) die zweite Frau im Bewerberfeld. Als Diplom-Finanzwirtin mit Wohnsitz in Oberberken möchte sie als Oberbürgermeisterin „den desolaten Haushalt aufräumen und die Finanzen in den Griff bekommen“. Sie wolle sich für eine Basisdemokratie starkmachen und stehe für eine „Politik von unten nach oben“ ein. Bürger sollten mitentscheiden: „Alle werden beteiligt“, so ihre Marschroute.

Manuel Burbott, 32 Jahre jung, hat als achter Kandidat seine Bewerbung abgegeben. Er ist parteilos und ein „überzeugter Schorndorfer“. Burbott ist Sachbearbeiter im Jobcenter, studiert Wirtschaftsrecht und stammt aus Weiler, wo er sich auch als Fußballabteilungsleiter im TV Weiler engagiert. „Es ist nicht entscheidend, wie alt man ist. Ich bin überzeugt davon, dass ich es schaffen kann“, so Burbott. Er sei einer, der gerne selbst motiviere und gerne auf ein gemeinsames Ziel hinarbeitet. Es dürfe kein „Weiter so!“ geben: „Wir müssen auf neuen Wegen in die Zukunft.“ Die Entscheidungen müssten vom Bürger mitgetragen werden: „Nur die Schorndorfer wissen, was Schorndorf braucht.“

Bernd Hornikel (52) ist der „Kandidat für alle“, wie er selbst sagt. Der gebürtige Sindelfinger und Vater zweier Kinder betont dem Publikum zugewandt: „Mir geht es um die Sache, mir geht es um Sie, um den Menschen.“ Den Umzug mit seiner Familie nach Schorndorf setzt Hornikel aus privaten Gründen schon um. Der unabhängige OB-Kandidat ist Jurist und hat es als stellvertretender Leiter des Amts Ludwigsburg der Bau- und Liegenschaftsverwaltung des Landes zwar nur mit rund 110 Mitarbeitern zu tun, er selbst ist als Abteilungsleiter Vorgesetzter von rund zwölf Mitarbeitern. Dabei setzt er eigenen Aussagen zufolge auf eine klare Führungslinie, auf Achtsamkeit und Kommunikation.

Dr. Markus Reiners (57), CDU-Stadtrat und Kriminalbeamter aus Stuttgart, ist von CDU, FDP und Freien Wählern gemeinsam ins Rennen geschickt worden. Seiner Meinung nach brauche Schorndorf einen Aufbruch. Auch bei ihm gehe es „um die Sache, um die Stadt und um die Bürger“. Drei zentrale Voraussetzungen bringe er mit: seinen „freien Blick von außen“, langjährige Verwaltungserfahrung und die politische Erfahrung. Was ihn motiviert: Er sei einer, der gerne gestalte. Er wolle die Daimlerstadt in eine tolle Zukunft führen und „nahe bei den Menschen sein“. Zu seinen Pflichtaufgaben zählt er, die prekäre Finanzsituation im Blick zu haben, die sich „2025 schon wieder verbessern wird, da haben wir wieder die Möglichkeit zum Haushaltsausgleich“.

Andreas Schneider (46), gelernter Industriekaufmann und Politikwissenschaftler, möchte, sollte er OB werden, die Ausgaben in Schorndorf auf den Prüfstand stellen. Der gebürtige Schorndorfer, Stadtrat und unabhängige Kandidat hat den „Blick von innen“ und hat sich einen sorgsamen Umgang mit Steuergeldern zum Ziel gesetzt. Erfahrungen als Führungskraft bringt Schneider keine mit, was aber aus seiner Sicht kein Problem darstellt, da er es als Sozialarbeiter gewöhnt sei, „in komplizierten Situationen mit schwierigen Menschen zu arbeiten“. Was die Finanzlage betrifft, sagt er: „Jetzt von Schuldenabbau zu reden, ist gar nicht möglich. Wichtig ist, jetzt keine Schulden mehr zu machen.“

Als Kandidat der Jungen bezeichnet sich Tobias Schwenk (32, parteilos). Der Einkaufsleiter bei einem Bad- und Sanitärhersteller will mit „Herzblut an die Sache ran“. Er höre zu, agiere stets auf Augenhöhe und habe als Bewerber von außen „den Blick aufs große Ganze“. Der objektive Blick sei seine Motivation. Ihn hätten viele junge Leute angesprochen, diese hätten erklärt, dass sie einen Kandidaten wollen, mit dem sie sich identifizieren können. „Ich möchte eine Vorbildfunktion sein.“ Er sehe sich als Teamplayer und offen für Neues: „Schorndorf braucht frischen Wind von außen.“ Er spricht sich zudem für eine konsequente Finanzaufsicht und ein klares Bekenntnis zur Entschuldung aus.

Der Werbe- und Eventmanager Horst Zwipp (65) sieht sich als „Kontrastprogramm zu allen anderen“. Er sei ein „unpolitischer Mensch“, sei noch nie in einer Partei gewesen und mutiere auch häufig zum „Wechselwähler“. Zwipp: „Ich möchte nichts versprechen, sondern tun.“ Er traue sich die Aufgabe zu: „Ich kann Menschen zusammenbringen und möchte mit Schorndorf nach vorne gehen.“

Wie sehen die Strategien aus, um 2035 klimaneutral zu werden?

Manuel Burbott steht diesem Thema kritisch gegenüber: „Wie will man dieses Ziel erreichen?“ Es sei ein Marathon, kein Sprint. Es sei nicht damit getan, „wenn alle elektrisch fahren“. Es müsse mehrere Alternativen geben, beispielsweise im ÖPNV-Netz oder in der Energiewirtschaft. Horst Zwipp stimmt seinem Bewerberkollegen zu: „Es ist ein komplexes Thema, es sind tausend kleine Dinge, die umgesetzt werden müssen. Nur zu sagen, ich mache das so und so, reicht nicht.“ Bernd Hornikel spricht das Thema Windräder an und erntet für seine Aussage „Windräder sollen nur da aufgebaut werden, wo sie wirtschaftlich Strom erzeugen“ Applaus vom Publikum. Die Klimapolitik sehe er als Thema Nummer eins an. Als OB hätte er auf lokaler Ebene „zwei Hebel“: die Schorndorfer Stadtwerke und die Stadtbau. Da müsse man ansetzen, um Effekte in der Infrastruktur, der Nachhaltigkeit und im Energieverbrauch zu erzielen.

Umwelt und Naturschutz spielen auch für Brigitte Aldinger eine große Rolle: „Im öffentlichen Nahverkehr müssen wir flexibler werden, für kurze Wege sorgen. Dafür sind durchdachte Konzepte und Ideen nötig.“ Dass Schorndorf bis 2035 klimaneutral wird, könne man schaffen, sagt Markus Reiners, wenn „alle CO2-Emissionen erfasst werden“. Man müsse das Ziel realistisch angehen und beispielsweise klimaneutral bauen. Auf Flächenschutz setzt Andreas Schneider. Er glaube nicht, dass Klimaschutz mit Verkehrsvermeidung zu schaffen ist. Er setzt beim Klimaschutz auf ökologisches Bauen, auf Biotop-Verbünde und darauf, Flächen frei zu halten: „Wir dürfen keine Kaltluftschneisen mehr bauen“, ist er überzeugt. Das Ziel „klimaneutral“ müsse erst mal definiert werden und ein Konzept müsse her. Tobias Schwenk spricht sich für ein innovatives Mobilitätskonzept aus, dafür brauche es aber neue Angebote: „Gemeinsam können wir es schaffen, ob es 2035 sein wird, weiß ich nicht.“

Das größte kommunalpolitische Thema derzeit: der Bau der Stadtbücherei - brauchen wir sie?

„Wir brauchen ganz sicher eine neue Stadtbücherei“, sagt Kandidat Hornikel. Ob es jedoch die sein muss, die geplant ist, stelle er infrage. „Aber so, wie sie ist, kann es nicht weitergehen“, so Hornikel und erhält wieder Applaus. Er sei offen für einen anderen Standort. Horst Zwipp rudert bei diesem Thema mächtig zurück, entschuldigt sich gar. Denn er hatte bei dem Kandidaten-Gespräch mit unserer Zeitung vehement betont: „Eine Bibliothek wird es unter mir nicht geben.“ Nun gesteht er: „Ich habe einen Fehler mit dieser Aussage gemacht.“ Er habe sich damals festgelegt ohne eine fundierte Expertise. „Ja, wir brauchen eine Bücherei!“, sagt Zwipp nun und stimmt Hornikel zu: „Über Kosten, Standort und Konzept muss geredet werden.“ Eine Bibliothek sei wichtig, pflichtet Markus Reiners bei. Sie solle auch zu einer Begegnungsstätte werden. Ob man einen neuen Standort brauche, wie Bernd Hornikel es in den Raum stellt, sei fraglich. „Die Bücherei an diesem Standort ist ein Wagnis“, meint Andreas Schneider. Er möchte sparen. Man bräuchte Klarheit, die Kosten seien sicher höher als die angegebenen sechs Millionen Euro. Brigitte Aldinger will auch bei dieser Entscheidung die Bürger mit im Boot wissen. Zudem macht sie den Vorschlag, einen privaten Investor in Betracht zu ziehen: „Die Stadt muss zuerst mal die Finanzen in den Griff bekommen.“ Eine „Zeitreise in die Vergangenheit“ hat Tobias Schwenk beim Besuch der Stadtbücherei erlebt. Er stimmt, wie Manuel Burbott, Markus Reiners in seinen Aussage zu: „Wir brauchen ein ganzheitliches Konzept. Eine moderne Bibliothek muss ein Ort der Bildung und der Begegnung sein - für jede Altersgruppe.“

Wie lässt sich die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat verbessern?

Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg - da sind sich die OB-Kandidaten einig. Andreas Schneider möchte in den Fraktionen mit allen das Gespräch suchen. Er zähle auf engagierte Stadträte. Einen Ausgleich will Markus Reiners in das Gremium bringen. Konflikte wolle er im Vorfeld lösen. Da ist Hornikel mit Reiners auf einer Linie: „Diskussion und Streit müssen mal sein, aber alles ist eine Frage des Umgangstons und der Wertschätzung.“ Als unpolitischer Mensch, so Horst Zwipp, trete er diesem Thema völlig unbedarft gegenüber. Manuel Burbott wolle „Ziele gemeinsam mit dem Gemeinderat erarbeiten“ und Brigitte Aldinger hofft auf ein „einvernehmliches Miteinander“. Die Kommunalpolitik möchte Tobias Schwenk als OB „aktiv mitgestalten“ und dazu benötige es einen intensiven Austausch mit dem Gemeinderat.

„Bruddelecke“ für die Bürger

Nachdem die Themen auf dem Podium abgearbeitet waren, konnte das Publikum Fragen stellen. Die meisten Antworten wurden von Bernd Hornikel und Markus Reiners eingefordert. Dabei ging es unter anderem um Jugendpolitik und Demografie, um die Innenstadtentwicklung, das Kulturleben und um die Frage, wie es der gewählte OB gewährleisten will, mit den Bürgern im Gespräch zu bleiben. „Ich gewährleiste das mit meiner Person“, sagt ein selbstbewusster Hornikel. Er wolle eine Art „Bruddelecke“ einführen.

Und auch Markus Reiners möchte „nah am Bürger sein“ und im Dialog mit den Schorndorfern bleiben. Von einer Bürgersprechstunde abgesehen, könne er sich vorstellen, eine Alternative zu bieten. Er hätte schon eine Idee: beispielsweise als „Markus aufm Markt“, dienstags auf dem Wochenmarkt als OB ein Ansprechpartner zu sein.

Der Endspurt des OB-Wahlkampfs in Schorndorf hat begonnen. Am 7. November haben die Bürgerinnen und Bürger die Wahl und können ihre Stimme für denjenigen oder diejenige abgeben, der/die die Amtsgeschäfte im Rathaus die kommenden Jahre führen will.

Buntes Bewerberfeld

Diese Wahl dürfte durchaus spannend werden, denn das Bewerberfeld ist bunt wie selten bei einer Oberbürgermeisterwahl. Nicht nur die beruflichen Vorgeschichten, sondern auch das Alter der

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