Schwaikheim

Achtung, tieffliegende Tannen in Schwaikheim! Gaudi beim Christbaumweitwurf

Christbaumweitwurf
Sportlich, sportlich! Mit viel Schwung saust der ausgediente Weihnachtsbaum durch die Luft. © Benjamin Büttner

Endlich wieder Christbaumweitwurf in Schwaikheim! Am ersten Samstag nach Dreikönig fliegen auf der Festwiese im Wiesengrund traditionell Weihnachtsbäume durch die Luft, die Feuerwehrleute am Freitag vor den Häusern eingesammelt haben. Das Teilnehmerfeld, vom Alter her bunt gemischt, betätigt sich im Schleuderwurf und Überkopfwurf. Für jede Körpergröße hat die Feuerwehr Bäume paratgestellt. In den zurückliegenden zwei Jahren musste Schwaikheim auf seine liebgewonnene Tradition verzichten, jetzt feierte das erste Freiluft-Event des Jahres seine 14. Ausgabe.

Per Schleuderwurf in Windrichtung saust der Baum durch die Luft

Gerade ist Flori dran. Der Jugendliche zeigt, unter schallenden Anfeuerungsrufen von Moderator Uwe Schmid, wie es funktioniert. Fußposition checken, stabiler Stand, Wurftechnik abwägen. Seine Kraft reicht für dreieinhalb Meter. So weit fliegt sein Bäumchen per Schleuderwurf und mit dem Stamm zuerst in Windrichtung vorwärts. Applaus, Schulterklopfen, die nächsten Werfer dürfen ran, packen die weihnachtliche Zimmerpflanze am Stamm oder an der Krone.

Auch wenn Corona zwei Jahre die Bremse reingehauen hat, die Freude am Christbaumweitwurf – das zeigt der riesige Andrang – hat nicht darunter gelitten. Die Besucher sind gut gelaunt und die Veranstalter überwältigt.

„Es ist schön zu sehen, dass sich alle freuen, wir wurden im Vorfeld oft gefragt, ob wir es wieder machen“, sagt der örtliche Feuerwehrkommandant Stefan Rauleder. Entgegen der Wetterprognosen bleibt es trocken und es kommen viel mehr Besucher als erwartet. „Wir sind überrannt worden“, sagt Rauleder. Das Essen, ausgegeben von Aktiven der Ortsgruppe des Roten Kreuzes, ist bereits um kurz nach 19 Uhr aus. Bis auf eine einzige ungeöffnete Tüte mit Roten Würsten, doch die ist „unverkäuflich“, erklärt Jugendfeuerwehrwart Jan Mutschler. „Sie ist für die Helfer reserviert, wir grillen sie traditionell am Stecken und auf der Mistgabel über dem Feuer.“

Das Spaßhaben und Wiedersehen mit Bekannten steht im Vordergrund

Das große Christbaumfeuer bildet seit jeher den Abschluss. Rund 150 Besucher wärmen sich noch nach halb neun Uhr rund um zwei Feuertonnen, schlürfen Glühwein und Punsch. Jan Mutschler spricht von „gemütlicher Lagerfeuerstimmung“, die zu diesem kuriosen Brauch dazugehört.

Denn wer das Bäumchen am weitesten von sich schleudert, ist zweitrangig. Es geht ums Spaßhaben und um ein Wiedersehen mit Bekannten, Nachbarn und Freunden. Zudem ist es für die Feuerwehrangehörigen eine willkommene Gelegenheit, sich wiederzusehen, im Ort präsent zu sein und für Jugendliche etwas anzubieten. „Es ist ein Schwaikheimer Ding, die Gemeinschaft unter den Wehren und dass so viele Gruppen teilnehmen, ist beeindruckend“, sagt die Schwaikheimer aktive Feuerwehrfrau Lotta Mühlpointner.

Vor wenigen Wochen erklang noch „Stille Nacht“ rund um die Bäume, eine geruhsame, feierliche Weihnachtsstimmung lag über den Ästen, die mit Strohsternen und feinen Glaskugeln behängt waren. Doch Wehmut packe sie nicht, wenn ihr Baum jetzt in einem Flammenmeer vor ihren Augen aufgeht, erzählt Laura Obexer. „Vor Weihnachten und an Heiligabend genießen wir unser Bäumchen ausgiebig, wir schmücken es sogar mit echten Kerzen und historischem Weihnachtsschmuck von der Oma, aber danach darf dann auch zügig alles wieder aufgeräumt sein, am besten, bevor er nadelt“, gesteht sie. Jetzt liegt ihr Baum auf dem aufgehäuften Baumberg, der bei einsetzender Dunkelheit angezündet wird. „Das große Feuer ist toll, für mich Kindheitserinnerung pur“, sagt Obexer.

Ihre fünfjährige Tochter Lilli war beim letzten Mal noch zu klein, um mitzumachen, doch dieses Mal steht sie in der Schlange an, um sich anzumelden. „Sie will unbedingt mitwerfen“, sagt die Mutter. Sie selbst werde auch nochmals einen Versuch wagen: „Beim letzten Mal hatte ich die falsche Technik, das ging daneben.“ Dieses Mal schaut sie sich die Wurftechniken bei versierteren Werfern ab.

Auch Karin Weller und Stephan Kleebauer aus Weiler zum Stein beobachten vergnügt das Treiben. „Es ist eine schöne Idee der Verwertung, das Ganze noch mit Spaß zu verbinden“, sagt er. „Das große Feuer ist für die Jugendlichen toll“, sagt sie.

26 Helfer der Feuerwehr haben die Bäume im Flecken eingesammelt

Das Einsammeln der Bäume und das kontrollierte Verbrennen der Bäume übernimmt die Feuerwehr. In diesem Jahr seien 26 Aktive und Jugendfeuerwehrleute dreieinhalb Stunden mit vier Schleppern und Anhängern von Haus zu Haus getuckert. Mit der Sammelaktion entlastet die Feuerwehr die örtliche Abfuhr der AWG und macht daraus einen Treffpunkt für die Öffentlichkeit. Damit sei das Feuer offiziell als „Brauchtumsfeuer“ anerkannt, erklärt Stefan Rauleder. Abgebrannt werden ausschließlich Bäume, an denen nichts mehr dranhängt.

Zudem werde der Brandschutz sichergestellt, ein LF16 ist mit von der Partie. So haben auch die Feuerwehrkollegen Freude am Christbaumfeuer. Weniger gut wären Ernstfälle mit brennenden Tannenbäumen in Wohnungen, doch von derlei Einsätzen seien sie zum Glück verschont geblieben. „Mir ist kein Vorfall in den letzten Jahren bekannt“, lautet Rauleders positive Bilanz.

Was ein schwedisches Möbelhaus mit der Tradition zu tun hat

Doch warum werden in Schwaikheim eigentlich Christbäume geworfen? Wie bei allerlei Bräuchen, die im privaten oder ehrenamtlichen Bereich ihren Anfang nahmen, gibt es nichts Schriftliches über den Sinnzusammenhang. Hervorgegangen sei alles aus einer spaßigen Idee anlässlich des 125-jährigen Abteilungsjubiläums im Jahr 2007. „Wir suchten nach etwas Besonderem als Auftaktveranstaltung“, erinnert sich Kommandant Stefan Rauleder. Initialzündung sei eine Werbung des schwedischen Möbelhauses Ikea gewesen. Im Spot flogen die Bäume aus dem Fenster, in Schwaikheim jetzt eben über die Festwiese.

Endlich wieder Christbaumweitwurf in Schwaikheim! Am ersten Samstag nach Dreikönig fliegen auf der Festwiese im Wiesengrund traditionell Weihnachtsbäume durch die Luft, die Feuerwehrleute am Freitag vor den Häusern eingesammelt haben. Das Teilnehmerfeld, vom Alter her bunt gemischt, betätigt sich im Schleuderwurf und Überkopfwurf. Für jede Körpergröße hat die Feuerwehr Bäume paratgestellt. In den zurückliegenden zwei Jahren musste Schwaikheim auf seine liebgewonnene Tradition verzichten,

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