Schwaikheim

Altbürgermeister von Schwaikheim: Lothar Krüger ist gestorben

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Die Augen auch im hohen Altern hellwach: Lothar Krüger vor knapp drei Jahren bei seinem 90. Geburtstag. © ALEXANDRA PALMIZI

Im Alter von 92 Jahren ist Altbürgermeister Lothar Krüger am Sonntagabend gestorben. Krüger war von 1966 bis 1994, also 28 Jahre lang, Bürgermeister von Schwaikheim. Viele, vor allem ältere, Schwaikheimer erinnern sich durchaus mit Wehmut an diese Zeit, die Schwaikheim bis heute prägt und bei der deshalb sehr wohl von einer Ära gesprochen werden kann. Krüger war immer überaus angesehen, ja beliebt, er blieb unvergessen – und wird es wohl auch noch lange bleiben. Auch wenn er sich nach seinem Ausscheiden aus dem Amt mit Auftritten in der Öffentlichkeit bewusst zurückhielt, erst recht mit Äußerungen zur Kommunalpolitik.

Was aber nicht hieß, dass er diese – und überhaupt, was in seinem Schwaikheim vor sich ging – nicht sehr aufmerksam verfolgte, dass sie ihn kalt ließ, ganz im Gegenteil, auch wenn Krüger immer ein Mann der Tatsachen und Tat war, einer, der bei allem Abwägen, allen Aussprachen ergebnisorientiert war, darauf drängte, zu Entscheidungen, überhaupt vorwärts, zu kommen. Er ging dabei, wenn Vergleichen gestattet ist, aber eher wie sein Berglener Kollege Gerhard Schnabel zurückhaltend, verbindlich, verbindend vor – und gleichwohl optimistisch, entschieden, zupackend wie der langjährige Leutenbacher Schultes Horst Gebhard, mitunter auch knallhart zum Gegenüber, bisweilen auch so schlitzohrig wie dieser, allerdings nie auf den Tisch hauend, aus der Haut fahrend, wie es bei dem schon mal vorkommen konnte.

1966 gleich im ersten Wahlgang gewählt

Kurz gesagt: Die Schwaikheimer erkannten sehr schnell seine Qualitäten und wählten ihn, als Inspektor beziehungsweise Fachbeamten aus dem Rathaus, 37-jährig, 1966 gleich im ersten Wahlgang. Sie kannten ihn schon gut, denn er hatte damals bereits zehn Jahren dort in der Verwaltung gearbeitet. Dass er überhaupt nach Schwaikheim gekommen war, verdankten sie einer Stellenanzeige von dort. 1956 wurde es dem gebürtigen Berliner in der Abteilung Grundsteuer im Ulmer Rathaus fad, zu trocken. Schwaikheim, wo es damals noch eine Molkerei und einen häufig verkehrsbehindernden Bahnübergang in der äußeren Bahnhofstraße gab, aber noch keine Ludwig-Uhland-Schule, keine Gemeindehalle, keine Bücherei, keine Kläranlage, kein Freizeitzentrum, kein Feuerwehrgerätehaus, kaum Gehwege, so der damalige Gemeinderat und kaum weniger legendäre Kurt Vollmer in seiner Laudatio bei Krügers Verabschiedung – hatte dabei noch mächtig Dusel. Denn Krüger lagen noch 30 andere Angebote vor. Er fand an seiner neuen Wirkungsstätte mit dem damaligen Bürgermeister Fritz Müller einen Chef vor, der ihm freie Hand ließ und ihn so förderte.

Sehr unterhaltsamer Redner, aber nie ein Dampfplauderer

All dies erzählte Krüger, damals 65, bei seiner feierlichen Verabschiedung in der Gemeindehalle amüsant und selbst amüsiert, wobei er immer ein sehr unterhaltsamer Redner war und blieb, nicht langweilend, kein Dampfplauderer, sondern ein Kundiger, bei dem es sich stets lohnte, genau zuzuhören. Das können auch all die Schwaikheimer bezeugen, die er als Pensionär auf seine heimatkundlichen Wanderungen durch den Ort mitnahm, den er ganz wesentlich mitgestaltet hatte.

Bezeichnend für ihn, seine Bescheidenheit, aber auch pragmatische Sicht auf die Dinge war zudem, dass er zwar die Ehrenbürgerwürde gerne annahm, nach einstimmigem Beschluss des Gemeinderats zuvor, sie selbst für angemessen befand, weil er sich für Schwaikheim mit ganzer Kraft eingesetzt habe, wie er bei seiner Verabschiedung launig betonte, bei der er mit dieser Ehre, der höchsten der Gemeinde, ausgezeichnet wurde.

Die Freiherr-vom-Stein-Medaille für ihn hielt er für übertrieben

Gleich darauf räumte er aber „knitz“ ein, dass er die ihm vom baden-württembergischen Gemeindetag zuerkannte Freiherr-vom-Stein-Medaille sich selbst nicht verliehen hätte, mangels Verdiensten für diese (nämlich um die kommunale Selbstverwaltung, aber da wurde wohl eher gewürdigt, dass er 18 Jahre lang Vorsitzender der Gemeinden im Rems-Murr-Kreis im Gemeindetag gewesen war). Das Bundesverdienstkreuz lehnte er denn tatsächlich ab.

Krüger wurde 1974 wieder gewählt, die folgende Amtsperiode dauerte zwölf Jahre und 1986 wurde er zum dritten Mal gewählt. Auch in seinen späteren und späten Jahren, als die körperlichen Gebrechen des Alterns nicht ausblieben, war er ein stets hellwacher, geistig auf der Höhe befindlicher, die Dinge auf den Punkt bringender, nie zur Sentimentalität oder Nostalgie neigender und deshalb gefragter Gesprächspartner mit einem geradezu sagenhaften Gedächtnis.

Noch im hohen Alter übernahm er die Redaktion der Neuauflage des Ortsbuchs

So kam denn auch im Grunde niemand anders infrage als Krüger für die Redaktion des überarbeiteten, aktualisierten und erweiterten Ortsbuchs von 2010, dessen erste Auflage von 1979 vergriffen war, eine angesichts seines bereits damals hohen Alters phänomenale Leistung, mit der sich Krüger einmal mehr, für alle Zeiten, sozusagen endgültig um Schwaikheim verdient gemacht hat. Dass er selbst darin auftaucht, versteht sich von selbst. Ebenso wie dass er den Zufall, dass er am 3. Oktober geboren wurde, der viel später just zum Feiertag der deutschen Einheit wurde, mit trockenem Berliner Humor zur Kausalität machte, einer seiner vielen Witze und Anekdoten, die er beim wöchentlichen Seniorentreff zum Besten gab. Und nicht zu vergessen: Auch das Fleckenfest hat Krüger einst initiiert. Ebenfalls etwas, was ihn wohl noch lange überdauern wird.

Im Alter von 92 Jahren ist Altbürgermeister Lothar Krüger am Sonntagabend gestorben. Krüger war von 1966 bis 1994, also 28 Jahre lang, Bürgermeister von Schwaikheim. Viele, vor allem ältere, Schwaikheimer erinnern sich durchaus mit Wehmut an diese Zeit, die Schwaikheim bis heute prägt und bei der deshalb sehr wohl von einer Ära gesprochen werden kann. Krüger war immer überaus angesehen, ja beliebt, er blieb unvergessen – und wird es wohl auch noch lange bleiben. Auch wenn er sich nach seinem

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