Schwaikheim

Astrid Loff wird die neue Bürgermeisterin von Schwaikheim: Eindrücke vom Wahlabend

Bürgermeisterwahl Schwaikheim
Astrid Loff und ihr Partner Nicolai Wacker, als das Ergebnis verkündet wird. © Benjamin Büttner

Schwaikheim bekommt eine Bürgermeisterin. Dr. Astrid Loff wird dort die erste Frau in diesem Amt. Die Leutenbacherin setzte sich überraschend bereits im ersten Wahlgang durch und das mit deutlich mehr Stimmen als für die absolute Mehrheit erforderlich. Dahinter folgt mit gewaltigem Abstand Harald Eiberger, der im Juli in Illingen nach zwei Amtszeiten nicht wiedergewählt wurde. Dritter wurde Marvin Roth, Vierte Andrea Sieber, Fünfter Chris-Robert Berendt. Die Wahlbeteiligung betrug 55,6 Prozent, was gut ist angesichts dessen, dass der Termin noch in den Ferien lag.

Ungewöhnlich ist auch, dass die Bewerber bis auf einen sehr früh am Rathaus eintreffen. Berendt ist bereits vor Schließung der Wahllokale um 18 Uhr da, kurz darauf auch Astrid Loff. Vor Andrea Sieber trifft noch ihre Chefin, die Landtagsabgeordnete Swantje Sperling, ein. Kurz darauf auch Marvin Roth. Auf den letzten Drücker, um 17.59 Uhr, werden noch einige Umschläge mit Wahlbriefen persönlich abgegeben.

Tenor des Geplauders im Ratssaal und auf dem Rathausplatz ist, es sei sehr spannend und ziemlich sicher mit einem zweiten Wahlgang zu rechnen. Namen von Favoriten sind nicht rauszuhören. Den herrlichen Spätsommertag, den lauen Abend, nutzen immer mehr Schwaikheimer, um noch auf dem schräg von der Sonne beschienenen Platz vorbeizuschauen. Dort ist ein Monitor aufgestellt, der die Ergebnisse, die drinnen auf die Leinwand projiziert werden, anzeigt. Nacheinander treffen auch Kollegen der künftigen Amtsinhaberin ein, deren Erfolg zu diesem Zeitpunkt natürlich noch niemand kennt: der Korber Bürgermeister Jochen Müller, der Leutenbacher Jürgen Kiesl, der Winnender OB Hartmut Holzwarth und auch Landrat Dr. Richard Siegel.

Schon das erste Wahllokalergebnis gibt die Marschroute vor

Plötzlich Unruhe, das erste Ergebnis ist da, um kurz vor halb sieben, wird aber nicht zuerst im Sitzungssaal, sondern bereits auf den Handys angezeigt. Dass die schneller sind als die Übertragungstechnik im Rathaus, setzt sich fort. Mit dem Ergebnis, sehr eindeutig, sind die Weichen bereits gestellt, denn dass die Wähler in den anderen Wahlbezirken so anders gewählt hätten, dass es noch zu einer Wende kommen könnte, damit ist nicht zu rechnen. Auch in den anderen Wahlbezirken liegt Astrid Loff mit deutlich über 60 Prozent weit vorne.

Eine spannende Frage ist, wo denn Harald Eiberger abbleibt, der als einziger von den ernstzunehmenden Bewerbern noch vor Ort fehlt. Wie aus sicherer Quelle zu erfahren ist, weilt er zwar sehr wohl bereits in Schwaikheim, zieht es aber vor, bis das Ergebnis feststeht, mit seinem Erscheinen noch abzuwarten. Der Rathausplatz füllt sich derweil immer mehr, so dass es schließlich über 100 Interessierte sein dürften. Die nächste Frage ist, ob der letzte noch ausstehende Wahlbezirk es noch vor dem bevorstehenden Sonnenuntergang schafft. Es wird knapp, aber es reicht.

Astrid Loff blickt nach den ersten Ergebnissen sichtlich bewegt

Astrid Loff, deren Sieg sich immer mehr „verdichtet“, steht derweil mit ihrem Partner zum einen sichtlich verdattert, aber auch bewegt am Brunnen, kann es offenbar selbst noch nicht glauben, wehrt vorerst Gratulanten ab, wirft demonstrativ keinen Blick auf den Bildschirm: „Ich guck einfach nicht hin.“ Endlich die erste herzliche Umarmung, sie lässt ihren Partner denn doch gewähren. Einen Blumenstrauß hat sie von dem schon früh am Tag bekommen. „Universal einsetzbar, für alle Fälle, egal, wie’s ausgeht.“ Er hätte also gegebenenfalls auch trösten sollen, so aber erweist er sich wohl als Glücksbringer.

Kurz vor halb acht, Eiberger kommt und gratuliert Astrid Loff sofort, jetzt wehrt sie sich nicht mehr, sechs von insgesamt sieben Wahlbezirken sind ausgezählt. Dann ist es endgültig, wenn auch noch nicht amtlich. Astrid Loff wird die Nachfolgerin des im Juni verstorbenen Gerhard Häuser. Noch halten sich die Reaktionen darauf in Grenzen.

Marvin Roth ist bereits auf dem Sprung. Wie sieht er sein Ergebnis? Er lacht, also es hätte gerne etwas mehr für ihn sein dürfen. Ist er enttäuscht? Er habe es vorher überhaupt nicht abschätzen können. „Mathematisch“ gesehen, hätten es bei fünf glaubwürdigen Kandidaten bei jedem plus/minus 20 Prozent sein müssen, meint er. Aber es sei gut, dass es ein eindeutiges Ergebnis gebe.

Chris Robert Behrendt ist mit seinem Wahlkampf zufrieden

Er habe einen guten Wahlkampf gemacht, viele nette Leute kennengelernt, so Berendt auf Nachfrage zu seinem Abschneiden. Es sei sehr schade, dass er nicht mehr Wähler von sich habe überzeugen können. Eine Prognose vorher sei sehr schwierig gewesen. Er sei da ganz offen reingegangen, habe seinen Einsatz schon mit Erwartungen verbunden. Plötzlich zwischendrin ein Klang aus dem Lautsprecher wie der Pausenton der Schule. Alle schrecken aus ihrem Geplauder auf, aber Fehlalarm, doch noch kein Endergebnis. Kurz darauf aber ist es endlich da, wenn auch noch nicht offiziell verkündet.

Für die Menschen in Schwaikheim „und den Frieden im Ort“ sei das klare Ergebnis gut, kommentiert Eiberger auf Nachfrage. Dadurch, dass es bereits im ersten Wahlgang eine Entscheidung gebe, würden sich Befürchtungen nicht erfüllen. Und für ihn selbst? Das sei schwierig einzuschätzen, es habe eine besondere Situation gegeben, mit einer Polarisierung im Ort. „Es war vorher ja selbst unklar, was eine hohe oder niedrige Wahlbeteiligung bedeuten würde.“

Peter Langer verkündet das Ergebnis und endlich brandet Beifall auf

Nun wird draußen ein Stehpult mit Mikrofon aufgebaut. Peter Langer, früherer Gemeinderat und Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses, verkündet das (vorläufige) Endergebnis. Jetzt, endlich, brandet Beifall auf, kommt befreiter Jubel auf.

Astrid Loff ist sichtlich gerührt. Gewählt, in ihrer ersten Ansprache, betont sie, sie habe viele gute Gespräche geführt, sei aber mit allen noch gar nicht durch, werde sie in dieser Woche fortsetzen. Sie habe viel Freundlichkeit erfahren und einen sehr fairen Wahlkampf. Sie sei selbst davon ausgegangen, dass in zwei Wochen noch mal gewählt werden müsse, habe deshalb erst gar keine Rede vorbereitet. Eines könne sie aber bereits sagen: „Wir gehen jetzt gemeinsam in die Zukunft!“ Zuvor, ohne Mikro, hatte sie es noch so gesagt: „Ich könnte euch alle umarmen.“

Andrea Sieber hatte für sich mit einem besseren Ergebnis gerechnet

Andrea Sieber, eine der ersten Gratulantinnen, die beiden liegen sich lange in den Armen, wartet mit einem Statement bis nach Verkündung des Ergebnisses ab. Sie räumt auf Nachfrage ein, auf ein anderes, besseres Ergebnis gehofft zu haben. Sie gratuliere Astrid Loff aber herzlich. Die Schwaikheimer hätten sich eindeutig für sie ausgesprochen. Diese Klarheit sei sehr gut. Damit sei der bisherige Schwebezustand bereits im ersten Wahlgang beendet worden. Vielleicht habe gerade die Erwartung, dass es einen zweiten geben werde, viele zu einem klaren Ergebnis motiviert. Schwaikheim habe damit eine gute Entscheidung getroffen.

Astrid Loff wird mit ihrem Chef über ihren Kündigungstermin verhandeln

Ist sie enttäuscht? Sie werde jetzt mal zwei Nächte darüber schlafen. Eine Wahl sei ein demokratischer Prozess. Wer es dort versuche, könne eben verlieren, wer es nicht probiere, habe das von vornherein. Die Schwaikheimer hätten sich ja nicht gegen sie entschieden, sondern für Frau Loff.

Die erzählt auf Nachfrage: „Ich hatte heute einen entspannten Tag, weil ich noch nicht mit einem endgültigen Ergebnis gerechnet hatte.“ Als die ersten Auszählungsergebnisse herauskamen, sei die Spannung bei ihr gestiegen: „ Ich wollte keine Zahlen mehr sehen bis zum Endergebnis.“ Direkt am Sonntagabend machte sie noch ein Helferfest bei sich zu Hause im Garten.

Am Montag hat sie ein wichtiges Gespräch mit ihrem Chef an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg: Sie wird ihm sagen, dass sie Bürgermeisterin von Schwaikheim wird und mit ihm einen Termin aushandeln, wann sie die Hochschule verlassen darf und wann ihre Amtseinsetzung in Schwaikheimer möglich ist.

„Wir haben Frau Loff kennengelernt. Sie ist sehr sympathisch“

Es war für Schwaikheim eine sehr aufreibende Wahlkampfzeit und es ist eine sehr wichtige Wahl“, sagt die 28-jährige Julia Siegle, „es muss auf jeden Fall Frieden reinkommen in den Ort und in den Gemeinderat.“ Mit ihrem Mann Michael und ihrem Baby Lina ist sie schon um 18 Uhr am Rathaus eingetroffen und hat die Entwicklung vom ersten Wahllokalergebnis an verfolgt. „Wir haben Frau Loff im Wahlgespräch kennengelernt. Sie ist gleich auf uns zugekommen, hat uns gesprochen, wirkt sehr sympathisch. Für junge Familien ist es bestimmt gut, dass sie Bürgermeisterin wird.“ Die Siegles trauen der neuen Bürgermeisterin auch zu, dass sie eine friedlichere Stimmung schafft, und sie sind froh, dass es keinen zweiten Wahlgang mehr gibt: „Der hätte die Lager doch wieder entzweit.“

Die Schwaikheimerin Dilek Inan freut sich am Sonntagabend vor dem Rathaus mit ihrer Freundin über den Wahlausgang: „Eine gute Wahl. Frau Loff ist eine sehr sympathische Frau.“

Schwaikheim bekommt eine Bürgermeisterin. Dr. Astrid Loff wird dort die erste Frau in diesem Amt. Die Leutenbacherin setzte sich überraschend bereits im ersten Wahlgang durch und das mit deutlich mehr Stimmen als für die absolute Mehrheit erforderlich. Dahinter folgt mit gewaltigem Abstand Harald Eiberger, der im Juli in Illingen nach zwei Amtszeiten nicht wiedergewählt wurde. Dritter wurde Marvin Roth, Vierte Andrea Sieber, Fünfter Chris-Robert Berendt. Die Wahlbeteiligung betrug 55,6

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