Schwaikheim

Corona-Lockerung: Die Tagespflegen von Haus Elim in Schwaikheim, Bittenfeld und Winnenden sind nach drei Monaten Schließung wieder in Betrieb

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Haus Elim
Abstand halten ist weiterhin das Gebot, auch wenn es schwerfällt. © ALEXANDRA PALMIZI
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Haus Elim
Peter Voigt ist froh, dass er wieder in die Tagespflege kann, seine Frau Sieglinde auch. Fotos: Palmizi © ALEXANDRA PALMIZI

Nicht nur Peter Voigt, auch seine Frau Sieglinde hat die Tagespflege vermisst. Das Ehepaar wohnt in Korb, dort gibt es zwar ein Pflegeheim, aber keine Tagespflege, noch. Er hatte 2018 eine schwere Hirnblutung und ist seither durch immer wiederkehrenden, nicht beherrschbaren Schwindel beeinträchtigt.

Laufen geht seither schlecht, er ist auf Krücken oder den Rollator angewiesen, manchmal vergisst er was, auch mit seinem Hobby, Kochen, ist es nicht mehr weit her. Wobei ihm das Handicap, wenn man ihm im Gespräch – mit gebührendem Virussicherheitsabstand, versteht sich – auf der Terrasse der Tagespflege von Haus Elim gegenübersitzt, aber nicht anzumerken ist. Voigt sprüht nur so vor Selbstironie und trockenem Humor.

Zweimal in der Woche brachte seine Frau ihn bis zum Corona-Lockdown nach Schwaikheim. Um – darüber redet sie genauso offen wie ihre Gatte – zum Beispiel ungehindert das Haus mal komplett durchputzen zu können, sich dem Garten zu widmen, eigene Termine wahrzunehmen und an den beiden Tagen auch einfach nicht kochen zu müssen. Beide hatten – und haben mittlerweile wieder seit der Wiedereröffnung der Tagespflege – also etwas von diesem Angebot. „Ich habe hier so viele belastbare Seelen um mich herum, da kann man sich wirklich dran gewöhnen“, so Peter Voigt feinsinnig.

Am Anfang zwar einige „Aber“, er hat sich jedoch längst eingelebt

Dabei habe es am Anfang durchaus einige „Aber“ gegeben, sie hätten es schließlich allerdings doch eingesehen, dass es besser sei, wenn er in den „Kindergarten“ hier gehe, ergänzt seine Frau lachend. Ja, zunächst hätten sie das wirklich so gesehen, aber natürlich werde er hier nicht wie ein Kind behandelt, ganz im Gegenteil, stellt ihr Mann sofort klar. Auch bei der Frage nach dem Alter muss er etwas betonen. Sie sind zwar beide 77, aber seine Gattin sehe nicht nur bedeutend besser aus als er, sondern sei tatsächlich immerhin „einen ganzen Tag“ jünger.

Nein, also jetzt im Ernst, er habe sich hier mittlerweile mehr als nur dran gewöhnt, ja sich regelrecht eingelebt. „Mir macht es so viel Spaß hier, ich hatte daheim, als hier zu war, regelrecht Entzugserscheinungen. Ich hätte nie gedacht, dass es mir so fehlt, mit anderen Menschen zusammen zu sein. Und meine Frau hat daheim ihren Freiraum für sich, wenn ich hier bin. Das haben wir beide in der Coronazeit richtig gemerkt, als es eben nicht so war.“

Knapp drei Monate war die Tagespflege in Haus Elim geschlossen, nicht nur in Schwaikheim, auch in Winnenden und Bittenfeld, berichtet Lisa Ros, die für die Einrichtungen zuständig ist. Es habe ja nicht nur die Sorge um die Tagespflege-Gäste gegeben, sondern auch Ängste um die Arbeitsplätze der dort Beschäftigten. Es sei aber gelungen, während der Schließung alle in der stationären Pflege unterzubringen, was für die meisten, zugegeben, eine große Umstellung gewesen sei: „Das ist ja ein ganz anderes Arbeitsfeld.“ Aber: Niemand wurde entlassen und das ist das Wichtigste.

Bei den Gästen beziehungsweise den Angehörigen, die auf die Tagespflege angewiesen sind, sei es gelungen, diese je nachdem in Kurzzeit- oder temporär in Dauerpflege zu übernehmen, soweit Plätze frei waren. „Es gibt ja auch welche, die kamen an sieben Tagen in der Woche in die Tagespflege.“ Als die Lockerung des Lockdowns begann, seien immer mehr Anfragen, Anrufe gekommen, weil immer mehr berufstätige Angehörige nicht mehr im Home-Office arbeiten konnten, sondern zurück in die Firma mussten, so Lisa Ros weiter.

Zahl der Plätze etwas reduziert

Die Wiederöffnung der Tagespflege bedeutet, vorerst zumindest, Maskenpflicht für die Mitarbeiter, strenge Hygienevorgaben und dass die maximale beziehungsweise vorherige Platzzahl nicht ausgeschöpft werden kann. In Schwaikheim zum Beispiel dürfen statt 17 Tagespflegegästen nur 13 da sein. Es gibt feste Besuchstage, damit die Gruppen nicht durchmischt werden, so soll das Ansteckungsrisiko minimiert werden. Die Angehörigen, die Tagespflegegäste bringen, müssen diese draußen „abgeben“, dürfen also nicht mit rein. „Aber normalerweise kommen die eh nicht mit rein und wenn ja, wird eben vorher ein Symptomcheck bei ihnen gemacht.“

Die Tagespflegegäste müssen keine Maske tragen, aber es wird ihnen empfohlen. Wer es will, aber keine dabei hat, der bekommt eine. Was ist mit Handschlag oder Umarmungen zur Begrüßung? „Nö, geht nicht, man ist das von daheim ja gewohnt, aber es ist doch klar, dass das wiederkommt“, erzählt Voigt. Pflegerische Maßnahmen seien aber nach wie vor selbstverständlich, betont Samira Jaworski, die Pflegedienstleiterin. Auch die „Aktivierungsangebote“ liefen weiter, ergänzt Mitarbeiterin Marianne Kugel. Also etwa das tägliche Zeitungslesen, der Spielenachmittag, Gymnastik oder das Sommerthema. Man habe aber auch demente Tagesgäste. Denen die Abweichungen vom Gewohnten zu erklären, sei schwierig.

Es werden neue Gäste aufgenommen

Knapp 150 Gäste hatten die Tagespflegen von Haus Elim vor der Schließung, die sich auf rund 80 Plätze verteilen, inklusive Burgstall, wo demnächst eröffnet wird. Die Gäste sind nach der Wiedereröffnung nicht viel weniger als vorher, aber sie kommen an weniger Tagen als bislang und und sieben Tage, also die ganze Woche, geht ohnehin nicht. Voigt zum Beispiel kommt dienstags und donnerstags, was aus seiner und seiner Frau Sicht nicht optimal, weil zu eng aufeinander, ist. Dass er auf Freitag wechseln kann, sobald dort ein Platz frei wird, das Versprechen steht. Es werden wieder neue Gäste aufgenommen, es gibt also keinen Aufnahmestopp.In Schwaikheim hat die Tagespflege 13 Mitarbeiter plus fünf Fahrer, „wir sind also sehr gut betreut“, kommentiert Voigt den Personalschlüssel launig. Die meisten sind in Teilzeit beschäftigt oder haben einen Minijob. Für die Fahrer bedeutet Corona, dass sie auch mal unterwegs sind, um Masken zu holen, oder sie zum Waschen bringen. Insgesamt sind in den Haus-Elim-Tagespflegen rund 40 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir sind froh, dass wir wieder hier sein können“, sagen Marianne Kugel und Samira Jaworski.Lisa Ros sieht in der neuen Tagespflege in Burgstetten, ab Juli mit 30 Plätzen verteilt auf zwei Gruppen in Betrieb, die Chance, die bestehenden Standorte zu entlasten. Die Nachfrage sei hoch, es könnten Plätze in Schwaikheim, Bittenfeld und Winnenden frei werden.