Schwaikheim

Der bisherige Edeka-Standort in Schwaikheim wackelt

Edeka
Rundgang mit der Familie Härdter, Bürgermeister Gerhard Häuser (l.), Kreisbauchef Dirk Braune (3.v.r.) und Frank Meng (r.) von Edeka. © ALEXANDRA PALMIZI

Schwaikheim bekommt in Bälde einen neuen, modernen, großen Lebensmittelmarkt in der Ortsmitte. Die schlechte Nachricht: Es sieht entgegen der seitherigen Annahme gar nicht gut aus für den bestehenden Markt der gleichen Kette an der Bahnhofstraße. Das hat sich bei einem Pressegespräch wenige Wochen vor der Neueröffnung herausgestellt. Dieses fand am neuen Standort statt, mit Frank Meng, bei Edeka Südwest zuständig für Expansion und Projektentwicklung, der Betreiberfamilie Härdter, Bürgermeister Gerhard Häuser, und auch der Geschäftsführer der Kreisbaugesellschaft Waiblingen Dirk Braune kam seitens der Bauherrenschaft der Neuen Ortsmitte eigens dazu.

Beim Rundgang zunächst können sich die Besucher davon überzeugen, dass der neue Markt weitgehend fertiggestellt ist. Noch sind zwar Ladenbauer da, aber es wird bereits fleißig in die Regale eingeräumt. Die Abnahme ist vor zwei Wochen erfolgt. Die verschiedenen Bereiche, Abteilungen sind erkennbar, das „Gesicht“ des Markts zeichnet sich klar ab, wobei Härdters da ein gewichtiges Wörtchen mitgeredet haben, zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit, nämlich die beiden Standorte oben im Ort und in Neckarweihingen wie gewohnt zu betreiben. Das müsse auch so sein, betont Meng, denn für die Gestaltung eines neuen Markts gebe es keine „Blaupause“, die man nur aus der Schublade zu ziehen brauche.

Auffällig ist unter anderem die offene Deckenkonstruktion, von dem ganz anderen Ambiente als im bestehenden, wirklich „alteingesessenen“ Markt an der Bahnhofstraße zu schweigen. Der Fokus bei der Präsentation des Sortiments werde mittlerweile auf die Ware selbst gelegt, auf deren „Inszenierung“, das ganze Drumherum falle daher eher „gedeckt“ aus, so Meng. Er erinnerte auch noch mal an den Strategiewandel der Lebensmittelmarktketten, weg vom Ortsrand, weg von der grünen Wiese, rein in die Orte, möglichst in die Ortsmitten, so weit wie möglich fußläufige Erreichbarkeit für die Kunden, damit aber auch weitestgehender Verzicht auf ebenerdige Stellplätze – so wie es in Schwaikheim mit der Tiefgarage geschehen wird.

1200 Quadratmeter Verkaufsfläche sei die unterste Grenze

Ebenfalls auffällig: Die Ware, die zu kühlen ist, wird komplett in Schränken mit Glastüren dargeboten, die die Kunden öffnen müssen. Auch das sei ein Wandel, weg von der offenen Sortimentpräsentation, wobei die allerdings kaum mehr Energie verbrauche, so Meng. Die Kunden akzeptierten heutzutage erfahrungsgemäß die „Barriere“ Tür. Er weist beim Rundgang auf die Nachfrage nach der Verkaufsfläche beiläufig darauf hin, dass diese mit 1200 Quadratmetern (ohne den Maurer-Backwarenladen daneben) heutzutage die kleinste Größe ist, um einen Vollsortimenter wirtschaftlich betreiben zu können. Eine Randbemerkung, die kurz darauf noch eine gewichtige Rolle spielen wird. Noch eine Besonderheit wird der eigene Küchenbereich sein für die Zubereitung von Tagesessen, die mitgenommen werden können. Man gehe davon aus, dass es dafür in der Ortsmitte Bedarf gebe, so Meng. Thomas Härdter seinerseits verweist als Clou auf den mit CO2 betriebenen Kühlmittel-Kreislauf, mit dem im Winter aber auch geheizt wird. Der Markt werde sich von dem ebenfalls noch relativ neuen (seit sechs Jahren in Betrieb) in Neckarweihingen komplett unterscheiden, aber genau zu Schwaikheim passen, verspricht er.

Härdter: Die Lücke beträgt nur zwei Tage

Der neue Markt wird am Mittwoch, 14. April, eröffnet. Der bisherige Markt hat zumindest vorläufig zuletzt am Samstag, 10. April, geöffnet. Es werde also nur zwei Tage keinen Edeka in Schwaikheim geben, betont Härdter. Am Ende der Runde stellt sich Meng den unvermeidlichen Fragen zur Zukunft des bestehenden Markts. Mit Antworten, die darauf schließen lassen, dass der eher keine hat. Er formuliert es so: Dieser Standort werde „auf absehbare Zeit“ geschlossen, man habe noch „ein paar Ideen“ zur „Nachnutzung“, die man mit dem Vermieter des Gebäudes Jörg Rommel besprechen werde und bei deren möglicher Umsetzung man auf diesen angewiesen sei. Die Rahmenbedingungen „oben“ seien nun mal nicht ideal, so Meng, vor allem auf das Thema Verkaufsfläche zurückkommend. Es gebe dort mit knapp 600 Quadratmetern einfach nicht genug Platz, um das Sortiment zu präsentieren. Darunter habe schon der bisherige Betrieb gelitten, sei nur eingeschränkt möglich gewesen. Eigentlich hätte Edeka schon vor ein paar Jahren „einen Schnitt gemacht“. Die Schwaikheimer würden bald erkennen, warum der neue Markt die Zukunft sei und warum der bisherige Standort das für einen Vollsortimenter eben nicht sei.

Meng erinnert in diesem Zusammenhang auch daran, dass die erwünschte Erweiterung an der Bahnhofstraße damals von der Gemeinde abgelehnt worden sei. Zumindest legt er den Vorgang von damals so aus. Dafür, dass es nun einen neuen, besseren Standort geben wird, habe man zehn Jahre lang gearbeitet. Edeka habe nie „versprochen“, dass es am bisherigen Standort nach der Eröffnung des neuen Markts weitergehe. Man brauche alle Kraft, um dieses Projekt zu stemmen, das sei auch ein Kraftakt für die Betreiberfamilie Härdter. Der bisherige Markt werde ganz kurz bis vor die Eröffnung des neuen ja noch in Betrieb sein, die Versorgung der Bevölkerung sei also gewährleistet.

Häuser konfrontiert Edeka-Vertreter mit bisherigen Aussagen

Der neue Markt sei in der Tat ein Quantensprung für die örtliche Versorgung, wie überhaupt das ganze Projekt Neue Ortsmitte inklusive der fast 50 neuen Wohnungen dort von großer Bedeutung für Schwaikheim sei, bestätigt Häuser zunächst. Er entgegnet Meng allerdings, dass die seitherigen Aussagen von Edeka, was den bisherigen Markt angehe, andere gewesen sind. Häuser verweist dazu auf den Ortstermin im November 2018, als bekanntgegeben wurde, dass die Familie Härdter auch den neuen Markt betreiben wird. Damals hatte Meng gesagt, es sei „Ziel“ von Edeka, in Schwaikheim „zweigleisig“ zu fahren, beim bestehenden Markt aber mit einem anderen Konzept als bisher. Damals war, bedingt durch die zur Verfügung stehende begrenzte Verkaufsfläche, von einem eingeschränkten beziehungsweise darauf konzentrierten „Bio“- oder „Regio“- oder „Convenience Food“-Sortiment die Rede. Damals hatte Meng zudem von einem „langfristigen Interesse“ Edekas an dem Standort gesprochen und dass man das Feld nicht den Mitbewerben überlassen wolle. Eine inhaltlich ganz ähnliche Aussage hatte Meng im Januar 2018 in einer Mail an Häuser gemacht. Die Abkehr von dieser Absichtserklärung nun sei ein deutlicher Rückschlag, kritisiert dieser. Es gebe Erwartungen in der Bevölkerung, die sich auf die bisherigen Aussagen stützten.

Edeka: Wenn es Härdters nicht gäbe, wäre schon längst geschlossen

Thomas Härdter wendet daraufhin ein, es sei nicht versprochen worden, dass es „nahtlos“ an beiden Standorten weitergehen werde. Mittlerweile schreibe man das Jahr 2021, hält auch Meng dagegen. Seit 2018 habe es „Entwicklungen“ gegeben, es gebe „Rahmenbedingungen“, die der Verbraucher stelle, man brauche also Konzepte, die auch mittelfristig überleben sollten, so eines habe man aber für den bestehenden Standort bislang nicht. Er gibt auch zu bedenken, dass, wenn die Familie Härdter nicht gewesen wäre, dieser schon längst geschlossen worden wäre. „Man muss doch auch sehen, dass wir seit fast 25 Jahren dort mit 600 Quadratmetern Verkaufsfläche auf drei Stockwerken und ohne Aufzug arbeiten“, betont Thomas Härdter, „und trotzdem hat Edeka immer Schwaikheim die Treue gehalten.“.

Angesichts der sich aufschaukelnden Stimmung springt daraufhin Braune in den Ring, um die Gemüter zu beruhigen. Jeder in Schwaikheim wisse, mit wie viel Herzblut, beeindruckender Leidenschaft die ganze Familie Härdter dahinterstehe, die Nahversorgung im Ort zu sichern, wie viel Kraft und Energie sie dafür aufwende. Es seid doch ganz sicher, dass der neue Markt ein „Flaggschiff“, ein „Leuchtturm“, werde. Braune verspricht erneut, dass es zur Einweihung der Neuen Ortsmitte ein Fest für die Bürgerschaft geben werde, auch wenn das wegen der Corona-Pandemie wohl nachgeholt werden müsse.

Schwaikheim bekommt in Bälde einen neuen, modernen, großen Lebensmittelmarkt in der Ortsmitte. Die schlechte Nachricht: Es sieht entgegen der seitherigen Annahme gar nicht gut aus für den bestehenden Markt der gleichen Kette an der Bahnhofstraße. Das hat sich bei einem Pressegespräch wenige Wochen vor der Neueröffnung herausgestellt. Dieses fand am neuen Standort statt, mit Frank Meng, bei Edeka Südwest zuständig für Expansion und Projektentwicklung, der Betreiberfamilie Härdter,

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