Schwaikheim

Der Schwaikheimer VfB-Fanclubs hat noch Hoffnung – für die Relegation

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V.l: Vorsitzender Timo Scheufler, Wirt Jason, Jürgen Ulrich, Manfred Altmann (beide Event-Manager), Katrin Bräckle (Schriftführerin), Daniel Bräckle (Webmaster) und Thomas Laible (Kassier). © Benjamin Büttner

„18 Uhr 93“: ihre Antwort auf die Frage nach der Uhrzeit. Beim „Bermuda Schwoiga“ haben sie den Humor noch nicht verloren. Auch wenn der Schwaikheimer Fanclub die Darbietungen des VfB aktuell wenig lustig findet. Aber sie könnten ja statt mit dessen Gründungsjahr mit ihrem eigenen antworten: „20 Uhr 17“. Der Durst ist auch nicht abhandengekommen, es läuft, anders als auf dem Rasen. Schlaflose Nächte hinter oder vor sich, bis zum möglicherweise bitteren Ende, Abstieg in die zweite Liga, der der dritte innerhalb von sechs Jahren wäre? Eher nicht.

Wie ist die Stimmung, nach der trostlosen „Leistung“ in Berlin am Sonntag (0:2 gegen Hertha)? „Gemischt“, „eigentlich gar nicht so miesepetrig“, „innerhalb erstklassig, obwohl die Situation angespannt ist“, so die Antworten der Ausschussmitglieder beim Treff in der Stammkneipe. Sie verweisen auf die weiter wachsende Mitgliederzahl, steuern auf die 200 zu, obwohl es in der Tabelle stetig nach unten gegangen ist. Dass man oft gemeinsam zu den Auswärtsspielen fahre, komme gut an. Nach dem ersten Abstieg damals sei es schlechter gewesen, mittlerweile kenne man das ja.

Im Ranking der Fanclubs sehen sie sich weit vorne

„Wir halten zusammen“, lautet die Durchhalteparole. Für das bevorstehende Auswärtsspiel in München am vorletzten Spieltag gebe es schon wieder zig Anmeldungen. 100 Tickets haben sie bestellt, die 100 bekommen sie auch, keine Selbstverständlichkeit. Das zeige, wie weit oben sie als Fanclub im Ranking stünden, eben weil sie oft so viele Karten ordern. Ihre solide, vom VfB geschätzte Ticketabnahme, über den sie auch bei Auswärtsspielen bestellen, bedeutet, dass sie bei den Spielen beieinander, im stets selben Bereich im gleichen Block stehen, sich also sehen und auch unterhalten können, wenn es auf dem Rasen mal gerade nicht so spannend ist, aber auch gemeinsam unterstützen, wenn die Mannschaft sie braucht. Bei Heimspielen ist das von der Haupttribüne aus gesehen in der Cannstatter Kurve ganz rechts, nicht bei den Ultras, die sich hinterm Tor ballen.

Okay, jetzt aber: Wie sehen sie die „Lage“, die sportliche der Mannschaft? „Dramatisch“, „ernst, aber nicht hoffnungslos“, auch „die Hoffnung stirbt zuletzt“ kommt. Zunächst sind sich alle einig, es sei richtig gewesen, am Trainer (damit auch am Manager) festzuhalten, als es sehr lange Zeit überhaupt nicht mehr lief. Aber diese Einigkeit bröckelt im Laufe des Gesprächs. Die Ergebnisse „stimmen“ halt nicht, von zwei Ausnahmen in der Rückrunde, den Siegen gegen Gladbach und Augsburg, abgesehen. Und dann das Spiel in Berlin: „Das hat mir ein bisschen den Stecker gezogen“, „so etwas darf nie wieder passieren“, „denen ist das Herz in die Hose gerutscht“, „dass da jeglicher Kampfgeist gefehlt hat, das war erschreckend“, „das war ein Offenbarungseid“, „so ein Spiel darf man sich einmal im Jahr leisten, aber in der Situation?“ Natürlich haben sie gesehen, dass sich wenigstens Mavropanos dagegengestemmt hat und dass bei Thommy nach seiner Einwechslung die Einstellung stimmte.

Der Leistungsabfall sei unübersehbar

Aber sonst? Viel zu wenig, um im Abstiegskampf bestehen zu können, so der Tenor. Das Problem sei, dass die Mannschaft „an sich technisch gut“ sei, daher glaube, alles spielerisch lösen zu können, wenn aber wie jetzt und auch in der wahrscheinlichen Relegation vor allem Kampf verlangt sei, da komme nichts, könne sie nicht umschalten. Das wird auch Trainer und Manager vorgehalten. Einer meint, es gebe ein Einstellungsproblem, verweist darauf, dass die Mannschaft in dem ganzen Spiel keine einzige wirkliche Torchance gehabt und reihenweise Zweikämpfe verloren hat oder gar nicht in die reingegangen ist. Der VfB habe über die gesamte Saison gesehen kaum Gelbe Karten kassiert, das spreche Bände. „Dabei können die anders, siehe Gladbach und Augsburg“, ergänzt einer, aber eher zustimmend als widersprechend. Die Mannschaft sei verängstigt, das sehe man daran, dass fast keiner den Ball wolle. „Die merken jetzt, dass sie was zu verlieren haben“, erklärt sich einer das Rätsel. Die Frage sei auch, warum die immer erst in Rückstand geraten müssten, um aufzuwachen, meint ein anderer, „und in Berlin sind sie erst gar nicht hochgekommen.“

Hat die Mannschaft „die Hosen voll“? Breite Zustimmung. Der Leistungsabfall sei unübersehbar. „Vorher haben sie ja gut gespielt und trotzdem oft verloren. Aber jetzt spielen sie nicht mehr gut und verlieren auch.“ Dann noch dieses vergiftete Lob vom Hertha-Trainer Magath nach dem Spiel, der VfB sei eigentlich die meiste Zeit die bessere Mannschaft gewesen, kein Trost, nicht mal mehr zum Lachen. Matarazzo und Mislintat geraten ins Visier. Die aus Fan-Sicht sinnlosen Einwechslungen zum Ende des Spiels hin. In der Hinrunde sei alles schöngeredet worden. Mit dem Hinweis, dass im Laufe der Rückrunde die Langzeitverletzten der Offensive wieder zurückkehren würden und dann alles besser würde. Wie müsse das auf die gewirkt haben, die in der Zeit spielten, welche Perspektive habe man ihnen damit gegeben, lautet die Frage. Außerdem habe man der Mannschaft damit ein Alibi, die Chance für Ausreden, verschafft. Das sei für die „zweite Reihe“ demotivierend gewesen. Aber gut, „von der Bank“ komme beim VfB eh nichts, es fehle schlicht Bundesliganiveau hinter den ersten elf. Deswegen gebe es auch keine Konkurrenz in der Mannschaft, zu wenig Reibung, Reize. Erst jetzt kämen von den Verantwortlichen andere Töne, sei es vielsagend, wenn eine Schlagzeile lautet, endlich werde beim VfB im Training auch mal gegrätscht.

Stammtorhüter Florian Müller bekommt sein Fett ab

Eine hält ein bisschen dagegen: Die Mannschaft sei nun mal jung, die Langzeitverletzten seien eben die Leistungsträger gewesen, die beiden Verantwortlichen hätten mit ihren Aussagen versucht, die Mannschaft nach außen zu schützen, intern sei mit Sicherheit Tacheles geredet worden. Widerspruch: „Ja, aber in der Rückrunde waren die ja wieder da, und was war?“

Aber in der Relegation, von der sie ausgehen, dass es der VfB dorthin schafft, den erforderlichen 16. Tabellenplatz erreicht, werde man gegen den den Dritten der zweiten Liga spielen, der egal, wer es sein wird, ja wisse, wie man Tore schießt, Spiele gewinnt, und dem bewusst sein werde, um was es geht, der – alles im Gegensatz zum VfB – im Aufwind sei. Bei dem seien alle im Verlauf der Saison schlechter geworden. Stammtorhüter Florian Müller bekommt sein Fett ab. Der gehöre zu den schlechtesten fünf in der Liga, halte nie einen Unhaltbaren. Warum man es nicht mit Fabian Bredlow versucht habe, der habe gezeigt, dass er es könne. Oder der Portugiese Tiago Tomás, in der Winterpause geholt, sofort „eingeschlagen“, alle haben dem VfB zu diesem „Raketen“-Transfer gratuliert „und jetzt, wo war der eigentlich am Sonntag? Der ist ja nicht mehr wiederzuerkennen.“

Was sind ihre Erwartungen, Hoffnungen für den Rest der Saison, in der noch drei Spiele ausstehen, zwei daheim, gegen Wolfsburg und Köln, und auswärts gegen die Bayern? Erinnerungen an das 4:1 in München, am letzten Spieltag 2018, die Bayern waren bereits Meister, natürlich die Hoffnung, dass sich so was wiederholen könnte, die Warnung, dass der VfB dort schon oft unter die Räder kam, Einspruch „aber gespielt haben wir dort fast immer gut“. Die Erwartung, dass es mit vier Punkten sicher in die Relegation reichen sollte, für mehr, um es noch auf den sicheren Rang 15 zu schaffen, fehlt die Zuversicht, eigentlich, da müsse schon viel zusammenkommen, gegen die Hertha, die einen Platz vor dem VfB steht. Andererseits, die Befürchtung, dass die Arminia den noch überholt und der VfB damit sicher abgestiegen wäre, ist gering. Die verbleibenden Spiele und Gegner der Hertha und der Arminia sprächen eher gegen beide Annahmen.

HSV und Schalke wären okay, St. Pauli und Darmstadt bitte nicht, erst recht nicht Bremen

Wen wünschen sie dem VfB als Gegner? Also, der HSV und Schalke könnten ihm liegen, weil die beiden auch spielstarke Mannschaften seien, die versuchten, das Spiel zu dominieren, und der VfB dann kontern könnte, was ihm eher liege, als das Spiel selbst zu machen. Daher wünschen sie sich als Gegner weder St. Pauli noch Darmstadt, weil die defensiv spielen würden und schon gar nicht Bremen, das sei eh zu stark, so die Befürchtung. Was ist, wenn das Unaussprechliche trotzdem passiert? „Das Wort Abstieg will ich gerade gar nicht hören. Noch geht’s ja für uns um was.“

„18 Uhr 93“: ihre Antwort auf die Frage nach der Uhrzeit. Beim „Bermuda Schwoiga“ haben sie den Humor noch nicht verloren. Auch wenn der Schwaikheimer Fanclub die Darbietungen des VfB aktuell wenig lustig findet. Aber sie könnten ja statt mit dessen Gründungsjahr mit ihrem eigenen antworten: „20 Uhr 17“. Der Durst ist auch nicht abhandengekommen, es läuft, anders als auf dem Rasen. Schlaflose Nächte hinter oder vor sich, bis zum möglicherweise bitteren Ende, Abstieg in die zweite Liga, der

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