Schwaikheim

Die freie Rednerin Claudia Wandrey und ihre Liebe zu Menschen und ihren Geschichten

Claudia Wandrey
Claudia Wandrey auf dem Schwaikheimer Friedhof. © ALEXANDRA PALMIZI

Was geht in einer Trauerrednerin vor, kurz bevor sie auf den Friedhof kommt und dort die Trauergäste sieht? „Ich bin meistens mit dem Auto unterwegs, versuche, mich zu fokussieren, und höre oft laut Helene Fischer“, berichtet Claudia Wandrey. Die 42-Jährige ist freie Rednerin für Trauungen und Abschiede. Was Helene Fischer mit Beerdigungen zu tun hat? Auf den ersten Blick nicht sonderlich viel. Claudia Wandrey, ehemalige Radiomoderatorin, erklärt: „Wenn ich auf eine Beerdigung komme, dann erwarten die Hinterbliebenen von mir, dass ich ihnen Halt gebe. Ich sollte Hoffnung ausstrahlen, wenn ich aus dem Auto steige. Dabei helfen mir die Lieder von Helene Fischer unheimlich. Die Lieder geben mir Energie.“

„Ich habe die Liebe zu Menschen und ihren Geschichten entdeckt“

Bei einer Funkanstalt zu arbeiten war schon als Kind der Traum von Claudia Wandrey, die gebürtig aus Herford bei Bielefeld stammt. „Meine Mutter hat gesagt, dass ich erst etwas Anständiges lernen soll. Also habe ich eine Friseurausbildung gemacht“, erzählt Wandrey. Dabei merkte sie jedoch, dass sie viel besser reden als Haare schneiden kann. Über verschiedene Praktika erhielt sie die Chance auf ein Volontariat, gewissermaßen die Ausbildung zur Radiomoderatorin. Beim Sender BigFM bekam Wandrey mit Claudis Nightlounge eine eigene Sendung. Dort konnten Menschen zu später Stunde anrufen, Claudia Wandrey sprach mit ihnen über ihre Probleme. Ein Pendant zur Sendung „Domian“ im WDR. „Die Nightlounge ist eingeschlagen wie eine Bombe, und ich habe dabei die Liebe zu Menschen und ihren Geschichten entdeckt“, berichtet Claudia Wandrey. Jene Liebe war es auch, die sie auf ihren jetzigen Beruf brachte: freie Rednerin für Trauungen und Beerdigungen. „Aus jeder Geschichte, die ich erzählt bekomme, nehme ich etwas mit, das mich weiterbringt“, erzählt Wandrey. 2019 hat sie ein Seminar mit IHK-Prüfung zur freien Rednerin gemacht. „Es ist kein geschützter Beruf. Im Prinzip kann sich jeder so nennen“, erzählt sie. Zum Leiter habe sie während des Seminars noch gesagt, dass sie nie Trauerreden halten wolle. „Ich habe mich ganz klar auf Hochzeiten gesehen“, sagt die 42-Jährige. Das habe sich im Laufe des Seminars jedoch geändert, bei ihrer Prüfung habe sie auch eine Trauerrede gehalten.

Der jüngste Trauerfall ist erst elf Monate alt gewesen

So kam es, dass die 42-Jährige seit Februar bei 40 Beerdigungen gesprochen hat. „Der jüngste Trauerfall war elf Monate, der älteste über 100 Jahre alt“, sagt Wandrey. Wie sie die Beerdigung des Kindes verkraftet hat? „Ich bin selbst Mama und habe gedacht, dass mich das mehr erwischt. Ich habe festgestellt, dass jeder Todesfall für mich gleich tragisch ist. Im Vordergrund steht es für mich, den Hinterbliebenen zu helfen, eine Stütze für sie zu sein.“ Bisher habe sie noch auf keiner Beerdigung von einem Menschen gesprochen, den sie persönlich kannte. „Eine gute Bekannte, die seit zehn Jahren einen Hirntumor hat, hat den Wunsch geäußert, dass ich bei ihrer Beerdigung spreche. Das wird dann vermutlich das erste Mal“, sagt die Rednerin, die sich selbst als „im Wasser gebaut“ beschreibt. Sie müsse schon weinen, wenn sie kleine Kätzchen in der Werbung sehe. Oft auch in den Gesprächen mit den Hinterbliebenen. „Bei der Beerdigung bin ich dann aber die Starke und der Ankerpunkt für die Familien“, sagt Wandrey.

Vorbereitungsgespräche dauern bis zu drei Stunden

Vorbereitungsgespräche mit den Angehörigen dauern meist anderthalb bis drei Stunden. Wichtig ist es ihr, sich Fotos aus dem Leben der verstorbenen Person anzusehen. So kann sie sich im wahrsten Sinne des Wortes ein besseres Bild der Person machen. „Bis ich meine Rede dann habe, geht es manchmal ganz schnell. Manchmal brauche ich aber auch tagelang“, sagt Wandrey, die vermutet, dass es ihr leichter fällt, wenn die Hinterbliebenen ihr frei heraus von Herzen über die verstorbene Person erzählen. Vorformulierte Sätze hat sie bei den Reden nie dabei. „Manchmal improvisiere ich auch, wenn ich merke, dass es passt“, sagt Wandrey, die explizit erwähnt, dass bei Beerdigungen auch gelacht werden darf. „Ich bringe in meinen Reden oft Zitate, für die die verstorbene Person bekannt war. Da wird manchmal tatsächlich laut gelacht, weil sich die Anwesenden genau daran erinnern. Wichtig ist es, dass die Beerdigung zu keinem Klamauk wird, sondern mit Würde und Respekt stattfindet“, erzählt die Trauerrednerin.

Die 42-Jährige findet, dass man sich bewusst mit der Endlichkeit auseinandersetzen sollte. „Jeder sollte sich meiner Meinung nach die Frage stellen, was bei der Beerdigung mal über ihn gesagt werden sollte. Dann weiß man, man was im Leben noch erreichen oder machen will. Meistens schiebt man den Tod allerdings eher vor sich weg. Ich finde, dass das eine Chance ist, denn der Tod ist sowieso da.“

Was geht in einer Trauerrednerin vor, kurz bevor sie auf den Friedhof kommt und dort die Trauergäste sieht? „Ich bin meistens mit dem Auto unterwegs, versuche, mich zu fokussieren, und höre oft laut Helene Fischer“, berichtet Claudia Wandrey. Die 42-Jährige ist freie Rednerin für Trauungen und Abschiede. Was Helene Fischer mit Beerdigungen zu tun hat? Auf den ersten Blick nicht sonderlich viel. Claudia Wandrey, ehemalige Radiomoderatorin, erklärt: „Wenn ich auf eine Beerdigung komme, dann

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