Schwaikheim

Kritik am Standort der neuen Flüchtlingsunterkunft

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Franziska Weil von der Gemeindeverwaltung berichtet den Schwaikheimer Bürgern über den Anstieg der Asylanträge. © Schneider / ZVW

Schwaikheim. Dass am Rande des Industriegebiets, am Ende der Max-Eyth-Straße, nun doch eine Flüchtlingsunterkunft hinkommen soll, hat Ralf Oetinger bei der Bürgerinformationsveranstaltung in der Gemeindehalle kritisiert. Er erinnerte an die Gründe, die im vergangenen Jahr dagegen angeführt wurden und die, auch aus seiner Sicht zu Recht, zum Umschwenken auf den Standort Gewerbegebiet Klingwiesen geführt haben.

Zu weit weg vom Ort, von der Infrastruktur, das sei seinerzeit angeführt worden, auch von Gemeinderäten, so Oetinger, der mit seinem Betrieb und Wohnhaus Nachbar sein wird und der seit kurzem im Freundeskreis Asyl ehrenamtlich mithilft. Auch die Polizei habe Bedenken wegen der Sicherheit geäußert, weil die Unterkunft am Rande der Bebauung und damit im Übergang zum freien Feld nur schwer einzusehen und zu kontrollieren sei, auf der anderen Seite aber auch die Flüchtlinge schwer zu schützen seien vor fremdenfeindlichen Angriffen. Tenor sei zudem gewesen, dass die abgeschiedene Lage der Integration der Flüchtlinge nicht förderlich und geradezu eine Barriere für die einheimische Bevölkerung sei, um Kontakt aufzunehmen. Oetinger bemängelte zudem die geplante Größe der Unterkunft mit 120 Plätzen. Auch das widerspreche früheren Aussagen zur empfehlenswerten Größe, nämlich etwa die Hälfte weniger an Plätzen. Ob das denn alles nicht mehr gelte, so seine Frage.

Bürgermeister: Seither hat sich die Lage dramatisch geändert

Bürgermeister Gerhard Häuser gab zu bedenken, dass die Entscheidung seinerzeit, die Unterkunft nicht im Industriegebiet zu erstellen, auf der damaligen Situation, nämlich deutlich geringeren Flüchtlingszahlen, beruht habe. Seither habe sich die Lage dramatisch geändert, rede man von ganz anderen, wesentlich höheren Zahlen.

Man brauche angesichts des angestiegenen Zustroms an Flüchtlingen größere Einheiten als bislang angenommen, so Dr. Rosemarie Längle-Sanmartin vom Landratsamt. Angesichts von 9900 Flüchtlingen, die der Landkreis bei der Erstunterbringung in diesem Jahr aufnehmen müsse, werde man mit den bisherigen Größen nicht mehr hinkommen. Es gebe im Rems-Murr-Kreis bereits Standorte mit bis zu 200 Flüchtlingen. Die Erfahrungen dort zeigten, dass das zu bewältigen sei. Natürlich wären kleinere Einheiten wünschenswert, aber die Realität sähe nun mal anders aus. Es gehe aber auch um die Wegstrecken, die die Unterkünfte betreuenden Sozialarbeiter, wenn sie pendeln müssen, zurücklegen müssen, darum, nicht viel Zeit auf der Straße zu verlieren.

Betreuen wird die Unterkunft, ebenso die im Gewerbegebiet Klingwiesen, die Caritas. Deren Regionalleiter Hendrik Rook berichtete, dass die Caritas im Rems-Murr-Kreis und im Kreis Ludwigsburg mehrere Unterkünfte in der geplanten Größenordnung betreue, also Erfahrung damit habe. Das sei durchaus händelbar, versicherte Rook.

Insgesamt verlief die Bürgerinformationsveranstaltung mit rund 150 Besuchern bis auf wenige Ausnahmen sachlich. Sorgen bereitet der Standort Max-Eyth-Straße aber offenbar auch den Blumen- und Gartenfreunden. Zumindest meldete sich ein Pächter aus der Kleingartenanlage am Eckweg zu Wort, die ebenfalls Nachbar der Flüchtlingsunterkunft wird. Er befürchtet, dass Flüchtlinge die Anlage heimsuchen, etwa dort angebaute Tomaten klauen könnten. Susanne Saltikiotis vom Freundeskreis wies darauf hin, dass Flüchtlinge durchaus gerne gärtnern, sich also selbst Tomaten ziehen würden, wenn man ihnen, wie geschehen, eine Fläche dafür überlasse. Das sei auch seine Erfahrung, so Häuser, der dem Verein riet, den künftigen Nachbarn doch einfach eine Kooperation anzubieten.

Schwaikheim. Dass am Rande des Industriegebiets, am Ende der Max-Eyth-Straße, nun doch eine Flüchtlingsunterkunft hinkommen soll, hat Ralf Oetinger bei der Bürgerinformationsveranstaltung in der Gemeindehalle kritisiert. Er erinnerte an die Gründe, die im vergangenen Jahr dagegen angeführt wurden und die, auch aus seiner Sicht zu Recht, zum Umschwenken auf den Standort Gewerbegebiet Klingwiesen geführt haben.

Zu weit weg vom Ort, von der Infrastruktur, das sei

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