Schwaikheim

Schwaikheim: Auch im Herbst haben Schwimmmeister im Freibad viel zu tun

BademeisterSchwaikheim
Bis Ende Oktober werden sie noch reinigen, reparieren, ausbauen, warten, stilllegen, winterfest machen. © Gaby Schneider

Das Vor-Corona-Niveau hat der Freibad-Besuch in dieser Saison zwar noch nicht wieder ganz erreicht, aber er hat sich von der Pandemie erholt, um im Bild zu bleiben. Rund 43.500 Gäste hatte die beliebte Freizeiteinrichtung, im vergangenen Jahr waren es knapp 16.000. Der Sprung nach oben dürfte weniger am idealen Badewetter über die meiste Zeit hinweg liegen als am Wegfall der Einschränkungen, der Rückkehr zum „normalen“ Betrieb.

Am 2. Mai wurde geöffnet und am 11. September geschlossen, wie geplant, betonen die beiden Schwimmmeister Ronny Biesold und Maria Häußermann, es gab also keine Schließungen zwischendurch – bei bestem Freibadwetter wegen technischer Probleme wie in Vorjahren (defekte Umwälzpumpen). Das Wetter passte sich dem Zeitfenster an, mit dessen „Eingang“ begann tatsächlich der Sommer und er endete exakt mit dem „Ausgang“. Damit hat allerdings die Arbeit für die beiden noch keineswegs aufgehört, auch wenn es morgens schon empfindlich frisch ist und zudem das Laub auf der Wasseroberfläche daran erinnert, dass nun wirklich Herbst ist.

War’s denn auch für sie ein „Super-Sommer“? Ja, könne man schon auch für die Saison sagen, Maria Häußermann fühlt sich an den Jahrhundertsommer 2003 erinnert. Sie ist doch erst Anfang 30, kann sie sich an den wirklich noch erinnern? Sie lacht. Klar, ihre Mutter war ebenfalls Bademeisterin (im Wunnebad, in Waiblingen und Aalen): „Ich hab’ meine Kindheit also im Freibad verbracht.“ Weil die Witterung zeitig hochsommerlich wurde, war der Spitzentag auch früh: Sonntag, 19. Juni, mit knapp 1500 Besuchern. Die Leute seien sehr zufrieden gewesen, endlich, nach Corona, wieder ohne die vielen Regeln baden zu können.

Unzählige Wespenstiche und „Fremdkörper entfernen am Fuß“

Natürlich habe es die üblichen, schier unvermeidlichen Malheurs gegeben, aber nichts Größeres. Einer schlug sich einen Zahn aus an der Rutsche, eine große Platzwunde, „unzählige“ Wespenstiche, diverse Schnitt- und Schürfwunden im Planschbecken und „Fremdkörper entfernen an Füßen“, ergänzt Biesold launig. Er hat angeregt, was auch passieren wird, die stachlige Hecke direkt an der Ecke des Durchgangs von der Dusche zum großen Becken zu entfernen. Biesold kann sehr direkt sein, wenn ihm etwas nicht gefällt, was nicht optimal für den Betrieb ist. Sagen wir es mal diplomatisch so: Den Standort für die Hecke hält er für nicht ideal. Er und die Kollegin ziehen aus langjähriger Erfahrung so Bilanz: „Kein Besuch vom RTW (Rettungswagen) ist ein Zeichen für eine gute Saison.“

Sogar sehr gut angekommen seien die beiden Feste, die sie im Bad veranstaltet haben. Die Planungen in Hinsicht auf die nächste Saison liefen bereits. „Die Nachfrage war so groß, die Leute freuen sich schon darauf“, so Maria Häußermann. Im nächsten Jahr wird ihr Kollege 50, in der gleichen Woche haben sie selbst und der Kioskpächter ebenfalls Geburtstag. Da ist also eine Dreifachparty fällig.

Bei der Wassergymnastik, die sie ebenfalls eingeführt hat, seien im Schnitt zwischen 30 und 50 Leute jeweils zu den beiden wöchentlichen Terminen gekommen, einer vormittags, der andere abends, Titel „Aquapower“, den er bei ihr nicht umsonst hat. Zum Turbo-Tempo, das sie als „Vorturnerin“ am Beckenrand anschlägt, erklärt sie: „Wenn ich da draußen langsam mache, dann machen die es im Wasser noch langsamer.“

Gasheizung Mitte Mai abgestellt und auch das Heizen der Umkleiden beendet

Ein Thema in den Freibädern war in dieser Saison die Wassertemperatur in den Becken. Viele senkten ihre ab, um Energie und damit Kosten zu sparen. In Schwaikheim dagegen sind sie in einer komfortablen Position, können nämlich 26 bis 27 Grad halten, ohne dass der Aufwand aus dem Ruder läuft. Sie haben die Gasheizung sogar Mitte Mai abgestellt, der Verbrauch sank damit von rund 13.500 Kubikmeter im Vorjahr auf knapp 9000 in dieser Saison. Außerdem hörten sie auch mit dem Heizen der Umkleideräume auf, eine „Gewohnheit“, die Biesold mit einem deutlich drastischeren Ausdruck belegt, der aber nicht unbedingt in einem Zeitungsartikel stehen muss, auch das hatte einen erheblichen Anteil am Rückgang des Verbrauchs, neben den hohen Außentemperaturen, versteht sich.

Klar, wenn es einen kühleren Sommer gegeben hätte, wäre schon die Frage gewesen, ein oder zwei Grad runterzugehen. Das Besondere ist aber, dass baulich-technisch das große Becken am Planschbecken „hängt“, energetisch daran gekoppelt ist, dass dort 27, 28 Grad sind und sein müssen, für die die Wärmepumpe sorgt, und zwar alleine, in Verbindung mit der Luftwärme. Die Schwimmer dort profitieren also vom Nachwuchs hier. Die beiden loben zudem die Solaranlage auf dem Dach des Umkleide- und Duschtrakts, deren Effizienz, die damit den Stromverbrauch des Bads deckt, so dass also kein Strom von außerhalb bezogen werden muss, das Bad in der Hinsicht „autark“ ist.

Sorgen wegen des Wasserverlusts, weiter Suche nach den Ursachen

Sorge bereitet ihnen aber der nach wie vor vorhandene Wasserverlust und damit der Zwang, nachzuspeisen, obwohl es deutlich besser geworden ist, sie zumindest einige der Quellen, wo das kostbare Nass flöten geht, ausfindig gemacht und trockengelegt haben. Kann es sein, dass die Becken nicht dicht sind? „Das wissen wir noch nicht, wir prüfen erst mal alles andere im Ausschlussverfahren“, so Biesold und fragt halb im Scherz, ob jemand im Flecken eine Wünschelrute hat und damit beim Suchen helfen könnte. Sie vermuten, dass es Verluste gibt in den Rohrverbindungen von der Pumpe zu den Becken, eventuell könnte die Beckenfolie undicht sein. Das große Becken selbst sei ja nicht mehr das jüngste. Mit erheblichem Wasserverlust stehe das Freibad aber ohnehin nicht alleine da in Schwaikheim.

Was machen Schwimmmeister, wenn die Freibadsaison vorbei ist? Sie nehmen die Anlage Schritt für Schritt außer Betrieb. Legen die Rinnen an den Beckenrändern frei, reinigen sie, lagern sie ein. Die komplette Technik mit den Filtern und Pumpen wird winterfest gemacht. Das Wasser bleibt in den Becken bis zum Frühjahr, in einer Höhe, dass bei Frost das Eis nicht auf den Beton oder die Folie gelangt und die schädigt, sie können den Wasserstand ohne die üblichen Eisdruckpolster über Druckausgleich regulieren. Die Sanitäranlagen werden gereinigt und trockengelegt, samt vorsorglichem Frostschutzmittel. Kleinreparaturen sind fällig. Die Chlorgastechnik wird ausgebaut, die Regel- und Messtechnik gewartet.

Sie wird den Winter über einmal in der Woche nach dem Rechten schauen

Ende Oktober werden sie mit all dem fertig sein, schätzen sie. Dann werden angesammelte Überstunden und der Resturlaub abgebaut. Maria Häußermann, die im nahen Affalterbach wohnt, wird allerdings den Winter über jeweils einmal in der Woche zwei Stunden lang nach dem Rechten sehen. Außerdem muss im Planschbecken die Umwälzpumpe nach einem „Totalschaden“ nun doch endgültig ausgewechselt werden, die neue hat eine lange Lieferzeit. Tagelang hatten sie „gebastelt“, vom Kombibecken her eine „Umgehung“ gebaut, um das Kinderbecken weiter notdürftig betreiben zu können, nicht zu sperren, solange die Saison noch läuft: „Woanders hätte es einfach geheißen ,zu und fertig’“ meint die Schwimmmeisterin.

Der erste Arbeitstag im neuen Jahr steht schon fix im Kalender: 27. Februar. Das Bad braucht bis zur Eröffnung acht bis zehn Wochen Vorlauf. Start soll in der ersten Maiwoche sein, möglichst gleich am Feiertag, der ein Montag sein wird und damit ein verlängertes Wochenende bedeutet. Ideen, was am Bad und im Betrieb noch verbessert werden kann, gehen ihnen auf jeden Fall nicht aus.

Das Vor-Corona-Niveau hat der Freibad-Besuch in dieser Saison zwar noch nicht wieder ganz erreicht, aber er hat sich von der Pandemie erholt, um im Bild zu bleiben. Rund 43.500 Gäste hatte die beliebte Freizeiteinrichtung, im vergangenen Jahr waren es knapp 16.000. Der Sprung nach oben dürfte weniger am idealen Badewetter über die meiste Zeit hinweg liegen als am Wegfall der Einschränkungen, der Rückkehr zum „normalen“ Betrieb.

Am 2. Mai wurde geöffnet und am 11. September

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