Schwaikheim

Schwaikheim: Feuerwehr übt mit Atemschutzausrüstung in Brandschutz-Container

Brandschutzcontiner
Bei einem „Flashover“ könnten schlagartig Temperaturen bis zu 1000 Grad entstehen. © Gabriel Habermann

Rauch überm Feuerwehrhaus in Schwaikheim: Wer in den vergangenen Tagen von der Avus in den Ort hineinfuhr, konnte einen Schrecken bekommen, denken, dort brennt’s, ausgerechnet bei der Feuerwehr. Bevor nun die üblichen Witze folgen, gibt Albrecht Meßmer von der Wehr zu bedenken, dass auch das in der Tat passieren kann, keineswegs ausgeschlossen ist, aber natürlich die Brandbekämpfer auch dafür Vorsorge getroffen, einen Notfalleinsatzplan bei sich selbst haben.

Mobile Anlage mit neuester Technik

Also, die Feuerwehr hatte in dieser Woche einen besonderen Gast. Quasi auf dem Hof stand ein Atemschutzbrandcontainer, eine mobile Übungsanlage. Und diese, ein rund vier Meter hoher Kasten, Meßmer selbst sagt „Monster“ dazu, kann mächtig qualmen. Es ist das neueste Exemplar, extra aus Kirchheim/Teck hergeschafft, das mit dem „Stand der Technik“ verschiedene Brandfälle simulieren kann bis hin zum „Flashover“, wie die Feuerwehrleute den „GAU“, den sie erleben können, nennen.

Unten, sozusagen im EG, ist quasi eine Wohnung nachgestellt, mit Küche, Schrank und Bett, die plötzlich durch Flammen, die aus allen möglichen Punkten hervorschießen, wie bei einem Flammenwerfer, in Brand geraten. Als ob das noch nicht schlimm genug wäre, kommt verschärfend zur Hitze noch qualvolle Enge hinzu. Simuliert wird in dem Container vor allem eine Art Kellerbrand, bei dem die Einsatzkräfte von oben kommen, über eine Wendeltreppe in der Anlage nach unten gelangen.

In dieses Inferno müssen nun die Atemschutzgeräteträger unter möglichst realen Bedingungen, mit ihrer kompletten, schweren Ausrüstung rein und Brandbekämpfung üben. Zur größtmöglichen Realität dieses Szenarios gehört auch, wie im Ernstfall, die ständige Kommunikation nach außen über Funk. Die Brandherde sind Sensoren, die über den Kommandostand am Heck der Anlage digital gesteuert werden. Was brennt, ist Gas. Vom Prinzip her funktioniere das also wie bei einem Bunsenbrenner, erklärt Meßmer.

Im Kommandostand ist ein Bedienungspanel mit Schalttafel, auch eine Luke, ein Guckfenster, um von dort zu beobachten, was drinnen passiert. Aber eigentlich sieht man, als es losgeht, wenig bis gar nix – wie in der Realität, betont Meßmer. Die Temperaturen an der Decke können bis zu 600 Grad erreichen, in ein Meter Höhe sind es immer noch 250 Grad, erklärt der Leutenbacher Kommandant Jochen Weller. Auch von seiner Truppe sind Leute da zum Üben.

Wer da erschreckt, dem erklärt er lächelnd, dass es bei einem Haus- oder Wohnungsbrand bis zu 1000 Grad heiß werden kann und der „Worst Case“ ist, wenn das Feuer auf einmal sozusagen Frischluft bekommt und es zu einem „Flashover“ kommt, bei dem sich alle brennbaren Oberflächen im Raum durch die Strahlungshitze des Rauchgases schlagartig entzünden, und auf den die Feuerwehrleute dort sofort mit einer Sprühstrahlung gegen die Decke reagieren müssen, um die Temperatur herunterzubekommen.

„Atemschutzgeräteträger“ ist das Ziel von jedem Aktiven

Bei der Feuerwehr gibt es viele Funktionsbezeichnungen, unterschiedliche Qualifikationen, ist eigentlich jede(r) (auch) ein Atemschutzgeräteträger? Das sei das Ziel eines jeden Aktiven, so Meßmer und Weller. Jede(r) muss einen entsprechenden Lehrgang mit Abschlussprüfung absolvieren, samt Medizincheck (unter 50-Jährige alle drei Jahre, über 50-Jährige jährlich), Theorieteil und Belastungstest auf einem Art Hindernisparcours, einem Gitterkäfig mit Tunnelröhre zum Durchkriechen absolvieren, in voller Atemschutzmontur, versteht sich. Auch die psychologische Belastbarkeit werde dabei geprüft.

Die Anlage nutzt, solange sie in Schwaikheim steht, nicht nur die einheimische Wehr. Auch Feuerwehrleute wie gesagt aus Leutenbach, aber auch aus Korb, Winnenden, Backnang und Aspach kommen. Um, wie Meßmer sagt, auch hautnah „Wärmerfahrung“ zu sammeln und die Taktik, das gezielte Vorgehen, zu üben. Das könne ein Kurs niemals ersetzen. Weller geht noch weiter, meint zum Sinn dieses praktischen Erlebens, Erfahrens, es sei „existenziell“, sprich überlebensnotwendig im Ernstfall, lebensrettend: „Hitze kann man nicht erklären.“ Früher, als es die mobilen Brandübungsanlagen noch nicht gab, habe es ja nur den Lehrgang gegeben und die Praxis seien eben nur die Einsätze selbst gewesen, man habe also nur im Ernstfall Erfahrung sammeln können.

Die „großen“ Brände seien in den letzten Jahren zahlenmäßig zwar immer weiter zurückgegangen, dank stetig verbessertem Brandschutz und immer mehr Brandmeldeanlagen, ergänzt Meßmer. Aber Feuer, wenn es da sei, suche sich alles, was es „auffressen“ könne und das sei durch die eingesetzten Baumaterialien im Laufe der Zeit immer mehr geworden: „Die Brände selber sind also gefährlicher geworden.“

Ein „Durchgang“ im Container dauert fünf bis zehn Minuten, „das langt auch“, meint Meßmer. Es gibt immer zwei, die alles im Auge haben, den Gruppenführer und den im Kommandostand. Geübt wird auch der Atemschutznotfall, dass nämlich beim Einsatz plötzlich ein Gerät ausfällt oder eine der Einsatzkräfte stolpert, stürzt. Auch für den Fall ist vorgeplant, es stehen Helfer des Rettungstrupps am sogenannten Verteiler (wo das Löschwasser entnommen wird, die angeschlossenen Schläuche zusammenkommen), um die andern rauszuholen.

Dabei sei immer auch zu bedenken, dass die Brandfälle sehr unterschiedlich sein können, so Meßmer. Zum Beispiel einfach darin, ob es sich um ein hohes Mehrfamilienhaus (in Schwaikheim Schillerstraße) oder ein niedriges Einfamilienhaus handle. Dementsprechend unterscheide sich die Einsatztaktik, der Personalaufwand, der Bedarf an Material. Auch das sogenannte Erkunden sei in einem Hochhaus sehr viel aufwendiger. Zudem müssten dort Abschnitte gebildet werden. Die Atemschutzgeräteträger sind dabei stets an der Rauchgrenze aufgestellt. „Die sind immer ganz vorne dran. Das ist das A und O bei unseren Einsätzen, dass das funktioniert“, betont Meßmer.

Rauch überm Feuerwehrhaus in Schwaikheim: Wer in den vergangenen Tagen von der Avus in den Ort hineinfuhr, konnte einen Schrecken bekommen, denken, dort brennt’s, ausgerechnet bei der Feuerwehr. Bevor nun die üblichen Witze folgen, gibt Albrecht Meßmer von der Wehr zu bedenken, dass auch das in der Tat passieren kann, keineswegs ausgeschlossen ist, aber natürlich die Brandbekämpfer auch dafür Vorsorge getroffen, einen Notfalleinsatzplan bei sich selbst haben.

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