Schwaikheim

Weihnachtsgarten im Industriegebiet

Weihnachtsgarten
Vikar Justin Vetter ist von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern unterstützt worden. © Gabriel Habermann

Idyllisch, verheißungsvoll, märchenhaft, leuchtend – der Weihnachtsgarten, den die freikirchliche Matthäus-Gemeinde zum dritten Mal aufgebaut hat, entführt in einen heimeligen Raum unter freiem Himmel. Er kann dieses Jahr sogar sprechen.

Wer wandelt in der Adventszeit nicht gerne durch die abendlichen Straßen? Wenn unterwegs festlich geschmückte Fenster leuchten und helle Sterne an den Scheiben hängen, ist die Vorweihnachtsstimmung nicht weit. Diese wohlige Freude durchglimmt den Spazierenden derzeit in der Max-Eyth-Straße. Wo die Straßen um diese Zeit besonders verlassen sind, funkeln dort geheimnisvolle Lichtpunkte. Eine beleuchtete Krippe bringt unter dem Abend- und Nachthimmel Licht ins Dunkel. Am Rande des Industriegebiets ist die Heilige Familie „eingezogen“ und stellt, eingebettet in eine Kulisse aus Tannenbäumen und Lichtergirlanden, die Weihnachtsgeschichte dar. Auch die drei Weisen und Hirten sowie einige Tiere sind Teil der Krippenszene.

Das Jesuskind ist nach dem Schneefall in dieser Woche etwas versteckt. Zwei Esel gucken mit Schnee auf den Ohren neugierig über den Lattenzaun, von einem Dromedar sind lediglich die zwei aus der Schneeschicht emporragenden Höcker sichtbar. Die Krippe ist handgemacht und Teil einer siebenteiligen Szenerie, die beim ersten Weihnachtsgarten während des Corona-Lockdowns 2020 vollständig zu sehen war. 2021 gab es eine Wiederholung.

Helfer signalisierten, den ganzen Aufwand nicht noch mal stemmen zu können

Außer Vikar Justin Vetter als einzigem Festangestellten bringen sich rund 60 Ehrenamtliche hier handwerklich, gestaltend und schmückend, organisierend oder sonst wie mitschaffend ein. Dieses Jahr hätten die Helfer signalisiert, dass der ganze Aufwand nicht erneut zu stemmen sei, unter anderem, weil inzwischen die während Corona stillgelegten Aktivitäten und Pflichten die Ehrenamtlichen wieder auf den Plan rufen, berichtet er.

So werde bewusst nicht die gesamte Geschichte erzählt. „Wir konzentrieren uns auf diese eine Szene aus dem Leben von Jesus im Stall, die aber nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören ist“, stellt Vetter die Neuerung vor. Nach der Art von Märchengarten ist auf Knopfdruck die biblische Erzählung für alle Umstehenden zu hören, ohne QR-Code und mobiles Endgerät mittels einer Audiospur wie in den ersten zwei Jahren. Die Erzählweise der Geschichte habe er kinderfreundlich gestaltet und immer abgestimmt auf jene Figuren, die auch zu sehen sind, erklärt der Vikar weiter. Zwei weitere Sprecher geben den Heiligen und den Hirten die Stimmen. Blökende Schafe begleiten die Vorleserstimmen und illustrieren das Gesagte. „Die Kinder erleben es in der Stimmung ganz anders und können noch mehr in die Geschichte eintauchen.“

Der Knopf und die Lautsprecher an der Station seien „Prototypen“. Für 2023 sei vorgesehen, den Weihnachtsgarten und die dazugehörige Weihnachtsgeschichte wieder auf die sieben Stationen auszuweiten, dann soll nämlich jeder Teil der Geschichte „sprechen“ können. Zudem sollen die Stationen inhaltlich und vom Aufbau her überarbeitet werden.

Ins Leben gerufen wurde die Idee im ersten Corona-Winter, nachdem klar war, dass an Weihnachten niemand in den Gottesdienst drinnen gehen könnte. So sang- und klanglos wollten sie sich aber nicht davon verabschieden, als Kirche in der besonderen Zeit etwas anzubieten - und so wurde der Gottesdienst ein Stück weit ins Freie verlegt. „Hier konnten die Menschen kommen, die Abstände waren gegeben und die Kontaktbeschränkungen konnten eingehalten werden.“

Der Minimalismus der Figuren lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche

Die Figuren, die im Herbst 2020 entstanden, faszinieren durch ihre Schlichtheit: Sie bestehen aus nichts weiter als einer Holzplatte, einer festgeschraubten Eisenstange und einem Tontopf. Auf jedem Gesicht deuten zwei simple Punkte die Augen an. Unterscheiden lassen sich die Figuren lediglich an ihren Outfits, Maria und Josef in schmucklosen Leinengewändern. Die Heiligen Drei Könige tragen bunte Seide, glänzende Ketten und turbanähnliche Kopfbedeckungen mit funkelnden Edelsteinen. Ohne aufwendige Schnitzarbeiten, einfach gehalten, so werde der Blick auf das Wesentliche gelenkt. Am Boden steht eine beleuchtete Holzkiste, die mit Jute überzogen wurde. Darin eine Flasche „Myrrhenöl“, eine Portion Weihrauch und sogar Gold – natürlich sind es Nachbildungen. Die Myrrheflasche ist leer und hat lediglich ein dekoratives Etikett bekommen, Kandiszucker imitieren die Weihrauchperlen und die Goldbarren sind in Goldfarbe getauchte Holzstücke. Vetter ist von der minimalistischen Machart begeistert: „Ich mag die Atmosphäre, das Einfache, schlicht und trotzdem schick gemacht.“

Noch bis 28. Dezember

Anhand der Aufrufe sei der Weihnachtsgarten nachweislich von jeweils mindestens 2000 Besuchern besucht worden, so Vetter. In den beiden Corona-Wintern ohne Weihnachtsmärkte hätten viele bis zu einer halben Stunde Anfahrt in Kauf genommen für das Erlebnis, so seine Erklärung für den Erfolg.

 Das abendliche Ein- und Ausschalten des Lichterscheins in der Krippe und auf dem Platz davor steuert eine Zeitschaltuhr.

 Der Weihnachtsgarten kann noch bis zum 28. Dezember besichtigt werden.

Idyllisch, verheißungsvoll, märchenhaft, leuchtend – der Weihnachtsgarten, den die freikirchliche Matthäus-Gemeinde zum dritten Mal aufgebaut hat, entführt in einen heimeligen Raum unter freiem Himmel. Er kann dieses Jahr sogar sprechen.

Wer wandelt in der Adventszeit nicht gerne durch die abendlichen Straßen? Wenn unterwegs festlich geschmückte Fenster leuchten und helle Sterne an den Scheiben hängen, ist die Vorweihnachtsstimmung nicht weit. Diese wohlige Freude durchglimmt den

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