Urbach

Abschaffung von 2G in Restaurants? Das sagen Urbacher Gastronomen dazu

heiko busse
Heiko Busse im „M1“. Er rechnet fest damit, dass wieder mehr los ist, wenn die sonnige Jahreszeit beginnt. © Benjamin Büttner

Im Einzelhandel ist die 2G-Regel kürzlich gefallen, auch Ungeimpfte dürfen Läden besuchen, die nicht nur der Grundversorgung dienen. In der Gastronomie sind die Vorgaben allerdings noch strenger. Im Rems-Murr-Kreis gilt aktuell die Alarmstufe 1, das heißt Besucherinnen und Besucher müssen dort einen 2G-Nachweis zeigen. Lediglich die Kontaktnachverfolgung entfällt. Nun wird aber bundesweit über weitere Öffnungsschritte diskutiert. Wir haben mit dem Urbacher „M1“-Chef Heiko Busse und Andreas Trautmann vom „Löwen“ darüber gesprochen, was sie davon halten.

Mehrere Medienhäuser berichteten zuletzt über eine Vorlage für die Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch, in der angedacht ist, ab dem 4. März wieder 3G in der Gastronomie zu erlauben. Damit hätten auch Ungeimpfte mit Test wieder Zutritt. Ab dem 20. März sollen sogar alle tiefgreifenden Maßnahmen fallen. Was genau das heißt und ob es tatsächlich so kommt, das wird sich erst noch zeigen, klar ist aber: Die Zeichen stehen momentan auf Öffnung.

Zweiten Job angenommen, um die Angestellten zu halten

„Das ist längst überfällig“, findet der „M1“-Betreiber Heiko Busse. Die aktuellen Regelungen hält er für „nicht mehr nachvollziehbar“. Er versteht nicht, warum im Einzelhandel schon gelockert werde, aber in den Gaststätten, wo lange Zeit sogar Kontakte nachverfolgt wurden, nicht. Im „M1“ habe er in den vergangenen zwei Jahren kein einziges Mal einen Corona-Fall gehabt, der auf das Eiscafé zurückverfolgt werden konnte. Dass die Kontaktnachverfolgung jetzt gekippt wurde, hält er deshalb für sinnvoll, findet aber: „Das muss mit den Lockerungen jetzt so weitergehen.“ Viele seiner Freunde aus dem Gastronomie-Bereich hätten schon aufgehört.

Und auch für den „M1“-Chef waren die Pandemie-Jahre keine einfachen. Corona-Hilfen habe er seit 2021 nicht mehr beantragt, dafür habe er aber wieder angefangen, als Zimmermann in dem Beruf zu arbeiten, den er ursprünglich gelernt hatte. „Ich stand auf der Kippe“, sagt er. Die Alternative wäre es gewesen, zwei Personen zu kündigen, und das wollte er unbedingt vermeiden – auch, weil ihm klar war, dass er sonst später sicherlich in Personalnot kommen würde, wenn das Geschäft wieder anziehe. „Die Leute zu halten war der richtige Schritt“, sagt er im Nachhinein. „Die würde ich sonst nie wieder kriegen.“ Auch die Kurzarbeit sei in der Gastronomie nicht so hilfreich gewesen wie vielleicht in anderen Branchen. Schließlich sei bei den Betroffenen nicht nur ein signifikanter Teil des Gehalts weggefallen, sondern auch das Trinkgeld.

Ausgangssperre sorgt für derbe Verluste

Dass nun die Kontaktnachverfolgung wegfällt, hat sich bei den Besucherzahlen im „M1“ nicht sonderlich bemerkbar gemacht. Heiko Busse findet den Schritt trotzdem gut. Negative Konsequenzen hatte für ihn Ende des vergangenen Jahres besonders die Sperrstunde, die in der Alarmstufe 2 galt. Er hatte extra investiert, um mit Hilfe eines Foodtrucks Weihnachtliches wie Glühwein in der Urbacher Mitte anzubieten. Da die Weihnachtsmärkte 2021 erneut ausfielen, sei das auch sehr gut gelaufen – bis die Sperrstunde und das Verbot des öffentlichen Alkoholausschanks dem Verkauf einen Strich durch die Rechnung machten. „Dann ist das völlig eingebrochen“, so Busse. „Von heute auf morgen haben wir wieder einen vor den Latz gekriegt.“

Unter der Woche laufe das Geschäft immer noch schleppend, die Leute wüssten nicht, welche Regeln gelten, da diese sich ständig ändern. Zudem nehmen sie, so der Eindruck von Heiko Busse, zusätzliche Hindernisse, um die Gastronomie zu besuchen, eher für einen Restaurantbesuch als für das Treffen im Café am Nachmittag auf sich. Immerhin am Wochenende könne er sich momentan nicht beschweren. Besonders am vergangenen Sonntag, der besonders sonnig war, kamen viele Menschen in das Eiscafé. Und auch generell werde Eis sicherlich weiter beliebt bleiben. Heiko Busse macht sich aber trotzdem Sorgen um die Zukunft der Gastronomie.

Neue Ausgeh-Kultur?

„Die Weggeh-Kultur wird sich verändern“, prophezeit er. Viele Leute hätten sich daran gewöhnt, sich zu Hause zu treffen, und während der Pandemie in ihre Anlagen und Fernseher investiert. „Die Leute haben sich daheim eingerichtet“, sagt Heiko Busse. Dabei hätten sie gemerkt, dass das langfristig auch besser für den Geldbeutel sei. Die klassischen Kneipengänger wieder an den Tisch zurückzuholen werde seiner Ansicht nach schwierig werden. „Das Eis, das gönnt man sich oder das wollen die Kinder“, meint er. Für Kneipen und Clubs sieht er die Zukunft aber weniger rosig.

Zu kämpfen hatte wegen der Corona-Pandemie auch das Gasthaus Löwen. „Nach zwei Schließungen ist das Personal weg“, bedauert Andreas Trautmann. Es habe sich um Minijobber gehandelt, die auch nicht einfach ersetzbar sind. „Da wird man niemanden mehr finden“, befürchtet Andreas Trautmann. Die Personalnot sei groß und Corona habe sie verschärft, weil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich lieber sicherere Jobs gesucht haben – schließlich bestehe die Möglichkeit, dass noch mal ein neuer Lockdown komme und sie dann wieder keinen Job hätten. Große Betriebe, so Trautmann, könnten festangestellte Mitarbeiter eher halten. „Aber wir kleinen werden einfach untergehen, dadurch, dass wir keine Leute mehr haben.“

Gäste sind verunsichert

Zumindest die 2G-Regel habe das Restaurant aber nicht stark getroffen. „Unsere Gäste sind zu 90 Prozent geboostert“, sagt Andreas Trautmann. Auch die verkürzten Öffnungszeiten seien nicht schlecht fürs Geschäft gewesen, da der Restaurant-Betrieb im Löwen zu dieser Uhrzeit ohnehin schon beendet sei. „Es wird auf jeden Fall besser werden“, sagt Andreas Trautmann zu den diskutierten Öffnungsschritten. Viele Gäste wären von dem ständigen Hin- und Her der Regeln verunsichert und ließen sich deshalb vom Restaurantbesuch zurückhalten. Und auch aufgrund der hohen Infektionszahlen seien einige nicht mehr gekommen. Andreas Trautmann wünscht sich jetzt eine klare Linie und verständlichere Regeln von Seiten der Politik.

Im Einzelhandel ist die 2G-Regel kürzlich gefallen, auch Ungeimpfte dürfen Läden besuchen, die nicht nur der Grundversorgung dienen. In der Gastronomie sind die Vorgaben allerdings noch strenger. Im Rems-Murr-Kreis gilt aktuell die Alarmstufe 1, das heißt Besucherinnen und Besucher müssen dort einen 2G-Nachweis zeigen. Lediglich die Kontaktnachverfolgung entfällt. Nun wird aber bundesweit über weitere Öffnungsschritte diskutiert. Wir haben mit dem Urbacher „M1“-Chef Heiko Busse und Andreas

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper