Urbach

Bahnhof in Urbach wird modernisiert - Dauer und Kosten sorgen für Kritik

BahnhofUrbach
Die Bahnstation in Urbach. © Gaby Schneider

Der Bahnhof in Urbach wird neue Bahnsteige und Beleuchtungsanlagen bekommen. Außerdem sollen Rampen einen barrierefreien Zugang ermöglichen. Allerdings soll diese Maßnahme voraussichtlich erst in sieben Jahren abgeschlossen sein – und satte 6,1 Millionen Euro kosten.

Wie viel Geld muss Urbach ausgeben?

Ganz übernehmen muss die Gemeinde diesen Betrag nicht. Denn Urbach ist das gelungen, was der Nachbarort Plüderhausen sich seit langem erhofft: die Aufnahme in ein Bahnhofmodernisierungsprogramm. Das aktuelle Förderprogramm sieht eine Eigenbeteiligung der Kommunen vor. 20 Prozent der Kosten müssen diese in der Regel übernehmen. Für kleinere Kommunen gibt es zusätzlich noch eine Härtefallregelung, die auch im Falle von Urbach greift. Maximal 80 Euro pro Einwohner: So hoch ist dann die Eigenbeteiligung – und zwar unabhängig davon, wie viel die Baumaßnahme am Ende tatsächlich kostet. Für Urbach mit seinen 8922 Einwohnern sind dies rund 710.000 Euro, verteilt über mehrere Jahre.

Was wird am Bahnhof saniert?

Urbach bekommt auf einer Länge von 280 Metern komplett erneuerte Kombibahnsteige, die unterschiedliche Höhen haben und dadurch verschiedene Zugtypen barrierefrei erreichbar machen. Außerdem werden die Beleuchtungsanlagen und die Bahnsteigausstattung erneuert. Grundsätzlich wird damit im Urbacher Bahnhofsumfeld Barrierefreiheit hergestellt, wie Michael Groh, Regionalleiter bei der Bahn, kürzlich im Gemeinderat erklärte.

„Das ist allerdings ein sehr langes Verfahren“, sagte Groh, „bei dem wir zunächst mehrere Jahre planen und genehmigen und dann erst modernisieren können.“ Alleine für die Planung sind Kosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro vorgesehen.

Vor 2025 werde ein Umbau nicht beginnen können. Und frühestens im ersten Quartal 2028 könnten die Urbacher ihren neuen Bahnhof dann in Betrieb nehmen.

Was sagt der Gemeinderat?

Obwohl sich die Fraktionen einig sind, dass der Bahnhof sanierungsbedürftig ist, sorgen die hohen Kosten und die lange Dauer für die Umsetzung der Maßnahme im Gemeinderat auch für Kritik. „Das ist schon eine Hausnummer“, meinte Detlef Holzwarth (CDU). Seine Fraktion sei „ganz klar“ für einen attraktiven Bahnhof, nur seien 710.000 Euro auch ein Betrag, über den man nicht einfach so schnell entscheiden könne. Er sprach sich deshalb dafür aus, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen.

Bei den Grünen sei man zunächst „geschockt“ gewesen angesichts der hohen Kosten, berichtete Burkhardt Nagel. Aber letztlich finde die Fraktion: „Für den öffentlichen Nahverkehr muss die Gemeinde das Geld in die Hand nehmen.“

Ingolf Spannaus von der Bürgerliste Umwelt meinte: „Die Investitionskosten sind hoch, aber gerechtfertigt. Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Und Ursula Jud (Freie Wähler) sagte, es sei ein Glück, dass Urbach jetzt ins Förderprogramm aufgenommen wurde, um endlich Barrierefreiheit an der Station herzustellen. Sie dachte zugleich mit Bedauern an die Nachbargemeinde Plüderhausen, wo am Bahnhof in diesem Bereich vieles deutlich mehr im Argen liege, die aber nicht ins Förderprogramm aufgenommen wurde.

Zugleich fehle ihr ein Gesamtkonzept für das Areal. Schließlich gebe es Überlegungen für eine Umgehungsstraße Richtung Urbach, die künftig den Verkehr von der Ortsdurchfahrt in Richtung einer verlängerten Steinbeisstraße verlagern würde. Das hätte auch Auswirkungen auf den Bahnhof und seine Umgebung.

Siegrun Burkhardt (SPD) betonte: „Ein barrierefreier Bahnhof, das ist dringend geboten.“ Ihre Fraktion wundere sich nur, dass das Gremium über dieses Thema jetzt ohne Vorbesprechung entscheiden soll. „Ich würde schon gerne zusammen mit dem Kämmerer die Finanzierbarkeit anschauen, um zu wissen, welche Projekte dafür nicht realisiert werden können.“ Ihr Antrag, das Thema zunächst nur zur Kenntnis zu nehmen und erst dann darüber abzustimmen, wenn die mittelfristige Finanzplanung vorliegt, fand indes keine Mehrheit.

Wie steht die Verwaltung dazu?

Man sei relativ „überraschend“ ins Programm aufgenommen worden, sagte Bürgermeisterin Martina Fehrlen zum Gremium. „Wir sind wirklich erfreut darüber und werden das sofort in den Haushalt 2022 aufnehmen, wenn Sie zustimmen.“ Die mögliche Verlängerung der Steinbeisstraße sei aus Sicht der Verwaltung jedoch unabhängig als eigenes Projekt zu betrachten.

Kämmerer Ottmar Köhler stellte klar, dass die voraussichtlichen Kosten für die Kommune sich auf etwa 70.000 Euro pro Jahr belaufen würden. Hinzu kämen 150.000 Euro als Beteiligung an den Planungskosten, aufgeteilt in drei Raten.

Weshalb kostet das Projekt so viel Geld?

Weshalb diese und das Projekt insgesamt so kostspielig ausfallen, erklärte Michael Groh wie folgt: Neben den Bemessungen von Architekten und Ingenieuren seien bahnspezifische Fachplanungsprüfungen notwendig. Außerdem sei die Bausteuerung sehr aufwendig, schließlich könne an der Station nur stundenweise und bei laufendem Betrieb saniert werden. Das Projekt müsse europaweit ausgeschrieben werden. Und im gesamten Baubereich seien die Kosten in den vergangenen Jahren explodiert. „Bisher war es immer so: Je länger man wartet, desto teurer wird’s.“

Auch Bürgermeisterin Fehrlen hat diese Erfahrung bereits gemacht: „Es wird immer teurer. Ich werbe dafür, deshalb jetzt in das Projekt einzusteigen. Wir müssen den öffentlichen Nahverkehr attraktiver gestalten, ein schöner, moderner Bahnhof ist da ein Punkt“.

Wie fiel die Entscheidung im Gremium aus?

Bei einer Enthaltung (Siegrun Burkhardt) beschloss der Gemeinderat dann, in die Planungen einzusteigen. Rund ein Jahr werden die Grobplanungen dauern, sagte Michael Groh von der Bahn. Bis 2028 werde er dann häufiger in Urbach zu Gast sein, um das Projekt zu begleiten.

Der Bahnhof in Urbach wird neue Bahnsteige und Beleuchtungsanlagen bekommen. Außerdem sollen Rampen einen barrierefreien Zugang ermöglichen. Allerdings soll diese Maßnahme voraussichtlich erst in sieben Jahren abgeschlossen sein – und satte 6,1 Millionen Euro kosten.

Wie viel Geld muss Urbach ausgeben?

Ganz übernehmen muss die Gemeinde diesen Betrag nicht. Denn Urbach ist das gelungen, was der Nachbarort Plüderhausen sich seit langem erhofft: die Aufnahme in ein

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