Urbach

Das Waldhaus – der große Zankapfel

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Das Waldhaus – der große Zankapfel_0
Das Modell „Hochsitz“ hat der Urbacher Gemeinderat vor fast einem Jahr fürs Waldhaus ausgewählt. Ob’s gebaut wird, entscheidet sich am 22. April beim Bürgerentscheid. © Habermann / ZVW
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Martina Fehrlen will am 22. April, einen Tag nach ihrem 40. Geburtstag, Bürgermeisterin von Urbach werden.
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Remshaldens Technischer Beigeordneter Dieter Schienmann (54) will Bürgermeister in Urbach werden.

Urbach. Die Kritiker der Remstal-Gartenschau, beziehungsweise der für 2019 in Urbach geplanten Projekte, wollen nicht Gegner genannt werden. Sie sind aber zumindest Gegner des Waldhauses, das ihrer Meinung nach nicht gebaut werden soll. Wohl kein Thema hat die Gemeinde Urbach und ihre Bürger so gespalten wie dieses Waldhaus. Ein Bürgerentscheid bringt Klarheit.

Bürgerentscheid? Das hatten wir doch schon einmal in Urbach. Knapp zehn Jahre ist es her, dass die geplante Kunst im Kreisverkehr beim Marktplatz durch das Votum der Bürger gekippt wurde. Heute stehen dort wieder Kunstwerke, Leitvögel nämlich, das Urbacher Symbol für die Remstal-Gartenschau schlechthin. Das ist vielleicht eine etwas profanere Kunst als die seinerzeit vorgesehene. Aber eine nicht weniger bedeutende.

Bürgerentscheid zum Bürgerhaus

Zumindest für die Urbacher, die für die Remstal-Gartenschau sind, wie sie ursprünglich geplant wurde. Also mit Waldhaus, auch wenn es inzwischen nicht mehr an dem Platz gebaut werden soll, an dem es einst geplant war. Unterhalb des früheren Bundeswehrdepots nämlich. Zu weit im Wald und vor allem vom Parkplatz weg, sagen die Gegner. Jetzt gibt es einen Alternativstandort. Er liegt näher am Parkplatz Hagsteige.

So denn das Waldhaus überhaupt gebaut wird. Ein Bürgerentscheid, der mit der Bürgermeisterwahl stattfindet, wird endgültig Aufschluss darüber geben. Angestoßen wurde er von den Gegnern des Waldhauses, die gleichzeitig Kritiker der Remstal-Gartenschau sind. Wobei sie sagen, sie seien nicht gegen diese Remstal-Gartenschau, sondern nur gegen manche der Urbacher Beiträge für diese Veranstaltung.

Am Anfang der Planungen war alles Friede, Freude, Eierkuchen. Zumindest schien es so. Urbach entschied sich dafür, im Zusammenhang mit der Remstal-Gartenschau ein waldpädagogisches Konzept zu verwirklichen. Die Gemeinde hatte damit ein Alleinstellungsmerkmal unter allen 16 Kommunen, die sich an der Remstal-Gartenschau beteiligen. Ein zweites Alleinstellungsmerkmal nach dem Erdrutsch aus dem Jahr 2001. Fast auf den Tag genau 17 Jahre ist dieses Naturereignis jetzt her.

Eine denkwürdige Einwohnerversammlung im Oktober

Die Gegner des Waldhauses vertraten die Meinung, Urbach habe mit dem Erdrutsch schon ein Alleinstellungsmerkmal. Das reiche. Urbach brauche kein zweites. Außerdem stehe das Waldhaus bei der Remstal-Gartenschau nicht an der Rems, sondern im Wald. Worauf von Forstmann Volker Speidel vor Jahren in einer Bürgerversammlung der ebenso legendäre wie richtige Hinweis kam, neben der Rems gebe es in Urbach nun mal keinen Wald und ein Waldhaus müsse, wie der Name schon sage, zwingend im Wald stehen. Alles andere mache keinen Sinn.

Worauf die Gegner/Kritiker nun die Finanzen als Argument ausgruben. Und darauf hinwiesen, dass sich das Ganze an der Rems abspielen müsse. Sie vergaßen dabei aber, dass die Gartenschau im Remstal stattfindet. Und zu einem Tal gehören auch Hänge, sonst ist es kein Tal.

Wie dem auch sei: Vermutlich haben Verwaltung und Gemeinderat die Bedenken nicht ernst genug genommen. Vielleicht war die Bürgerbeteiligung auch nicht gut genug – in welchem Sinne auch immer. Es kam im Oktober zur denkwürdigen Bürgerversammlung, die jetzt Einwohnerversammlung hieß. Einziges Thema: Remstal-Gartenschau.

Sie war denkwürdig, weil sie in weiten Teilen entwürdigend war. Anschließend waren nicht nur die Fronten noch mehr verhärtet, sondern das Tischtuch endgültig zerschnitten. Das Bürgerbegehren, angezettelt auch von Menschen, die persönliche Rechnungen glauben begleichen zu müssen, war die Folge. Der Bürgerentscheid dann nur die logische Konsequenz.


Sind Sie persönlich für oder gegen den Bau des Waldhauses?

Nach meinen vielfältigen Bürgergesprächen habe ich den Eindruck, dass sich am Waldhaus die Geister scheiden. Die Dorfgemeinschaft ist gespalten. Als neue Bürgermeisterin werde ich beide Gruppen wieder an einen Tisch bringen und die Grundlage für einen konstruktiven Dialog schaffen. Als neutrale Person von außen nehme ich beide Seiten und ihre jeweiligen Argumente sehr ernst.

Ich stehe voll und ganz hinter der Remstal-Gartenschau. Sie kann zu einem großartigen Ereignis für Urbach und das Remstal werden. Der Erlebnis-Charakter der Region wird stärker wahrgenommen, die interkommunale Zusammenarbeit wird gestärkt und die Gemeinden können ihre touristische Infrastruktur verbessern.

Urbach hat sich dazu entschieden, das Thema Wald und Natur in den Mittelpunkt seiner geplanten Projekte zu stellen. Eine sehr treffende Wahl. Urbach hat einen schönen Wald und liegt umgeben von wunderbarer Natur, wovon ich mir selber bereits ein Bild machen konnte.

Mit dem „Urbacher Bergrutsch“, dem Wald-Spiel- und -Grillplatz, dem erweiterten Walderlebnispfad und dem Mountainbike-Flow-Trail werden gute Möglichkeiten für Naturerfahrungen und -erlebnisse geschaffen. Waldpädagogik – wie sie teilweise heute schon bei den Naturerlebnistagen in der Grundschule umgesetzt wird – ist mehr als klassische Umweltbildung, sondern Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Um nachhaltig zu handeln, müssen wir im ersten Schritt die ökologischen, ökonomischen und sozialen Prozesse verstehen. Und wo geht das besser als im heimischen Wald? Waldpädagogik findet im Wald statt. Als Ergänzung vor und nach der Walderkundung, zur Präsentation von Ausstellungsstücken und von vielem mehr ist ein zentraler Ort für naturpädagogische Umweltbildung sicherlich sinnvoll.

Ob dieser Ort das am 12.12.2017 vom Gemeinderat beschlossene Waldhaus sein soll, entscheiden Sie beim Bürgerentscheid, der gemeinsam mit der Bürgermeisterwahl am 22.04.2018 durchgeführt wird. Ich akzeptiere Ihre Entscheidung und setze sie als mögliche künftige Bürgermeisterin um. Wichtig ist mir insbesondere, die Gemeinschaft im Ort wieder herzustellen und wertschätzend aufeinander zuzugehen. Meine persönliche Meinung zum Bau eines Waldhauses darf dabei keine Rolle spielen und bleibt daher privat

Sind Sie persönlich für oder gegen den Bau des Waldhauses?

Durch meine Mitarbeit in den interkommunalen Arbeitsgruppen der Gartenschau sind mir die Planungen Urbachs für die Remstal-Gartenschau 2019 schon seit längerem bekannt.

Urbach hat sich für die Remstal-Gartenschau 2019 das Thema Wald gegeben. Mit Wald-Spiel- und -Grillplatz, Walderlebnispfad mit Naturspielbereich Bärenbach und unterschiedlichen Mountainbikestrecken sind sehr schöne, familiengerechte und sympathische Projekte für den Gartenschaubeitrag Urbachs entstanden, von denen alle Urbacher noch lange Zeit profitieren werden. Das Waldhaus mit seinem wald- und naturpädagogischen Hintergrund ist ebenfalls Teil dieser Planung.

Für und Wider des Waldhauses werden in der Bevölkerung kontrovers und teilweise sehr emotional diskutiert. Ich kann die Bedenken, die die Gegner des Waldhauses formuliert haben, voll und ganz nachvollziehen und respektiere jeden, der sich gegen den Bau des Waldhauses ausspricht. Ob mit oder ohne Waldhaus: Urbach wird langfristig von den Gartenschauprojekten profitieren und an Attraktivität hinzugewinnen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ich mir als Bewerber um das Amt des Bürgermeisters Ihrer Gemeinde keine eigene Meinung zu diesem schwierigen Thema gebildet habe. Sie können und sollten dies von einem Bewerber, der sich über mehrere Wochen hinweg mit Ihrer Gemeinde auseinandergesetzt hat, auch erwarten.
Ich persönlich hege, trotz nachvollziehbarer Gegenargumente, Sympathien für das Waldhaus und würde mich freuen, dieses Projekt gemeinsam mit Ihnen umsetzen zu dürfen.

Da das Thema die Öffentlichkeit zu spalten droht, bin ich sehr froh, dass die Urbacher Bevölkerung über die Umsetzung des Teilprojektes Waldhaus am 22.4. eine Mehrheitsentscheidung treffen wird. Ein Bürgerentscheid ist ein zutiefst demokratischer Vorgang. Die Entscheidungsgremien einer Gemeinde und die Verwaltung haben das Ergebnis zu respektieren. „Im Falle meiner Wahl zum Bürgermeister von Urbach würde ich Ihr Votum ohne Wenn und Aber in die Tat umsetzen!“

(Anm. d. Red.: Die Kandidaten Miller und Hornauer haben die Frage nicht beantwortet)