Urbach

Das Wunder von Urbach: Der FC-TV wäre dieses Jahr 100 geworden

1/2
SC Urbach 100
Ihnen liegt der Verein am Herzen: Thomas Artmann, Ursula Jud, Petra Danner, Ilse und Hans Neuhäuser, Helmut Büber, Franz und Gerda Sperl, Wilfried Härer und Willi Werni (von links nach rechts). © Benjamin Büttner
2/2
fctv urbach
Die Württembergischen Pokalsieger von 1958. © Privat

Aus dem Urbacher Vereinsleben ist der SC Urbach sicher nicht wegzudenken. Jüngere Generationen wissen aber wahrscheinlich gar nicht mehr, wie der einst entstanden ist. Dabei ist seine Geschichte ziemlich spannend. Vor 32 Jahren schlossen sich der 1. FC-TV Urbach und der TSV Urbach, zwei Vereine aus den ursprünglichen Ortsteilen Unter- und Oberurbach zum SC Urbach zusammen. Die Fußballabteilung des FC-TV wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. Ein Rückblick auf die Höhepunkte einer bewegten Vereinsgeschichte.

Eigentlich soll man sich das Beste ja bekanntlich bis zum Schluss aufheben, aber wenn vom „Wunder vom Urbach“ die Rede ist, muss die Neugierde natürlich schneller befriedigt werden: Es ist die Fußballsaison 1967/68, der FC Urbach gilt in der 2. Amateurliga in diesem Jahr eher als Außenseiter. In der Saison zuvor hatte die Urbacher Elf noch um den Klassenerhalt gekämpft, aber auf einmal läuft alles rund, beziehungsweise erlaufen die Urbacher Spieler sich Tore, Siege und den Respekt der Fußballfans. Was zu Beginn der Saison noch unmöglich erschien, wird am Ende zur Realität: Der FC steigt in die 1. Amateurliga Nordwürttemberg auf. Eine große Ehre für den kleinen Verein, der nun auf derselben Ebene wie Clubs aus deutlich größeren Städten spielt.

Der FC-TV muss sich in der 1. Amateurliga gegen Großstadtvereine behaupten

„Das war der absolute Höhepunkt meiner Fußballkarriere“, sagt Helmut Büber, der damals für den FC Urbach spielte. „Als Dorfverein war das ein unbeschreibliches Erlebnis für die Dorfbewohner und Fußballspieler. Ich glaube, so eine Geschichte, wie wir sie hatten, hatte kein anderer Verein im Rems-Murr-Kreis.“ Ein Zeitungsartikel damals spricht den Erfolg unter anderem dem damaligen Trainer Jakob Henkel und Rudolf Degele, Vorsitzender des zu diesem Zeitpunkt etwa 200 Personen starken Clubs, zu.

Doch mit dem Aufstieg kamen natürlich auch neue Herausforderungen auf den Verein zu. In der 1. Amateurliga mussten sich die Urbacher gegen Großstadtvereine aus Städten wie Stuttgart, Göppingen, Esslingen und Ulm behaupten. „Ich weiß noch, dass manche gegnerische Vereine erst einmal auf der Landkarte geschaut haben, wo Urbach liegt“, sagt Helmut Büber. Teilweise habe es bei den Spielen mehr Schaulustige im Ort gegeben als Einwohner. Die Parkplatzsituation? „Katastrophal.“ Eine Saison lang konnten die Urbacher sich in der 1. Amateurliga behaupten, danach stiegen sie wieder ab.

Von ganz oben ist der Fall am größten - aber man rappelt sich wieder auf

„Der Verein war ein bisschen am Boden “, erinnert sich Helmut Büber. Den Tiefpunkt erreichte er laut dem ehemaligen Spieler in der Saison 1974/75; als Zweitletzter musste die bittere Pille des Abstiegs in die B-Klasse geschluckt werden. Später rappelte die Mannschaft sich aber wieder auf: Am Ende der Saison 1977/78 war der FC Meister der B-Klasse 1 und stieg unter Trainer Franz Walter in die neu geschaffene Bezirksliga auf.

1988 schlossen sich dann die Sportvereine TSV Urbach und FC-TV Urbach 18 Jahre nach dem Zusammenschluss von Oberurbach und Unterurbach zum SC Urbach zusammen, damals eine sehr kontroverse Entscheidung. Kurz zuvor, in der Spielsaison 1987/88 war der FC Urbach noch einmal Meister in der Kreisliga A 1 geworden. „Eine sehr gute Basis für den neuen Verein“, findet Helmut Büber noch heute.

Außer dem „Wunder von Urbach“ fallen dem Fußball-Begeisterten, der in mühsamer Arbeit eine Chronik des FC erstellt hat, auch noch andere Highlights aus der Vereinsgeschichte des FC ein. So zum Beispiel das 50-Jahre-Jubiläum der FC-TV-Fußballabteilung. Eigentlich stand die Feier aber zunächst unter keinem guten Stern.

Der Deutsche Meister zu Gast in Urbach

Kurz vor dem geplanten Fest zog der FC Bayern München laut Büber seine feste Zusage für ein Gastspiel in Urbach zurück. Stattdessen umwarben die Organisatoren spontan die Borussia VfL 1900 e. V. Mönchengladbach als Gastmannschaft. Das stellte sich als ein absoluter Glücksgriff heraus.

„Die als Notnagel verpflichteten Mönchengladbacher fingen den favorisierten FC Bayern München zum Saisonschluss noch ab und präsentierten sich bei der Urbacher Sportwoche als frischgebackener Deutscher Fußballmeister“, schreibt Helmut Büber in seiner Chronik. „Das fußballbegeisterte Urbach war aus dem Häuschen.“

Württembergischer Pokalsieger

Auch Schicksalsschläge blieben dem Unterurbacher Fußballverein nicht erspart. So verwüstete laut Helmut Büber 1956 ein Hochwasser den Waldsportplatz, so dass in der Saison 56/57 alle Spiele auf fremdem Gelände ausgetragen werden mussten. Zwei Jahre später sieht die Lage aber schon wieder ganz anders aus: 1958 siegt der FC Urbach gegen den FC Wangen und wird Württembergischer Pokalsieger - damals als Vertreter der 2. Amateurklasse. Diesen Titel hatten vorher nur Mannschaften der 1. Amateurliga gewonnen. Der wohl größte Erfolg für den Verein.

Und so kam das Beste nun doch am Schluss des Rückblicks. Aber wie geht es jetzt weiter mit dem SC Urbach? Der TSV Urbach würde nächstes Jahr 100 werden, Helmut Büber plant, auch hierfür eine Chronik zusammenzustellen. Eine größere Feier für die Jubiläen der zwei Clubs ist aber erst einmal nicht geplant, wegen Corona, aber auch weil Ehrenamtler zum Planen fehlen. Offen sei man dafür aber.

Weiterer Trainingsplatz

„Es hat einfach wenig bis nichts stattgefunden“, sagt Thomas Artmann, Vorsitzender des SC Urbach, der aktuell um die 1500 Mitglieder zählt. Die Pandemie habe dem Mehrspartenverein nicht geschadet, was die Mitgliederzahlen angehe. „Was fehlt, ist der Nachwuchs“, sagt Artmann aber. „Wenn nichts stattfindet, meldet sich niemand an.“ Die Pandemie sei fürs Ehrenamt allgemein nicht zuträglich gewesen. Zudem gebe es seit eineinhalb Jahren keinen offiziellen Leiter für die Fußballabteilung. „Aber wir sind auf dem Weg dahin“, so Artmann.

Was zudem den Fußballern im Kopf herumschwebe, sei ein weiterer Trainingsplatz in unmittelbarer Nähe des SC-Geländes. „Das Training konzentriert sich zu gewissen Zeiten“, sagt Artmann. Die Kapazitäten seien oft aufgebraucht. Das angedachte Grundstück gehöre aber weder der Gemeinde noch dem Verein, weswegen nicht sicher sei, ob die Pläne realisiert werden könnten.

Aus dem Urbacher Vereinsleben ist der SC Urbach sicher nicht wegzudenken. Jüngere Generationen wissen aber wahrscheinlich gar nicht mehr, wie der einst entstanden ist. Dabei ist seine Geschichte ziemlich spannend. Vor 32 Jahren schlossen sich der 1. FC-TV Urbach und der TSV Urbach, zwei Vereine aus den ursprünglichen Ortsteilen Unter- und Oberurbach zum SC Urbach zusammen. Die Fußballabteilung des FC-TV wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. Ein Rückblick auf die Höhepunkte einer bewegten

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper