Urbach

Deshalb werden Bäume im Urbacher Naturschutzgebiet gefällt

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Wald Holz
Für den Eingriff müssen sich die Untere Naturschutzbehörde Rems-Murr-Kreis, das Kreisforstamt, das Regierungspräsidium und die Gemeinde eng abstimmen. Initiator war Förster Gert Pfeiffer (Dritter von rechts). © Gabriel Habermann
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Blätter der Elsbeere, des Feldahorns und der Eiche: Die lichtliebenden Bäume werden von dem Eingriff in den Wald profitieren. © Gabriel Habermann
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Die Wiesen neben dem Waldgebiet sind hoch geschützt und sollen nicht befahren werden. © Gabriel Habermann

Das Waldgebiet und die Wiesen in der Nachbarschaft des Urbacher Waldkindergartens, wo die Gemeinde aufgrund der hohen Naturschutzauflagen schon den Grillplatz „Roter Berg“ rückbauen musste, sind extrem wertvoll. Die an den Parkplatz „Roter Berg“ angrenzende Natur hat einen Schutzstatus in gleich mehreren Kategorien. Das deutet darauf hin, dass hier nicht einfach so Blumen gepflückt oder in den Wald eingegriffen werden sollte. Genau das plant der örtliche Förster Gert Pfeiffer nun aber: Im Naturschutzgebiet soll einiges an Holz geschlagen werden – allerdings ganz im Sinne der Artenvielfalt.

Buchen beschatten den Waldboden so stark, dass andere Arten leiden

„In dem Gebiet gibt es viele lichtliebende Baumarten, die teils nicht mehr so oft vorkommen“, erklärt Gert Pfeiffer. Als Beispiele nennt er die Elsbeere, die zwischen den Eiszeiten einmal weit verbreitet war, heute aber nicht mehr so häufig bei uns wächst, sowie die Vogelkirsche, den Feldahorn, die Eiche und die Kiefer. Zudem wachsen Sträucher wie Weißdorn, Liguster und Schwarzdorn, die ebenso auf viel Licht angewiesen sind. Andere Arten kommen ihnen aber in die Quere.

Über die Zeit hat sich zum Beispiel die Rotbuche in großen Teilen des Areals ausgedehnt. Die Buchen sorgen für eine sehr starke Beschattung des Waldbodens. Durch diese Konkurrenz können sich die lichtliebenden Arten nicht durchsetzen. Hier muss gehandelt werden, dachte sich Gert Pfeiffer und setzte sich mit den zuständigen Stellen in Verbindung.

Wertvolle Vogelarten sollen sich nach dem Eingriff wieder wohler fühlen

Ende September fand also ein Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde Rems-Murr-Kreis, einer Vertreterin des Regierungspräsidiums und dem Förster statt. In der Folge beschlossen sie, dass unterständige Rotbuchen und erntereife Fichten geschlagen werden sollen – nicht trotz des Naturschutzgebietes, sondern gerade, um die wertvollen Arten dort zu schützen. Damit soll nicht nur mehr Licht den Waldboden erreichen, sondern auch wieder mehr Struktur und Stufigkeit im Wald geschaffen werden. Davon profitieren auch Vogelarten wie der Neuntöter, die sich in dem Gebiet dann wieder wohler fühlen werden. Der Hieb soll außerhalb der Vogelbrutzeit erfolgen, damit sich die Tiere nicht gestört fühlen.

„Ich habe auch mit einem Vogelschützer Kontakt aufgenommen“, sagt Gert Pfeiffer dazu. Der Experte habe ihn dabei begleitet, als er die Bäume, die gefällt werden sollen, und die Bäume, die geschützt werden sollen, markiert habe. „Um den Milanhorst entnehmen wir keine Bäume, so dass er sein Nest von den Nachbarbäumen aus beobachten kann“, beteuert der Förster.

Waldorchideen könnten in Zukunft wieder vermehrt wachsen

Neben den schützenswerten Bäumen und Vogelarten wachsen auf dem Waldstück im Westen des Gebiets „Allmend“ auch Orchideen. Als Dagmar Wulfes, Leiterin des Kreisforstamts, eine von ihnen auf dem Waldboden entdeckt, sagt sie: „Wir denken, dass nach der Maßnahme nicht nur zwei hier stehen, sondern zehnmal so viele.“

Weil auch in den Wiesen neben dem Wald eine reiche Struktur aus Blühpflanzen besteht, dürfen diese nicht befahren werden, um das Holz aus dem Wald zu holen. Förster Gert Pfeiffer musste sich deshalb andere Zuwege überlegen, die von den entsprechenden Naturschutzexperten genehmigt wurden.

„Der Wald kommt wie eine Walze immer weiter vorwärts“, sagt Dietmar Reiniger von der Unteren Naturschutzbehörde. „Vor 30 Jahren war alles weiter hinten und niedriger.“ Sobald man aufhöre, das Gebiet zu bewirtschaften, würden die Schlehen und der Wald weiter in die Wiesen herauskommen. Naturschutz bedeute nicht immer, dass nicht eingegriffen werden solle, so Reiniger. „Für den Wald ist es wichtig, dass wir hier wieder massiver rangehen.“ Bei den Holzerlösen bedeute der Schutz der Artenvielfalt vielleicht einen Verzicht, der Eingriff sei aber eine gute Investition in die Nachhaltigkeit des Waldes.

Gemeinde steht zu den Naturschutz-Maßnahmen in ihrem Wald

„Wir vom Forst können nur Ideen bringen“, fügt Dagmar Wulfes hinzu. Aber ohne dass die Eigentümer, also die Gemeinde Urbach, mitziehe, funktioniere es nicht. Bürgermeisterin Martina Fehrlen sagte: „Wir stehen zu der Verantwortung, das hier behutsam zu behandeln.“ Der Grillplatz sei - zum Leidwesen der Bürgerinnen und Bürger, die die Verwaltungschefin heute noch deswegen kontaktieren - rückgebaut worden, eine zweite Waldkindergartengruppe solle in der Gegend angesiedelt werden, damit die Kinder die Natur zu schätzen lernten.

Der Pressetermin im Wald fand vor allem statt, um die Öffentlichkeit, die in Urbach laut Gert Pfeiffer „immer ein wachsames Auge auf die Natur hält“, frühzeitig über den Eingriff im Naturschutzgebiet zu informieren. Die Bäume, die dem Wald entnommen werden, sollen ab Weg an interessierte Abnehmer verkauft werden.

Das Waldgebiet und die Wiesen in der Nachbarschaft des Urbacher Waldkindergartens, wo die Gemeinde aufgrund der hohen Naturschutzauflagen schon den Grillplatz „Roter Berg“ rückbauen musste, sind extrem wertvoll. Die an den Parkplatz „Roter Berg“ angrenzende Natur hat einen Schutzstatus in gleich mehreren Kategorien. Das deutet darauf hin, dass hier nicht einfach so Blumen gepflückt oder in den Wald eingegriffen werden sollte. Genau das plant der örtliche Förster Gert Pfeiffer nun aber: Im

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