Urbach

Eine Tierärztin im Gespräch: Wie hoch ist die Gefahr, dass Haustiere Covid-19 auf Menschen übertragen?

Tierarztbesuch
Während die Tierärztin Heidi Kloss (rechts im Bild) mit der Hilfe von Sarah Domann, tiermedizinische Fachangestellte, ihre vierbeinigen Patienten behandelt, müssen Herrchen oder Frauchen hinter der Abstandslinie warten. © ALEXANDRA PALMIZI

Viele Menschen vermeiden es seit Beginn der Corona-Pandemie, eine Arztpraxis zu besuchen, wenn keine absolute Notwendigkeit dafür besteht. Weil sie Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 haben oder weil sie sich bewusst sind, dass viele Arztpraxen zurzeit ohnehin überlastet sind.

Aber auch Tiere werden regelmäßig krank und müssen dann von ihren Herrchen und Frauchen in eine Tierarztpraxis gebracht werden. Dort gelten momentan wie überall Abstands- und Hygieneregeln. Für manche Tiere ist das problematischer als für andere. Wir haben mit der Urbacher Tierärztin Heidi Kloss darüber geredet, wie ein Tierarztbesuch zu Corona-Zeiten abläuft.

Nur eine Person darf mit ins Behandlungszimmer

„Es gibt verschiedene Varianten, wie Tierärzte und Kliniken das handhaben“, sagt Tierärztin Heidi Kloss. Es gebe Praxen, bei denen das Tier an der Türe in die Hände der Tierärzte und Fachangestellten übergeben werden muss. „Bei uns darf eine Person mit in die Praxis“, sagt Heidi Kloss dagegen. Dass ganze Familien ihr geliebtes Haustier begleiten, ist momentan aber nicht mehr möglich. Darüber hinaus müssen Herrchen und Frauchen Maske tragen und auch im Behandlungszimmer Abstand von ihrem Tier halten.

„Das ist auf alle Fälle eine schwierige Situation“, sagt Heidi Kloss. Die Praxis informiere ihre Kundinnen und Kunden wieder verstärkt über die geltenden Regeln. „Es gibt auch Tierbesitzer, die von sich aus die Praxis nicht betreten möchten“, berichtet Heidi Kloss. Wenn Frauchen oder Herrchen mit ins Behandlungszimmer kommen, dürfen sie bis an eine orangefarbene Markierung herantreten, damit genügend Abstand zum behandelnden Personal gewährleistet ist.

Hunde sind manchmal ängstlich und auf ihre Besitzer fixiert

„Bei Katzen und Kaninchen ist das meistens einfach zu handhaben, aber bei Hunden kann das schwierig sein“, sagt Heidi Kloss. Die Hunde seien manchmal sehr ängstlich und auf ihre Besitzer fixiert, was zu Problemen führen könne, wenn diese aufgrund der Abstandsregeln ihre Haustiere nicht beruhigen dürfen. „Wir tun alles, was irgendwie geht“, sagt Heidi Kloss dennoch über die Bemühungen in der Praxis, die Abstandsregeln einzuhalten.

Gäbe es einen Corona-Fall in der Urbacher Tierarztpraxis, müsste sie wohl schließen. „Wir sind zwar systemrelevant, aber wenn ein Praxismitarbeiter positiv wäre, müssten wir ja zunächst alle in Quarantäne, weil wir eine kleine Praxis sind“, sagt Heidi Kloss. „Bisher kam es Gott sei Dank noch nicht dazu.“ Lediglich, dass ein Teammitglied vorsorglich in Quarantäne musste, sei einmal vorgekommen. In größeren Tierkliniken gebe es teilweise Teams, die sich gar nicht begegnen, in ihrer Praxis mit vier Festangestellten und zwei Teilzeitkräften sei das aber gar nicht möglich.

Wie hoch ist das Übertragungsrisiko zwischen Haustier und Mensch?

Ursprünglich wurde das neuartige Coronavirus vermutlich von Fledermäusen übertragen. Vereinzelt gibt es zudem immer wieder Schlagzeilen über Tiere, die sich bei Menschen mit Covid-19 angesteckt haben. Zuletzt wurden nach für Menschen gefährlichen Corona-Mutationen bei Pelztieren Millionen von Nerzen in Dänemark getötet, um zu vermeiden, dass es zu einem weiteren großen Ausbruch bei Menschen kommt.

Trotzdem wird Heidi Kloss selten von Besuchern ihrer Praxis darauf angesprochen, ob sie sich bei ihren Tieren mit Covid-19 anstecken können – oder andersherum. „Gelegentlich gibt es mal eine Frage“, so die Tierärztin. Oft werde sie aber nicht mit der Thematik konfrontiert.

Eine Übertragung zwischen Tier und Mensch ist Heidi Kloss in ihrer Arbeit auch noch nicht untergekommen. „Ich kann nicht beobachten, dass wir Krankheitsverläufe in der Richtung haben“, so die Tierärztin. Entsprechend gering schätzt sie deshalb momentan ein Übertragungsrisiko von Haustieren auf ihre Halter ein.

Viele Menschen vermeiden es seit Beginn der Corona-Pandemie, eine Arztpraxis zu besuchen, wenn keine absolute Notwendigkeit dafür besteht. Weil sie Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 haben oder weil sie sich bewusst sind, dass viele Arztpraxen zurzeit ohnehin überlastet sind.

Aber auch Tiere werden regelmäßig krank und müssen dann von ihren Herrchen und Frauchen in eine Tierarztpraxis gebracht werden. Dort gelten momentan wie überall Abstands- und Hygieneregeln. Für manche Tiere

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