Urbach

Kandidat Dieter Schienmann im Gespräch

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Dieter Schienmann setzt auf 15 Jahre Berufserfahrung in der Rathausarbeit und will Bürgermeister von Urbach werden. © Schneider / ZVW

Urbach. Dieter Schienmann kann 15 Jahre Berufserfahrung in der Rathausarbeit vorweisen. Er sagt: „Ich habe die Kompetenz, alle Aufgaben eines Bürgermeisters gut zu erfüllen und Chef einer Verwaltung zu sein.“ Der 54-Jährige, der aus dem Bereich Planen und Bauen kommt, setzt im Ringen um die Nachfolge des Urbacher Rathauschefs Jörg Hetzinger also vor allem auf Erfahrung und Fachwissen.

Video: Der Bürgermeisterkandidat Dieter Schienmann im Gespräch.

Schienmann hat seinen Hut später als seine Hauptkonkurrentin Martina Fehrlen in den Ring geworfen und bisher in Urbach „große Erleichterung gespürt, dass es zwei kompetente Bewerber gibt“. Begrüßt worden sei, dass er als parteiloser Kandidat antritt. Die Resonanz auf seine Auftritte sei „gut“ gewesen, „ich bin nirgends auf Ablehnung gestoßen“. Im Gegenteil: „Ich habe viel Zuspruch erfahren, viele haben gesagt: ,Auf geht’s, weiter so‘.“ Schienmann hat „das Gefühl, mit offenen Armen empfangen worden zu sein“.

"Man muss das Ohr nah am Bürger haben"

Der Erste Beigeordnete der Gemeinde Remshalden setzt eindeutig auf seine „kommunalpolitische Erfahrung in den letzten 15 Jahren im täglichen „Doing“ im Rathaus“, zum Beispiel, „wie bereite ich Gemeinderatssitzungen und Entscheidungen vor“. Das alles, meint er, „sollte man beherrschen, wenn man Bürgermeister werden will“.

Außerdem sehr wichtig ist seiner Meinung nach: „Man muss das Ohr nah am Bürger haben“, engen Kontakt zu den örtlichen Vereinen, Kirchen und Organisationen knüpfen und halten, handeln, wo Bedarf besteht und wissen: Wo drückt der Schuh, wo kann die Gemeinde helfen?

Gartenschau: Urbach-Betrag wird gut, „mit oder ohne Waldhaus“

Aufs Waldhaus, derzeit das Thema schlechthin in Urbach, wird Dieter Schienmann „ständig angesprochen, ganz klar, von beiden Seiten“. Er ist überzeugt davon, dass die Gemeinde Urbach für die Remstal-Gartenschau einen „sehr guten Beitrag“ abliefert – „mit oder ohne Waldhaus“. Nach Schienmanns Ansicht „wäre es gut“, wenn es gebaut würde, „aber wenn es nicht kommt, wäre Urbachs Beitrag beileibe auch nicht schlecht“. Die Gesamtplanung stünde damit nicht auf dem Spiel. Klar ist für ihn: „Der Bürgerentscheid gibt dem Bürgermeister eine klare Handlungsweisung.“

Schienmann hat einen Grund ausgemacht, warum das Thema Waldhaus in der Gemeinde „so sehr emotional diskutiert wird“. Er ist fest davon überzeugt, „das liegt daran, dass die Urbacher sich ganz stark mit ihrem Ort identifizieren“. Die Versachlichung der Diskussion (so sie denn nach dem Bürgerentscheid weitergeht, was nicht sicher, aber zu befürchten ist) wird seiner Meinung nach „eine große Herausforderung für den neuen Bürgermeister werden“. Er müsse die Leute wieder an einen Tisch bringen. In diesem Zusammenhang verweist Schienmann auf das Motto, unter das er seine Kandidatur gestellt hat: „Gemeinsam für Urbach“ heißt es, und der 54-Jährige fügt hinzu: „Ich habe es nicht umsonst gewählt.“

Remshalden war nicht sein Favorit

Die Frage, warum er in Urbach als Bürgermeister kandidiert und nicht in Remshalden, wird Schienmann auch oft gestellt. Er sagt dazu, es sei zwar „im Haus“ schon diskutiert worden, ob er nicht in Remshalden kandidieren solle. „Remshalden war aber nicht mein Favorit“, gibt der 54-Jährige freiweg zu. Warum? Schienmann antwortet, er sei hier seit sechs Jahren im Rathaus tätig, diese Gemeinde brauche einen Impuls von außen.

Urbach für Schienmann ein attraktiver Ort

Also Urbach. Warum? „Hier“, sagt er, „wurden bei der Ortsentwicklung wichtige Grundsteine bereits gelegt.“ Die gelte es fortzuführen. Zudem sei Urbach auch von der Infrastruktur her ein „attraktiver Ort, der seine Vorzüge bisher unter den Scheffel gestellt hat“. Das müsse geändert werden. Er komme aus dem Bereich Bauen und Planen und verfüge über die Kompetenz, Urbach in seiner Ortsentwicklung vorwärtszubringen. Der Marktplatz habe durch die zwei Märkte eine positive Veränderung erfahren. Darauf aufbauend „sollten weitere Einkaufsmöglichleiten geschaffen werden“.

Gedanken zum "Gewerbegebiet Schraien"

Dieter Schienmann hat sich natürlich auch schon Gedanken über das künftige „Gewerbegebiet Schraien“ gemacht, das er „Filetstück des Remstals“ nennt. Es sei sehr gut an die B 29 angebunden und biete die Möglichkeit, ortsansässigen Firmen (er will im Falle seiner Wahl übrigens einmal im Jahr einen Betrieb besuchen, um zu erfahren, wo gegebenenfalls der Schuh drückt, oder aber, um sich einfach zu informieren) die Weiterentwicklung zu ermöglichen und Neuansiedlungen vorzunehmen. Beim Verkauf der Flächen sei aber darauf zu achten, „dass die Grundstücke nicht als Spekulationsobjekte weiterveräußert werden“. Neben diesen „schönen Aufgaben für die Zukunft“ dürften aber die Sanierungen, zum Beispiel Wasser- und Abwasserkanäle (Schienmann: „In Urbach gibt es unverhältnismäßig viele Rohrbrüche“) sowie Straßen nicht vernachlässigt werden.

Überlegenswert: Bürgerbus zum Seniorenbus ausbauen

Zur Nahversorgung in Oberurbach sagt er ganz klar: „Ein zweites Zentrum verträgt die Gemeinde nicht.“ Vielleicht könne dort nach der Schließung des Bonus-Marktes (und der Bäckerei Schulze, die ansteht) ein Samstagsmarkt installiert werden. Überlegenswert sei auch, „den Bürgerbus zum Seniorenbus auszubauen“ in der Form, dass die Ehrenamtlichen die älteren Menschen nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zum Arzt fahren.

Fläche für ein neues Feuerwehrgerätehaus

Handlungsbedarf sieht Schienmann beim Feuerwehrgerätehaus. Es könne nicht sein, dass sich die Leute dort fast neben den Fahrzeugen umziehen müssen, meint er. Zudem sei das Gebäude schon so in die Jahre gekommen, „dass man sich bei jedem Schaden überlegen muss, lohnt es sich, noch etwas auszugeben, oder lohnt es sich nicht“. Bevor das Gebiet „Schraien“ umgelegt werde, solle man sich deshalb „überlegen, wo man im Ort eine Fläche für ein neues Feuerwehrgerätehaus vorhält“. Diese Fläche müsse ja nicht zwingend im „Schraien“ liegen.

Schienmann wird in Kernen bleiben, bis Kinder aus dem Haus sind

Dieter Schienmann wohnt in Kernen, genauer gesagt in Stetten im elterlichen Haus. Das wird im Falle seiner Wahl auch so bleiben. Zumindest so lange, bis beide Söhne (18 und 14 Jahre alt), die noch bei den Eltern leben, aus dem Haus sind. Schienmann begründet das damit, dass die Söhne sehr im örtlichen (Vereins-)Leben verwurzelt sind (der 14-jährige Oskar ist zum Beispiel in der Jugendfeuerwehr). Außerdem sind seine Eltern pflegebedürftig. Schienmann ist sich durchaus bewusst, dass das mit dem Wohnort des Bürgermeisters ein heikles und wichtiges Thema ist. Er verweist aber darauf, dass Sven Müller, Rathauschef in Winterbach, in Urbach (sinnigerweise!) wohnt, dass der vermutlich nächste Remshaldener Bürgermeister Reinhard Molt in Lorch wohnen bleiben wird, dass der bisherige Remshaldener Schultes Stefan Breiter in Winnenden-Hertmannsweiler wohnte. Beispiele gibt es noch mehr. Und Dieter Schienmann schließt ja nicht kategorisch aus, dass er nach Urbach zieht. Schließlich will er dort „mindestens zwölf Jahr“, also eine Amtszeit und eine halbe, Bürgermeister sein. Vorausgesetzt natürlich, er gewinnt am 22. April die Wahl.


 

Zitat, Reisen, Hobbys und eine Hoffnung

„Wichtig ist, dass man miteinander redet, nicht übereinander.“ – Dieter Schienmann weiß, dass das eine Binsenweisheit ist. Auf den zweiten Blick hat der Satz aber sehr wohl was. Gerade mit Blick auf Urbach und die Waldhaus-Probleme.

In jungen Jahren ist der Mann viel und lange unterwegs gewesen. Und allein: drei Monate Südamerika inklusive Feuerland, zwei Monate Mittelamerika, drei Monate Thailand und Vietnam. Heute geht’s mit der Familie in europäische Länder, vor allem in solche, wo Französisch (Schienmann hat es als Leistungskurs gehabt, beherrscht die Sprache also) gesprochen wird. Bevorzugtes Ziel: Korsika.

Der 54-Jährige hat früher aktiv Handball gespielt beim TV Stetten und TV Oeffingen. Hobbyfußballer war er bis fast zum 50. Lebensjahr. Dann hat ein Knie nicht mehr so richtig mitgemacht. Im evangelischen Posaunenchor war er auch aktiv.

Bewegen in der Natur und Pflegen der Obstbaumwiesen nennt Schienmann als seine Hobbys. Und eben das Reisen, wenn auch nicht mehr in dem Ausmaß wie früher.

Im Übrigen freut sich Dieter Schienmann darüber, dass „der Wahlkampf bisher in gegenseitigem Respekt und fair geführt worden ist“. Er „hofft, dass das so bleibt, auch wenn jetzt noch zwei andere Kandidaten auf den Stimmzetteln stehen“.