Urbach

Kandidatenvorstellung: "Das war besser als Fernsehen"

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Diese vier Kandidaten stehen am 22. April auf dem Stimmzettel: Dieter Schienmann, Fridi Miller, Thomas Hornauer und Martina Fehrlen. © Palmizi / ZVW

Urbach. „Das war besser als Fernsehen“, sagt eine Frau nach der Bewerbervorstellung zur Bürgermeisterwahl, wobei offen ist, ob sie eine Vorliebe für Komödien, Tragödien, solide Informationen oder gar Tragikomödien hat. Alle vier Kandidaten stellten sich am Mittwochabend den Fragen der vielen Besucher und nutzten zuvor die 15 Minuten, um sich und ihre Urbach-Agenda, sofern vorhanden, vorzustellen. Gespannt waren die Urbacher auf die Auftritte der 39-jährigen Martina Fehrlen und des 54-jährigen Dieter Schienmann.

Martina Fehrlen hat ihre Bewerbung als Erste abgegeben, daher erteilt ihr der Versammlungsleiter, Bürgermeister Jörg Hetzinger, zuerst das Wort. Sie beginnt charmant: Weil die jeweiligen Kandidaten, neben Dieter Schienmann sind es Friedhild „Fridi“ Miller sowie der Plüderhäuser Thomas Hornauer, während der Vorstellungsrunde ihrer Konkurrenten die Auerbachhalle verlassen müssen, bietet sie die ab 19.30 Uhr verwaisten Plätze anderen an.

Martina Fehrlen möchte drei Amtsperioden in Urbach bleiben

Von klein auf habe sie Bürgermeisterin werden wollen. Ihr Vater war 30 Jahre Gemeinderat, der Oberbürgermeister häufig Gast der Familie. Will sagen: Sie hat Kommunalpolitik im Blut und als Verwaltungswissenschaftlerin sei sie Generalistin, habe das Rüstzeug für alle Bereiche einer Verwaltung. Wird sie gewählt, werde sie ihre CDU-Ämter niederlegen, präsentiert sie sich als unabhängige Kandidatin, die nach dem Anruf aus Urbach, ob sie kandidieren möchte, schnell „hin und weg“ war.

Ihr Mann sei der Familienmanager, ein starker Mann. Frauen würde man gerne in Schubladen stecken. Sie fragt die Urbacher, wie sie zu Frauen – und Müttern – in Führungspositionen stehen. „Schenken Sie mir Ihr Vertrauen“, wirbt sie, die sich hier explizit als starke junge Frau präsentiert.

Die Waldhaus-Entscheidung liegt beim Bürger

In Urbach müsse wieder, Stichwort Waldhaus, Frieden herrschen. Sie könne unterschiedliche Meinungen zusammenführen, sie stehe für einen bürgerorientierten Dialog. Position bezieht sie nicht. Die Waldhaus-Entscheidung liege beim Bürger. Auch ohne Waldhaus werde die Gartenschau in Urbach ein Erfolg.

Wichtig sei die Ansiedlung eines Dorfladens in Urbach-Nord. Urbach soll eine wirtschaftsfreundliche und familiengerechte Kommune bleiben. Sie plant, ein Leerstandskataster für Wohnungen aufzustellen. Arbeitsplätze und Austausch mit dem HGV seien wichtig. Das Rückgrat einer Gemeinde sei die starke Bürgerschaft.

Sie sei kompetent und eine kommunikationsstarke Schwäbin, ihre Mutter sei Rheinländerin, erneut erntet sie einige Lacher. Sie, die 39-Jährige, sei erfahren und biete doch die Chance auf einen Generationenwechsel, der für Urbach eine langfristige Perspektive, sie will 24 Jahre Bürgermeisterin in Urbach bleiben, biete. So könne man 2031 gemeinsam das Gemeindejubiläum feiern. Ein klarer Wink in Richtung Dieter Schienmann, 54. Wird sie Bürgermeisterin, werde ihre Familie nach Urbach ziehen, sprich Ehemann, Tochter und die faule Katze. Lacher im Publikum. Ihre Familie wolle schnell mit den Urbachern in Kontakt kommen. Ihr Mann suche Tennispartner. Auch das kommt gut an. Urbächerin werde sie nie, aber gerne Urbacherin. Zu ihrem 40. Geburtstag einen Tag vor der Wahl wünscht sie sich „Ihre Stimme“. Viel Applaus.

Dieter Schienmann: Er sei mit allen kommunalen Aufgaben vertraut

Dieter Schienmann hat als dritter Kandidat das Wort, positioniert sich als parteiloser und unabhängiger Kandidat. Es gab keinen Anruf einer Fraktion, sagt er. „Ihnen ist Urbach wichtig. Mir auch.“ Auch er stellt sich als Familienmensch dar: verheiratet, zwei Kinder, wohnhaft in Stetten, im Remstal verwurzelt. Hobbys: Reisen, Wandern, Streuobstwiesen. Er betont mehrfach, er war mehrere Jahre als Architekt tätig und arbeitet seit 15 Jahren in der Kommunalverwaltung, seit 2012 als Technischer Beigeordneter in Remshalden. Als Stellvertreter des Bürgermeisters sei er mit allen kommunalen Aufgaben vertraut. Nun möchte er mehr Verantwortung übernehmen, zwölf Jahre Schultes in Urbach sein.

Als solcher möchte er in der Gemeinde unterwegs und Ansprechpartner auf der Straße sein. Urbach sei ein „attraktiver Ort, der sehr gut dasteht“, mit einer guten Verwaltung und einer guten Perspektive. Er wolle die aktive und engagierte Bürgerschaft, „der wahre Schatz einer Gemeinde“ erhalten und weiterentwickeln. Routiniert liefert er einige Stichworte, oft konkret auf Urbach bezogen: demografischer Wandel, schnelles Internet, Integration, Kinderbetreuung, Gewerbegebiet Schraien: Mit diesen Themenfeldern sei er bereits vertraut, bräuchte nur eine kurze Einarbeitungszeit. „Ich traue es mir zu“, sagt er. Er rückt Urbach in den Fokus. Sozialer Wohnungsbau sei wichtig, ein Drogeriemarkt ebenfalls, das müsse die Verwaltung aktiv angehen. Die Grundversorgung in Oberurbach sei wichtig, hier wolle er Gespräche führen. Auch er strebt ein Leerstandskataster an.

Werbeblock mit Manfred-Rommel-Pointe

Er will eine Kultur des Gehörtwerdens etablieren, eine breitere Bürger- und Jugendbeteiligung durchführen, die Meinungen der Bürger als Grundlage für Entscheidungen des Gemeinderats nutzen. Mit den Gewerbetreibenden will er den Dialog suchen, regt Betriebsbesichtigungen an. Er will sich für Barrierefreiheit einsetzen.

Die Pläne der Gemeinde zur Gartenschau sieht er sehr positiv, die seien langfristig angelegt. Das Waldhaus würde, trotz nachvollziehbarer Gegenargumente, gut in dieses Gesamtkonzept passen. Ein Bürgermeisterkandidat sollte Stellung beziehen: Er würde das Haus mit Freude gemeinsam mit den Urbachern umsetzen. Kleiner Werbeblock zum Abschluss mit Manfred-Rommel-Pointe: „Schauen Sie sich die Kandidaten gut an. Wenn Ihnen keiner so recht gefällt, dann wählen Sie mich!“ Applaus.

Fridi Miller will Bundeskanzlerin Angela Merkel stürzen

Zuvor hatte sich Dauerkandidatin Fridi Miller vorgestellt. Sie bittet alle Schaulustigen, den Raum zu verlassen, dies sei keine Spaßveranstaltung. Geht sie anfangs noch auf Urbach ein, sie wirbt für ein kostengünstiges Waldhaus und redet über das Wohl der Bürger, besonders von Kindern und Jugendlichen, stellt sie bereits in ihrer zweiten Redeminute fest, sie will Bundeskanzlerin Angela Merkel stürzen. Es geht ihr um Frieden, Wahrheit, Gerechtigkeit, um Kinder – und bloß indirekt um Urbach. Wieder nutzt sie die Bühne einer Wahl, um ihre „Botschaft“ zu präsentieren. „Ich rede nicht, ich handle“, sagt sie. „Hau ab“, ruft einer leise. Der Geduldsfaden der Urbacher dünnt aus. Sie kritisiert ihre Mitbewerber. In Deutschland würden Wahlen gefälscht. Der Geduldsfaden reißt. Applaus brandet auf, als die letzte Minute ihrer Redezeit eingeläutet wird. Nach 15 Minuten gibt es höflichen, wohl auch erleichterten Beifall.

Thomas Hornauer will das zerrissene Urbach heilen

Als vierter Kandidat stellt sich Thomas Hornauer den Bürgern vor, es wird zaghaft-vorsichtig geklatscht: Wird er gemäßigter auftreten als in Plüderhausen? „Hallo Nachbargemeinde“, grüßt er. Er betont, er habe sich mit Urbach auseinandergesetzt, eine Rede vorbereitet, allerdings spricht er frei. Urbach liegt ihm mehr zu Füßen als Plüderhausen, scherzt er, wenn er auf seinem Balkon in Plüderhausen steht. Die Leute lachen ehrlich. Er sei Urbach friedlich gesonnen, „wäre für euch der beste Bürgermeister!“ Er rät zur Einigkeit: Er begrüße Urbach, nicht Urbächer, nicht Ober- oder Unterurbach. Er analysiert: Das wesentliche Thema sei der Waldhaus-Bürgerentscheid. Er diagnostiziert: „Urbach ist extrem zerrissen“, es „braucht Heilung“. Der neue Bürgermeister werde eine schwierige Lage vorfinden. Nun äußert er sich unter anderem abfällig über einige Urbacher und die Presse. Sein Ziel sei es auch, den Sieg eines Bewerbers im ersten Wahlgang zu erschweren, damit sich die Urbacher länger mit der wichtigen Wahl auseinandersetzten, den Fokus nicht nur auf das Waldhaus legten, sondern für Urbach den richtigen Kandidaten fänden. Er sei das eher nicht, deutet er später ehrlich an.

Ein Rathaus stehe auf zwei Säulen: Gemeinderat und Bürgermeister. Derzeit sei die Dominanz des Rates zu stark. Er wäre ein souveräner Bürgermeister, der dafür sorgen würde, dass die Demokratie wieder funktioniere. In Urbach will er, anders als in Plüderhausen, „nicht die Sau durchs Dorf treiben“. Er bittet um die Stimmen der Protestwähler, der Unentschlossenen und die seiner Fans. Er wolle heilen, habe Lösungen angeboten – und reise „sowieso weiter nach Remshalden“. Dort wird im Mai gewählt – wieder mit Miller und Hornauer.