Urbach

Katastrophenschutz in Urbach: Im Notfall nur Platz für 100 Menschen

OVUrbach
Das Rathaus könnte im Notfall für einige Stunden mit Strom versorgt werden. © Hardy Zürn

Spätestens seit der Katastrophe im Ahrtal machen sich Kommunen landauf und landab darüber Gedanken, wie sie ihre Katastrophenschutzpläne aktualisieren könnten, die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und vermehrt angekündigte Extrem-Wetterereignisse bedingt durch den Klimawandel tragen ihr Übriges dazu bei, dass Verwaltungen sich besser aufstellen wollen. So hat sich auch Urbach vorgenommen, beim Katastrophenschutz nachzubessern. Was ist geplant?

„Das Thema Katastrophenschutz hatte in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten in Deutschland immer mehr an Bedeutung verloren“, sagte Achim Grockenberger im Gemeinderat. Der Leiter des Ordnungsamts ist bei der Verwaltung als Vorgesetzter für den Gemeindevollzugsbediensteten Michael Hari zuständig, der sich aktiv mit dem Thema Katastrophenschutz beschäftigt. Aus den schon angesprochenen Gründen habe das Thema Katastrophenschutz nun wieder stark an Bedeutung gewonnen, auch in Urbach, so Grockenberger. Ganz direkt merkt die Bevölkerung das zum Beispiel beim bundesweiten Warntag, bei dem die Krisenkommunikation flächenweit getestet wird, der für diesen Donnerstag geplant ist.

Wer im Notfall noch mit Strom versorgt ist

In Urbach beschäftigen sich nun seit einiger Zeit sowohl die Ordnungs- als auch die technische Verwaltung, die Feuerwehr und das DRK verstärkt damit, wie die Bevölkerung in Krisensituationen geschützt werden kann. Wichtig ist dabei laut der Verwaltung nicht nur die organisatorische Planung, also die Schaffung von Krisenstäben und Einsatzplänen für verschiedene Szenarien, sondern auch, dass die im Notfall Verantwortlichen auch bei Katastrophen handlungsfähig bleiben. Als dafür notwendig hat die Verwaltung unter anderem eine stabile Strom- beziehungsweise Notstromversorgung identifiziert, die gewährleisten muss, dass die Einsatzstellen im Katastrophenfall miteinander in Kontakt bleiben können. In einer Sitzungsvorlage gibt sie einen Überblick darüber, wie die Gemeinde Urbach bei dem Thema derzeit aufgestellt ist:

  • Im Rathaus wurden die technischen Voraussetzungen und Anschlüsse dafür geschaffen, dass der EDV-Server, der Sitzungssaal, der gleichzeitig als Tagungsort des Krisenstabs fungiert, sowie ausgewählte Büros bei einem Stromausfall mit einem externen, bei der Feuerwehr stationierten mobilen Notstromaggregat für einige Stunden mit Strom versorgt werden können.
  • Das gilt auch für die Atriumhalle. Dort könnte im Ernstfall für rund 100 Menschen eine Notunterkunft geschaffen werden. Zusätzlich zum Bestand des DRK-Ortsvereins hat die Verwaltung zu diesem Zweck 60 Feldbetten und 100 Decken und Kissen angeschafft.
  • Die Kläranlage ist laut der Vorlage derzeit als einziges Objekt der öffentlichen Infrastruktur im Falle eines Stromausfalls autark. Dort befindet sich bereits ein ausreichend dimensioniertes, stationäres Notstromaggregat mit einer Kraftstoffreserve für mindestens 72 Stunden.

Wittumhalle als weitere Notunterkunft

Weil in der Atriumhalle nur 100 Menschen unterkommen könnten, soll 2023 auch die Wittumhalle als Notunterkunft fit gemacht werden. Dafür muss eine funktionierende Notstromversorgung gewährleistet werden. Die Kosten für den Einbau eines stationären Notstromaggregats inklusive 1000-Liter-Treibstofftank und den Umbau der Elektroinstallation der Halle belaufen sich nach ersten Kostenschätzungen auf rund 90.000 Euro. Damit kann laut der Verwaltung eine netzunabhängige Stromversorgung der Wittumhalle für mindestens drei Tage gewährleistet werden. Unterkommen könnten dort dann 350 Menschen beziehungsweise 140 Menschen, wenn diese pflegebedürftig und von medizinischen Geräten abhängig wären.

Für den Bauhof und die Feuerwehr sollen für rund 10.000 Euro zwei mobile Tankanlagen mit einem Fassungsvermögen von 1000 Litern angeschafft werden. Damit will die Gemeinde gewährleisten, dass mobile Notstromaggregate und die Fahrzeuge von Einsatzkräften im Katastrophenfall betrieben werden könnten.

Neue Sirenen für Urbach

Für die Warnung der Bevölkerung wird die Gemeinde außerdem drei Sirenenanlagen für die Standorte Rathaus, Mediathek oder Wittumschule und Dieselstraße beschaffen. Die Kosten dafür belaufen sich insgesamt auf rund 75.000 Euro. Die für die Installation notwendigen Vorarbeiten kosten in etwa 30.000 Euro. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung damit, die Abrechnung der in Aussicht gestellten Fördermittel in Höhe von rund 42.000 Euro in die Wege zu leiten.

Die aufgezählten Maßnahmen sind für 2023 vorgesehen. In den Folgejahren will die Gemeinde weitere Maßnahmen vollziehen, um die Notstromversorgung in bestimmten Gebäuden zu sichern, und sich damit beschäftigen, inwieweit die Trinkwasseraufbereitung im Falle eines großflächigen Stromausfalls aufrechterhalten werden kann und soll. Außerdem gelte es zu klären, wie im Krisenfall die Einsatzkräfte mit Treibstoff versorgt werden könnten, wenn die Notreserven aufgebraucht sind. Und auch mit der Gefahr einer Sturzflut des Urbachs will sie sich beschäftigen.

Gemeinderat gibt Mittel frei

Mit einer Enthaltung (SPD-Gemeinderat Jürgen Schlotz, der auch gegen die Anschaffung der Sirenen stimmte und meinte, die Gemeinde könne sich nicht gegen jedes Katastrophenszenario wappnen, und die Meinung vertrat, dass die Bevölkerung im Katastrophenfall auch über andere Kommunikationsmittel statt mit Sirenen gewarnt werden könnte) hat der Gemeinderat die Verwaltung in der jüngsten Gemeinderatssitzung damit beauftragt, Haushaltsmittel in Höhe von 100.000 Euro für die Maßnahmen an der Wittumhalle und für die Beschaffung der Tankaufsatzbehälter in den Haushaltsplanentwurf für 2023 einzustellen. Außerdem soll die Verwaltung weitere Katastrophenschutz-Maßnahmen ausformulieren und zur Genehmigung vorlegen.

Spätestens seit der Katastrophe im Ahrtal machen sich Kommunen landauf und landab darüber Gedanken, wie sie ihre Katastrophenschutzpläne aktualisieren könnten, die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und vermehrt angekündigte Extrem-Wetterereignisse bedingt durch den Klimawandel tragen ihr Übriges dazu bei, dass Verwaltungen sich besser aufstellen wollen. So hat sich auch Urbach vorgenommen, beim Katastrophenschutz nachzubessern. Was ist geplant?

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