Urbach

Kein Durchkommen im Notfall: Falschparker behindern die Feuerwehr in Urbach

Feuerwehr zugeparkt
Das wird eng: Fahrzeugführer Sven Schmidt hat im 2,55 Meter breiten Einsatzfahrzeug Probleme. © Gabriel Habermann

Am Samstagabend ist in Urbach in einigen Teilen der Gemeinde Blaulicht zu sehen und es sind Feuerwehrsirenen zu hören. Das treibt viele Menschen ans Fenster oder auf die Straße, um mit eigenen Augen zu sehen, was los ist. Ein Notfall ist es an jenem Abend nicht, der die Sirenen erklingen lässt, sondern nur eine besondere Art Probefahrt – zum Glück. Denn wegen zugeparkter Straßen wäre im Notfall an vielen Stellen die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Urbacher Feuerwehr nicht rechtzeitig zum Einsatzort gelangt.

Um genau diesem Problem entgegenzuwirken, sind sich Michael Hurlebaus, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Urbach, Bürgermeisterin Martina Fehrlen und Hanife Özhan von der Polizeibehörde am Samstag unterwegs durch die Gemeinde. Die Fahrt erfolgt in einem Einsatzfahrzeug, das vom Urbacher Feuerwehrmann Sven Schmidt navigiert wird.

Sven Schmidt gilt in der Urbacher Feuerwehr als ein äußerst erfahrener Einsatzfahrzeugführer. Doch auch für ihn ist es unmöglich, ein ohne Rückspiegel 2,55 Meter breites Einsatzfahrzeug durch eine 2,50 Meter breite Durchfahrt zu kriegen, selbst wenn er dabei überlange Hecken mitnimmt oder über Gehwege fährt. Und selbst wenn ihm die Durchfahrt gerade so gelingt, muss diese in einer sorgfältigen Weise erfolgen, durch die die Feuerwehr in einem Einsatz Zeit verliert, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden kann.

Vorerst Aufklärung statt Abschleppwagen

Die „Sensibilisierungsfahrt zum Schutz der Bürger“, wie Martina Fehrlen sie nennt, soll bewirken, dass in künftigen Einsätzen keine Zeit mehr verloren geht. Dies erfolgt ihrer Ansicht nach am besten, indem man die rechtswidrig Parkenden zunächst aufklärt. Deshalb folgt dem Einsatzfahrzeug kein Abschleppwagen – für heute.

Für die „Blaulichtfamilie“, neben der Feuerwehr also auch den Rettungsdienst oder das THW, setzt sich seit mehr als einem Jahr Hanife Özhan ein. Sie wurde von der Gemeinde im Rahmen des Gemeindeentwicklungskonzepts eingestellt. Ihre Arbeit umfasst unter anderem das Erteilen von Bußgeldern an Falschparker. Für diese Arbeit muss sie häufig Beleidigungen über sich ergehen lassen. „Angenommen, ich würde jede Beleidigung zur Anzeige bringen, wäre ich den ganzen Tag beschäftigt“, schildert sie.

Den Menschen, von denen solche Beleidigungen ausgehen, mangele es an Einsicht, weshalb ihr Falschparken bestraft wird. Um zu zeigen, dass ihre Arbeit primär nicht dem Auffüllen der Gemeindekasse, sondern dem Schutz der Bürger dient, fährt das Einsatzfahrzeug – unangekündigt – einmal kreuz und quer durch Urbach, um zu demonstrieren, was die Folgen falsch geparkter Autos sind.

An jeder Stelle, durch die das Einsatzfahrzeug nicht kommt, macht es auf sich aufmerksam durch Blaulicht und dem Geräusch von entweder der Sirene oder der Fahrzeughupe, um die Falschparker zu ihrem falsch parkenden Fahrzeug zu locken, wo Kommandant Hurlebaus und Hanife Özhan bereits auf sie warten.

Mindestdurchfahrtsbreiten und Mindestabstände

Die Messungen Özhans ergeben in genug Fällen, dass die Mindestdurchfahrtsbreite von drei Metern oder der Mindestabstand von fünf Metern zur Kreuzung nicht gegeben ist, was dem nicht nur breiten, sondern auch langen Einsatzfahrzeug Kurvenfahrten erheblich erschwert.

Michael Hurlebaus klärt die Falschparker auf, indem er erläutert, wie im Brandfall die Drehleiter dieses oder jenes Fenster nicht erreichen würde, da das Einsatzfahrzeug nicht so weit kommen könnte. „Wir sind heute nicht zum Spaß oder zum Abschleppen unterwegs“, betont er dabei immer wieder. „Wir möchten Ihnen lediglich zeigen, wozu wir das Ganze hier machen, nämlich um im Notfall rechtzeitig vor Ort zu sein.“ Auch die Bürgermeisterin sucht das Gespräch mit manchen Falschparkern, um die Botschaft noch mal zu vermitteln, dass das alles zu ihrem Schutz sei.

Viele der Falschparker sind sofort überzeugt und stellen ihr Fahrzeug so um, dass das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr durchfahren kann. Andere wiederum können sich nicht daran erinnern, in den vergangenen 26 Jahren auch nur einen Feuerwehreinsatz in ihrer Straße erlebt zu haben, weshalb sie es nicht für nötig halten, ihr Fahrzeug umzustellen. „Wo soll ich denn sonst parken?“, ist das Gegenargument.

„Durch seinen altdörflichen Charakter sind viele Straßen in Urbach sehr schmal“, erklärt Bürgermeisterin Fehrlen. Selbstverständlich werden diese noch schmäler, wenn moderne, immer breiter gewordene Autos dort parken. Aus diesem Grund solle man sich einen Stellplatz zulegen oder sein Auto zumindest dort parken, wo es eine reibungslose Durchfahrt gewährt, selbst wenn der Fußweg von der Haustür zum Fahrzeug dadurch länger wird.

In der Fahrschule Gelerntes vergessen

Die Parksituation sei am Samstagabend vergleichsweise „human“ gewesen, wie Michael Hurlebaus nach der Fahrt als Fazit zieht. Dennoch konnte er eines am Beispiel der Falschparker, die erwischt wurden, ganz klar erkennen: „Es herrscht Aufklärungsbedarf.“ Viele sind sich der Grundlagen des Parkens, die man in der Fahrschule gelehrt bekommt, gar nicht mehr bewusst. Jedes Auto, das zu nah an der Kreuzung, auf einem Wendeplatz oder in einer zu schmalen Straße parkt, kann im Notfall eines zu viel sein.

Auch Martina Fehrlen erkennt: „Das war eine ganz wichtige Aktion. Die wird sich auch auf jeden Fall wiederholen.“ Feuerwehr und Gemeinde hoffen, dass eine breit angelegte Thematisierung des Parkproblems die Urbacher dazu bringen wird, es selbst zu lösen, indem sie dadurch beginnen, ordnungsgemäß zu parken. „Sonst muss abgeschleppt werden“, zieht Michael Hurlebaus die Konsequenz.

Am Samstagabend ist in Urbach in einigen Teilen der Gemeinde Blaulicht zu sehen und es sind Feuerwehrsirenen zu hören. Das treibt viele Menschen ans Fenster oder auf die Straße, um mit eigenen Augen zu sehen, was los ist. Ein Notfall ist es an jenem Abend nicht, der die Sirenen erklingen lässt, sondern nur eine besondere Art Probefahrt – zum Glück. Denn wegen zugeparkter Straßen wäre im Notfall an vielen Stellen die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Urbacher Feuerwehr nicht rechtzeitig zum

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