Urbach

Massive Personalprobleme: Metzgerei Walz aus Urbach lässt Laden in der Beckengasse vorerst zu

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Von links: Dieter Kempter mit seinen Mitarbeiterinnen Savica Mladenovic, Tatjana Pantuschky und Sandra Meitinger. Aktuell kann er nur die Theke im Rewe öffnen. © Habermann

In einer Metzgerei arbeiten, das wollen viele Menschen nicht. Dieter Kempter, Inhaber der Urbacher Metzgerei Walz, sieht das anders. „Es ist ein schöner Beruf“, sagt er. Gerade musste er aber einen Rückschlag einstecken: Ihm blieb nichts anderes übrig, als seinen Laden in der Beckengasse bis auf weiteres zu schließen. Ursprünglich war nur geplant, mit dem Geschäft dort in den Sommerferien fünf Wochen lang zu pausieren, um den Mitarbeitern eine Chance zu geben, in den Urlaub zu fahren, nun musste Kempter in der Beckengasse aber einige Wochen früher zumachen. Der Grund: massive Personalprobleme und -ausfälle. Die Theke im Rewe-Markt, die er dort von sieben Uhr morgens bis 20 Uhr abends betreibt, ist rentabler, aber auch personalintensiv, deshalb werden alle noch übrigen Mitarbeiter momentan dort gebraucht.

Wenn möglich, soll das Geschäft in Urbach-Nord nach den Ferien wieder öffnen

„Wir haben jetzt Leute, die im Urlaub sind, dann kommt noch der Krankenstand dazu“, sagt Dieter Kempter im Gespräch mit unserer Zeitung. Zudem habe er kürzlich einer Person kündigen müssen. „Es war schon immer auf Kante genäht, wenn dann noch jemand ausfällt, bekommen wir es nicht mehr hin“, sagt er. Wenn möglich, wolle er das Geschäft in der Beckengasse aber wieder öffnen.

Auch das Mittagsangebot in der Beckengasse musste er bis auf weiteres streichen – Küchenpersonal wäre da, aber niemand, der das Essen dann auch ausgibt. Für den „oberen Flecken“, wie Kempter das Gebiet um sein Geschäft in der Beckengasse nennt, sei das natürlich schlecht. Dort wohnten viele ältere Leute, die zu Fuß unterwegs sind, aber nicht bis zum Rewe laufen würden. Dafür kommen im Rewe-Markt aber allgemein mehr Personen in seinem Metzgereigeschäft vorbei, weil dort ohnehin so viele Läden an einem Ort seien und es ausreichend Parkplätze gebe. In der Kosten-Nutzen-Kalkulation schneidet der Standort also besser ab, so dass Dieter Kempter ihn nun in der Not bevorzugen muss. Der wochenlange beziehungsweise nun monatelange Ausfall in der Beckengasse verursache zwar auch Kostendruck, allerdings halte der sich in Grenzen, da er ja auch beim Personal spare - wenn auch ungewollt.

Personalprobleme betreffen Metzgerbranche dauerhaft

Die Personalprobleme, so berichtet er, sind in der Metzgerbranche leider nicht nur temporär. „Wir haben ja schon länger das Problem, weil wir eben unattraktiv sind“, berichtet er. Schon vor Corona habe es an Menschen, die sich für die Arbeit beim Metzger interessieren, gemangelt. Die Pandemie habe das Problem dann noch verschärft. Und auch Minijobber helfen wenig, erklärt Kempter.

„Das funktioniert nicht wirklich“, sagt er. „Wir müssen um halb sechs oder halb sieben morgens anfangen.“ Das müssten dann morgens immer die gleichen Angestellten übernehmen. „Die anderen kommen dann erst um halb 8 oder halb 9 dazu, das ist schwierig.“ Nun soll außerdem der Mindestlohn weiter auf zwölf Euro erhöht werden. Das müssten die Angestellten auch wert sein, findet Kempter. Er habe aber oft keine Auswahl, müsse jeden einstellen, der sich bewerbe, weil insgesamt so wenige, teils überhaupt keine Bewerbungen auf seine Jobinserate eingingen.

Zudem schadet dem Metzger, so meint er, auch „das Schindluder“, das in großen Industriebetrieben getrieben werde. „Das schlägt alles irgendwann durch und fällt auch aufs Handwerk zurück“, sagt er. Der Gesetzgeber würde dann die Industrie und Handwerksbetriebe bei neuen Verordnungen „über einen Kamm scheren“.

Aktuell fehlen dem Metzgerei-Inhaber zwei Verkäufer oder Verkäuferinnen

Und ein wahrer Handwerker ist Dieter Kempter. Sechs Tage die Woche arbeitet er, erzählt er, zwölf bis 14 Stunden am Tag, sonntags komme teilweise noch der Partyservice dazu. „Aber ich muss so viel arbeiten, weil ich die Kosten sonst gar nicht reinhole.“ Zurzeit fehlen ihm zwei Verkäufer beziehungsweise Verkäuferinnen. „Wenigstens einen Verkäufer fürs Fleisch bräuchte ich“, sagte der Metzger.

„Ein Problem, das ich erfühle, ist, dass wir diesen Familienbund nicht mehr haben“, so Dieter Kempter. Früher habe sich die ganze Familie am Metzgereigeschäft beteiligt. „Da waren Bruder, Schwester und Cousine mit dabei“, sagt er. „Dann haben Betriebe funktioniert. Das ist heute alles nicht mehr so.“ Alles nur mit Angestellten zu wuppen sei nicht so einfach. Besonders bei der schwierigen Personallage.

Gute Rückmeldungen bei Grillfesten

Dabei mag Dieter Kempter seinen Beruf, wenn alles stimmt. „Man kann schon viel machen und kreativ sein“, sagt er. Besonders Spaß machten ihm gerade zum Beispiel seine „Grill and chill“-Veranstaltungen, wie er sie nennt. Für diese fährt er auf Feste von anderen Menschen und stellt dort den professionellen Grill mitsamt Grillmeister sowie Spezialitäten nach Wahl und Beilagen zum Selbst-Zusammenstellen. Das Besteck und die Teller nimmt er nach dem Grillen wieder mit, so dass für die Feiernden, die ihn gebucht haben, keine Arbeit anfällt.

„Da sagen so viele Leute, dass sie noch nie so leckeres Fleisch gegessen haben“, erzählt er. Viele Menschen seien nur „Aufreißpäckle“ gewöhnt, die eben eine völlig andere Qualität wie das Metzgerfleisch bieten würden. „Da merke ich jedes Mal, dass die Leute total begeistert sind“, sagt Dieter Kempter. „Das freut einen dann auch selber sehr.“ Und so verlagere sich das Geschäft eben teilweise auch.

In einer Metzgerei arbeiten, das wollen viele Menschen nicht. Dieter Kempter, Inhaber der Urbacher Metzgerei Walz, sieht das anders. „Es ist ein schöner Beruf“, sagt er. Gerade musste er aber einen Rückschlag einstecken: Ihm blieb nichts anderes übrig, als seinen Laden in der Beckengasse bis auf weiteres zu schließen. Ursprünglich war nur geplant, mit dem Geschäft dort in den Sommerferien fünf Wochen lang zu pausieren, um den Mitarbeitern eine Chance zu geben, in den Urlaub zu fahren, nun

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