Urbach

Muss der Grillplatz „Roter Berg“ weg?

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Symbolbild. © pixabay (CC0 Public Domain)

Urbach. Eigentlich hätte der Urbacher Gemeinderat am Dienstag die Auflösung des Grillplatzes „Roter Berg“ besiegeln sollen, doch die Entscheidung wurde vertagt. Weil der Platz in einem Naturschutzgebiet liegt, verlangt das Landratsamt die Schließung. Urbacher Bürger und Vertreter von Vereinen, Schulen und Kindergärten setzen sich für den Erhalt ein. Und auch im Gemeinderat machten sich viele dafür stark.

Der Grillplatz „Roter Berg“ hat in den vergangenen Jahren gelitten. Zwar steht bei dem Beton-Ring der Feuerstelle noch eine kleine Schutzhütte. Aber Bänke und Tische fehlen laut Bauamtsleiter Rolf Koch. Sie seien in Grill- oder Lagerfeuern verheizt worden. Was den Platz so reizvoll macht, ist allerdings weniger seine Gestaltung als seine Lage: in der Natur am Waldrand, in Nähe zu einem kleinen Wasserlauf und gut zu Fuß erreichbar vom Ort aus.

Die Lage in der schönen Urbacher Natur ist es aber auch, die verschiedene Interessen kollidieren lässt. Denn rund um den Grillplatz erstreckt sich ein Naturschutzgebiet, das Flora und Fauna in den Wiesen bewahren soll. Deswegen verlangt das Landratsamt eigentlich schon länger die Schließung. Zumal dort nicht nur Familien gesittet grillen, sondern sich auch junge Menschen zu Feierlichkeiten treffen, zum Beispiel am 1. Mai, und dabei nicht gerade zimperlich mit der schönen Natur umgehen. Oft bleiben Müll und Scherben zurück.

Der Urbacher Gemeinderat tat sich nun schwer, über die Auflösung des Grillplatzes zu entscheiden, wie zum Beschlussvorschlag vorgelegt war. Im Vorfeld hatten Bürger sich per E-Mail an Bürgermeisterin und Gemeinderäte gewandt und Argumente für den Erhalt vorgebracht und eine Liste mit Unterschriften vorgelegt. Unterschrieben haben auch Lehrer der Atriumschule, Erzieherinnen aus den Kindergärten, Vereinsvertreter und Familien.

Wie schlimm ist der Vandalismus mittlerweile noch?

In der E-Mail stellen die Bürger Aspekte wie die schöne Lage („einmalige Naturerlebnisse“) und die gute Erreichbarkeit heraus. Sie schreiben außerdem: „Der Grillplatz wird von sehr vielen Menschen gern genutzt“, auch Vereine, Schulen und Kindergärten gehören zu den Nutzern.

Den Vandalismus empfinden die Bürger „nicht mehr so schlimm, wie es dargestellt wird“. Das hätten auch Gespräche mit dem Waldkindergarten ergeben, der in unmittelbarer Nachbarschaft liegt. Das war auch ein Argument der Gemeindeverwaltung für die Schließung: dass die Kindergartenkinder durch Glasscherben und „teilweise Notdurft“ liefen, wie Bürgermeisterin Martina Fehrlen im Gemeinderat sagte.

Viele Räte lehnten die Schließung des Grillplatzes jedoch ab und griffen zu den gleichen Argumenten wie die Bürger, um sich für den Erhalt einzusetzen.

Wie will man so eine Wiese überhaupt schützen?

Den Vandalismus am Grillplatz wollten die Räte nicht als Begründung gelten lassen. Den gebe es auch an den neuen Plätzen an der Rems und dem noch einzurichtenden an der Hagsteige, sagte zum Beispiel Patricia Bäuchle (CDU). Ursula Jud (Freie Wähler) hatte beim Bauhof nachgefragt und erfahren, dass der Vandalismus am „Roten Berg“ weder ab- noch zugenommen habe. Die erste Fahrt des Bauhofs führe im Sommer jeden Montag dorthin zur Kontrolle und bei Bedarf zum Aufräumen. Anke Schön (SPD) zeigte sich überzeugt – auch ohne Grillplatz: „Es werden sich garantiert am 1. Mai die Jugendlichen weiter dort treffen.“

Wie will man so eine Wiese und die seltenen Pflanzen, die dort wachsen, überhaupt schützen? So lautete eine Grundfrage. Die Bürger, die sich für den Grillplatz starkmachen, schlagen eine Infotafel vor. Außerdem gebe es „ehrenamtliche Schutzgebietsbetreuer“, die bereit seien, verstärkt Präsenz zu zeigen und im persönlichen Dialog die Besucher „zu sensibilisieren“. „Auch könnte der Vollzugsdienst verstärkt Präsenz zeigen“, so ihre Idee, gerade für „kritische Tage“ wie den 1. Mai.

Burkhard Nagel (Grüne) betonte: Eine höhere Schutzstufe als die Auszeichnung „Natura 2000“, die das Gebiet beim Grillplatz habe, gebe es nicht. Es gebe viele seltene Tiere und Pflanzen dort. „Deswegen müssen wir das Argument berücksichtigen, dass die auch unseren Schutz brauchen“, so Nagel. Er plädierte jedoch dafür, zu prüfen, ob für den Grillplatz ein Ersatzstandort gefunden werden könnte, der auch von der Atriumschule aus gut erreichbar wäre. Auch Anke Schön (SPD) meinte: Nur zwei Grillplätze für eine Gemeinde der Größe Urbachs – „das ist einfach zu wenig“.

Es gebe zwei Grillplätze als Ersatz

Die Verwaltung hatte zuvor argumentiert, es gebe mit dem neuen Grillplatz an der Rems und dem neuen an der Hagsteige in Nähe des Bergrutsches, der bald eingerichtet wird, zwei als Ersatz. Doch diese liegen in ganz anderen Richtungen. Im Osten von Urbach würde dann einer fehlen, argumentierten mehrere Räte. Eine weitere Frage war auch: Was ist mit dem Waldkindergarten? Dieser nutzt nämlich für die Kinder den Grillplatz und die Fläche drumherum. Das würde fehlen, wenn dort nur selten gemäht das Gras hoch sprießt, meinte zum Beispiel Ursula Jud (Freie Wähler).

Bürgermeisterin Martina Fehrlen brachte dann den Vorschlag, die Entscheidung zu vertagen, um das Ganze noch mal mit dem Landratsamt zu besprechen. Die Frage ist dabei vor allem: Muss der Grillplatz wirklich weg (siehe „Platz gegen Platz“)? Oder ist es nur ein Wunsch der Behörden? Hat er keinen Bestandsschutz, weil er vor dem Naturschutzgebiet schon da war?

Bärbel Baumgärtner, die zu den Initiatoren der Unterschriftensammlung für den Grillplatz gehört, ist mit der Diskussion im Gemeinderat zufrieden. „Das war ein total positives Beispiel, wie Kommunalpolitik ablaufen muss“, findet sie. Selbst wenn am Ende das Landratsamt nun hart bleibe und die Auflösung des Platzes fordere, habe man zumindest etwas ins Rollen gebracht und alles versucht.


Platz gegen Platz

Bei der Genehmigung zum neuen Grillplatz an der Rems schrieb das Landratsamt der Gemeinde mit in die Bedingungen: Der Grillplatz „Roter Berg“ soll dafür aufgelöst werden. Was heißt hier aber das Wort „soll“? Heißt das auch „muss“? Diese Frage stellte sich im Urbacher Gemeinderat. Die Gemeinde will das vor einer Entscheidung über den Grillplatz nun mit dem Landratsamt klären.