Urbach

Prenzlschwäbin Bärbel Stolz: Grüß Gott aus Berlin

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Bärbel Stolz alias die "Prenzlschwäbin" trat am Freitag, 24.März, in der ausverkauften Auerbachhalle in Urbach mit ihrem Programm "#ischdesbio" auf. © Christine Tantschinez
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Bärbel Stolz alias die "Prenzlschwäbin" trat am Freitag, 24.März, in der ausverkauften Auerbachhalle in Urbach mit ihrem Programm "#ischdesbio" auf. © Christine Tantschinez
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Bärbel Stolz alias die "Prenzlschwäbin" trat am Freitag, 24.März, in der ausverkauften Auerbachhalle in Urbach mit ihrem Programm "#ischdesbio" auf. © Christine Tantschinez
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Bärbel Stolz alias die "Prenzlschwäbin" trat am Freitag, 24.März, in der ausverkauften Auerbachhalle in Urbach mit ihrem Programm "#ischdesbio" auf. © Christine Tantschinez
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Bärbel Stolz alias die "Prenzlschwäbin" trat am Freitag, 24.März, in der ausverkauften Auerbachhalle in Urbach mit ihrem Programm "#ischdesbio" auf. © Christine Tantschinez
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Bärbel Stolz alias die "Prenzlschwäbin" trat am Freitag, 24.März, in der ausverkauften Auerbachhalle in Urbach mit ihrem Programm "#ischdesbio" auf. © Christine Tantschinez
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Bärbel Stolz alias die "Prenzlschwäbin" trat am Freitag, 24.März, in der ausverkauften Auerbachhalle in Urbach mit ihrem Programm "#ischdesbio" auf. © Christine Tantschinez
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Bärbel Stolz alias die "Prenzlschwäbin" trat am Freitag, 24.März, in der ausverkauften Auerbachhalle in Urbach mit ihrem Programm "#ischdesbio" auf. © Christine Tantschinez

Urbach. Schwaben sind kleinlich, reinlich und penetrant nervtötend. Erzählt ausgerechnet eine Berlinerin in der bis zum letzten Platz gefüllten Auerbachhalle in Urbach. Aber Bärbel Stolz darf das. Sie ist schließlich die Prenzlschwäbin, das fleischgewordene pünktchenkleid-tragende Klischee des Exil-Schwaben in der Bundeshauptstadt.

Entwaffnend lächelnd und hinreißend schwäbelnd erzählte sie in ihrem Bühnenprogramm „#ischdesbio“ vom Leben als Schwäbin in der „schmutzigen, stinkenden Großstadt Berlin, da, wo es wehtut“. Ihr Programm berührt alle Themen, die uns Schwaben lieb und teuer sind: Essen, Wohnung, Kinder und natürlich korrekte Mülltrennung. Die rollende Bierflasche in der S-Bahn wird für die reinliche Schwäbin zur Zerreißprobe. Die vom Touristen achtlos entsorgte Pfandflasche fast zu einer internationalen Krise. Und dass die Prenzlschwäbin per Meditation dem Zwang widerstehen muss, vor dem Eintreffen der Putzfrau selber gründlich aufzuräumen, entlockt vor allem den weiblichen Gästen ein wissendes Kichern.

Von Diäten und falschem Kartoffelsalat

Überhaupt weiß Bärbel Stolz genau um ihr Publikum. Wenn sie vom Restaurantbesuch mit ihrer natürlich ebenfalls schwäbischen Freundin Ulrike erzählt, die mal wieder eine neue Diät ausprobiert, wird das Kichern im Raum lauter. Spätestens, wenn die Prenzlschwäbin dann mit ganzem Körpereinsatz berichtet, wie sie in Berlin unerhörterweise mit einem Kartoffelsalat voller Mayo konfrontiert wird, fühlen alle Urbacher hörbar mit.

Das ist an diesem Abend die Kunst der Prenzlschwäbin, sie zelebriert die Eigenartigkeiten der Schwaben auf dermaßen sympathische Weise, dass man ihr gar nicht böse sein kann. Mehr als einmal ertappt man sich während des Kicherns über die Abenteuer der Prenzlschwäbin auch beim zustimmenden Nicken. Beispielsweise bei ihrem Dauermantra „Des find ich jetzt aber net so gut“ als trotzige Reaktion auf die Berliner Schmuddelkultur. Weil Bärbel Stolz so herrlich grimassiert, schwäbelt und so erfrischend herzlich spielt, gilt sie hier in Urbach schnell als Verbündete. „Da versteht man doch alles, das ist doch wie hier“, raunt auch gleich eine verzückte Besucherin in der Pause.

Zwischen Demos und dialektfeindlichen Tinder-Dates

Aber, keine Sorge, der Schwabe darf in der knapp zweistündigen Bühnenshow auch brillieren. Bärbel Stolz, seit 20 Jahren schon beheimatet in Berlin und ausgebildete Schauspielerin, gönnt der Prenzlschwäbin ihre Erfolge. Wenn sie dabbig genug ist, bei der Gentrifizierungs-Demo mitmachen zu wollen, weil sie ja ebenfalls gegen genmanipuliertes Essen ist, aber fürsorglich den Mit-Demonstranten den Bausparvertrag empfiehlt. Wenn sie ganz gelassen bemerkt, dass mal wieder der Benz in Flammen steht und man halt doch die U-Bahn nehmen muss. Wenn sie allein durch ausdauerndes Geplapper den gefürchteten Türsteher des Clubs Berghain in die Knie zwingt. Oder wenn sie ganz schlitzohrig einem dialektfeindlichen Hannoveraner beim Tinder-Date Konter gibt.

Im Oktober nochmal im Rems-Murr-Kreis

Die in Esslingen geborene, auf der Schwäbischen Alb aufgewachsene und in jungen Jahren schon nach Berlin entflohene Bärbel Stolz war einem Teil Deutschlands schon aus kleineren und größeren TV-Serienformaten bekannt. Ein weitaus größerer Teil aber kennt sie heute aus ihren Videoclips in den sozialen Netzwerken, wo die Prenzlschwäbin geboren wurde und ihre ersten Erfolge feierte. Wer sie auch als Bühnenkomödiantin kennenlernen will, sollte sich beeilen. Es gibt noch einen Termin in Waiblingen, am 28. Oktober ist sie dort zu Gast. Es lohnt sich.

„Be nicer“

Der nächste Knaller im Urbacher Programm „Kabarett und Comedy“: Am Freitag, 7. April, 20 Uhr, kommt Benaissa Lamroubal, in Marokko geborener und in Duisburg aufgewachsener Stand-Up-Comedian, mit seinem ersten Soloprogramm: „Be nicer“.