Urbach

Schock Metallwerke kündigt einem Drittel der Belegschaft

Einem Drittel der Belegschaft gekündigt_0
Die Schock Metallwerk GmbH in Urbach ist in Insolvenz. © ZVW/Gaby Schneider

Urbach.
Die Coronavirus-Krise hätte die Schock Metallwerk GmbH in Urbach vermutlich nicht überstanden, sagt der Sanierungsexperte Jan Metzner, der im Februar zum weiteren Geschäftsführer berufen wurde. Insofern war der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung, den das Unternehmen im Januar gestellt hatte, Glück im Unglück. Metzners Zwischenfazit des Insolvenzverfahrens fällt positiv aus. Alles laufe planmäßig.

Das sind die Fakten: Einem Drittel der 190-köpfigen Belegschaft in Urbach wurde mittlerweile gekündigt. Zum 1. April meldete Schock dem Insolvenzgericht eine drohende Masseunzulänglichkeit an, sprich: Die Gläubiger von Schock gehen vermutlich leer aus.

Warum droht bei Schock jetzt doch Masseunzulänglichkeit?

Jan Metzner ist sich durchaus bewusst, dass sich seine Zuversicht nach außen komisch anhören könnte. Damit jedoch Gläubiger einem Sanierungsplan zustimmen können, habe aus formalen Gründen ein Insolvenzantrag gestellt werden müssen. Dass dieser Antrag beim Insolvenzgericht verbunden wurde mit dem Hinweis, es drohe Masseunzulänglichkeit, sei wiederum der Corona-Krise geschuldet gewesen. „Wir wissen alle nicht, was in den nächsten Wochen und Monaten alles passiert.“ Derzeit laufe die Fertigung bei Schock. Noch. Einige Kunden haben ihre Produktion bereits eingestellt, weist Metzner als Beispiel auf den Automobilhersteller Daimler hin. Es sei derzeit keineswegs absehbar, wann es dort wieder weitergeht. Diese Unwägbarkeiten haben auf alle Fälle Auswirkungen auf Schock.

Können die gekündigten Mitarbeiter mit einer Abfindung rechnen?

Keine Frage ist für Metzner, dass das angeschlagene Unternehmen in der aktuellen Corona-Krise vollends eingeknickt wäre. Die Insolvenz in Eigenverwaltung wertet er als eine Art Schutzschirm, unter dem die Sanierung nun weitergehen kann. Jan Metzner ist Anwalt bei der auf Insolvenzen und Sanierungen spezialisierten Kanzlei Elsässer mit Niederlassungen in Stuttgart, München und Hamburg. „Rechtliche Beratung in Sanierungs- und Krisenfällen ist unser täglich Brot.“ Arbeitsrecht sei eine maßgebliche Komponente, heißt es auf der Internetseite der Kanzlei. Ganz nebenbei: Eine Insolvenz schützt Schock zudem vor hohen Abfindungen für die gekündigten 60 Beschäftigten, räumt Metzner ein und spricht von „Erleichterungen, die einen Neustart ermöglichen“. Mit dem Betriebsrat sei ein Sozialplan vereinbart worden, der zwar Abfindungen enthalte, aber nicht in dem bei Sozialplänen üblicherweise enthaltenen Umfang. – Ein Betroffener mutmaßt, dass es bei der Insolvenz genau darum gegangen war.

Wie beurteilt die IG Metall die Lage bei Schock?

Aus Sicht der IG Metall sind Sozialpläne in einem Insolvenzverfahren immer eine heikle Angelegenheit, da auch für langjährige Beschäftigte Abfindungen von maximal zweieinhalb Monatsgehältern herausspringen. Für das Unternehmen sei freilich dies attraktiv. Die IG Metall hat den Schock-Betriebsrat über viele Jahre begleitet und mit der Geschäftsleitung eine Reihe vom Tarifvertrag abweichende Vereinbarungen getroffen, um den Betrieb über Wasser zu halten. Doch vor zwei Jahren zog die Gewerkschaft die Notbremse und kündigte an, keine solchen Vereinbarungen mehr zu treffen, da es sich um ein Fass ohne Boden handele. Seit ein paar Monaten verzichtet der Betriebsrat nun auf Unterstützung seitens der Gewerkschaft, so ein IG-Metall-Sekretär, der in die Sanierung deshalb nicht mehr direkt involviert ist. Aus seiner Sicht führte die gescheiterte Produktionsverlagerung ins Baltikum zur jetzigen Pleite.

Jan Metzner hält die Kündigungen der rund 60 Mitarbeiter für unabdingbar. Er wertet es als Erfolg, 120 Arbeitsplätze in Urbach gerettet zu haben. Eine Zahl, mit der die vorhandenen Überkapazitäten abgebaut worden seien und mit der Schock für die nächsten Jahre zukunftsfest werde.

Welche Auswirkungen hatte die Gründung eines Schwesterwerks in Lettland auf Schock in Urbach?

Nach der Verlagerung der Montage in das Schwesterwerk FTS Baltic in Lettland verbleiben in Urbach die Rollenumformung sowie Entwicklung, Vertrieb, Einkauf und Verwaltung. Die Gründung der FTS und die angekündigte Produktionsverlagerung hatten Schock jedoch in die Bredouille gebracht. Ein Montagebetrieb in Tschechien war über die Pläne verärgert und stellte Mitte 2019 die Arbeit für Schock ein. Doch das neue Werk in Lettland war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage, nahtlos die Produktion zu übernehmen. Die Montage lief nur langsam an, was zu Mängeln, Produktionsausfällen und Klagen von Kunden führte – und die Schock Metallwerk GmbH eine Menge Geld kostete. Zu viel. Das Unternehmen blutete aus. Aus Sicht von Jan Metzner ist nun kein Vermögen mehr vorhanden, um die Schulden zu bedienen. Die Gläubiger könnten allenfalls mit einer Quote in einstelliger Höhe rechnen.

Zwei der Gesellschafter der FTS Baltic sind die gleichen wie bei der Schock Metallwerk GmbH, Martin Schock und Helmut Fuchs. Der dritte Investor ist durch familiäre Wurzeln mit Lettland verbunden. Noch sei die Fertigung in Lettland nicht bei 100 Prozent angelangt. „Von Woche zu Woche geht es aufwärts“, schwärmt Metzner vom neuen Schwesterunternehmen, das nicht zuletzt mit Hilfe der Urbacher aufgebaut wurde. Beschäftigt werden in Lettland bereits rund 250 Personen.

Die FTS ist eine Art verlängerte Werkbank von Schock, wird Edgars Dolmanis, der Leiter Logistik und Beschaffung bei FTS Baltic, auf einer Internetseite der Deutschland–Vertretung der Investitions- und Wirtschaftsförderungsagentur Lettland zitiert. FTS ist eine Fabrik innerhalb der Sonderwirtschaftszone der Stadt. „Die Ingenieure von Schock Metall arbeiten eng mit den jeweiligen Kunden zusammen, um maßgeschneiderte Schlitten und Systeme zu entwickeln.“

Im Jahr 2018 waren die Geschäfte von Schock noch (oder wieder) gut gelaufen. Der Umsatz stieg 19,7 auf 21,3 Millionen Euro und das Unternehmen kam nach einem Verlust von fast einer Million Euro im Jahr 2017 wieder in die Gewinnzone. Schwerpunkt des Metallwerks ist eigenen Angaben zufolge die Herstellung und der Vertrieb von Auszugsführungen, Spezialbeschlägen, Spezialprofilen und Systemlösungen. Abnehmer sind Haushaltsgeräte- und Möbelhersteller. 2019 wurde ein weiteres gutes Jahr erwartet, zumal Schock in der Autoindustrie Fuß fasste und beispielsweise für den neuen Renault Clio Technik für eine verstellbare Mittelarmlehne liefert.

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Die Coronavirus-Krise hätte die Schock Metallwerk GmbH in Urbach vermutlich nicht überstanden, sagt der Sanierungsexperte Jan Metzner, der im Februar zum weiteren Geschäftsführer berufen wurde. Insofern war der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung, den das Unternehmen im Januar gestellt hatte, Glück im Unglück. Metzners Zwischenfazit des Insolvenzverfahrens fällt positiv aus. Alles laufe planmäßig.

Das sind die Fakten: Einem

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