Urbach

Urbach: Plädoyers für den Bau des Waldhauses

99db9128-ae0e-4231-831e-e2f1f4e2bd90.jpg_0
Jörg Hetzinger, Matthias Klopfer und Thorsten Englert (von links) bei der Pressekonferenz zur Remstal-Gartenschau. Im Sitzungssaal des Urbacher Rathauses ging es vor allem um das Waldhaus, das geplant, aber auch umstritten ist. © Gabriel Habermann

Urbach. Mit Blick auf den Bürgerentscheid, der ja beschlossen ist, wurden am Freitag im Urbacher Rathaus von prominenter Seite noch einmal Plädoyers für den Bau des Waldhauses gehalten. Ein Triumvirat, bestehend aus Jörg Hetzinger, Matthias Klopfer und Thorsten Englert, übernahm diese Aufgabe. Alle drei sind fest davon überzeugt, dass das Waldhaus ein „Leuchtturmprojekt“ ist – nicht nur für Urbach.

„Wenn das Waldhaus nicht kommt, fehlt in Urbach bei der Remstal-Gartenschau ein ganz wichtiges Element“, sagte Bürgermeister Jörg Hetzinger. Der daimlerstädtische Oberbürgermeister Matthias Klopfer, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Remstal-Gartenschau GmbH 2019, verglich das Urbacher Waldhaus mit der erst kürzlich eröffneten Forscherfabrik in Schorndorf und gab zu Protokoll: „Beides ist in heutiger Zeit unverzichtbar.“ Und Thorsten Englert, Geschäftsführer der Remstal-Gartenschau GmbH 2019, stellte die Frage: „Welches Highlight hat Urbach bei der Gartenschau ohne das Waldhaus?“ Sie ist im Moment noch hypothetisch, stellt sich aber spätestens dann, wenn der Bürgerentscheid erfolgreich sein sollte.

Daran freilich mag Matthias Klopfer nicht so richtig glauben. Er „spüre, dass eine stille Mehrheit will, dass die Remstal-Gartenschau ein Erfolg wird für Urbach“. Und das wird sie nur, wenn das Waldhaus gebaut wird, sprich der Bürgerentscheid scheitert. Für Hetzinger „ist das Waldhaus das Zentrum“. Wenn es „nicht kommt, fehlt in Urbach ein ganz wichtiges Element“. Mit dieser Einrichtung für Waldpädagogik könne die Gemeinde ein attraktives Angebot auch über die Remstal-Gartenschau hinaus machen, von dem sowohl die Urbacher als auch die Besucher von auswärts profitieren. Das Waldhaus könne „mit überschaubaren Kosten“ über das Jahr 2019 hinaus betrieben werden.

Waldhaus auf 400 000 Euro gedeckelt

Diese Aussage unterstrich Thorsten Englert, Herr der Finanzen im Schorndorfer Rathaus. Das Waldhaus sei auf 400 000 Euro gedeckelt, es gebe einen Zuschuss in Höhe von 35 000 Euro, außerdem sei es nicht unrealistisch, mit Spenden zwischen 30 000 und 40 000 Euro zu rechnen (diese Zahl brachte Hetzinger ins Spiel). Wenn dem so sei und man eine Abschreibung von 30 Jahren zugrunde lege, kämen auf Urbach Kosten in Höhe von rund 10 000 Euro im Jahr zu (die Ausgaben für den laufenden Betrieb allerdings nicht mitgerechnet). „Das ist fast ein Nasenwasser“, meinte Englert angesichts der 35 Millionen Euro, die die Gemeinde in den letzten Jahren für Investitionen ausgegeben habe. Mit dem Waldhaus entstehe ein „ordentliches Pfund, mit dem die Urbacher wuchern können“. Es handle sich dabei um eine Investition nicht nur für die Gartenschau, „sondern für die Zukunft“, denn der Mehrwert bleibe.

Zum Geld und zu den Kosten sagte Jörg Hetzinger: „Wenn wir das Waldhaus nicht bauen, verbessert sich unsere finanzielle Situation nicht wesentlich.“ Er wies außerdem darauf hin, dass im Musikerheim im Bärenbach, das von der Gruppierung der Kritiker, die sich „Alternative Gartenschau Urbach“ nennt, favorisiert wird, „ganz erhebliche Investitionen getätigt werden müssten“. Außerdem sei keineswegs sicher, dass der Gemeinderat auf diesen Zug aufspringe, falls der Bau des Waldhauses per Bürgerentscheid verhindert werde. Hetzinger stellte noch einmal heraus, mit dem Alternativstandort für das Waldhaus „bleiben Schutzgebiete unangetastet, auch wenn manchmal das Gegenteil behauptet wird“.

Klopfer ist überzeugt: „Die wahren Früchte ernten wir erst 2020“

„Die wahren Früchte ernten wir erst 2020“, also nach der Remstal-Gartenschau – davon ist Matthias Klopfer überzeugt. Er sprach Hetzinger und der Mehrheit von Urbach ein Kompliment aus („Sie machen eine coole Sache“). Naherholungsräume müssten attraktiv gestaltet werden, genau das geschehe mit dem Waldhaus.

„Wäre für mich ein schöner Abschluss, wenn es gelingen würde“

Für Bürgermeister Hetzinger wäre es nach 16 Jahren „ein schöner Abschluss, wenn es gelingen würde“. Das mit dem Waldhaus. Er hat jedenfalls bereits die Weichen gestellt für die Zeit nach dem Bürgerentscheid und vorbehaltlich seines Ausgangs einen Bausatz aus Holz für das Waldhaus ausschreiben lassen. Das Gebäude erhält aus Zeitgründen auch keine Bodenplatte (der Estrich müsste lange austrocknen), sondern einen massiven Holzboden, der der Dämmung dient. Innerhalb von fünf bis sechs Tagen könnte der Bausatz zusammengefügt werden. Und die Arbeiten könnten am Tag nach dem Bürgerentscheid beginnen.

Jörg Hetzinger, Matthias Klopfer und Thorsten Englert (von links) bei der Pressekonferenz zur Remstal-Gartenschau. Im Sitzungssaal des Urbacher Rathauses ging es vor allem um das Waldhaus, das geplant, aber auch umstritten ist. Bild: Habermann

Bürgermeisterwahl und Bürgerentscheid an einem Tag

Am Rande der Pressekonferenz am Freitag im Urbacher Rathaus wurde bekannt, dass am Sonntag, 22. April, nicht nur die Stimmen der Bürgermeisterwahl, sondern auch die des Bürgerentscheids ausgezählt werden.

Zuerst geht’s aber darum, wer die Urbacher Geschicke in den nächsten acht Jahren als Nachfolger von Jörg Hetzinger lenken wird. Gleich anschließend machen sich die Wahlhelfer dann daran, die Stimmen des Bürgerentscheids auszuzählen.

Hetzinger, der auch Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses ist, entschied am Freitag spontan, dass beide Entscheidungen noch am Abend des 22. April feststehen sollen – auch mit Blick auf die Bürger, die das ganz sicher interessiert. Es wäre auch möglich gewesen, den Bürgerentscheid erst am Montag auszuzählen.

Stand jetzt (also bei drei Bürgermeisterkandidaten) geht der Urbacher Hauptamtsleiter Jürgen Schunter davon aus, dass Bürgermeisterwahl und Bürgerentscheid bis gegen 20.30 Uhr ausgezählt sein könnten.