Urbach

Urbach: Viel Müll im Bach – Naturschützer beklagen WC-Gestank

Müll im Bach
Die Freiwilligen sammeln Müll, der im Wasser liegt. © Gabriel Habermann

Es schüttet wie aus Eimern. Und es schüttet in die Eimer der Müllsammler, die sich nicht vom Wetter abhalten lassen. Zwischen dem mit Zangen aufgeklaubten und aufgeweichten Unrat bilden sich kleine Pfützen am Eimerboden. Die „Ausbeute“ sind die „üblichen Verdächtigen“: Kippen, Eisbecher, Plastikteile, Papier und Verpackungsmüll. Matthias Görtler weist auf ein weiteres Problem hin: Hygienetücher.

„Wir haben sogar einen Kaugummi und einen Pilz gefunden“, berichtet der vierjährige Felix. Er ist mit seinem Vater Jonas im Einsatz gegen die Vermüllung von Spielplätzen. „Jetzt haben wir es endlich mal geschafft“, sagt der Papa, die Familie habe schon seit längerem vorgehabt, zur Zange zu greifen. Matthias Görtler wollte das Ganze mit Blick zum Himmel zunächst abblasen, schwenkte dann aber um, nachdem klar war, dass das Gewitter abzieht.

Gruppe will mit der Aktion auf das Müllproblem aufmerksam machen

Das Müllproblem in Urbach könne zwar keiner der Einsätze lösen, die immer am Monatsende anstehen. Das sei aber auch gar nicht die Intention. „Mit der monatlichen Putzede-Aktion wollen wir uns zeigen und darauf aufmerksam machen, damit das Thema nicht in Vergessenheit gerät.“ Denn noch immer hätten viele Zeitgenossen kein Einsehen. „Wir finden jedes Mal genug Müll“, so Görtler, der sich über jeden Teilnehmer freut. Denn das Interesse an der ehrenamtlichen Aktivität sei trotz Werbung und Aufrufen im Gemeindeblatt sehr gering und nach einem coronageschuldeten „Peak“ wieder rückläufig.

Während der Corona-Pandemie seien die Teilnehmer zur monatlichen Putzede geströmt, nach Ende der Lockdowns sei das Teilnehmerfeld merklich geschrumpft, stellt Matthias Görtler fest. Er führt die große Resonanz während der Pandemie auf einen Mangel an Alternativen zurück: „Es war sonst nichts los, da hatten viele die Zeit.“ Als alle Freizeiteinrichtungen geschlossen waren, hätten bei den Naturputzede-Terminen bis zu 25 Personen gesammelt, im vergangenen halben Jahr sei nur der „harte Kern“ gekommen. Der ist auch vergangenen Samstag losgezogen, bei strömendem Regen.

Kippen belasten die Umwelt

Birgit Raith nerven die Kippen, die sie oft auch auf ihren Runden mit dem Hund beiseite räumt. „Weil sie die Umwelt und das Wasser verschmutzen“, sagt sie. Den Papa von Felix nervt es auf dem Spieli. „Was da alles teilweise rumliegt“, deutet er an. Zwar seien seine Kinder inzwischen größer. „Sie stecken nicht mehr alles in den Mund, was sie finden“, sagt er. Dennoch: Scherben und unhygienische Zustände haben in der Natur und auf öffentlichen Flächen nichts zu suchen. Seine Kinder bekommen mit, dass die Eltern den Müll trennen. „Sie wissen, dass Naturprodukte wie Obstschalen und Gemüsereste verrotten, Plastik aber eben nicht.“ Er spricht von Alltagserziehung: „Wenn man es ihnen vorlebt, muss man später gar nicht mehr so viel über das Müllthema beibringen.“ Leider sehen dies nicht alle so wie der verantwortungsvolle Familienvater.

Matthias Görtler brennt ein weiteres Thema unter den Nägeln: Am Uferbereich des Urbach lagern sich im Siedlungsbereich nach normalen Gewitterregen Hygienetücher ab, die sich in Steinen, Zweigen und Pflanzen verfangen. Sie enthalten seiner Auskunft nach Kunststoff, wodurch Plastikmüll in Bäche, Flüsse und letztlich in Meere getragen werde. Das fördere das Absterben von Pflanzen und Tieren und ziehe die Verunreinigung von Grundwasser nach sich.

Es riecht "penetrant nach WC"

Seit 2020 machen ihm und Naturschützern die Beobachtungen Sorge, die sich hinter Einleitungsöffnungen von Regenüberlaufbecken in der Nähe von Häusern, Brücken, Baustellen und Kleingärten machen lassen. Seine Theorie zum Ursprung der Verunreinigungen: „Sie stammen aus den vielen Regenüberlaufbecken, die in Urbach verhindern sollen, dass das Abwasser bei starkem Regen zu stark durch Oberflächenwasser verdünnt in der Kläranlage ankommt, was den bakteriellen Reinigungsprozess verschlechtern würde.“

Der Inhalt der Überlaufbecken schwimme ab einer gewissen Regenwassermenge auf, und Abwasser mit Fäkalien, Hygienetüchern und Müll fließe direkt in den Bach, so Görtler. Extrem zeige sich der Grad der Ablagerungen ab der Brücke Beckengasse an der Ecke Uferstraße in Urbach-Mitte. Hier rieche es nicht nur im Bereich der beiden unvergitterten Rohreinläufe „penetrant nach WC“, sondern ebenso im Uferbereich zehn Meter weiter bachabwärts, meint er. Anwohner hätten ihm den Eindruck bestätigt.

An Gittern bleiben die Tücher hängen

Das Problem: Der Plastikmüll falle an mehreren Stellen in Urbach an. So hätten einige der Einleitungsöffnungen in die Regenüberlaufbecken kein Gitter. Nur an den Einleitungsöffnungen mit Gitter bleiben die Hygienetücher hängen, nur dort wird das Problem für jeden sichtbar.

Und mit den Hygienetüchern sei das Ende der Fahnenstange nicht erreicht. Im Urbach lande jeder Müll, der sich bequem von Wegen, Straßen und Balkonen hineinwerfen lässt oder der von Baustellen und Gewerbeflächen hineingeweht wird: Supermarkt-Verpackungen, Verpackungen vom To-go-Essen, Orangen, Übertöpfe, Kanister, Baustellenbarken, Abdeckfolien, Styroporteile, Dämmmaterial, Getränkeflaschen und Dosen.

Es schüttet wie aus Eimern. Und es schüttet in die Eimer der Müllsammler, die sich nicht vom Wetter abhalten lassen. Zwischen dem mit Zangen aufgeklaubten und aufgeweichten Unrat bilden sich kleine Pfützen am Eimerboden. Die „Ausbeute“ sind die „üblichen Verdächtigen“: Kippen, Eisbecher, Plastikteile, Papier und Verpackungsmüll. Matthias Görtler weist auf ein weiteres Problem hin: Hygienetücher.

„Wir haben sogar einen Kaugummi und einen Pilz gefunden“, berichtet der vierjährige Felix.

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