Urbach

Vasen, Schalen, Kunstobjekte:  Urbach wieder im Zeichen des Töpfermarkts

Töpfermarkt Urbach
Kannen, Tassen, Eierbecher und noch viel mehr: Das Angebot auf dem Töpfermarkt war riesengroß. © Gabriel Habermann

Riesenandrang beim 31. Töpfermarkt in Urbach. In der Ortsmitte und rund ums Schloss sind die Menschen auf den Beinen, unterwegs zu den kunsthandwerklichen Kreationen von 92 Ausstellern. Leichter Wind fährt durch die Parade der schwebenden Frauengestalten, eine graziler als die nächste. Karin Lutz freut sich über die gelegentlichen Windböen an ihrem Stand: „Erst wenn sie sich drehen und bewegen, sieht man ihren ganzen Anmut und die Eleganz“, sagt die Erschafferin der „Urbacher Frühlingselfchen“.

Karin Lutz ist Urbacherin, stuft sich töpferisch als „Autodidaktin“ ein und modelliert unter anderem im Atelier der Künstlergruppe Art 5 in Plüderhausen, der sie angehört. „Dort brenne ich auch, zusammen mit anderen, damit der Ofen voll wird und sich der Aufwand lohnt“, sagt sie. 2009 habe sie zum ersten Mal an hängende Figuren gedacht. Die daraus entstandene Idee mit den Urbacher Elfchen habe sie im Jahr 2011 umgesetzt, aber zum ersten Mal habe sie einen Stand beim Töpfermarkt. „Nach langer Zeit ist es schön, wieder so vielen Menschen zu begegnen, fast etwas unwirklich“, beschreibt sie, was ihr durch den Kopf geht.

Federleichte Mobile, die im Wind schaukeln

Wie die Besucher nach der Pause wieder hinausströmen, so dürfen auch ihre Himmelswesen nach draußen. „Natürlich freue ich mich, wenn ich verkaufe, aber im Vordergrund steht das Schwätzen mit den Leuten, die Kommentare, das tut gut.“ Als Blickfang hat sie sich für einen Gartenbogen entschieden – mit dem dekorativen Elfenbehang wurde er für sie zum „Torbogen voll mit tanzenden Blüten“, zu der sie die aktuelle Blütenfülle animiert habe. Das an Metallstangen im Wind schaukelnde Mobile lässt an wippende, mit Blüten übersäte Äste der Obstbäume denken. Jede Elfe sei eine Blüte, die sich um sich selbst dreht, und das Leichte hinzubekommen sei nicht ganz leicht. „Ich muss beim Modellieren darauf achten, dass jede Figur ihren Schwerpunkt hat.“ Sie dürfen nicht eiern. „Nur indem sie sich zentrisch drehen, bekommen sie ihre Eleganz und Anmut“. Jedem, der stehen bleibt, erzählt sie gern von ihrer „Sucht“. Wenn es sie daheim „packt“, breite sie ihr „Operationsfeld“, bestehend aus einem mit Schaumstoff überzogenen Holzbrett, gerne auch „beim Nudelkochen oder Nachrichtenhören“ aus. Kaum sei eine fertig, mache sie schon die Nächste. „Jede wird anders“, sagt sie.

Kaum mehr ein Parkplatz ist zu haben am Samstagnachmittag. Im weiten Radius um die Ortsmitte herum stehen Fahrzeuge. Der Töpfermarkt hat zur alten Form zurückgefunden - jetzt wieder im ursprünglichen Frühjahrs-Zeitfenster, nachdem coronabedingt der Markt im Vorjahr von April auf September verschoben worden war, da noch mit 3G-Nachweis und einem Testzelt auf dem Gelände. Heuer ist das gesamte Gelände wie ursprünglich in der Hand von Handwerksbetrieben, die Alltagskeramik und Kunsthandwerk im Gepäck haben. Auf Vasen, Schalen, Butterdosen, Seifenschalen, Salzstreuern und unzähligen weiteren Objekten zeigen die Aussteller die kreative Vielfalt und die verschiedenen Techniken und Arbeitsweisen, die in ihrem Bereich möglich sind. Die Stände ziehen sich wie eine Perlenschnur über das Gelände. Zwischen Apfelbäumen mit ihrem weißen Blütenkleid hat ein Teilnehmer einige Windspiele und Gartenobjekte ausgestellt.

Holz- und Glaskunstwerke, Schmuck und kunterbunte Röcke

Jedes freie Fleckchen auf dem Gelände und auf den Tischen wird zur Ausstellungsfläche. Neben Keramik- und Töpferarbeiten, die den Schwerpunkt bilden, zeigen Holz- und Glaskunsthandwerker ihre Werke. Auch Schmuckstände sowie der Textilbereich tragen mit Gefilztem und mit genähten kunterbunten Röcken und Kinderkleidern schon vor Corona zum bunten Marktangebot bei. Schon immer zieht der Markt im weiten Umland, deutschlandweit und international seine Kreise: Die weiteste Anreise hatte ein Aussteller aus Riga, der Craquelé-Glasuren zeigt. Auch ein Glasfusingkünstler aus Polen, eine Holzbrandkünstlerin aus dem Elsass und die Musikinstrumente und Gefäßkeramik einer ungarischen Werkstatt finden ihr Publikum.

„Sehr künstlerisch ausgerichtet“ findet den Markt Familie Fezer, die aus Potsdam auf Besuch ist. Mit ihrem Faible für die kleinen Freuden des Alltags werden die Fezers am Stand von Carolina Scharfe aus Böttingen fündig, von der sie sich eine Rosenvase zum Aufhängen einpacken lassen. „Es ist nichts Verspieltes, sondern klar und modern“, erklärt sie den Stil. „Da darf man nicht viel drauflegen, höchstens eine Karotte, sonst verdeckt man sie.“ Die Gebilde und Muster auf den Tellern und Schalen haben etwas Durchschimmerndes, erinnern zugleich an Textilien oder Furnier. „Textilien inspirieren mich zwar, aber ich verwende keine“, sagt die Keramikermeisterin aus Böttingen. Bis zu vier Farbschichten lege sie übereinander, dann ritze oder stempele sie die eingefärbten Tone – mit Alltagsgegenständen. „Ich nehme mal einen Stiftdeckel oder Kunststoffmatten, was ich eben in die Finger kriege.“

Digitale Märkte sind ein schwacher Trost

Märkte seien für sie nie ein Thema gewesen. Erst 2020 habe sie begonnen, doch gleich zum Start kam die kalte (Corona-) Dusche. Mit Werkstattverkauf an Einzelpersonen nach Terminvereinbarung habe sie sich über Wasser halten können. 2021 habe sie einige Märkte mitgemacht, wenn auch dürftig. Für dieses Jahr sei sie guter Dinge: „Ich warte ab, was kommt.“ Eine Bewunderin hat sie auch in Waltraud Luksch aus Schorndorf gefunden, der die „einzigartigen Farbkombinationen“ noch nicht begegnet seien. Viel Wissen habe sie sich über Keramik und Glasuren angeeignet über die Jahre. „Seit es den Markt gibt, komme ich immer und lasse mich treiben und inspirieren.“ Während Corona sei sie ausgewichen auf das Internet, aber die elektronischen Flohmärkte seien ein kleiner Trost, kein Ersatz gewesen. „Hier kann ich auch mit den Künstlern sprechen und fragen, wie sie ihre Formen, Farben und Glasuren machen“.

Hans Winkler freut sich am Samstag über „beeindruckend viele Besucher“

96 Aussteller hatten sich nach Auskunft von Organisator Hans Winkler angemeldet. Infolge von vier coronabedingten Absagen waren 92 Aussteller auf dem Platz, darunter fünf neue. „Ich freue mich, wie schnell sich alles normalisiert hat. Die Besucherzahl ist beeindruckend groß, es kann aber daran liegen, dass für Sonntag Regen angesagt ist“, sagt Organisator Hans Winkler am Samstag. Die Bewirtung übernahm der Förderverein Kranken- und Altenversorgung in Zusammenarbeit mit der Handballsportkooperation (HSK) Urbach-Plüderhausen.

Riesenandrang beim 31. Töpfermarkt in Urbach. In der Ortsmitte und rund ums Schloss sind die Menschen auf den Beinen, unterwegs zu den kunsthandwerklichen Kreationen von 92 Ausstellern. Leichter Wind fährt durch die Parade der schwebenden Frauengestalten, eine graziler als die nächste. Karin Lutz freut sich über die gelegentlichen Windböen an ihrem Stand: „Erst wenn sie sich drehen und bewegen, sieht man ihren ganzen Anmut und die Eleganz“, sagt die Erschafferin der „Urbacher

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