Urbach

Veranstaltung des Gewerbevereins zur Bürgermeisterwahl

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„Zwei ganz unterschiedliche Bewerber“_0
Moderator der Veranstaltung des Gewerbevereins Urbach war Steffen Truhart (links), Gastgeberin die Erste Vorsitzende Alexandra Stiltz, die in der ersten Reihe sitzt und sich in ihren Begrüßungsworten über den guten Besuch im Foyer der Auerbachhalle freute. © Palmizi / ZVW
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Martina Fehrlen will am 22. April, einen Tag nach ihrem 40. Geburtstag, Bürgermeisterin von Urbach werden.
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Dieter Schienmann setzt auf 15 Jahre Berufserfahrung in der Rathausarbeit und will Bürgermeister von Urbach werden.

Urbach. Als der Urbacher Gewerbeverein seine Veranstaltung zur Bürgermeisterwahl machte, waren nur drei Kandidaten bekannt, die die Nachfolge von Jörg Hetzinger antreten wollen: Martina Fehrlen, Dieter Schienmann und Friedhild „Fridi“ Miller. Zwei von ihnen nahmen die Gelegenheit wahr, sich und ihre Vorstellungen zu präsentieren. „Fridi“ Miller glänzte durch Abwesenheit, was allerdings niemand bedauerte.

Es ging in dieser Veranstaltung nicht nur um Fragen zu Handel und Gewerbe in Urbach, sondern auch um anderes. Das rührte daher, dass die Besucher die Gelegenheit hatten, auf Zetteln Fragen zu notieren, die Fehrlen und Schienmann dann beantworteten. Eine drehte sich um bezahlbaren Wohnraum für junge Familien, wie kann man ihn schaffen? Schienmann antwortete, man könne Einheimische bevorzugen, „das ist inzwischen legal“.

Fehrlen brachte ein Punktesystem ins Gespräch

Wer mehr Kinder habe, könne zudem einen Bonus erhalten. Fehrlen sagte, sie könne sich dem „nur anschließen“, und brachte ein Punktesystem ins Gespräch. „Toll“ findet sie, dass in Urbach in gewisser Hinsicht sozialer Wohnungsbau betrieben werde. Schienmann wandte ein, die Formulierung „sozialer Wohnungsbau“ sei nicht mehr richtig. Es gehe um bezahlbaren Wohnraum, und auch da habe die Gemeinde durchaus Möglichkeiten, etwas zu tun.

Eine weitere Frage war, welche Branchen nach Ansicht der beiden Kandidaten wichtig sind in Urbach. Martina Fehrlen fand es „toll“, dass es zwei Supermärkte in der Mitte gebe und nicht auf der grünen Wiese. Wenn der „Hirsch“ erst einmal abgerissen sei, kann sie sich auf dem Areal dort einen Drogeriemarkt vorstellen.

Schienmann will einen Schuhmarkt ansiedeln

Dass sich ein Schuhladen oder ein Bekleidungsgeschäft in Urbach ansiedeln, glaubt sie allerdings nicht. „Das kommt sicher nicht wieder.“ Grund: Nach Schorndorf gebe es eine gute Anbindung, deshalb gehen die Leute ihrer Meinung nach dorthin, um Schuhe und Kleidung zu kaufen.

Dieter Schienmann wiederum denkt, „dass sich um die Märkte herum sicher einiges tun wird“. Im Grunde genommen „müsste man das Rathaus nach vorne schieben“ (also dorthin, wo jetzt noch der „Hirsch“ steht), „aber das ist natürlich nicht realistisch“.

Im Falle seiner Wahl zum Bürgermeister will er aber „den Versuch unternehmen, einen Schuhmarkt anzusiedeln“. Den von seiner Widersacherin Fehrlen ins Gespräch gebrachten Drogeriemarkt auf dem „Hirsch“-Areal hält Schienmann für „schlecht“, denn dann würde ums Rathaus herum „alles zugeparkt“. Er hat vielmehr die Leerstände im Auge und würde „auf die Eigentümer zugehen“.

Hetzinger tut der Gemeinde einen Gefallen, dass er nicht mehr antritt

Das umstrittene Waldhaus war natürlich auch Inhalt einer Frage. Martina Fehrlen sagte, sie sei während ihres beruflichen Werdegangs „oft mit solchen Situationen“ (also zwei regelrecht zerstrittenen Lagern) konfrontiert gewesen. Der Konflikt sei „emotional stark aufgeladen“. Man spreche „nicht mehr rational miteinander“, die Wortwahl sei „schlimm“.

Das sei wie bei einem „Ehepaar, das total zerstritten ist“. Die Grundprinzipien eines Dialogs, nämlich dem anderen zuhören und ihn ernst nehmen, „sind völlig verschwunden hier“. Fehrlen weiter: „Die sind ja nicht blöd, die hören sich bloß nicht mehr zu.“ Ihrer Meinung nach hat Bürgermeister Jörg Hetzinger „der Gemeinde einen Gefallen getan, indem er nicht mehr antritt“. Jetzt komme eine neutrale Person vor außen, die das Ganze vielleicht befrieden könne. Sie biete sich den zerstrittenen Parteien als dieser „neutrale Gesprächspartner“ an.

Dieter Schienmann meinte, es sei schlüssig, was in Urbach für die Remstal-Gartenschau entwickelt worden sei. Das Waldhaus sei ein Baustein davon. Es gebe jetzt einen Bürgerentscheid und dessen Ausgang sollten alle akzeptieren. Der neue Bürgermeister habe die „große Aufgabe“, die Risse zu kitten, die entstanden sind.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Steffen Truhart. Er stellte nach der persönlichen Vorstellung der beiden Kandidaten fest, „dass wir zwei ganz unterschiedliche Bewerber hier haben“. Am Ende der Fragerunde, die im Übrigen relativ kurz war, meinte Truhart, es sei „sehr spannend“ gewesen, „die teilweise unterschiedlichen Lösungsansätze und Meinungen herauszuhören“.


Welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach notwendig, um Handel und Gewerbe in Urbach zu stärken?

Martin Fehrlen: Der Bürgermeister muss als erster Wirtschaftsförderer vor Ort ein offenes Ohr für Handel und Gewerbe haben. Als langjähriges Vorstandsmitglied der Wirtschaftsjunioren Kreis Esslingen bin ich gut vernetzt und kenne die Nöte insbesondere von inhabergeführten Unternehmen und Selbstständigen. Die Mitarbeitersituation, ausreichende Flächen zum Wachstum, eine schnelle Internetverbindung nicht nur im Industriegebiet, eine gute persönliche Vernetzung untereinander sowie ein enger Kontakt zum Bürgermeister und der Verwaltung sehe ich als besonders wichtige Punkte an. Eine Azubi-Messe in Kombination mit einer Leistungsschau in der Auerbachhalle („Urbach-Messe“) wäre ein Projekt, bei dem ich den Gewerbeverein Urbach e.V. gerne unterstütze. Auch an einem „Business Lunch“ oder anderen Veranstaltungen als Möglichkeit des regelmäßigen Austauschs würde ich mich beteiligen.

Um die Nahversorgung in Urbach-Nord zu sichern, werde ich aktiv mit möglichen Einzelhändlern Kontakt aufnehmen. Ein familiengeführter Obst- und Gemüsehändler mit erweitertem Angebot, wie es früher schon gab, oder auch ein Biomarkt wären beispielsweise denkbar. Für die Stärkung des Einkaufsorts Urbach würde ich darüber hinaus die Ansiedlung eines Drogeriemarkts als sinnvoll erachten. Ich werde prüfen, ob weiterer Einzelhandel im Bereich der Urbacher Mitte angesiedelt werden kann. Für die nachhaltige Gewerbemischung am Ort werde ich mich dafür einsetzen, Betriebe im Bereich Informatik und Dienstleistung sowie, wenn möglich, auch im Bereich Elektromobilität neu anzusiedeln.

Welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach notwendig, um Handel und Gewerbe in Urbach zu stärken?

Dieter Schienmann: In einer Gemeinde wie Urbach ist Wirtschaftsförderung Chefsache. Als Bürgermeister werde ich mich dafür einsetzen, dass sich abzeichnende Probleme gemeinsam angegangen werden. Der ständige und von gegenseitigem Vertrauen geprägte Dialog zwischen Gewerbetreibenden und Verwaltung ist für mich selbstverständlich. Zur besseren Vernetzung schlage ich dem Gemeinderat vor, jährlich Betriebsbesichtigungen bei mindestens zwei Betrieben durchzuführen, damit der Austausch zwischen Gewerbetreibenden, Verwaltung und Gemeinderat lebendig bleibt.
Die Entwicklung des Gewerbegebiets Schraien betrachte ich als gesetzt. Die äußerst günstige Anbindung an die B 29 macht das Gebiet zu einem Filetstück im Remstal. Den örtlichen Betrieben soll hier die Möglichkeit der Weiterentwicklung gegeben und zusätzlich können neue Betriebe angesiedelt werden.

Die Mitte Urbachs mit Vollsortimenter und Discounter bietet großes Potenzial, um Urbach als Handelsstandort weiterzuentwickeln. Sollte es noch gelingen, in zentraler Lage einen Drogeriemarkt anzusiedeln, so wären die idealen Bedingungen für weitere Läden wie Boutiquen oder ein Schuhgeschäft gegeben.
Problematischer ist die Entwicklung in Oberurbach zu beurteilen. Ein gleichwertiger Handelsschwerpunkt wie am Marktplatz wird hier nicht entstehen können. Gemeinsam mit den Einzelhändlern und Gastronomen sollten Möglichkeiten zur Sicherstellung der Nahversorgung überlegt werden. Eventuell könnte samstags ein Wochenmarkt in der Beckengasse abgehalten werden.

(Anm. d. Red.:Die Kandidaten Miller und Hornauer haben die Frage nicht beantwortet)



 

Zitate

  • „Frau Miller hat abgesagt.“ – Alexandra Stiltz, Erste Vorsitzende des Gewerbevereins Urbach. Im Publikum war die Erleichterung spürbar: „Gott sei Dank.“
  • „Der Gewerbeverein hat mich angeworben für einen kleinen einstelligen Betrag.“ – Steffen Truhart, der die Veranstaltung moderierte. Der Mann kennt sich mit Geld aus – er arbeitet bei der Kreissparkasse.

Die Wahl und der Wahl-Check

  • In unserer Wahl-Check-Serie beleuchten wir Themen und Fragen, die für Urbach wichtig sind, und sprechen dazu mit Entscheidern, Machern und Bürgern. Die Kandidaten antworten auf zentrale Fragen zu den einzelnen Themen, mit einer vorgegebenen maximalen Länge für die Antworten.
  • In Urbach wird am 22. April gewählt. Es gibt vier Bewerber: Martina Fehrlen, Friedhild Miller, Dieter Schienmann und Thomas Hornauer. Amtsinhaber Jörg Hetzinger tritt nicht mehr an.