Urbach

Waldpfad für Erwachsene scheitert im Urbacher Gemeinderat

Waldpfad
Der Pfad hätte zwischen dem Parkplatz beim Waldkindergarten und dem Eulenhof angelegt werden sollen. Den Standort fand der Gemeinderat aber aus verschiedenen Gründen nicht passend. © ALEXANDRA PALMIZI

Seit der Remstal-Gartenschau hat sich viel getan im Urbacher Wald. Angebote wie der Walderlebnispfad und der Flowtrail begeisterten Besucher und Einheimische zugleich und sind auch weiterhin beliebt. Maßgeblich daran beteiligt waren die Urbacher Waldpädagogen mit ihrem vielfältigen Angebot an Kursen und Projekten, das auch weiterhin besteht. Das Konzept für einen Waldpfad für Erwachsene scheiterte aber jüngst im Gemeinderat.

Die Verwaltung hatte zunächst vorgeschlagen, das Projekt weiter voranzutreiben und die Umsetzung von einer Förderzusage durch den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald abhängig zu machen. Der Gemeinderat äußerte dann aber Bedenken zum Naturschutz und zur Parkplatznot und entschied sich, dass er den Pfad zumindest am vorgesehenen Ort erst einmal nicht in der Gemeinde wolle.

Schon ähnliche Projekte umgesetzt

Initiiert hatten den Waldpfad für Erwachsene die Waldpädagogin Katharina Schönemann, die in Urbach in den vergangenen Monaten unter anderem am Weihnachtswunderweg und am Rundweg zum Weltgebetstag im Schlosspark beteiligt war, und Carolin Rebmann, psychologische Beraterin aus Schorndorf. „Andere Waldpädagogen haben aber an den Texten mitgearbeitet“, sagt Katharina Schönemann im Gespräch mit unserer Zeitung nach der Gemeinderatssitzung.

Zusammen mit dem für Urbach zuständigen Förster Gert Pfeiffer hatten die Frauen sich laut Schönemann Gedanken über einen möglichen Standort gemacht und sich auf einen etwa drei Kilometer langen Weg auf der Gemarkung „Roter Berg“ in dem Bereich zwischen dem Parkplatz beim Waldkindergarten und dem Eulenhof verständigt. Auch Vertreter der Verwaltung hatten sich den Pfad bereits vor Ort angesehen.

Atemübungen und Wisssensvermittlung

Konkrete Details zum Pfad will die Waldpädagogin nicht verraten, da das schon ausgearbeitete Konzept schließlich an anderer Stelle noch ein Zuhause finden könnte - „nicht auf Urbacher Gemarkung, da gibt es keinen anderen Weg, der unsere Bedingungen erfüllt“, so Schönemann - aber die Grundidee des Pfades ist es, Erwachsenen den Wald als Kraftquelle näherzubringen. Er soll die große Bedeutung des Waldes für den Menschen erlebbar machen, zum Beispiel mit Atemübungen und Informationen zum Nachlesen.

„Diesen Tagesordnungspunkt haben wir gestern in unserer Fraktion ausführlich beraten“, sagte Ursula Jud, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, in der Gemeinderatssitzung zum Thema. „Wir wissen natürlich, welche Qualität auch immer von einer Frau Schönemann ausgeht. Das freut uns, aber man muss das Thema aus mehreren Blickwinkeln betrachten.“ Der Waldpfad für Erwachsene sei ein reizvolles Projekt. „Dennoch wurde das Thema in unserer Fraktion auch kritisch gesehen.“

Parkplatz des Tennisvereins würde nicht ausreichen

Die Gründe: Einerseits habe die Gemeinde mit dem schon bestehenden Walderlebnispfad und anderen Projekten attraktive Möglichkeiten für Familien geschaffen, andererseits habe der Gemeinderat auch schon öfters über die negativen Auswirkungen der Gäste im Wald beraten. „Ich meine nicht nur die stärkere Vermüllung, sondern die großen Schwierigkeiten mit der wilden Parksituation im genannten Waldbereich“, so Jud. „Das hat man in dieser Form auch etwas unterschätzt.“ Die Fraktion habe deshalb Bedenken, Verkehr zu einer weiteren Stelle im Wald zu leiten.

„Der Parkplatz des Tennisvereins würde nach unserer Einschätzung wahrscheinlich nicht ausreichen“, sagte Ursula Jud. Es sei auch nicht realistisch, dass alle mit dem Rad oder zu Fuß kommen würden. Es sei außerdem wichtig, auch noch Waldstücke für Mensch und Tier zu belassen. Besonders mit dem angepeilten Gebiet habe sich der Gemeinderat schon zuvor unter dem Aspekt Naturschutz beschäftigt.

Gespräche mit Jäger führen

Die CDU-Rätin Katrin Foschiatti bedankte sich ebenso ausführlich bei den Beteiligten für die Ausarbeitung des Konzepts, äußerte aber ebenso Bedenken. Der Wald sei für alle da, auch für die Tiere. „Es fehlen Gespräche mit dem zuständigen Jäger“, bemängelte Foschiatti. Es solle geklärt werden, ob die geplanten Stationen mit Wild-Einständen in Konflikt geraten würden. Auch das Parkproblem und die Naturschutzproblematik seien bei Diskussionen in ihrer Fraktion aufgekommen, genauso wie die laufenden Kosten für die Gemeinde. Sie frage sich, ob der Pfad nicht mit einem anderen schon existierenden Angebot kombinierbar wäre.

„Wir unterstützen auf jeden Fall dieses Projekt“, sagte Jürgen Hieber (Grünen-Fraktion). Den Roten Berg als Standort sehe aber auch seine Fraktion wegen der verkehrstechnischen Anbindung und der Parkmöglichkeiten kritisch. „Ich möchte stattdessen den Wellingshof ins Gespräch bringen“, schlug Hieber vor. Dort gebe es bedeutend mehr Parkmöglichkeiten und eine bessere Anbindung.

Alternativer Standort gewünscht

„Wir werden das Projekt nicht unterstützen“, sagte der Gemeinderat Manfred Wrobel-Adelhelm (Bürgerliste Urbach). Einerseits aus finanziellen Gründen, zum Beispiel den Folgekosten für die Verkehrssicherung, die nicht hundertprozentig definierbar wären, und andererseits, um die Lebewesen im Wald zu schützen. „Es ist ein bisschen schade, dass die Ausarbeitung jetzt schon so massiv ist und man das nicht vorher geklärt hat“, fand er.

Die Achtsamkeit gegenüber der Natur sei sicher ein aktuelles Thema, fand die SPD-Fraktionsvorsitzende Siegrun Burkhardt. „Aber uns geht es wie den anderen Fraktionen“, sagte sie. „Wir sehen das Gebiet als sensibel an.“ Die Erfahrungen mit dem Hag seien vorhanden. Ihr Wunsch wäre trotzdem, die Wissensbildung und Wahrnehmungsübungen für die Erwachsenen zu ermöglichen. Ihre Gedanken gingen dabei eher in die Richtung der Streuobstwiesen am Linsenberg. Dort stünden viele Parkplätze zur Verfügung.

„Die Wahrnehmungsübungen im Wald sind eine charmante Geschichte“, sagte auch Ursula Jud. „Wir haben uns auch überlegt, ob man so etwas nicht auch als Kurs anbieten könnte.“

Antrag auf Fördermittel für 2021 nicht mehr möglich

„Sie haben es heute gehört“, adressierte die Bürgermeisterin Martina Fehrlen Katharina Schönemann und Carolin Rebmann, die beide in der Sitzung anwesend waren. „Der Rat steht der Projektidee offen gegenüber, nur nicht an diesem Platz, der als besonders schützenswert gesehen wird.“ Sie verwies auf den Rückbau des Grillplatzes und die besonderen Orchideenwiesen an der Stelle. „Wir bitten Sie, noch einmal in die Tiefe zu gehen und mit neuen Vorschlägen zu kommen.“

Achim Grockenberger, Leiter des Kultur- und Ordnungsamts der Gemeinde, bat das Gremium, die Frauen zu Wort kommen zu lassen. „Ich glaube, Sie haben völlig falsche Vorstellungen vom Waldpfad, der da entstehen soll“, sagte er zu den Gemeinderäten und -rätinnen. Das Konzept solle gerade deshalb im unberührten Naturraum umgesetzt werden, damit die Umgebung in Ruhe wahrgenommen werden könne. Ein Massentourismus sei keinesfalls geplant. Ein Antrag auf Fördermittel sei in diesem Jahr nicht mehr möglich, wenn das Gremium sich vorerst gegen das Projekt entscheide.

„Auch bei schon ein wenig mehr Verkehr besteht bei diesem besonders schützenswerten FFH-Gebiet mit den Orchideenwiesen direkt davor, die Gefahr, dass es verparkt wird“, antwortete Bürgermeisterin Martina Fehrlen, die ein Rederecht für die Initiatorinnen aufgrund der vollen Tagesordnung ablehnte.

Kritik kam überraschend

Die Kritik aus dem Gemeinderat kam für Katharina Schönemann überraschend. Sie hat das Gefühl, dass die Mitglieder des Gremiums das Konzept nicht verstanden haben. „Es ist nur eine sehr spezielle Zielgruppe, die da angesprochen wird“, sagt sie über den Waldpfad für Erwachsene. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das überlaufen wäre.“ Das würde auch gar nicht zum Konzept des bewussten Aufenthalts im Wald passen. Mit dem Walderlebnispfad für Familien sei die neue Idee nicht gleichzusetzen. Besonders schade fand sie, dass sie und Carolin Rebmann in der Sitzung nicht zu Wort kommen durften.

Nachdem der Urbacher Gemeinderat das Projekt für den dafür anvisierten Ort erst einmal abgelehnt hat, sieht Katharina Schönemann keine Chance mehr, den Pfad in Urbach umzusetzen. „Wir werden uns überlegen, wo wir das aufbauen könnten“, sagt sie zwar. In der Gemeinde gebe es aber ihrer Ansicht nach keinen anderen geeigneten Ort.

Seit der Remstal-Gartenschau hat sich viel getan im Urbacher Wald. Angebote wie der Walderlebnispfad und der Flowtrail begeisterten Besucher und Einheimische zugleich und sind auch weiterhin beliebt. Maßgeblich daran beteiligt waren die Urbacher Waldpädagogen mit ihrem vielfältigen Angebot an Kursen und Projekten, das auch weiterhin besteht. Das Konzept für einen Waldpfad für Erwachsene scheiterte aber jüngst im Gemeinderat.

Die Verwaltung hatte zunächst vorgeschlagen, das Projekt

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