Urbach

Wie der Geschichtsverein Urbach den ganzen Ort für sein Thema begeistern will

Geschichtsverein
Walter Wannenwetsch (links) und Joachim Wilke begutachten eine neue Spende für den Geschichtsverein. © Gabriel Habermann

Was ist wichtiger, ein neuer Technikraum für die Wittumschule oder ein neues Fahrzeug für die Feuerwehr? Wenn Schülerinnen und Schüler im Rathaus bei einer simulierten Sitzung des „Gemeinderats“ über solche Themen diskutieren, dann würden die meisten dahinter sicher nicht den Urbacher Geschichtsverein vermuten. Tatsächlich hatte dieser die Aktion, die Kindern vermitteln sollte, wie Demokratie vor Ort funktioniert, aber organisiert. Genauso wie unter anderem Führungen für Neu-Urbacherinnen und -Urbacher, Themenwanderungen und eine große Malaktion für Kindergartenkinder. Wie kam es dazu?

Malaktion, Schulmodule und Schnitzeljagd

Als Joachim Wilke im vergangenen Jahr den Vereinsvorsitz übernahm, hat er es sich auf die Fahne geschrieben, den Geschichtsverein aus dem Corona-Schlaf zu wecken und alle Altersgruppen für Urbacher Ortsgeschichte zu begeistern. „Ich finde, es ist ganz gut gelungen“, sagt er ein Jahr später. Bei der großen Malaktion, bei der Kindergartenkinder Teilnehmende eines Festzugs für Jakob von Urbach malen konnten, seien zum Beispiel über 200 Bilder entstanden, die danach in der Mediathek aufgehängt wurden. Dort befindet sich nun auch die Dauerausstellung zur Urbacher Ortsgeschichte, die der Verein Anfang des Jahres vom Museum im Widumhof in die Mediathek verlegt hat, sowie eine Sondervitrine mit wechselnden Exponaten, damit mehr Menschen auf diese Weise einen Zugang zur Geschichte ihres Ortes finden können.

Die schon angesprochenen Demokratie-Module für Schülerinnen und Schüler hatte der Alt-Landrat und ehemalige Bürgermeister von Urbach Johannes Fuchs mit den Kindern durchgeführt, die sich in ihrer simulierten Sitzung übrigens wider Erwarten dafür entschieden, erst einmal ein neues Fahrzeug für die Feuerwehr anzuschaffen und den Technikraum für die Schule erst später zu realisieren.

Schulmodul im Schlosskeller

Der Geschichtsverein hat zudem ein weiteres Lernmodul in Zusammenarbeit mit der Wittumschule durchgeführt, bei dem die Schülerinnen und Schüler Fragen zur Reinhold-Maier-Ausstellung, die der Verein organisiert hatte, beantworten mussten. Weitere Aktionen sind schon in Planung, so soll zum Beispiel ein Modul zum Thema Quellenkunde und Mittelalter im Schlosskeller stattfinden. In Zusammenarbeit mit „Remstal Tourismus“ organisiert der Verein für Familien zudem ein Escape-Abenteuer: „Die Döbelesbande auf der Suche nach dem entführten Ziegenbock“.

Für weniger mobile ältere Mitbürger hat Joachim Wilke Seniorinnen und Senioren der Baptistengemeinde Urbach auf einen virtuellen Spaziergang durch den Ort mitgenommen. „Das ist gut angekommen“, sagt Joachim Wilke.

Neue Gruppe gegründet

Um all diese Angebote für verschiedene Bevölkerungsgruppen möglich zu machen, hat sich die Arbeitsgruppe „Kulturwerkstatt Urbach“ gegründet, die diese zielgruppenorientierten Angebote entwickelt und in der sich je nach Verfügbarkeit sieben bis zehn ehrenamtliche Teilnehmer engagieren.

Eine etwas kleinere Gruppe im Verein ist die „Museumsarbeitsgruppe“. Deren momentan vier Mitglieder konnten sich während der Pandemie nicht treffen, haben die Arbeit nun aber wieder aufgenommen. Für den ehemaligen Kreisarchivar Walter Wannenwetsch, der seinen beruflichen Hintergrund über viele Jahre hinweg bei der Pflege des Archivs eingebracht hat, konnte ein Nachfolger gefunden werden, der laut Wilke im Rahmen einer neuen Stelle als Archivpfleger 20 Stunden im Monat bei der Gemeinde angestellt werden soll. Das Tempo, in dem der Antrag auf Schaffung der neuen Stelle zu einer positiven Entscheidung gebracht wurde - weniger als drei Wochen -, findet der Vereinsvorsitzende rekordverdächtig. „Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass die Pflege des Archivs in Zukunft weiterhin auf dem qualitativ hohen Level fortgeführt wird, wie es in den vergangenen circa 30 Jahren Walter Wannenwetsch in ehrenamtlicher Tätigkeit vorexerziert hat.“

Buch mit Urbacher „Miniaturen“

Im Mitteilungsblatt und auf Instagram (@der_schnitzfetzer) veröffentlicht der Geschichtsverein regelmäßig „Urbacher Miniaturen“, kleine Texte zur Ortsgeschichte. „Ich werde inzwischen darauf angesprochen, was als Nächstes kommt“, berichtet Joachim Wilke. Er habe auch schon Anrufe bekommen, in denen Menschen ihm von früher erzählen und Themenanregungen geben. „Das finde ich schön“, sagt er. Nach 52 Miniaturen soll Schluss sein, dann werden die Texte überarbeitet und in einem Buch zusammengefasst. „Das soll 2023 erscheinen“, so Wilke.

„Wir haben vieles angestoßen und so manches ausprobiert“, resümiert Joachim Wilke. Ein großes Ziel für die Zukunft sei es nun, wieder eine eigene Ausstellung auf die Beine zu stellen. Momentan hat der Geschichtsverein Urbach 122 Mitglieder, aktiv sind davon regelmäßig zwischen zehn und 15 Personen. Mehr kann der Verein immer gebrauchen, Joachim Wilke und Walter Wannenwetsch betonen, dass hierfür kein akademischer Hintergrund notwendig ist. Um Ausstellungen zu realisieren, fallen zum Beispiel viele handwerkliche Tätigkeiten an, außerdem müssen Aufsichten gestellt und Reinigungsarbeiten durchgeführt werden.

Wer sich auf die eine oder andere Art einbringen möchte, kann sich unter geschichtsvereinurbach@gmail.com bei Joachim Wilke melden.

Was ist wichtiger, ein neuer Technikraum für die Wittumschule oder ein neues Fahrzeug für die Feuerwehr? Wenn Schülerinnen und Schüler im Rathaus bei einer simulierten Sitzung des „Gemeinderats“ über solche Themen diskutieren, dann würden die meisten dahinter sicher nicht den Urbacher Geschichtsverein vermuten. Tatsächlich hatte dieser die Aktion, die Kindern vermitteln sollte, wie Demokratie vor Ort funktioniert, aber organisiert. Genauso wie unter anderem Führungen für Neu-Urbacherinnen

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