Urbach

Wie steht es um den Urbacher Wald?

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Volker Speidel hat in seiner Arbeit als Förster die Erfahrung gemacht, dass die Folgen des Klimawandels dem Wald zu schaffen machen. © ZVW/Alexandra Palmizi
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An dieser Stelle im Urbacher Wald hat Förster Volker Speidel in einem verheerenden Sturm viele junge Bäume verloren. „Das tut mir weh“, sagt er. Die neu angepflanzten Douglasien sind noch von Plastikhüllen geschützt.

Urbach.
Volker Speidel zeigt auf eine ausladende Fläche im Wald der Gemeinde Urbach, auf der eigentlich junge, gesunde Bäume zu sehen sein sollten. Bäume, die der Förster in mühevoller Arbeit gehegt und gepflegt hatte. Stattdessen klafft dort eine Wunde im Wald. „Ich habe es mir anders vorgestellt“, sagt Volker Speidel. „Das ist wie bei einem Kind, das man hätschelt.“ Die Bäume seien genau in dem Alter gewesen, in dem man schon viel investiert habe. Im Prinzip hätten sie dann nur noch wachsen müssen.

Stattdessen kam im Frühjahr 2018 der Sturm. Einer von vielen in den vergangenen Jahren. Den Urbacher Gemeindewald hat es dabei überproportional erwischt. „Das tut mir weh“, sagt Volker Speidel mit Blick auf die dabei entstandene Kahlfläche. „Ich habe noch vor Augen, wie der Wald hier am Anfang aussah,“ erzählt er den Vertretern der Verwaltung und den Gemeinderäten, die er bei einem Waldbegang über die Folgen des Klimawandels informiert.

Förster: Stürme häufen sich als Folge des Klimawandels

Zwar hat nicht jeder Sturm so verheerende Auswirkungen, aber doch kann der Förster aus Erfahrung sagen: „Die Stürme mehren sich in letzter Zeit.“ Hier zeige sich der Klimawandel deutlich. In den zwei Wochen zwischen Rosenmontag und dem 19. März musste er viermal in den Wald fahren, um Sturmholz zu bergen. „Im Studium habe ich noch gelernt, dass ich so alle zehn Jahre mit einem Sturm rechnen muss“, erinnert Volker Speidel sich. „Das ist jetzt deutlich anders.“

Auf der leer gefegten Fläche, die bei dem großen Sturm 2018 entstand, hat Volker Speidel inzwischen wieder rund 600 Douglasien gepflanzt. An das Nadelgehölz sind große Hoffnungen gebunden: „Douglasien halten Trockenheit gut aus und sind deshalb klimaresistenter“, erklärt er. Sie erschließen tiefere Bodenschichten, als die Fichten, die im Urbacher Wald allgegenwärtig sind.

„Ich würde heute natürlich keinen reinen Fichtenwald mehr pflanzen“, sagt er. Das sei ökologisch nicht sinnvoll, denn: „Die Mischung macht’s.“ Besonders mit Blick auf die sich verändernden Wetterbedingungen. Kritik an seinen Vorgängern weist er aber im gleichen Atemzug vorbeugend zurück. Die hohen Fichtenbestände heutzutage kamen durch die „Franzosenhiebe“ zustande. Nach dem Krieg wurden die fälligen Reparationszahlungen in der französischen Besatzungszone teilweise durch die Abholzung des Schwarzwaldes beglichen. „Die Förster hatten damals keine andere Wahl als viele Fichten anzupflanzen“, so Volker Speidel.

Bei einem kleinen Tümpel am Wegrand macht der Förster wieder halt. „Normal müsste der voll sein“, sagt er. „Im Moment ist es eher eine Pfütze.“ Es sind nicht nur die Sturmschäden, die den Wald beuteln: „Wo sich der Klimawandel natürlich auch zeigt, ist beim Regen“, sagt Volker Speidel. „Entweder er bleibt weg, oder es kommt zu Starkregen.“ Beides sei schlecht für den Wald. Optimal sei dagegen Schnee, weil er langsam vom Boden aufgenommen wird.

Immerhin: Die Douglasien, die Volker Speidel gepflanzt hat, um die klaffende Fläche im Wald, die ihm so ein ungutes Gefühl bereitet, zu beleben, wachsen sehr gut an. Und auch sonst geht es dem Urbacher Wald im Vergleich noch gut. Selbst nach dem ereignisreichen Gartenschau-Sommer 2019.

Was war die Resonanz auf die Remstal-Gartenschau?

Die Frage der Gemeinderäte, ob der Förster während der verstärkten Nutzung des Waldes im Sommer auch mehr Vandalismus bemerkt habe, kann er verneinen. „Es war immer brutal viel los“, sagt Volker Speidel. Urbach hatte den Fokus während der Gartenschau auf das Naherholungsgebiet Wald gelegt. Positiv überrascht hat den Förster deshalb, dass es trotz der hohen Besucherfrequenz keine größeren Anfälle von Zerstörungswut gab.

Volker Speidel hat mit der Gartenschau nur gute Erfahrungen gemacht. Der Spielplatz und der Walderlebnispfad seien sehr gut angenommen worden. Beim Flowtrail hatte er leichte Sorgen, die sich aber nicht bestätigt haben: „Die Disziplin der Nutzer ist wirklich gut. Ich finde jetzt auch nicht mehr Spuren abseits des Weges als vorher.“

Insgesamt lief die Gartenschau in Urbach für die Besucher und den Wald gleichermaßen gut: „Ich habe nur positive Resonanz bekommen“, berichtet Volker Speidel. Für ihn war es das letzte Jahr als Gemeindeförster. Im neuen Jahr folgt ihm Gert Pfeiffer, der ab Januar den Kommunalwald in Alfdorf und Urbach betreuen wird.

Urbach.
Volker Speidel zeigt auf eine ausladende Fläche im Wald der Gemeinde Urbach, auf der eigentlich junge, gesunde Bäume zu sehen sein sollten. Bäume, die der Förster in mühevoller Arbeit gehegt und gepflegt hatte. Stattdessen klafft dort eine Wunde im Wald. „Ich habe es mir anders vorgestellt“, sagt Volker Speidel. „Das ist wie bei einem Kind, das man hätschelt.“ Die Bäume seien genau in dem Alter gewesen, in dem man schon viel investiert

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